In der Arbeit wird versucht werden, sich einem zentralen Punkt der aristotelischen Ethik anzunähern, dem so genannten "ergon-Argument". Die Untersuchung wird sich hierbei zunächst mit der begrifflichen Konzeption des ergons beschäftigen und parallel die Voraussetzungen des Arguments innerhalb des Gedankenganges der Nikomachischen Ethik darlegen. Darauf basierend werden die Konsequenzen und Schwierigkeiten des Arguments identifiziert und erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffliche und inhaltliche Grundlegung
2.1 Wo befindet sich das ergon-Argument?
2.2 Was ist das „ergon“?
3 Die Verknüpfung von ergon und arete
4 Das ergon des Menschen
5 Konsequenzen und Kritik der ergon-Arguments
5.1 Ergon-Argument = naturalistischer Fehlschluss!?
5.2 Der Zusammenhang von ergon und den Lebensformen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die fundamentale Bedeutung des sogenannten ergon-Arguments für die Konzeption der aristotelischen Nikomachischen Ethik, identifiziert dabei begriffliche Voraussetzungen und untersucht kritisch die daraus resultierenden Konsequenzen für das Verständnis des menschlichen Glücks.
- Begriffsanalyse von „ergon“ und dessen philosophische Herleitung
- Die systematische Verknüpfung von ergon und arete (Tugend)
- Bestimmung des spezifisch menschlichen ergon in Abgrenzung zu anderen Lebewesen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Vorwurf des naturalistischen Fehlschlusses
- Verhältnisbestimmung zwischen theoretischer und praktischer Lebensform
Auszug aus dem Buch
2.2 Was ist das „ergon“?
Im Rahmen einer inhaltlichen Auseinandersetzung es unabdingbar, die Kernbegriffe der Diskussion exakt zu bestimmen. Dies ist auch oder eher gerade beim ergon-Argument notwendig. Der Begriff des ergons tritt nicht nur in Buch I, Kapitel 6 und 13 der Nikomachischen Ethik auf. Dort wird zwar das Argument entfaltet, aber Aristoteles greift in diesem Teil durchaus auf andere philosophische Schriften zurück. So zeigt sich bei der Konzeption des ergons-Begriffes eine enge Verwandtschaft zum platonischen Verständnis, welches in der Politeia Sokrates seinem Gesprächspartner Thrasymachos erklärt: „Und würdest du nicht das als Geschäft des Pferdes und so auch jedes andern Dinges aufstellen, was einer entweder nur mit jenem allein oder doch mit am besten verrichtet kann?“ Diese Aussage wird von Platon weiter veranschaulicht durch den Vergleich mit einer Rebschere. Mit diesem Werkzeug lassen sich im Vergleich zu anderen Arbeitsmitteln am besten Traubenzweige abtrennen. Es ist möglich, mit einer Säge diese Tätigkeit ebenfalls zu absolvieren. Allerdings liegt darin nicht, wie die Platon-Übersetzung von Schleiermacher erklärt, das „Geschäft“ der Säge. Es vielmehr bestimmt durch Trennen von Materialien aus Holz, nicht durch die Arbeit an Weinreben, da andere Werkzeuge diese Aufgabe besser bewältigen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Renaissance der Tugendethik ein und skizziert das Vorhaben, das ergon-Argument als zentralen Punkt der Nikomachischen Ethik zu untersuchen.
2 Begriffliche und inhaltliche Grundlegung: Das Kapitel verortet das ergon-Argument in den Texten des Aristoteles und erörtert die präzise Bedeutung des Begriffs ergon im Kontext der antiken Philosophie.
3 Die Verknüpfung von ergon und arete: Hier wird erläutert, wie Aristoteles das ergon als charakteristische Aktivität durch das Bindeglied der arete, der spezifischen Tüchtigkeit, in sein ethisches System integriert.
4 Das ergon des Menschen: Dieses Kapitel widmet sich der Bestimmung der eigentümlichen Funktion des Menschen, indem biologische Merkmale und die Vernunfttätigkeit des Menschen als Differenzkriterium untersucht werden.
5 Konsequenzen und Kritik der ergon-Arguments: Es werden zentrale Einwände, insbesondere der Vorwurf des naturalistischen Fehlschlusses, sowie die spannungsreiche Beziehung zwischen verschiedenen menschlichen Lebensformen diskutiert.
6 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Kritikpunkte am ergon-Argument und betont die Notwendigkeit, das Verhältnis von Lebensformen im Kontext der Forschung weiter zu ergründen.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, ergon-Argument, arete, Tugend, eudaimonia, Glück, teleologische Struktur, Vernunfttätigkeit, naturalistischer Fehlschluss, bios theoretikos, bios politikos, Lebensform, praktische Philosophie, Philosophiegeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sogenannte ergon-Argument bei Aristoteles und dessen zentrale Funktion für die ethische Theoriebildung in der Nikomachischen Ethik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die Begriffsbestimmung von „ergon“ und „arete“, die teleologische Handlungsstruktur sowie das Verhältnis zwischen Vernunfttätigkeit und dem menschlichen Glück.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die begriffliche Konzeption des ergon-Arguments zu analysieren und die daraus resultierenden philosophischen Konsequenzen für ein gelingendes Leben aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische, philologische Vorgehensweise gewählt, die auf der Auseinandersetzung mit der Nikomachischen Ethik und ergänzendem Kommentar-Material basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Begriffs, die Verknüpfung von ergon und Tugend sowie die spezifisch menschliche Funktion in kritischer Auseinandersetzung mit modernen Einwänden erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Aristoteles, Nikomachische Ethik, ergon-Argument, Tugend (arete), Glück (eudaimonia) und der Zusammenhang von Sein und Sollen.
Wie definiert Aristoteles das ergon des Menschen?
Das menschliche ergon wird durch die spezifische Tätigkeit der Vernunft bestimmt, die den Menschen gegenüber anderen Lebewesen abgrenzt.
Warum wird das ergon-Argument als potenziell problematisch angesehen?
Das Argument steht in der Kritik, da es den Übergang von deskriptiven biologischen Merkmalen zu normativen ethischen Schlussfolgerungen vollzieht, was oft als naturalistischer Fehlschluss bezeichnet wird.
Welche Rolle spielt die Polis für das gelungene Leben?
Aristoteles sieht die Polis als den notwendigen Bezugsrahmen, in dem der Mensch seine vernunftgemäßen Potenziale entfalten und als soziales Wesen handeln kann.
- Citation du texte
- Stefan Witzmann (Auteur), 2007, Die Bedeutung des ergon-Arguments für die Konzeption der Nikomachischen Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168706