1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Gegensatz, beziehungsweise dem Verhältnis von Kunst und Kommerz in Frank Wedekinds „Der Marquis von Keith“. Obwohl zwischen den Beiden ein offensichtlicher Gegensatz besteht, sind sie doch unmittelbarer miteinander verbunden.
Die Beziehung wäre allerdings recht schnell erklärt, da die Kunst, wie sich schon vermuten lässt, nur Tür und Tor für einen horrenden Geldgewinn öffnen soll. Die Person der Figur des Marquis' und die Ziele, die dieser verfolgt, gilt es daher auch etwas näher zu betrachten, vor allem, da er eher die kommerzielle Seite vertritt.
Was das Stück vor allem interessant macht, ist seine Authentizität. So bestätigen zum Beispiel Zeitgenossen Wedekinds, dass die Darstellung des „Feenpalastes“ die Geschichte des Deutschen Theaters in München widerspiegelt¹.
Auch unsere heutige Gesellschaft ist von Kommerz geprägt. Es wird niemand abstreiten können, dass ein großer Teil der Menschen nur auf den Gewinn bedacht ist. Eine schon kleinere Masse hat neben dem Ziel möglichst viel Profit zu erzielen, auch das Wohl Anderer im Sinn. Kunst ist auch in der heutigen Zeit ist auf Kommerz ausgelegt, wahrscheinlich noch mehr als damals. So wird sich heute kaum noch ein Maler oder ein Sänger finden, der dieser Tätigkeit aus reiner Leidenschaft nachgeht. Aus der Kunst wird Kommerz oder aus dem Gedanken an Kommerz wird Kunst, die dann wiederum zum Kommerz wird; es dreht sich so, dass man sich manchmal fragen muss, was zuerst war. Dass Geld eine ganz wesentliche Rolle spielt ist offensichtlich.
Frank Wedekinds Werk „Der Marquis von Keith“ spielt im 19. Jahrhundert. Kunst und Kommerz stehen sich gegenüber und dennoch sind die Übergänge teilweise fließend. Glaubt man den Zeitgenossen, dann steht fest, dass Wedekind von der damaligen Münchner Theaterkultur inspiriert wurde, da sich einige Parallelen ziehen lassen. Der Marquis von Keith zum Beispiel soll an Emil Meßhalter angelehnt sein, der damals jüngste Theaterdirektor Deutschlands, der bei der Gründung des deutschen Theaters in München für reichlich aufsehen sorgte. Auch die Geschichte um den Feenpalast soll, wie bereits erwähnt, erstaunliche Ähnlichkeit mit der Gründung des Deutschen Theaters aufweisen.
„Der Marquis von Keith“, der ursprünglich noch den Untertitel „Münchner Scenen“ trug, basiert also nicht nur auf bloßer Fiktion, sondern Wedekind nutzt sein Werk auch als Kritik gegen die kommerzialisierte Theaterszene.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Die Weltanschauung des Marquis von Keith
2.1 Der Marquis von Keith und Ernst Scholz
3. Der Gegensatz von Kunst und Kommerz
4.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld und das wechselseitige Verhältnis von Kunst und Kommerz in Frank Wedekinds Drama „Der Marquis von Keith“. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern die Hauptfigur den kommerziellen Aspekt verkörpert und die Kunst lediglich als Mittel zum Zweck einsetzt.
- Analyse der Weltanschauung des Marquis von Keith
- Die Dynamik zwischen dem Marquis von Keith und Ernst Scholz
- Kritische Betrachtung des Gegensatzes von Kunst und Kommerz
- Authentizität und zeitgenössische Bezüge im Werk
- Soziale Motivationen und das Streben nach Anerkennung
Auszug aus dem Buch
3. Der Gegensatz von Kunst und Kommerz
Als von Keith verlauten lässt, dass er Reichtum für das höchste Gut hält, wird zum ersten Mal mehr als deutlich, dass er ein „Kommerz-Mensch“ ist (Seite 8). Die Kunst an sich ist für den Marquis nebensächlich, denn offensichtlich sieht er sie nur als Katalysator für den Kommerz, der ihm seiner Ansicht nach dabei helfen wird seine angestrebte Position in München zu erreichen. Im Stück stehen Kunst und Kommerz zwar im direkten Verhältnis zueinander, aber die Kunst ist eigentlich eher hintergründig, wenn man bedenkt wie sehr der Marquis von Keith als Protagonist dem Geld hinterher jagt. Kunst wird nicht als das betrachtet was sie ist, nämlich ein hohes, kulturelles Gut. Das Bild der Mona Lisa oder das Letzte Abendmahl haben Geschichte geschrieben, genau wie die Musik von Beethoven oder Wagner, von dem auch im Stück die Rede ist. Im Marquis von Keith wird die Kunst regelrecht vom Kommerz überschattet und erdrückt.
Des Marquis neustes Projekt zur Geldbeschaffung und Steigerung seines Ansehens ist ein Konzerthaus, das den Namen „Feenpalast“ trägt. Diesen gedenkt er allerdings nicht zu bauen, damit München ein würdige Kunststätte besitzt, sondern, um seine Stellung in der Bouguoasie zu festigen. Die Kunst dient hier als Deckmäntelchen unter dem sich der Kommerz versteckt. „Das Allermodernste ist immer die billigste und wirksamste Reklame.“ (Seite 41). So spricht der Marquis von Keith von der Bauart des „Feenpalastes“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Es wird das zentrale Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Kommerz in Wedekinds Drama eingeführt und der historische sowie gesellschaftliche Kontext erläutert.
2. Die Weltanschauung des Marquis von Keith: Dieses Kapitel beleuchtet die Charakterzüge und die moralische Ausrichtung des Protagonisten, der sich selbst als „Bastard“ und „Philosoph“ sieht.
2.1 Der Marquis von Keith und Ernst Scholz: Die Beziehung zum Kontrastcharakter Scholz wird analysiert, wobei besonders die unterschiedliche Herangehensweise an Schuld und berufliches Scheitern hervorgehoben wird.
3. Der Gegensatz von Kunst und Kommerz: Hier wird detailliert aufgezeigt, wie der Marquis Kunstinstrumente wie den „Feenpalast“ oder die Sängerin Anna rein kommerziell ausnutzt.
4.Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Stück eine zeitlose Gesellschaftskritik an einem rein profitorientierten Handeln darstellt.
Schlüsselwörter
Frank Wedekind, Der Marquis von Keith, Kunst, Kommerz, Geldgier, Weltanschauung, Theaterkultur, Hochstapler, Feenpalast, Ernst Scholz, Gesellschaftskritik, Moral, Täuschung, München, 19. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ambivalenten Beziehung von Kunst und Kommerz im Drama „Der Marquis von Keith“ von Frank Wedekind.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Besonders im Fokus liegen die Weltanschauung der Hauptfigur, das Verhältnis zwischen den Charakteren Keith und Scholz sowie die Instrumentalisierung von Kunst für wirtschaftliche Zwecke.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wedekind das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ideal und kommerziellem Profitstreben am Beispiel seiner Hauptfigur kritisch verarbeitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Untersuchung des Dramas, ergänzt durch Bezüge zu zeitgenössischen Einflüssen und literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die moralische Verfassung des Marquis, die Interaktion mit Ernst Scholz und die Rolle der Kunst als Katalysator für finanziellen Erfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kunst, Kommerz, Hochstaplerei, Gesellschaftskritik, Wedekind und das spezifische Motiv des Feenpalasts.
Warum spielt die Figur des Ernst Scholz eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Marquis?
Scholz fungiert als moralischer Gegenpol, dessen Scheitern und Verzweiflung die Skrupellosigkeit des Marquis im Umgang mit menschlichen Werten verdeutlicht.
Wie bewertet die Arbeit das Ende des Dramas im Hinblick auf die Hauptfigur?
Das Fazit wertet das Ende als Bestätigung dafür, dass der Marquis trotz seines persönlichen Absturzes an seinem kommerziellen Weltbild festhält und keine Läuterung erfährt.
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- Annika Süß (Autor), 2010, Das Verhältnis von Kunst und Kommerz in Wedekinds "Der Marquis von Keith", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168723