Controlling ist in der Vergangenheit eher mechanisch betrachtet worden, zum Beispiel in Form von Plankosten, Data Warehouses oder unzähligen Anpassungen in wertorientierten Steuerungssystemen. Die verhaltensorientierte Perspektive im Controlling gewinnt jedoch
mit zunehmendem Informationsfluss und potenziellem Opportunismus an Bedeutung. Erste Zusammenhänge zwischen Controlling und Verhalten wurden bereits Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland erwähnt, dennoch fand die Behandlung des sogennannten Behavioral Controlling zumeist in der US-amerikanischen Literatur statt. Ziel des Behavioral
Controlling ist es eine Sensibilisierung von Controller und Management für die Leistungswirkungen und das Verhalten eines intensiven Controllings zu erreichen. Es wird dadurch eine Reduzierung von Managementfehlern und negativen Unternehmensergebnissen mit Hilfe von verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen angestrebt.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Paradigmen
Traditionelles Paradigma des internen Rechnungswesens
Strukturell-funktionalistisches Paradigma des Controlling
Subjektiv-interpretatives Paradigma
Wahrnehmungsverzerrung von Managern
Anforderungen an einen Controller
Ergebnisse der ICV Studie
Information Overload
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des verhaltensorientierten Controllings in modernen Unternehmen. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kognitive Verzerrungen bei Führungskräften entstehen, welche Anforderungen daraus an das Anforderungsprofil eines Controllers erwachsen und wie durch verhaltenswissenschaftliche Ansätze Managementfehler minimiert und Entscheidungsprozesse optimiert werden können.
- Grundlagen verschiedener Controlling-Paradigmen
- Analyse psychologischer Wahrnehmungsverzerrungen bei Managern
- Definition des Kompetenzprofils eines modernen Controllers
- Untersuchung der Auswirkungen von Information Overload auf Entscheidungsprozesse
Auszug aus dem Buch
Wahrnehmungsverzerrung von Managern
Eine Vielzahl von Studien kommt zu dem Schluss, dass Manager sich systematisch selbst überschätzen. Dies hat zur Folge, dass sie gesünder leben als pessimistische Menschen und zudem eine höhere Leistung erbringen. In der Literatur werden fünf Gründe für den übermäßigen Optimismus genannt:
Kontrollillusion: Es besteht die feste Überzeugung das Eintreffen von positiven Ereignissen beeinflussen zu können. Die Erfolgswahrscheinlichkeiten werden zu hoch eingeschätzt.
Überheblichkeit: Manager halten sich konsequent für intelligenter oder besser als ihre Kollegen. 80 Prozent geben an, sie hätten eine bessere Chance als andere Unternehmensgründer (Cooper/Woo/Dunkelberg, 1988)
Vorgeschichte des Projekts: Es lässt sich nachweisen, dass Menschen nach einigen Erfolgen unvorsichtiger werden und Erfolgsaussichten überschätzen. Dadurch, dass sie frühere Erfolge auf ihr Verhalten zurückführen, werden sie darin bestätigt und versuchen es auch auf zukünftige Entscheidungssituationen anzuwenden. Das Spieler-Phänomen „Gambling with the house money“ trifft auch dann zu, wenn Manager zuvor erwirtschaftete Gewinne verlieren. Dies führt nicht unbedingt zu einem Verlustgefühl, da das Projekt insgesamt mit einem Profit beendet werden kann.
Innen- und Außenperspektive der Betrachtung: Manager beurteilen häufig nur aus der Innenperspektive heraus. Für eine realistische Bewertung ist jedoch eine Außenperspektive ebenso erforderlich, indem auf Basis von vergleichbaren Projekten Schätzwerte für das eigene ermittelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Es wird die historische Entwicklung und Definition des Controllings dargelegt, wobei der Fokus auf dem Übergang von einer rein mechanistischen zu einer verhaltensorientierten Perspektive liegt.
Paradigmen: Dieses Kapitel vergleicht das traditionelle, rationalistische Paradigma mit strukturell-funktionalistischen und subjektiv-interpretativen Ansätzen im Rechnungswesen und Controlling.
Wahrnehmungsverzerrung von Managern: Hier werden psychologische Phänomene wie die Kontrollillusion oder Überheblichkeit analysiert, die systematisch zu Fehleinschätzungen und überoptimistischem Entscheidungsverhalten führen.
Anforderungen an einen Controller: Es wird ein Anforderungsprofil skizziert, das neben analytischen Fähigkeiten verstärkt soziale Kompetenzen, Neutralität und die Fähigkeit zur kritischen Reflexion beinhaltet.
Ergebnisse der ICV Studie: Die Ergebnisse beleuchten die essenziellen Kompetenzen aus Sicht der Praxis und betonen den Wandel hin zu kommunikativen und beziehungsbezogenen Fähigkeiten.
Information Overload: Dieses Kapitel befasst sich mit der Belastung durch eine Informationsüberflutung und deren negative Konsequenzen für die Qualität von Investitionsentscheidungen.
Fazit: Abschließend wird resümiert, dass das verhaltensorientierte Controlling ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für modernes Management darstellt, um rationalere Entscheidungen zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Verhaltensorientiertes Controlling, Managementfehler, Wahrnehmungsverzerrung, Behavioral Accounting, Controller Kompetenzprofil, Information Overload, Entscheidungsprozesse, Unternehmenserfolg, Behavioral Controlling, Kontrollillusion, Überheblichkeit, Organisationssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Integration verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse in das Controlling, um die Rationalität von Managemententscheidungen zu erhöhen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen Controlling-Paradigmen, die Psychologie von Entscheidungsträgern, das Kompetenzprofil von Controllern sowie die Auswirkungen von Informationsüberlastung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie psychologische Wahrnehmungsverzerrungen bei Managern erkannt und durch ein verhaltensorientiertes Controlling neutralisiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Ergebnissen des Internationalen Controller Vereins (ICV) zu Anforderungsprofilen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Paradigmen, konkrete psychologische Verzerrungseffekte, die notwendigen Soft- und Hard-Skills von Controllern sowie die Problematik des Information Overloads.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Verhaltensorientiertes Controlling, Wahrnehmungsverzerrung, Managemententscheidungen und Information Overload.
Warum ist das Thema "Information Overload" für Controller relevant?
Da Controller Informationen für Entscheidungsprozesse bereitstellen, müssen sie verhindern, dass durch ein Überangebot an Daten die Entscheidungsqualität der Manager sinkt.
Was versteht man unter dem Spieler-Phänomen "Gambling with the house money"?
Es beschreibt das Phänomen, dass Menschen nach ersten Erfolgen risikofreudiger agieren, da sie fälschlicherweise glauben, durch eigene Fähigkeiten profitabel zu bleiben, selbst wenn zwischenzeitliche Verluste auftreten.
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- André Glodde (Autor), 2010, Verhaltensorientiertes Controlling, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168707