Rechtliche Aspekte für die Gründung eines virtuellen Unternehmens


Hausarbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Definition
2.1 Virtuelle Unternehmen ohne Unternehmenspool
2.2 Virtuelle Unternehmen mit Unternehmenspool

3 Rechtliche Probleme
3.1 Rechtliche Einordnung der Vereinbarungen
3.2 Gerichtliche Zuständigkeit
3.3 Rechtsform
3.4 Haftung der Partner für Gesellschaftsverbindlichkeiten
3.5 Geschäftsführung und Außenvertretung
3.6 Erwerb von Vermögensrechten
3.7 Informationsrechte und –pflichten der Partner
3.8 Geheimhaltungspflichten und Wettbewerbsverbote
3.9 Auflösung des virtuellen Unternehmens

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Durch Globalisierung und die immer rasanter werdende Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien werden die Wettbewerbsbedingungen auf den Märkten zunehmend verschärft. Neue Produktionsländer können heute, nach westlichen Standards vergleichbare Qualität, zu geringeren Produktionskosten liefern. Viele Kunden wünschen keine Massenproduktion mehr, sondern individuelle, maßgeschneiderte und termingerechte Lieferung in hoher Qualität und zu einem günstigen Preis.

Unternehmen mit traditionellen Organisationsformen sind durch die steigenden Kundenanforderungen und den neuen Technologien diesem neuen Erwartungsdruck besonders ausgesetzt. Sie können durch ihre starren Organisationenstrukturen weniger flexibel auf diese neuen Kundenwünsche eingehen.

Um diesem Problem entgegen zu wirken, wird insbesondere in der Betriebswirtschaftslehre nach neuen, flexibleren und wettbewerbsfähigeren Organisationsformen gesucht. Eine wichtige Anforderung hierfür ist, dass sich Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und die übrigen Leistungen über Kooperationen erbracht werden. Dies hat den Vorteil, dass selten benötigtes Fachwissen nicht teuer selbsterbracht werden muss, sondern kostengünstiger durch Experten eingebracht wird.

Eine in Zukunft immer wichtiger werdende Form ist das „virtuelle Unternehmen“. William H. Davidow und Michael S. Malone legten mit ihrem 1992 veröffentlichten Buch[1] den Grundstein für die betriebswirtschaftliche Diskussion[2] dieses Modells.

2 Bedeutung des Begriffs

Virtuelle Unternehmen bestehen aus mehreren rechtlich unabhängigen Unternehmen oder Einzelpersonen (im Folgenden „Partner“ genannt), die sich für einen gewissen Zeitraum oder für ein gemeinsames Projekt zusammenschließen. Dritten gegenüber tritt das virtuelle Unternehmen als einheitliches Unternehmen auf. Der Hauptunterschied zu anderen bestehenden Organisationsformen ist, dass dieser Zusammenschluss „virtuell“ erfolgt. Virtuell bedeutet in diesem Zusammenhang „scheinbar“ oder „als Möglichkeit vorhanden“.[3] Der physische Standort der beteiligten Unternehmen oder Einzelpersonen ist somit nicht von Relevanz. Die Kommunikation der Partner erfolgt hauptsächlich über moderne Informations- und Kommunikationstechnologien[4].

Hierdurch soll die Wertschöpfungskette optimiert und ein Wettbewerbsnachteil in einen möglichen Wettbewerbsvorteil gegen über anderen konkurrierenden Unternehmen verwandelt werden.

Eine oft genutzte Alternative zu virtuellen Unternehmen ist das sogenannte „Outsourcing“. Die Gemeinsamkeit zwischen Outsourcing und virtuellen Unternehmen liegt in der Konzentration auf die Kernkompetenzen und die Ausgliederung vom Großteil der Nebenleistungen. Die hierarchische Organisationsform wird beim „Outsourcing“ aber nicht verändert und schützt Unternehmen somit nicht vor statischen Strukturen. Als einzelne Maßnahme ist das Outsourcing auf Dauer noch kein erfolgversprechendes Wirtschaftskonzept.[5]

2.1 Virtuelle Unternehmen ohne Unternehmenspool

Ein virtuelles Unternehmen wird klassischerweise gebildet, wenn eine Nachfrage eines Kunden für eine bestimmte Leistung vorliegt, welche vom einzelnen Unternehmen nicht alleine erbracht werden kann. Das Unternehmen spricht einen oder mehrere potentielle Kooperationspartner an, die sich bei Interesse an einer gemeinsamen Erstellung der gewünschten Leistung beteiligen. Ein virtuelles Unternehmen kann aber auch im Vorfeld für eine Projektausschreibung, ohne dass ein Auftraggeber an das Unternehmen herantritt, gebildet werden.[6]

Die beiden genannten Formen haben die Gemeinsamkeit, dass ein Unternehmen eine Leistung alleine nicht anbieten kann und ein anderes Unternehmen vom Vorteil einer Zusammenarbeit überzeugt werden soll. Gewöhnlich bestehen bereits vor einer Zusammenarbeit zwischen den Partnern persönliche oder geschäftliche Kontakte.

Virtuelle Unternehmen werden projektbezogen gebildet, um eine sich plötzlich ergebende temporäre Marktchance[7] zu nutzen. Die Dauer der Zusammenarbeit kann einige Wochen bis hin zu mehreren Jahren betragen. Das virtuelle Unternehmen wird nach Erbringen der Leistung wieder aufgelöst.

Die Partner bringen nicht ihre vollständigen zur Verfügung stehenden Kapazitäten in das virtuelle Unternehmen ein, sondern nur diejenigen, die von ihnen oder einem Partnern des virtuellen Unternehmens benötigt werden. Der im virtuellen Unternehmen bearbeitete Auftrag stellt meist nur einen Nebenerwerb dar.[8]

2.2 Virtuelle Unternehmen mit Unternehmenspool

Der Unterschied bei virtuellen Unternehmen mit Unternehmenspool liegt darin, dass schon vor der Akquirierung des eigentlichen Auftrages, die Unternehmen sich in einen Netzwerk zusammen finden. Kann ein Unternehmen eine Leistung alleine nicht erbringen, wird für dieses eine Projekt ein virtuellen Unternehmen mit einem oder mehreren Partnern (im folgendem „Mitglieder“ genannt) aus dem Unternehmenspool gegründet und nach Erbringung der Leistung ebenfalls wieder aufgelöst.

Der Unternehmenspool wird in der Regel zeitlich unbegrenzt angelegt und soll es den Mitgliedern durch die gemeinsame Plattform erleichtern ein virtuelles Unternehmen zu bilden. Der Pool hat gewöhnlicherweise keinen exklusiven Charakter, was bedeutet, dass ein Mitglied gleichzeitig an mehreren Unternehmenspools beteiligt sein kann.[9]

Es gibt zwei Wege einen Unternehmenspool zu bilden. Eine Möglichkeit besteht darin ein Trägerunternehmen in Form einer Kapital- oder Personengesellschaft zu gründen. Die Mitglieder des Pools nehmen in diesen Fällen Dienstleistungen des Trägerunternehmens gegen Entgelt in Anspruch (im Folgenden: Dienstleistungspool).[10] Das Trägerunternehmen betreibt den Pool oft als eigenes Geschäft und hat die Vermittlung von Partnern oder das Zugänglichmachen von Unternehmensprofilen als Ziel. Oft werden auch weitere Dienstleistungen wie z.B. unternehmerische, technische oder rechtliche Beratungen angeboten.[11] Welche Unternehmen in den Pool aufgenommen werden, entscheidet alleine das Trägerunternehmen.

Die zweite Möglichkeit einen Unternehmenspool zu bilden, besteht darin dass sich mehrere Unternehmen zusammenschließen, um in Zukunft, bei noch nicht bestimmten Projekten zu kooperieren (im Folgenden: Beteiligungspool). Durch den Beteiligungspool sollen grundlegende Voraussetzungen geschaffen werden. Beispielsweise können gemeinsame Marketingmaßnahmen ergriffen[12] oder die Anschaffung von Maschinen koordiniert werden. Um die spätere Kooperation zu vereinfachen, werden parallel vertrauensbildende Maßnahmen (z.B. Seminare) durchgeführt oder bei Konflikten innerhalb des Pools vermittelt. Da der persönliche Kontakt der Mitglieder bei einem Beteiligungspool mehr im Vordergrund steht, ist für die Aufnahme weiterer Mitglieder die Zustimmung aller beteiligten Mitglieder erforderlich. Dies hat zur Konsequenz, dass die Mitgliederzahlen bei einem Beteiligungspool im Vergleich zum Dienstleistungspool eher gering sind.

[...]


[1] The Virtual Corporation: Structuring and Revitalizing the Corporation for the 21st Century, New York, 1992

[2] Vgl. für den deutschen Sprachraum z.B. Thorant: Virtuelle Unternehmen: Rechtliche Analyse zweier Generationen oder Fimmen: Virtuelle Unternehmen: Innovative Strategien für die Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen

[3] Duden, 20. Auflage, Mannheim 1991

[4] Beispiele hierfür sind: Computer, Laptops, Mobiltelefone, PDAs (kleiner transportabler Computer)

[5] Vgl. Berwanger, Der Gesellschaftsvertrag eines virtuellen Unternehmens, S. 17

[6] Vgl. Sieber, Ein KMU der Informatikbranche, S. 80f.

[7] Vgl. Lange, Virtuelle Unternehmen, S. 174

[8] Vgl. Thaler, Virtuelle Unternehmen, S. 69

[9] Vgl. Schuh/Strack, technologie&management 1/1999, S. 12

[10] Beispiele sind der DienstleistungsPool Niederrhein e.Kfr. (http://www.dienstleistungspool-niederrhein.de) und die Projektwerk GmbH (http://www.projektwerk.de)

[11] Vgl. Thaler, S. 6

[12] Dies kann z.B. durch Aufbau einer gemeinsamen Internetpräsenz erfolgen, die den Pool und die Kompetenzen der einzelnen Mitglieder vermarktet.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Rechtliche Aspekte für die Gründung eines virtuellen Unternehmens
Hochschule
DIPLOMA Private Hochschulgesellschaft mbH
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V168717
ISBN (eBook)
9783640867318
ISBN (Buch)
9783668404267
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
virtuell, unternehmen, organisation, rechtliche aspekte
Arbeit zitieren
Patrick Wuckel (Autor), 2011, Rechtliche Aspekte für die Gründung eines virtuellen Unternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168717

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