Der Erhalt und der sorgsame Umgang mit den Natur- und Kulturlandschaften ist maßgeblich durch die Wertschätzung dieser durch den Menschen bestimmt. Seit Jahrzehnten ist man deshalb in der Umwelt- und Naturpädagogik bemüht, für die Natur zu sensibilisieren und zu begeistern. Doch das Interesse an Natur und Landschaft hat abgenommen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Um auch die Landschaftserfahrung interessanter zu gestalten, wurden in
angelsächsischen Raum Verfahren („Heritage Interpretation“) entwickelt, die wieder für Natur- und Kultur begeistern sollen. In Deutschland stehen Erfahrungen mit der Landschaftsinterpretation noch am Anfang.
Unter der Federführung von Prof. Dr. U. Hahne am
Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung der Uni Kassel wurde der Frage nachgegangen, welche neue Ideen zur erlebnisorientierten Vermittlung der Kultur- und Naturlandschaft es gibt. Diese Arbeit leistet einen Beitrag dazu.Nach einer Einführung zu Methoden der Landschaftsinterpretation wird das gesellschaftliche
Umweltbewusstsein und- verhalten herausgearbeitet. Die daraus gewonnen Erkenntnisse entsprechen den Befunden zum Desinteresse an der Landschaft und dienen zur Ableitung von lebensstilgerechter Landschaftsinterpretation. Die Arbeit schließt mit neuen Ideen zur
erlebnisorientierten Vermittlung der Kultur- und Naturlandschaft und skizziert finanzielle Möglichkeiten der Realisierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Möglichkeiten und Vermittlung des Landschaftserlebens
2. Landschaftsinterpretation
2.1. Personelle Formen
2.1.1. Interpretationsgang
2.1.2. Die freie Interpretation
2.1.3 Die Kurzinterpretation
2.2. Mediale Formen
2.2.1. Das Interpretationselement
2.2.2. Der Interpretationspfad
2.2.3. Der Interpretationsraum
3. Technische Möglichkeiten der Vermittlung (Mediale Formen)
3.1 In home tours
3.2. Independent web interpretation
3.3. Touchscreens
3.4. Modelle in 3D
3.5. Audiobegleitung
3.6. Fotoshootings und focus changes
3.7. Laseranimationen und Projektionen
3.8. Landschaften im Kopf
4. Das Umweltbewusstsein als Einflussgröße bei der personellen Form der Landschaftsinterpretation
4.1 Umweltbewusstsein
4.1.1 Definition
4.2 Dimensionen des Umweltbewusstseins
4.2.1 Kognitive Dimension
4.2.2 Affektive Dimension
4.2.3 Konative Dimension
4.2.4 Normative Dimension
4.3 Determinanten des Umweltbewusstseins
4.3.1 Medien
4.3.2 Wahrnehmung
4.3.3 Ferninduzierte Ängste
4.3.4 Risikobewertung
4.4 Befunde zum Umweltbewusstsein
5. Umweltverhalten
5.1 Determinanten des Umweltverhaltens
5.2 Empirische Befunde zum „klassischen“ Umweltverhalten
5.2.1 Folgerungen aus dem Umweltverhalten für die Landschaft
6. Handlungsbarrieren im Umweltverhalten
6.1 Rational Choice/ Homo oeconomicus
6.2 High-Cost und Low-Cost
6.3 Allmendedilemma
6.3 Lebensstile
6.4 Wohlbefinden
6.5 Distanz
6.6 Mangelndes Wissen
6.7 Strukturelle Barrieren
7. Relevanz von Altersgruppen und Lebensstiltypen für die Landschaftsinterpretation
7.1. Landschaftsinteresse bei Jugendlichen
7.2. Landschaftsinteresse bei Erwachsenen
7.3. Lebensstilgerechte Landschaftsinterpretation
7.3.1. Ästhetische Dimension
7.3.2 Forschende Dimension
7.3.3 Instrumentelle Dimension
7.3.4. Rekreative Dimension
7.3.5. Gestaltend- Spielerische Dimensionen
7.3.6. Mediale Dimension
7.3.7. Spirituelle Dimension
7.4. Folgerungen für eine landschaftsbezogene Angebotsbasis
8. Neue Ideen zur erlebnisorientierten Vermittlung der Kultur- und Naturlandschaft
8.1. Landscape building
8.2. Die bewegliche Enzyklopädie
8.3 Emotionale Ressourcen
8.4 Atmosphärenräume
8.5 Landscape laboratories
8.6. Sensorische Objekte
8.7 Scanning history
9. Edutain Landscapes
10. Kostenbeispiele für mediale Formen der Landschaftsinterpretation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht neue Ansätze zur erlebnisorientierten Vermittlung von Kultur- und Naturlandschaften, um dem sinkenden Interesse an diesen Themen entgegenzuwirken. Dabei wird analysiert, wie die Landschaftsinterpretation als erlebnisorientierte Methode gestaltet sein muss, um verschiedene Lebensstiltypen und deren Umweltbewusstsein zielgruppengerecht anzusprechen.
- Grundlagen und Methoden der Landschaftsinterpretation (Heritage Interpretation)
- Analyse des Umweltbewusstseins und der Handlungsbarrieren im Umweltverhalten
- Bedeutung von Lebensstiltypen für eine zielgruppengerechte Landschaftsvermittlung
- Innovative technische und mediale Vermittlungskonzepte (z.B. Landscape building, sensorische Objekte)
- Kostenbeispiele für die Umsetzung medialer Interpretationsformen
Auszug aus dem Buch
2. Landschaftsinterpretation
Landschaftsinterpretation ist eine Technik der informellen Umweltbildung. Es ist die wissenschaftlich korrekte und methodisch- didaktisch wohlüberlegte Vermittlung von Informationen über die Landschaft und Ihre Elemente (KREISEL 1997). „Sie stellt das vor Ort erlebbare natürliche und kulturelle Erbe des Gebietes in den Vordergrund der Darstellung“ (LEHNES & GLAWION 2000). Der Interpretations-Ansatz ist zunächst entwickelt worden, um Naturführungen in Nationalparks erfolgreicher zu gestalten. Er geht maßgeblich auf FREEMAN TILDEN (1957) zurück:
“Interpretation is an educational activity which aims to reveal meanings and relationships through the use of original objects, by firsthand experience, and by illustrative media, rather than simply to communicate factual information”.
Diesem Ansatz folgend postuliert Tilden seine sechs „principles of interpretation“ :
1.Interpretation bleibt fruchtlos, wenn sie das, was präsentiert werden soll, nicht mit der Persönlichkeit oder den Erfahrungen des Besuchers in Beziehung setzt. Demzufolge ist die Vermittlung von Landschaften je effektiver, desto homogener und kleiner die Gruppen sind. Die Vermittlung sollte deshalb zielgruppenorientiert und altersspezifisch erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Möglichkeiten und Vermittlung des Landschaftserlebens: Dieses Kapitel definiert Landschaftserleben als ein Zusammenspiel von persönlichen Erfahrungen, Emotionen und Informationen und plädiert für eine erlebnisorientierte Vermittlung.
2. Landschaftsinterpretation: Hier werden die Grundlagen der "Heritage Interpretation" nach Freeman Tilden vorgestellt und personelle sowie mediale Formen der Landschaftsvermittlung erläutert.
3. Technische Möglichkeiten der Vermittlung (Mediale Formen): Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene technologische Ansätze wie Web-Angebote, Touchscreens und 3D-Modelle, die zur Landschaftsvermittlung genutzt werden können.
4. Das Umweltbewusstsein als Einflussgröße bei der personellen Form der Landschaftsinterpretation: Hier wird der Zusammenhang zwischen Umweltbewusstsein und erfolgreicher Landschaftsvermittlung analysiert, wobei Dimensionen wie Kognition, Affekt und Normen betrachtet werden.
5. Umweltverhalten: Dieses Kapitel befasst sich mit den Determinanten umweltgerechten Verhaltens und zieht Schlussfolgerungen für die Landschaftsplanung und -vermittlung.
6. Handlungsbarrieren im Umweltverhalten: Hier werden psychologische und strukturelle Barrieren wie das Rational-Choice-Modell oder das Allmende-Dilemma untersucht, die eine umweltgerechte Lebensweise erschweren.
7. Relevanz von Altersgruppen und Lebensstiltypen für die Landschaftsinterpretation: Dieses Kapitel differenziert die unterschiedlichen Bedürfnisse von Zielgruppen und Lebensstiltypen und leitet daraus Strategien für eine lebensstilgerechte Landschaftsvermittlung ab.
8. Neue Ideen zur erlebnisorientierten Vermittlung der Kultur- und Naturlandschaft: Hier werden innovative Konzepte wie "Landscape building" oder "Sensorische Objekte" vorgestellt, die durch Interaktion und Virtualität neue Zugänge schaffen.
9. Edutain Landscapes: Dieses Kapitel fasst zusammen, wie Landschaft durch eine Kombination aus Bildung und Unterhaltung ("Edutainment") für die Zukunft attraktiv gestaltet werden kann.
10. Kostenbeispiele für mediale Formen der Landschaftsinterpretation: Der abschließende inhaltliche Teil gibt eine finanzielle Orientierung für die technische Ausstattung von Landschaftsinterpretations-Projekten.
Schlüsselwörter
Landschaftsinterpretation, Heritage Interpretation, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, Lebensstilforschung, Umweltbildung, Erlebnispädagogik, Mediale Vermittlung, Nachhaltigkeit, Handlungsbarrieren, Zielgruppenorientierung, Landschaftserleben, Kulturlandschaft, Naturlandschaft, Edutainment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit modernen, erlebnisorientierten Strategien zur Vermittlung von Natur- und Kulturlandschaften, um dem gesellschaftlichen Desinteresse an Umweltthemen entgegenzuwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Landschaftsinterpretation, die Analyse von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten, der Einfluss von Lebensstilen auf Landschaftserfahrungen sowie technologische Vermittlungsansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Identifikation neuer Ideen zur erlebnisorientierten Landschaftsvermittlung, die sowohl ökologisch nachhaltig als auch auf verschiedene Lebensstiltypen der Bevölkerung zugeschnitten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über Umweltbewusstsein und Lebensstile mit Ansätzen der "Heritage Interpretation" zu verknüpfen und daraus neue Vermittlungskonzepte abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Methoden der Interpretation), eine Analyse von Einflussgrößen (Umweltbewusstsein, Lebensstile, Barrieren) und die Vorstellung konkreter technischer und konzeptioneller Vermittlungsideen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Landschaftsinterpretation, Umweltbewusstsein, Lebensstilforschung, Edutainment und Nachhaltigkeit charakterisiert.
Warum reicht klassische Umweltbildung laut Autor nicht mehr aus?
Der Autor argumentiert, dass die klassische Didaktik des Lesens von Inhalten oft mäßige Erfolge erzielt, da Menschen heute spielerisch-gestalterische Unterhaltung suchen, die dem "Edutainment"-Konzept entspricht.
Welche Rolle spielen technische Medien in der Landschaftsvermittlung?
Technische Medien dienen laut Arbeit als ergänzende Werkzeuge, die emotionale Prozesse auslösen, die Wahrnehmung schärfen und durch Interaktivität eine persönliche Bindung zwischen dem Besucher und der Landschaft herstellen können.
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- Dipl.-Ing. Oliver Thaßler (Author), 2007, Neue Ideen zur erlebnisorientierten Vermittlung der Kultur- und Naturlandschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168583