Ansätze zur Bestimmung des Wertes von Konsumgüterunternehmen


Seminararbeit, 2010

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Anlässe für Unternehmensbewertungen
2.2 Ausgewählte Bewertungsverfahren
2.2.1 Ertragswertverfahren
2.2.2 Discounted Cashflow-Verfahren
2.2.3 Vergleichsverfahren
2.3 Verfahren in der Praxis

3. Bewertungsverfahren in der Konsumgüterindustrie
3.1 Transaktionen in der Konsumgüterindustrie im Überblick
3.2 Transaktion Hoffman La Roche übernimmt Genentech
3.3 Transaktion Procter & Gamble übernimmt Gillette

4. Fazit und Ausblick
I. Formelverzeichnis
II. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
III. Abkürzungsverzeichnis
IV. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Weltweit werden jährlich mehr als 20.000 Unternehmen verkauft, wobei Transaktionen von großen und bekannten Unternehmen im Fokus stehen.

In Deutschland werden nach einer Statistik von KPMG jährlich 800 bis 1000 mittelständische Unternehmen innerhalb einer Preisspanne von 150.000€ bis 15€ Mio. übernommen.[1]Für das Zusammenführen von Käufern und Verkäufern kleinerer und mittlerer Unternehmen wurde von UnternehmensMarkt® eine Online Plattform eingerichtet, mit der auch die Durchführung von Transaktionen vereinfacht werden soll.[2]

Für die Ermittlung des Unternehmenswertes gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Bewertungsmethoden, die sich schrittweise und passend zu den jeweils vorherrschenden Gesellschafts- und Wirtschaftseinstellungen entwickelt haben.[3]

So wurde bis 1960 der Wert des „Unternehmens, wie es steht und liegt“ losgelöst von konkreten Interessen der Bezugspersonen und auf Basis von Faktoren, die für jedermann realisierbar sind, als rein objektiver Wert in der Literatur als dominierend angesehen.[4]Ab Mitte der 60er Jahre hat sich in Frontstellung zur objektiven Sichtweise die subjektive Unternehmensbewertung in Theorie und Praxis durchgesetzt. Bewertungsrelevant ist nur der subjektive zukünftige Nutzen, den das Bewertungsobjekt für jeden Investor stiftet („Zukunftsbezogenheit“).

Da Vertreter der objektiven und subjektiven Bewertungsmethoden keine Einigung bezüglich der Ermittlung des Unternehmenswertes fanden, entstand in den 70er Jahren die funktionale Betrachtungsweise, die die Zweckabhängigkeit zum zentralen Prinzip der Unternehmensbewertung macht.

Zwischenzeitlich werden viele weitere Verfahren wie z.B. marktorientierte- bzw. die Multiplikatormethode zur Ermittlung des Unternehmenswertes herangezogen.[5]

1.1 Problemstellung

Zur Ermittlung des Wertes eines Unternehmens ist eine Vielzahl von Bewertungsverfahren in der Praxis vorhanden, die je nach Bewertungszweck auszuwählen sind. Diese Verfahren können jedoch zu erheblich abweichenden Unternehmenswerten führen.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht in der Darstellung ausgewählter Unternehmensbewertungsverfahren sowie in der Erläuterung der angewandten Verfahren anhand von zwei Transaktionen in der Konsumgüterindustrie.

Nach einer kurzen Einleitung zur behandelten Thematik werden in Kapitel 2 zunächst die Bewertungsanlässe von Unternehmensbewertungen dargestellt sowie anschließend ausgewählte Bewertungsverfahren kurz erläutert. Zudem wird anhand von Erhebungen gezeigt, welche Verfahren in der Praxis am häufigsten praktiziert werden.

Den Kernteil der Arbeit bildet Kapitel 3, das einen Überblick über wesentliche Transaktionen in der Konsumgüterindustrie gibt und den Transaktionsverlauf von 2 bedeutenden Unternehmensübernahmen innerhalb des Konsumgütermarktes näher beleuchtet.

Kapitel 4 reflektiert nochmals die erarbeiteten Erkenntnisse und gibt einen Ausblick.

2. Grundlagen der Unternehmensbewertung

Im folgenden Abschnitt werden zunächst die Anlässe für Unternehmensbewertungen beschrieben sowie anschließend, aufgrund der Begrenzung der Arbeit, ausgewählte Bewertungsverfahren aus der Praxis erläutert.

2.1 Anlässe für Unternehmensbewertungen

Die qualitative Unternehmensbewertung unterscheidet zwischen den Sichtweisen des Eigentümers und des potenziellen Erwerbers, die je nach Interessenlagen verschiedene Unternehmenswerte ermitteln und sich nur durch Verhandlungen auf einen Verkaufs- bzw. Kaufpreis einigen.

Zu den wichtigsten Anlässen einer Unternehmensbewertung zählen z.B. der Kauf bzw. Verkauf eines Unternehmens, die Aufnahme oder der Ausschluss von Gesellschaftern, der Börsengang des Unternehmens oder andere gesellschaftliche oder gesetzliche Vorschriften bzw. vertragliche Vereinbarungen wie z.B. bei Erbauseinandersetzungen.[6]

2.2 Ausgewählte Bewertungsverfahren

Abb. 2.2.1: Bewertungsverfahren im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Winzer, P.[7]

Für Unternehmensbewertungen haben sich eine Vielzahl von Bewertungsverfahren entwickelt, die wie folgt systematisiert werden können:

Ansätze zur Bestimmung des Wertes von Konsumgüteruntemehmen Substanzwertverfahren (Einzelbewertungsverfahren):

Hierbei wird der Unternehmenswert aus der Summe der individuellen Werte der einzelnen Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden ermittelt. Hierzu zählen der Substanzwert i.S. des Rekonstruktionswerts eines Unternehmens zum heutigen Zeitpunkt und der Liquidationsswert, der als Verkaufs- oder Zerschlagungswert, für den Fall der Beendigung eines Unternehmens, verstanden wird.[8][9][10]

Dem Substanzwert kommt jedoch für die Ermittlung des Unternehmenswertes keine eigenständige Bedeutung zu, da die Zukunftsbezogenheit hierbei vernachlässigt wird.[11]

Ertragsorientierte Verfahren (Gesamtbewertungsverfahren):

Bei diesen Methoden wird das Unternehmen als Bewertungseinheit betrachtet, wobei sich der Unternehmenswert als Barwert zukünftiger finanzieller Überschüsse ergibt, der nach dem Ertragswertverfahren oder dem DCF-Verfahren (Discounted-Cash-Flow) ermittelt werden kann.[12][13]

Bei gleichen Bewertungsannahmen führen beide Verfahren zu gleichen Unternehmenswerten.[14]

2.2.1 Ertragswertverfahren

Prognose der künftigen finanziellen Überschüsse:

Bei dem Ertragswertverfahren nach IDW wird der Unternehmenswert „durch Diskontierung der den Unternehmenseignern künftig zufließenden finanziellen Überschüsse“ - abzüglich persönlicher Steuern - ermittelt, wobei eine Fortführung des Unternehmens unterstellt wird („Zukunftserfolgswert“).[15]

Die Prognose der zukünftigen Ertragsüberschüsse erfolgt durch die Aufstellung von Plan­Gewinn- und Verlustrechnungen, die zunächst aus den Jahresabschlüssen der vergangenen 3-5 Jahre abgeleitet werden. Zur Bestimmung der Erfolgsursachen in der Vergangenheit werden die Gewinn- und Verlustrechnungen der vergangenen Jahre um bestimmte Aufwendungen und Erträge, z.B. aus nicht betriebsnotwendigem Vermögen, bereinigt.[16]

Darüber hinaus sind die Vergangenheitserfolge unter Berücksichtigung der vergangenen Markt- und Umweltbedingungen zu analysieren.

Aufbauend auf der Vergangenheitsanalyse erfolgt in einem zweiten Schritt die Prognose der zukünftigen Erfolge im Rahmen des Phasenmodells, da Planungen die sich weit in die Zukunft erstrecken mit Unsicherheiten behaftet sind.

Hierbei wird zunächst in einer Detailplanungsphase die voraussichtliche Entwicklung in den nächsten 3-5 Jahren geplant, da für diesen Zeitraum die finanziellen Überschüsse sicherer prognostiziert und plausibler beurteilt werden können.

Im Anschluss daran erfolgt die Planung der Fortführungsphase der finanziellen Überschüsse in Form von langfristigen Fortschreibungen von Trendentwicklungen.

Hierbei wird angenommen, dass sich das Unternehmen im Gleichgewichts- oder Beharrungszustand befindet und sich die jährlichen Ertragsüberschüsse nicht mehr verändern.[17][18]

In den Planungsphasen ist neben den Überschüssen, die sich aus dem Absatz der Produkte, ergeben, auch der notwendige Finanzbedarf des Unternehmens in Form von Zinsaufwendungen und -erträgen zu berücksichtigen (Finanzplanung).

Kapitalisierung der zukünftigen Überschüsse:

Nach Ermittlung der künftigen finanziellen Überschüsse werden diese zum

Unternehmenswert zusammengefasst. Dies erfolgt durch Abzinsung (Diskontierung) der künftigen finanziellen Überschüsse auf den Bewertungsstichtag.[19]

Hierdurch ist es möglich den Unternehmenswert mit anderen Handlungsalternativen (z.B. andere Investitionen, Tilgung von Krediten) zu vergleichen.[20][21]

Zur Bestimmung des Diskontierungszinssatzes wird grundsätzlich von dem Zinssatz für langfristige öffentliche Anleihen ausgegangen (risikoloser Basiszinssatz)[22].Da einerseits i.d.R. Unternehmen mit zeitlich unbegrenzter Lebensdauer bewertet werden, andererseits aber keine Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit vorhanden sind, wird vom IDW empfohlen, den Basiszinsatz aus aktuellen Zinsstrukturkurven und zeitlich darüber hinausgehenden Prognosen abzuleiten. Die entsprechenden Informationen werden von der Bundesbank zur Verfügung gestellt.[23][24][25]

Aufgrund der unsicheren Planung der künftigen finanziellen Überschüsse, muss der risikolose Basiszinssatz um einen Risikozuschlag erhöht werden.[26]

Dieser kann mithilfe von Kapitalmarktpreisbildungsmodellen wie CAPM (Capital Asset Pricing Model) und Tax-CAPM abgeleitet werden.[27]

Für Deutschland werden nach empirischen Erhebungen Marktrisikoprämien zwischen 5% und 6% vorgeschlagen, wobei die Rechtsprechung allerdings nur selten Zuschläge von mehr als 2% toleriert hat.[28]

Im Diskontierungszinssatz ist ferner die typisierte Ertragssteuerbelastung des Investors in Form eines Abschlages zu berücksichtigen.[29]

Nach Bestimmung des Diskontierungszinssatzes werden zunächst die finanziellen Überschüsse in den Jahren der Detailplanungsphase einzeln auf den Bewertungsstichtag nach der Barwertformel [30]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

abgezinst.

Anschließend wird der Barwert der ewigen Rente nach folgender Rentenformel[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

berechnet und ebenfalls auf den Bewertungsstichtag abgezinst.

Die ewige Rente bestimmt in der Regel 70% - 90% des Unternehmenswertes. [32]In der Konsumgüterindustrie beträgt der Anteil des Fortführungswertes am Unternehmenswert innerhalb der Tabakindustrie 56%, für die Sportartikelindustrie 81% und für den Hautpflegebereich 100%.

Diese Anteile erscheinen plausibel, da Zukunftsprognosen in der Tabakindustrie durch Gesundheitsbedenken, regulatorische Werbebeschränkungen oder Steuerbelastung nur unter Vorbehalt getätigt werden können. Dagegen können Sportartikelhersteller aufgrund des steigenden Gesundheitsbewusstseins ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. [33]Aufgrund ihres bedeutenden Anteils müssen vor allem die finanziellen Überschüsse im Gleichgewichtszustand einer umfangreichen Plausibilitätsprüfung unterzogen werden.[34]

Trotz der weiten Verbreitung der Ertragswertmethode, stellt die zugrunde liegende Risikoberücksichtigung den Hauptkritikpunkt dar, da kein vorgegebenes Berechnungsschema zur Verfügung steht. Dies hat zur Folge, dass rein subjektive Einschätzungen der Entscheidungssubjekte in die Bewertung einfließen, sodass der Kalkulationszinssatz nahezu jeden Wert annehmen kann und somit die Transparenz und die Vergleichbarkeit dieses Verfahren erschwert.[35]

2.2.2 Discounted Cashflow-Verfahren

Beim Discounted Cashflow-Verfahren (DCF) wird der Unternehmenswert durch Diskontierung von Cashflows [36]vermittelt, die erwartete Zahlungen an die Eigenkapital- und ggf. Fremdkapitalgeber darstellen.

Auch bei den DCF-Verfahren erfolgt die Prognose des künftigen Cashflows nach dem Phasenmodell (siehe Seite 6).

Im Unterschied zum Ertragswertverfahren bildet der Free Cashflow den Ausgangspunkt der Bewertung anstatt die Jahresüberschüsse, die auf den Gewinn- und Verlustrechnungen eines Unternehmens basieren.[37]

Bei der DCF-Methode lassen sich grundsätzlich zwei Ansätze unterscheiden, wie aus nachstehender Übersicht hervorgeht:

[...]


[1] Vgl. Sinnoma 2009: 2,8.

[2] Vgl. UnternehmensMarkt® 2009: oS..

[3]Vgl. Witzenhausen, A. 2009: o.S..

[4] Vgl. Peemöller, H. 2002: 4.

[5] Vgl. Matschke, M.J. , Brösel, G. 2005: 14-25.

[6]Vgl. Witzenhausen, A. 2009: o.S..

[7]Vgl. Winzer, P. 2009: 77.

[8] Vgl. Mandl, G., Rabel, K. 2002: 77-81.

[9] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 21, 22,25.

[10] Vgl. Mandl, G., Rabel, K. 2002: 51.

[11] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 25.

[12] Vgl. Mandl, G., Rabel, K. 2002: 51.

[13] Vgl. Mandl, G., Rabel, K. 2002: 62,63.

[14] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 16, 17,19.

[15] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 17.

[16] Vgl. Peemöller, H., Kunowski, S. 2002: 210.

[17] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 13.

[18] Vgl. Nestler, A., Kupke, T. 2003: 166.

[19] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 14.

[20] Vgl. Peemöller, H., Kunowski, S. 2002: 234.

[21] Vgl. Thommen, J-P., Achleitner, A-K. 2004: 625-626.

[22] Vgl. Nestler, A., Kupke, T. 2003: 167

[23] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 18.

[24] Vgl. Hachmeister, D. et. al 2009: 1239.

[25] Vgl. Deutsche Bundesbank 2009: o.S..

[26] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 14.

[27] Vgl. IDW S 1 i.d.F. 2008: 15, 18.

[28] Vgl. Peemöller, H., Kunowski, S. 2002: 237.

[29] Vgl. Peemöller, H., Kunowski, S. 2002: 235.

[30] Vgl. Hommel, M., Dehmel, I. 2006: 32.

[31] Vgl. Hommel, M., Dehmel, I. 2006: 33.

[32] Vgl Nestler, A., Kupke, T. 2003: 166.

[33] Vgl. Ballwieser, W. 2007: 64.

[34] Vgl. Nestler, A., Kupke, T. 2003: 166.

[35] Vgl. Thommen, J-P., Achleitner, A-K. 2004: 627.

[36]Vgl. Thommen, J-P., Achleitner, A-K. 2004: 495.

[37] Vgl. Nestler, A., Kupke, T. 2003:166.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Ansätze zur Bestimmung des Wertes von Konsumgüterunternehmen
Hochschule
Hochschule RheinMain - Wiesbaden Rüsselsheim Geisenheim
Veranstaltung
Unternehmensführung
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V168654
ISBN (eBook)
9783640863648
ISBN (Buch)
9783640863891
Dateigröße
1083 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmensbwertung, Anlässe zur Unternehmensbewertung, Auswahlverfahren zur Unternehmensbewertung, Auswahlverfahren, Ertragswertverfahren, Discounted Cashflow Verfahren, Vergleichsverfahren, Konsumgüterindustrie, Procter&Gamble, Roche, Gillette, Unternehmen, Unternehmung, Bewertungsanlass, Bewertungsanlässe, Transaktion, qualitativ, qualitative Bewertungsverfahren, Substanzwertverfahren, Multiplikationsverfahren, ertragsorientierte Verfahren, Einzelbewertungsverfahren, Gesamtbewertungsverfahren, finanzielle, Überschuss, Kapitalisierung, Diskontierung, Bruttoverfahren, Nettoverfahren
Arbeit zitieren
Daniela Scheele (Autor), 2010, Ansätze zur Bestimmung des Wertes von Konsumgüterunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168654

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