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Gegensatzspannung zwischen staatsoffizieller und gegenkultureller Kunstprogrammatik in der Moderne

Zwei Dresdner Kunstausstellungen im Jahr 1982

Titre: Gegensatzspannung zwischen staatsoffizieller und gegenkultureller Kunstprogrammatik in der Moderne

Mémoire (de fin d'études) , 2009 , 136 Pages , Note: 2,4

Autor:in: Uta Beckhäuser (Auteur)

Sociologie - Médias, Art, Musique
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Résumé Extrait Résumé des informations

Trotz der strengen Reglementierungen, und das dürfte so manchen in Staunen versetzen,
fand die alternative Künstlerszene, vor allem in den 70er und 80er Jahren, ihren
Platz im Kunstbetrieb der DDR, auch wenn dieser vielleicht vergleichsweise klein war. Gerade das Leonhardimuseum, der wohl legendärste Ausstellungsort für zeitgenössische
Kunst in Dresden, gab seit 1963 vielen Künstlern die Chance, ihre Kunst
zu zeigen, Kunst, die an anderen Ausstellungsorten und in Museen nur selten eine
Chance gehabt hätte. Die Künstler der alternativen Szene passten sich also nicht einfach
an, sondern sie suchten immer irgendeinen Platz, an dem sie Kunst nach ihrem
Verständnis, ohne Beschränkungen und politische Bevormundung, zu realisieren
versuchten. Natürlich gelang das nicht immer, dennoch ist es erstaunlich, wie sich
Künstler Freiräume schufen, wie sie diese zu erweitern suchten und
Netzwerke schufen, die sie stärker machten, und wie sie sich nicht zuletzt dadurch
ihre eigene „Gegenwelt“ aufbauten. Diese Künstler verstanden sich trotzdem nicht
als Aussteiger oder Vertreter einer Untergrundszene, vielmehr waren sie bis zuletzt
in die Strukturen der DDR eingebunden, waren Mitglied im Verband der Bildenden
Künstler (VBK) oder hatten eine feste „außerkünstlerische“ Arbeitsstelle; sie hatten
eine Art Zwischenposition inne und gingen so einen Kompromiss ein, ohne den sie
nie hätten künstlerisch überleben können.
Die Frage ist also: Wie hat sich die bildende Kunst in den 80er Jahren in Dresden
unter den gegebenen Umständen entwickelt und wie konnte das so möglich sein?
Wie wurde die Kunst vom System geformt beziehungsweise wie formte sie sich
selbst als Reaktion auf dieses? Welchen Kompromiss sind die Künstler mit dem sozialistischen Realismus auf der IX. Kunstausstellung der DDR eingegangen, welche
Kunst wurde hier gezeigt? Und wie schufen sich die Künstler ihre Freiräume, wie
haben sich Künstler mit alternativen Lebensentwürfen mit dem System arrangiert,
ohne ihre Ideen zu verleugnen und sich in ihrem künstlerischen Schaffensprozess
umformen zu lassen?
Anhaltspunkte dafür, wie die Künstler in diesem
Gesellschaftssystem versuchten, sich selbst treu zu bleiben, liefern nur Aussagen
von Zeitzeugen. Daher sollen Interviews mit Künstlern der alternativen Szene einen
Ausgangspunkt der Analyse bilden. Hierfür wurden Künstler ausgewählt, die an der
Ausstellung „Frühstück im Freien“ beteiligt waren.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einleitende Worte und Zielstellung der Arbeit

2. Argumentationsaufbau

Teil I: Theoretische Überlegungen und Rahmenbedingungen

1. Zum derzeitigen Stand der Forschung und vorhandene Literatur

2. Totalitärer Herrschaftsanspruch der DDR – ihr Regime als eine Form der politischen Religion

3. Die bildende Kunst unter der SED-Herrschaft

3.1 Die Kunst als Instrument der SED

3.2 Der sozialistische Realismus: Kunst muss nicht künstlerisch sein, auf den Inhalt komme es an, Staatskunst bis 1969

3.3 Der offizielle Ausstellungsbetrieb: die Dresdner Kunstausstellungen

3.4 Wie Kunst nicht sein sollte: Feindbild und Zensur in der bildenden Kunst

3.4.1 Das Feindbild in der bildenden Kunst: der Formalismus

3.4.2 Zensur in der bildenden Kunst

4. Zur Situation der Kunst in den 70er Jahren: Die Honecker-Ära

4.1 „Weite und Vielfalt“ in den 70er Jahren: der Anfang vom Ende

4.2 Verschärfte Kontrollmaßnahmen

Teil II: Die Umsetzung der offiziellen Kunstpolitik der 80er Jahre am Beispiel der IX. Kunstausstellung der DDR vom 2.10. 1982 bis zum 3.4.1983

1. Besucheransturm und der Wandel der Kunstwahrnehmung

2. Kunst im Spannungsfeld zwischen Kunstpolitik und Künstler

3. Vorgeschichte und Konzeption der IX. Kunstausstellung

4. Organisation der Ausstellung

4.1 Juryarbeit

4.2 Maßnahmen zur Durchsetzung der parteilichen Vorstellungen

5. Auf der IX. Kunstausstellung gezeigte Kunst: wenig Sozialismus, viel Realität

5.1 Das Arbeiterbild der 80er Jahre

5.2 Eine andere Welt hinter dem Schleier des „sozialistischen Realismus“

5.3 Chaos, Pessimismus und Rückzug ins Unverbindliche

6. Rezeption durch die Besucher

Teil III: Die alternative Künstlerszene und der Mythos „Frühstück im Freien“ 1982 im Leonhardi-Museum

1. Gegenstand und Erkenntnisinteresse der Untersuchung

2. Untersuchungsmethode

2.1 Methode der Datenerhebung: das Leitfadeninterview

2.2 Stichprobe

2.3 Fragenkatalog

3. Datenaufbereitung und -auswertung

3.1 Aufbereitung des Materials, Datenerfassung

3.2 Auswertungsverfahren

4. Ergebnisse der Untersuchung

4.1 Charakteristik der etwas anderen Künstlerszene

4.1.1 Selbstverständnis der Künstler

4.1.2 Reglementierungen und Widerstände

4.1.3 Welchen Weg fanden die Künstler, ihre Kunst auszuüben?

4.1.4 Integration der Künstler in die Strukturen der DDR

4.1.5 Veränderungen nach der Wende beziehungsweise nach der Ausreise

4.2 „Frühstück im Freien“ im Leonhardi-Museum

4.2.1 Organisation der Ausstellung und Erinnerungen

4.2.2 Umsetzung des Themas „Frühstück im Freien“

4.2.3 Brisanz der Ausstellung und des Leonhardi-Museums

4.3 Zitate: Was ist Kunst?

Schlussbetrachtung und Diskussion der Teile II und III

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die bildende Kunst in Dresden in den 1980er Jahren, insbesondere das Spannungsfeld zwischen offizieller staatlicher Kunstpolitik und den Freiräumen alternativer Künstlerszenen. Im Fokus steht die Frage, wie Künstler trotz ideologischer Reglementierungen durch das SED-Regime ihre künstlerische Autonomie wahren und Netzwerke bilden konnten, wobei die IX. Kunstausstellung der DDR und die Gegenausstellung „Frühstück im Freien“ als zentrale Fallbeispiele dienen.

  • Totalitärer Herrschaftsanspruch der DDR und die Instrumentalisierung der Kunst
  • Die IX. Kunstausstellung in Dresden als Spiegel gesellschaftlicher Spannungen
  • Entstehung und Strategien alternativer Künstlerszenen in der DDR
  • Die Ausstellung „Frühstück im Freien“ als Gegenentwurf zur Staatskunst
  • Qualitative Analyse mittels Leitfadeninterviews mit zeitgenössischen Künstlern

Auszug aus dem Buch

1. Einleitende Worte und Zielstellung der Arbeit

Kunst hat viele Gesichter. Sie begegnet uns akustisch oder visuell, bunt oder mono chrom, laut oder leise, schnell oder langsam. Und Kunst ist auch nicht immer direkt präsent, „manchmal ist Kunst auch abwesend“ (Schroeder & Offner 2000: 15), wie es Bärbel Bohley mit weißer Schrift auf schwarzem Grund ausdrückte.

Eine eindeutige Definition für die Kunst zu finden und ihr Wesen zu bestimmen, stellt sich schon allein deswegen als schwierig heraus, weil Kunst von jedem Menschen anders wahrgenommen wird. Sie besitzt außerdem, nach Luhmann, ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die sich nicht beeinflussen oder von außen zwangsweise umgestalten lassen. Wenn Kunst entsteht, so entsteht sie aus sich heraus, spätestens seit der Renaissance kann die Kunst ihren Autonomieanspruch behaupten. Und oft entwickelt sich Kunst aus dem Moment heraus und entzieht sich schon allein dadurch einer Bestimmung oder Vorgabe. Kunst muss dem System Kunst selbst überlassen werden (vgl. Luhmann 1995).

Das DDR-Regime versuchte jedoch, die Kunst in bestimmte Bahnen zu lenken und somit zu kontrollieren, manchmal auch, Kunstwerke „ideologieecht“ umzudeuten. Es akzeptierte und förderte nur diejenige Kunst, die in sein Weltbild passte. Kunst wurde als Erscheinung des gesellschaftlichen Überbaus verstanden, sie „trägt in der Klassengesellschaft Klassencharakter und dient als ideologische Waffen im Klassenkampf“ (Universallexikon 1989: 243). Als Richtlinie galt der sozialistische Realismus. Kunst sollte figurativ, ja narrativ und vor allem optimistisch sein, so dass sie zu didaktischen Zwecken instrumentalisierbar sei. Der bildenden Kunst wurde also eine deutliche Funktion in der Selbstdarstellung der sozialistischen Gesellschaft zugewiesen. Der Künstler, der sich dem nicht unterordnete oder sogar widersprach, hatte kaum eine Chance, künstlerisch zu überleben, denn ein freier Kunstmarkt existierte nicht, der Staat war der größte Mäzen und hatte daher Macht über die Künstler.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Kunst in einem totalitären System instrumentalisiert wurde, und definiert das Ziel der Arbeit, die Strategien alternativer Künstler zu untersuchen.

Teil I: Theoretische Überlegungen und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert den totalitären Herrschaftsanspruch der DDR, die Funktion der Kunst als politisches Instrument und die Bedeutung des sozialistischen Realismus als verbindliche Richtlinie.

Teil II: Die Umsetzung der offiziellen Kunstpolitik der 80er Jahre am Beispiel der IX. Kunstausstellung der DDR vom 2.10. 1982 bis zum 3.4.1983: Dieser Abschnitt analysiert die Organisation, die parteiliche Durchsetzung und die reale künstlerische Resonanz der IX. Kunstausstellung in Dresden.

Teil III: Die alternative Künstlerszene und der Mythos „Frühstück im Freien“ 1982 im Leonhardi-Museum: Hier werden mittels Leitfadeninterviews die Überlebensstrategien, Freiräume und die spezifische Bedeutung des Leonhardi-Museums für die alternative Künstlerszene beleuchtet.

Schlüsselwörter

DDR, Kunstpolitik, Bildende Kunst, Sozialistischer Realismus, IX. Kunstausstellung, Leonhardi-Museum, alternative Künstlerszene, Zensur, Widerstand, Überwachungsstaat, DDR-Kultur, Leitfadeninterview, Künstlerautonomie, DDR-Geschichte, DDR-Alltag

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der staatlich verordneten Kunstpolitik der DDR und den künstlerischen Freiräumen, die sich Künstler in Dresden während der 1980er Jahre zu erschließen versuchten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der staatlichen Instrumentalisierung der Kunst, der Rolle des sozialistischen Realismus, den Mechanismen von Zensur und Kontrolle sowie dem Wirken einer alternativen Künstlerszene, die sich diesen Strukturen entzog.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll analysiert werden, wie sich bildende Kunst in der DDR unter politischen Vorgaben entwickeln konnte und welche Kompromisse oder Nischen Künstler wählten, um ihre künstlerische Identität zu bewahren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt eine qualitative Forschungsansatz, der auf dem Auswerten von Fachliteratur sowie auf eigenen, teilstrukturierten Leitfadeninterviews mit sechs Zeitzeugen der alternativen Künstlerszene basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Rahmenbedingungen analysiert. Danach erfolgt eine detaillierte Untersuchung der IX. Kunstausstellung der DDR von 1982 sowie eine Auswertung der Interviews über die alternative Szene am Beispiel der Ausstellung „Frühstück im Freien“.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie totalitärer Herrschaftsanspruch, politische Religion, Zensur, Selbstzensur, Freiraum-Strategien, subkulturelle Boheme und künstlerische Eigenständigkeit.

Welche Rolle spielte das Leonhardi-Museum?

Das Leonhardi-Museum fungierte als legendärer Ausstellungsort, der es Künstlern ermöglichte, Arbeiten zu zeigen, die den offiziellen staatlichen Vorgaben widersprachen oder sie zumindest umgingen.

Was hat es mit dem „Frühstück im Freien“ auf sich?

Dies war eine 1982 im Leonhardi-Museum veranstaltete Ausstellung, die als provokanter Gegenentwurf zur gleichzeitig stattfindenden IX. Kunstausstellung der DDR konzipiert war.

Wie veränderten sich die Bedingungen für die Künstler nach der Wende?

Die Interviews zeigen, dass die Künstler zwar Freiheit gewannen (Reisen, Museen), aber auch mit neuen existentiellen Herausforderungen und einem hohen Marktdruck konfrontiert wurden, den es in der DDR so nicht gab.

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Résumé des informations

Titre
Gegensatzspannung zwischen staatsoffizieller und gegenkultureller Kunstprogrammatik in der Moderne
Sous-titre
Zwei Dresdner Kunstausstellungen im Jahr 1982
Université
Dresden Technical University
Note
2,4
Auteur
Uta Beckhäuser (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
136
N° de catalogue
V168765
ISBN (ebook)
9783656431428
ISBN (Livre)
9783656434047
Langue
allemand
mots-clé
aneignung moderne verdikt gegensatzspannung kunstprogrammatik beispiel dresdner kunstausstellungen jahre
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Uta Beckhäuser (Auteur), 2009, Gegensatzspannung zwischen staatsoffizieller und gegenkultureller Kunstprogrammatik in der Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168765
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Extrait de  136  pages
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