2. Frageinhalte
Fragen können sich zunächst auf unterschiedliche Inhalte beziehen. Bei Faktenfragen geht es um einen Sachverhalt oder eine Person, mithin um feststehende und konstante Merkmale, z. B. auch Verhalten, wobei von dem Wissen des Befragten ausgegangen wird. Bei der Wissensfrage hingegen wird das Wissen des Befragten erst noch ermittelt. Bei Einschätzungsfragen geht es zwar auch um Fakten. Allerdings geht der Fragende davon aus, dass der Befragte hierzu nicht über festes Wissen verfügt. Um subjektive Bereiche, wie Beurteilungen und Einschätzungen geht es bei den Interessens-, Bewertungs-, Stimmungs- und Meinungsfragen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Allgemeines
1. Die Anbahnungsphase
2. Der Einstieg
II. Frageformen und Fragestile
1. Vorbemerkung
2. Frageinhalte
3. Frageformen
a) Die Erzählaufforderung
b) Aufrechterhaltungsfragen
c) Steuerungsfragen
d) Zurückspiegeln, Paraphrasieren, Angebot von Deutungen
e) Vorhaltfragen
f) Suggestivfragen
4. Frageregeln und –stile
III. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kunst der Interviewführung durch den gezielten Einsatz verschiedener Frageformen. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ein Interviewprozess methodisch gesteuert werden kann, um den Befragten zu einer offenen und wahrheitsgemäßen Erzählung zu motivieren, während gleichzeitig hemmende Faktoren minimiert werden.
- Methodik der Gesprächssteuerung und Interviewanbahnung
- Differenzierung zwischen verschiedenen Frageinhalten und -typen
- Analyse narrativer Erzählaufforderungen und Aufrechterhaltungstechniken
- Einsatz und Risiken von Suggestivfragen in unterschiedlichen Kontexten
- Regeln für eine zielführende, verständliche und faire Fragestellung
Auszug aus dem Buch
a) Die Erzählaufforderung
Zu Beginn eines Interviews stehen in der Regel keine Fragen im eigentlichen Sinne, sondern Erzählaufforderungen (stimuli, erzählungsgenerierende Fragen). Sie dienen auch und gerade der Gegenstandsbestimmung. Auch bei rein narrativen Interviews, bei denen Fragen als notwendiger Teil der Kommunikation zunächst eine eher untergeordnete Rolle spielen und in der Regel erst nach Ende der Stehgreiferzählung einer Vertiefung oder der Schließung von Verständnislücken dienen, sind erzählgenerierende Fragen bedeutsam. Bei einer das rein narrative Interview eröffnenden Einleitungsfrage sollten Bewertungen oder zusammenfassende Beschreibungen provozierende Wie-, Warum- oder Was-Fragen vermieden werden. Stattdessen sollte ein bestimmter zeitlicher Anfangspunkt vorgegeben und die Erzählperson zu einer Darstellung zeitlicher Abläufe bewegt werden; beispielsweise durch die Frage „Erzählen Sie doch mal, von Ihrer Schulzeit“.
Besonders wichtig ist das Frageverhalten bei der Vernehmung von Zeugen. Schon eine mit der freundlichen Aufforderung „Nun erzählen Sie mal von sich aus im Zusammenhang, was Sie beobachtet haben“ herausgeforderte simple Schilderung kann einen intellektuell einfach strukturierten Menschen überfordern. Eine kleine Hilfe für den Einstieg stellt es bereits dar, wenn der befragten Person mittels einer konkreten Frage eine gewisse Ordnung vorgegeben wird (beispielsweise mit „Sie kamen also dahin; was haben Sie denn zuerst gesehen?“). Ob bereits durch eine Einstiegsfrage gezielt auf den Inhalt der Erzählung eingewirkt werden soll, kann folglich schon in diesem frühen Stadium über den Erfolg und Misserfolg der Befragung entscheiden. Hier zeigt sich auch, wie wichtig das Vorgespräch ist. Die intellektuellen Fähigkeiten und die durch die anstehende Befragung möglichen Einflüsse auf die Gefühlswelt des Interviewten sowie sein Befinden können und sollten schon im Vorfeld ermittelt werden. So wird der Interviewer in der Lage sein, ein Konzept zu erstellen, Fragen vorzubereiten und damit hilfreiche Vorarbeiten zu leisten, um sich während des Interviews so gut wie möglich auf die Person des Befragten und seine Schilderungen konzentrieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen bei der Interviewführung, insbesondere die Steuerung des Kommunikationsprozesses und die Überwindung von Hemmungen bei Befragten.
I. Allgemeines: Dieses Kapitel widmet sich der Vorbereitungsphase, einschließlich der Anbahnung des Gesprächs und Techniken für einen gelingenden Einstieg, um Vertrauen und Kooperationsbereitschaft aufzubauen.
II. Frageformen und Fragestile: Der Hauptteil systematisiert verschiedene Fragearten von der Erzählaufforderung bis hin zu Suggestivfragen und leitet daraus allgemeine Regeln für eine effektive, faire und zielorientierte Kommunikation im Interview ab.
III. Schlussbemerkung: Das Fazit unterstreicht, dass es kein starres Erfolgsrezept für Interviews gibt, sondern dass der Interviewer die "Kunst der Frage" durch ein ausgewogenes Abwägen zwischen inhaltlicher Erfassung und empathischer Gesprächssteuerung beherrscht.
Schlüsselwörter
Interviewführung, Kommunikation, Erzählaufforderung, Aufrechterhaltungsfragen, Steuerungsfragen, Suggestivfragen, Zeugenvernehmung, Interviewtechnik, Gesprächsatmosphäre, Sprachgewandtheit, Fragestile, Präsupposition, Rückgriff-Technik, Wahlvorhalte, Gesprächssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Gestaltung von Interviews und der Bedeutung der richtigen Fragestellung, um Informationen effektiv und wahrheitsgemäß zu erheben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Anbahnung von Gesprächen, die Einteilung von Frageinhalten, die Anwendung narrativer Techniken sowie der Umgang mit Suggestivfragen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, Interviewern Werkzeuge an die Hand zu geben, um den Kommunikationsprozess sanft und zielgerichtet zu steuern, ohne den Befragten in seiner Aussagequalität negativ zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung psychologischer und kommunikationswissenschaftlicher Literatur zur Interviewführung und Vernehmungspsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Frageformen – wie Aufrechterhaltungs-, Steuerungs- und Suggestivfragen – und stellt konkrete Regeln für die praktische Durchführung auf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Interviewführung, Kommunikationssteuerung, Erzählaufforderung, Suggestivfragen und die Kunst der Fragestellung.
Wie unterscheidet sich die "Erzählaufforderung" von einer klassischen Frage?
Erzählaufforderungen dienen dazu, den Interviewten zu einem längeren, zusammenhängenden Bericht zu animieren, anstatt ihn mit spezifischen Wissensfragen in seiner Antwortfreiheit einzuschränken.
Warum sind Suggestivfragen in der Praxis problematisch?
Sie laufen Gefahr, die Unabhängigkeit der Antwort des Befragten zu untergraben, da sie die gewünschte Information oder Richtung der Antwort bereits in der Frage implizit vorgeben.
Wie sollte ein Interviewer mit emotional belastenden Themen umgehen?
Der Autor empfiehlt, bei Blockaden auf weniger belastende Teilthemen auszuweichen, um eine entspannte Atmosphäre zu wahren, bevor man später wieder zum eigentlichen Gegenstand zurückkehrt.
Gibt es einen idealen Interviewstil?
Nein, der Autor betont, dass starre Rollenbilder wenig hilfreich sind und der Interviewer vielmehr in der Lage sein sollte, flexibel auf die Person und die Situation zu reagieren.
- Citation du texte
- Jörn Fritsche (Auteur), 2010, Die Kunst der Frage: Interviewformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168536