Instabilität von Finanzmärkten und Funktion der Internationalen Organisationen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
27 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Finanzmärkte und Stabilität
2.1 Zum Begriff Finanzmarkt
2.2 Konsequenzen der Deregulierung von Finanzmärkte
2.3 Finanzielle Stabilität

3 Internationale Organisationen
3.1 Zum Begriff Internationale Organisationen
3.2 Internationale Organisationen unter der Perspektive der Politischen Ökonomie
3.3 Internationale Organisationen und Global Governance

4 Der Internationale Währungsfonds (IWF)
4.1 Funktion des Internationalen Währungsfonds

5 IWF und Währungs- und Finanzkrisen
5.1 IWF und Krisenmanagement

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In einer Zeit, in der das rapide Wirtschaftswachstum der Schwellenländer zunehmend von der Entwicklung globaler liberalisierter Finanzmärkten, vom internationalen Kapitalverkehr und von direkten Auslandsinvestitionen abhängig geworden ist, wird von der Internationalen Gemeinschaft ein bestimmter Grad internationaler makroökonomischer Stabilität angestrebt. Diese Stabilität gewährleistet eine konstante Steigerung der Wohlfahrt und die Vermeidung von Vermögens- und Einkommenseinbußen[1]. Die Funktion des Geldes im geschichtlichen Ablauf des gesellschaftlichen Produktions- und Austauschprozesses lehrt, dass die von der neoklassischen Theorie aufgestellte und vertretene Theorie der Dichotomie bzw. Neutralität des Geldes mit der Entstehung der Kreditwirtschaft nicht mehr gilt. Dem entsprechend haben sich nominale bzw. monetäre Schwankungen, die sich aus einer bestimmten Geldpolitik ergeben, im letzten Jahrhundert kurz- und langfristig auf die Realwirtschaft ausgewirkt und soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Realeinkommenverlust mit sich gebracht. Die vergangenen Krisen, welche erhebliche realwirtschaftliche nachhaltige Effekte nach sich gezogen haben, stellen eine Lehre über die tatsächliche Bedeutung von der Geld- und Wechselkurspolitik dar, die hieraus für die Zukunft gezogen werden sollten.

Mit der zunehmenden Liberalisierung, Deregulierung und Ausweitung von Finanzmärkten seit Mitte der 1970er Jahre hat sich die Frequenz der Währungs- und Finanzkrisen im Vergleich zu der frühen Periode der finanziellen Globalisierung 1880-1913 wesentlich erhöht[2]. Aufgrund solcher Entwicklung wurde eine stärkere Regulierung gefordert. Einige Entwicklungsländer wurden schwer von Finanzturbulenzen in den 1980er Jahren getroffen, da ihre Zahlungsbilanzen negative Werte aufwiesen und auf diese Weise in langwierige Verschuldungskrisen (den so genannten Währungskrisen der ersten Generation)[3] geraten sind. Strukturelle Faktoren wie die steigenden Zinsen haben den Schuldenabbau dieser Länder erschwert. Schließlich ist das Bruttoinslandprodukt von den Entwicklungs- und Transformationsländern durch die sinkende wirtschaftliche Aktivität (Rezession) aufgezehrt.

Nach diesen ökonomischen Instabilitäten und ihren entsprechenden negativen kollaterallen Effekten auf andere regionalen Märkte, wurde die Relevanz makroökonomischer Stabilität als ein zentrales und strategisches Ziel der internationalen Staatengemeinschaft bewertet. Zu diesem Zweck soll die finanzielle Stabilität als ein öffentliches Gut betrachtet werden, sowie im Gegenteil Finanzkrisen und finanzielle Instabilitäten als ein öffentliches Übel angesehen werden soll[4]. Im zweiten Kapitel wird die Bezeichnung der finanziellen Stabilität als ein öffentliches Gut behandelt und deren Rechtfertigung erörtert.

Im Hinblick auf die Prevention und Management von Finanz- und Währungskrisen haben sich verschiedene wirtschaftliche Internationale Organisationen auf inter- und supranationaler Ebene herausgebildet. In diesem Sinne beanspruchte die zunehmende Internationalisierung der freien Marktwirschaft eine intergouvernementale wirtschaftliche Ordnung, die durch Kooperation und Koordination zwischen den Mitgliedsstaaten eine einheitliche bzw. konvergierende Wirtschaftspolitik verfolgt, um das freie Marktsystem zu etablieren. Solche Institutionen wurden von privaten und öffentlichen Akteuren geschaffen, um die Freiheit und Stabilität des Marktes zu gewährleisten.

In diesem Text wird die politisch-ökonomische Funktion einer wichtigen und einflussreichen Internationalen Organisation analysiert, welche während der Phase von Verschuldungs- und Finanzkrisen im Prozess der Globalisierung der Märkte eine markante Rolle gespielt hat: der Internationale Währungsfond (IWF). Der IWF gilt als eine Aufsichtsinstitution der globalen Wirtschaftsordnung, dessen grundsätzliches Ziel die Schaffung von Stabilität und Vertrauen im internationalen Marktsystem besteht. Im internationalen Kontext hat sich diese Institution politisch und ökonomisch verstärkt und durchgesetzt, indem neue wirtschaftspolitische Maßstäbe gesetzt wurden. Ihre finanzielle Hilfe und wirschaftspolitische sowie technische Beratung ist bei Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten, - die unter der Finanzkrise litten - kritisch gewesen[5]. Eine der grundlegenden Kritiken an den IWF bezieht sich auf seine ökonomische Macht, die einen hohen Druck auf die Regierungen von betroffenen Ländern ausübt. In diesem Zusammenhang ensteht ein Spannungsverhältnis zwischen den verfolgten wirtschaftspolitischen Interessen der Staaten und des IWF. Demzufolge wurde von den kreditnachfragenden Mitgliedstaaten verlangt, dass sie das IWF-Strukturanpassungsprogramm implemetieren müssen, um die entsprechende Beratung und finanzielle Hilfe zu bekommen, die das Land aus den Zahlungsbilanzschwierigkeiten herausbringen soll, indem sie die Wirtschaft liberalisieren und sich dem freien Handel und den internationalen Direktinvestitionen öffnen.

Da finanzielle Instabilitäten, wie oben erwähnt, als ein öffentliches Gut verstanden werden können, muss ihre Prevention und Management von legitimen representativen internationalen Organisationen und durch konsensuale Entscheidungen geleitet werden. Der Kernpunkt dieser kurzen Analyse bezieht sich auf die eigentliche Fähigkeit der Internationalen Organisationen, bestimmte Fehlentwicklungen von deregulierten Märkten zu entdecken, und die entsprechenden optimalen Maßnahmen zu ihrer Behebung zu ergreifen. Daraus entsteht die Frage nach der tatsächlichen Rolle und politischer Begrenzung des IWF als Internationale Organisation bei Prevention und Management von Finanzkrisen. Um den Begriff finanzielle Stabilitäten zu erläutern, muss erstens die allgemeine Definition und Funktion von Finanzmärkten veranschaulicht werden. Im Hinblick auf die Beseitigung von Ungleichgewichten ist es nötig, die Ursächlichkeit der Krisen, welche auf der grundlegenden Struktur des Finanzmarktes basiert sind, umfassend zu begreifen.

In dieser Arbeit wird die Rolle des IWF bei dem Management von Währungs- und Finanzkrisen analysiert im Bezug auf die Output-Legitimität seiner Handlungen. Als historische Ereignisse werden an die russische Krise 1997 und die Asienkrise 1997/98 erinnert. Die Handlungen des IWF bei Management von Finanzkrisen werden scharf kritisiert. Diese finanziellen Turbulenzen haben sich während des politischen und wirtschaftlichen Transformassionsprozesses der ehemaligen sozialistischen Länder und der hohen Wirtschaftswachstumsphase Asiens abgespielt. Nach Meinungen verschiedener Autoren gelten die durchgeführten Krisenmaßnahmen des IWF zum Krisenmanagement als fragwürdig und inefizzient[6]. In diesem Kontext stehen die folgenden Fragestellungen bezüglich der Minimierung der Effekte von Wirtschaftskrisen: Verfügen Internationalen Organisationen wie der IWF über die optimalen und die effizienten Mittel zur Lösung von finanziellen Fehlentwicklungen? Wessen Interessen werden tatsächlich innerhalb des IWF vertreten? Ist der vom IWF eingesetze Stabilisierungsmechanismus für alle beteiligte Verhandlungssakteure (Kreditnehmer und Kreditgeber) vorteilhaft? Diese letzte Frage verweist auf die Out-Legitimität vom Strukturanpassungsprogramm des IWF. Zuletzt werden diese Mittel und der wirtschaftspolitische Mechanismus des strukturellen Anpassungsprogramms umrissen.

2 Finanzmärkte und Stabilität

2.1 Zum Begriff Finanzmarkt

Um den Begriff Finanzmarkt zu definieren, muss man dessen Entstehung und Abgrenzung zunächst näher betrachten. Nach Rahlf werden Finanzmärkte nicht als Orte, sondern im statischen Sinne als Gesamtheit aller Transaktionen mit Finanzierungsmitteln, deren Aufgabe und Funktion darin besteht, marktgerechte und transparente Bewertung von Finanzmitteln zu mobilisieren und bereitzustellen[7]. Diese Definition deutet darauf hin, dass die übliche Differenzierung der Finanzmärkte in Geld-und Kapitalmärkte impliziert. Eine weitere Systematisierung des Finanzmarktsystems wird durch die steigenden Innovationen von Finanzinstrumenten deutlich erschwert.

Im Allgemeinen kann man die Definiton von Finanzmärkten aus ihren drei grundlegenden volkswirtschaflichen Funktionen ableiten, die alle auf die Etablierung von Stabilität hinarbeiten soll. Die hervorragende Bedeutung von Finanzmärkten lässt sich durch ihre volkswirtschaftliche Funktionen erklären:

1. Marktfunktion: Angebot und Nachfrage treffen sich.
2. Allokationsfunktion: das Kapital wird in bestimmte Assets angelegt, wo der höchste Ertrag erwartet wird sowie die Risikoallokation, die sich auf die Beteiligung der Investoren am Unternehmensrisiko bezieht.
3. Bewertungsfunktion (Preisfeststellung): Der Preismechanismus ist mit der Endeckung und Festlegung des aktuellen Marktpreises fur ein Wertpapier verbunden. Damit entsteht die Information über den Marktwert des betreffenden Unternehmens[8].

Anfang der 1980er Jahre begann die rasche Ausweitung der Finanzmärkte und damit entstand eine neue Struktur globaler Wirtschaft. In diesem Sinne gelten hauptsächlich zwei Faktoren als die prinzipiellen Ursachen der globalen Expansion von liberalisierten Finanzmärkten: der Fortschritt der Informationstechnologien und Deregulierung der Finanzmärkte, welche die Effizienz und das Gewinnpotential wesentlich erhöht haben. Es besteht ein enger Zusammenhang bzw. positive Korrelation zwischen der Entwicklung neuer Informationstechnologien und der Zunahme finanzieller Transaktionen[9]. Weitere Faktoren dieser Expansion sind die wissenschaftliche Entwicklungen im Bereich der innovativen Telekommunikationstechnogien, welche eine dichte Vernetzung und schnelle Übertragung von Datenmengen weltweit realisiert haben. Im Bezug auf die politische Argumentation lässt sich eine weitere Korrelation erkennen, indem die Deregulierung der Finanzmärkte zu der Steigerung der Transaktionen beigetragen hat. Die Regierungen der Industrieländer verzichteten auf die Regulierung der Finanzmärkte, da sie die Ansicht vertraten, dass die aus den neuen internationalen Möglichkeiten erzielbaren Gewinne für die einzelnen Bürger im Vergleich zum Output des zuvor implementierten Protektionismus wesentlich höher sein könnten. So sind die Finanzmärkte mit dem politischen und ökonomischen Zweck der Steigerung des Wohlstandes der Bürger dereguliert worden, wobei die Transaktionskosten bedeutend gesunken sind. In anderen Worten stärken Finanzmärkte die Effizienz der Volkswirtschaft und steigern den produktiven Wohlstand der Gesellschaft.

2.2 Konsequenzen der Deregulierung von Finanzmärkte

Die in den letzten zwei Jahrzehnten beobachtete dynamische Liberalisierung, Fortentwicklung und Globalisierung der Grundstrukturen der Finanzmärkte haben das finanzielle globale Transaktionsvolumen vervielfacht und den hohen Grad von Interdependenz zwischen der Realwirtschaft und den Finanzmärkte stützt. Man kann die Konsequenzen der Liberalisierung der Finanzmärkte in zwei unterschiedliche Sichtweisen einteilen: Einerseits affektiert die Deregulierung von Finanzmärkten die politische Sphäre und andererseits die ökonomische Innenstruktur. Die erste Ansicht umfasst die politischen Auswirkungen von Privatisieurung öffentlicher Güter und Deregulierung aus die gesellschaftlichen Verhältnisse. Durch die Deregulierung der Märkte übergibt der Staat der Institution „Markt“ einen bedeutenden Anteil ökonomische Macht, welche den Aufbau einer gesellschaftlichen Ordnung verfolgt, indem die Allokation von Ressourcen und Verteilungskriterien vom Markt (durch die Wirksamkeit des Preismechanismus) gelenkt werden. In dieser Hinsicht wird der Staat zu einem Minimalstaat reduziert, der hauptsächlich eine der grundlegenden Institutionen und Kernpunkt des politischen Liberalismus schützen soll: das Privateigentum[10]. Nach den Ansichten der Befürwörter der Liberalisierung von Märkten – hauptsächlich vertreten durch die neoliberalen Denker - besteht die zentrale Aufgabe eines (neoliberalen) Minimalstaates darin, dass er lediglich für einen verlässlichen rechtlichen Rahmen sorgt, indem Rechtsicherheit und Vertragsfreiheit garantiert werden, und das Privateigentum sowie der Wettbewerb geschützt und gefördert wird. Folglich wird etwaige Intervention des Staates in die Marktaktivitäten ausgeschlossen. Diese Exklusion wird damit begründet, dass die schwache wirschaftspolitische Leistung des Staates höchstwahrscheinlich einen Staatsversagen zur Folge hätte. Damit werden die zentralen soziopolitischen Kernpunkte der Umverteilung und soziale Gerechtigkeit dem freien Markt überlassen.

Die zweite Ansicht bezieht sich auf den ökonomischen Faktor. Grundsätzlich sind die realwirschaftlichen Aktivitäten in den kapitalistischen Ländern zunehmend durch die Öffnung der Märkte für direkte Auslandsinvestitionen von finanziellen Elementen angekurbelt worden, was die Interdependenz zwischen Finanzmärkten und Realwirtschaft erweitert hat. Als Folge dieser expansiven Liberalisierung der Märkte zwischen dem Jahr 1970 und 1980 haben sich die internationale Portfolio-Kapitalströme und die Finanzierung privater Firmen von Auslandsinvestition bedeudend erhöht. Diese Ausweitung fügte den Finanzmärkten – besonders den kleinen wachsenden Finanzmärkten in den Schwellenländern – eine hohe Liquidität zu, was die Absicherung von Risiken durch die besseren finanziellen Alternativen verbessert hat. Negative Auswirkungen überflüssiger Liquidität ergeben sich aus dem Kreditwachstum. Ein höheres Kreditvolumen kann eventuell zu inflationären Effekten führen, welche die Korrelation zwischen den Preisen von Kapitalgütern und aggregierten Krediten erhöhen würde.

Die zentrale Problematik der Deregulierung von Finanzmärkten fokussiert sich auf die unerwarteten Schwankungen von Kapitalströmen und deren Effekte auf das Kreditwachstum. Die volatilen Kapitalströme beeinflussen unmittelbar den Kreditmarkt, indem eine suboptimale Liquidität ein Ungleichgewicht zur Folge hat. Dieses Liquiditätsvolumen hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, die mit erwarteten Erträgen verbunden sind. die die Verbindung zwischen Finanzmärkte und Realwirtschaft bzw. Zahlungsbilanz ein System, eine unbedingte die Diund

Die zunehmende Deregulierung vom Kapitalverkehr und der Anstieg direkter Auslandsinvestitionen bewirken eine zusätliche Liquidität, die eine ambivalente Beziehung darstellt. Einerseits werden die Finanzmärkte durch die erhöhte Liquidität transparenter und effizienter, indem der Handel von Wertpapieren fließender läuft, und andererseits könnte eine zu hohe Liquidität auf einem Markt unerwartete Schwankungen der Kapitalgüterpreise verursachen. Diese durch hohe Liquidität verursachten Schwankungen schlagen sich auf die Distortionen des Mechanismus der Preisbildung ein. Dabei kann die resultierende Volatilität der Preise von Kapitalgütern spekulative Blasen erzeugen.

Ferner besteht ein Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Wettbewerb und Volatilität. Dabei handelt sich diese Relation um das ökomische Verhalten der Marktteilnehmer, indem die Reduktion der Gewinne bei den Unternehmen dazu führt, dass sie auf riskante und profitversprechende Transaktionen eingehen, was letztendlich Volatilität verursacht. Diese unerwarteten Veränderungen spiegeln sich in der Realwirtschaft wider. Solche makroökonomischen Schwankungen, die soziopolitische negativen Effekte mit sich bringen, haben dazu geführt, dass die Internationale Gemeinschaft, die vorwiegend durch die politisch-ökonomischen Interessen der Industrieländer vertreten ist, eine stärkere Aufsicht und Revision der Finanzmärkte gefordert hat.

Wenn man auf die moderne Geschichte der Entwicklung von globalen Märkten zurückblickt, kann man nachweisen, dass die größte Deregulierungswelle der Finanzmärkte während der Reagan-Thatcher-Periode in den Vereinigten Staaten und England stattfand. Folglich wurde die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik einführt, die davon ausgeht, dass sich Beschäftigung und Wachstum einer Volkswirtschaft an den Rahmenbedingungen der Angebotsseite orientieren. Die größten finanziellen Zentren der Welt: New York und London, haben Anfang der 1980er Jahre jegliche Hindernisse des freien Kapitalverkehrs abgebaut. Auf diese Weise haben die globalen Märkte die Führung der Weltwirtschaft übernommen.

Dem entsprechend hat sich die Idee des freien Markets durchgesetzt und mit dem Abbau vom protektionistischen Strukturen begonnen. Diese wirtschaftspolitische Reaktion der Regierungen von Reagan und Thatcher hat die Wirksamkeit der Fiskalpolitik stark beschränkt, indem die Angebotseite durch Flexibilität von Löhnen und Preisen bevorzugt wurde. Auf dieser Art wurden jegliche Zahlungsbilanzungleichgewichte durch Instrumente der Geldpolitik - wie die direkte Kontrolle der Geldmenge durch die Zentralbank-, was die Änderung des nominalen Wechselkurses bzw durch Abwertung oder Aufwertung der inländischen Währung zur Steigerung der Exporte oder Importe führen soll. Für die erwünschte Effizienz eines liberalisierten Marktes ist es notwendig, dass die Finanzmärkte über eine vollkommene Transparenz der vorliegenden Informationen verfügen.

Trotz der Versuche, eine gewisse finanzielle Stabilität durch Aufsicht und Revision von Finanzmärkten zu gewährleisten, sind Perioden hoher Volatilität aufgetreten. Die Ursachen dieser Volatilität werden durch verschiedene stochastische Studien untersucht. Verschiedene ökonomische Untersuchungen fokussieren sich auf die Erläuterung der Beziehung zwischen Deregulierung und Volatilität. Zu diesem Aspekt haben Bekaert und Harvey nachgewiesen, dass globale Faktoren für einen grösseren Anteil der Volatilität von Aktienpreisen in aufstrebenden Volkswirtschaften mit liberalisierten Strukturen verantworlich sind[11]. Da das System von Finanzmärkten auf dem Erwartungsbildungsmodell basiert ist, verursachen assymetrische Informationen Ungleichgewichte bzw. unvollkommene Märkte, wobei die Internationalen Organisationen der grundlegenden Aufgabe zugeschrieben wurde, eine verbesserte Transparenz der vorliegenden Informationen zu erfassen. Im Hintergrund dieses zunehmenden Interesses der internationalen Gemeinschaft an der Aufsicht und Kontrolle der Finanzzyklen steht die Tatsache, dass die Stabilität der Finanzmärkte somit nicht nur als ein rein ökonomisches Ziel anerkannt wird, sondern als ein soziopolitisches Ziel, mit dem sich die Regierungen durch Implementierung politischer Entscheidungen im Rahmen des öffentlichen Sektors beschäftigen muss. Die Sicherung von finanzieller Stabilität stellt einen Grundstein für das Wirtschaftswachstum und Wohlstand dar.

[...]


[1] Man muss betonen, dass die finanzielle Struktur der wachsenden Märkte in den Schwellenländer besonders anfällig für exogene Schocks ist.

[2] Vgl. Eichengreen, Barry : Financial Crises : And what to do about them, Oxford University Press, New York, 2002, S.5.

[3] Krugman weist auf eine Differenzierung zwischen Krisen der ersten Generation (Verschuldungskrisen), Krisen der zweiten Generation (fixe Wechselkurse in Kombination mit expansiver Geldpolitik) und Krisen der dritten Generation hin, die sich auf keines der beiden Merkmalen beziehen. 1999. S.1-2.

[4] Vgl. Alvater, Elmar in : Hauchler, Ingo / Messner, Dirk / Nuscheler, Franz (Hrsg.) : Stiftung Entwicklung und Frieden. Globale Trends 2004/2005, Fischer Vlg., Bonn, 2003, S. 135.

[5] Vgl. O'Brien, Robert / Williams, Marc: Global Political Economy: Evolution and Dynamics, Palgrave Macmillan Vlg., New York, 2007, S.125.

[6] Vgl. Kapur, Devesh : The IMF : A Cure or a Curse ? Foreign Policy, No. 111 (Summer, 1998), S. 115.

[7] Vgl. Rahlf, Thomas in : Hartwig, Karl-Hans / Thieme Jörg (Hrsg.) : Finanzmärkte : Funktionsweise, Integrationseffekte und ordnungspolitische Konsequenzen, Lucius & Lucius Vlg., Stuttgart, 1999, S. 4.

[8] Vgl. Mishkin, Frederic S.: The economics of money, banking, and financial markets, 6. Aufl. Reading, Massachusetts, 2000, S. 21.

[9] Vgl. Allen, Roy E.: Financial Crises and Recession in the Global Economy. Studies in International Political Economy, Edward Elgar Vlg., Cambridge, 1994, S.7.

[10] Vgl. Butterwegge, Christoph / Lösch, Bettina / Ptak, Ralf: Kritik des Neoliberalismus, 2.Aufl., VS–Verlag Wiesbaden, 2007, S.63.

[11] Vgl. Herrmann, Frank: Integration und Volatilität bei Emerging Markets, 1. Aufl., Wiesbaden : Deutscher Universitäts Verlag, 2005. S 246.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Instabilität von Finanzmärkten und Funktion der Internationalen Organisationen
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Internationale und vergleichende Politische Ökonomie
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V168733
ISBN (eBook)
9783640866687
ISBN (Buch)
9783640866557
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Management, Finanzmärkte, Krisen, IWF
Arbeit zitieren
Fidel Farias (Autor), 2009, Instabilität von Finanzmärkten und Funktion der Internationalen Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168733

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