Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Saarbrücken sollen gezeigt haben, dass Legasthenie bei Kindern durch die Schuldruckerei vorgebeugt und sogar vollständig behoben werden kann, da sie besonders wertvoll für das Erlernen von Orthografie sein soll. Dies wird in dieser Arbeit kritisch reflektiert. 15% aller Schüler*innen haben Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens. Laut des Bielefelder Instituts für frühkindliche Entwicklung haben 5-10% aller Schüler*innen sogar erhebliche Probleme im Schriftspracherwerb. Diesen Schüler*innen wird häufig eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (im Folgenden LRS) zugeschrieben und sie sind in ihrer schulischen Entwicklung stark gefährdet. Da die Freinet-Pädagogik den Anspruch stellt, eine Pädagogik beziehungsweise Schule für Alle zu sein und insbesondere die benachteiligten Schüler*innen zu unterstützen, soll in dieser Arbeit analysiert und reflektiert werden, inwiefern die Druckwerkstatt dazu beitragen kann, Kinder mit LRS im Schriftspracherwerb zu unterstützen.
Dazu wird im Folgenden zunächst auf den Hintergrund der Einführung der Druckwerkstatt eingegangen. Es folgen Grundzüge und Ziele des Konzepts. Im Anschluss wird näher auf das Thema LRS eingegangen. Der Fokus liegt dabei auf den Herausforderungen im Schriftspracherwerb, denen sich die betroffenen Schüler*innen stellen müssen. Des Weiteren sollen bereits an dieser Stelle empirische Überlegungen zum Umgang angeführt werden, damit im letzten Teil der Arbeit reflektiert werden kann, inwiefern die Druckwerkstatt ihren Beitrag im Schriftspracherwerb in Hinblick auf Kinder mit LRS leisten kann. Ein abschließendes Fazit rundet die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung.
- 2. Die Druckwerkstatt für Kinder im Schriftspracherwerb
- 2.1 Hintergrund der Einführung der Druckwerkstatt in Grundschulen
- 2.2 Grundzüge und Ziele des Konzepts.
- 3. LRS
- 3.1 Definition...
- 3.2 Herausforderungen im Schriftspracherwerb
- 3.3 Empirische Überlegungen zum Umgang mit Herausforderungen.
- 4. Freinets Druckwerkstatt als Medium für Kinder mit LRS
- 4.1 Chancen
- 4.2 Kritische Überlegungen und Adaptionsmöglichkeiten
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Modulhausarbeit analysiert und reflektiert, inwiefern Freinets Druckwerkstatt dazu beitragen kann, Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) im Schriftspracherwerb zu unterstützen. Sie untersucht zudem, wie das zugrundeliegende Konzept gegebenenfalls modifiziert werden muss, um diesen Zweck optimal zu erfüllen.
- Grundlagen und Ziele der Freinet-Pädagogik
- Die Funktion und Einführung der Druckwerkstatt in Grundschulen
- Definition und Merkmale der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)
- Herausforderungen im Schriftspracherwerb bei Kindern mit LRS
- Empirische Überlegungen und Methoden im Umgang mit LRS
- Potenziale und notwendige Adaptionen der Druckwerkstatt zur LRS-Förderung
Auszug aus dem Buch
Die Druckwerkstatt für Kinder im Schriftspracherwerb
In den folgenden Kapiteln wird näher auf die Hintergründe der Einführung der Druckwerkstatt eingegangen. Da die Arbeit sich auf den Schriftspracherwerb bezieht, werden nur seine Vorstellungen bezüglich des Deutschunterrichtes erläutert.
2.1 Hintergrund der Einführung der Druckwerkstatt in Grundschulen Freinet wuchs in einer einfachen dörflichen Gegend auf, welche maßgeblich Einfluss auf seine Kindheit und sein Leben hatte. Dies prägte seine späteren Vorstellungen von Bildung und Erziehung, denn wie zu Beginn bereits angeführt wurde, wollte er Schule mit seiner Pädagogik für die in der Gesellschaft Benachteiligten, damals vor allem die Arbeiterklasse, fruchtbar und greifbar machen (vgl. Pfeiffer, 2013, S.82). Dementsprechend wollte er die Isoliertheit der Bildungseinrichtungen aufbrechen und zum sozialen und gesellschaftlich-ökonomischen Umfeld öffnen (vgl. ebd., S.84). Dazu solle Pädagogik auf „das unmittelbare (Er)Leben des Kindes in seiner natürlichen Umgebung und die Ermöglichung authentischer Erfahrungen ausgerichtet [sein]" (vgl. ebd., S.83). Damit dies möglich ist, benötigt es einer Umgestaltung des Klassenraums. Dieser sollte für neue Arbeitstechniken und Ausgestaltungen offen sein. Ebenso wird der Außenbereich den Bedürfnissen des Kindes durch beispielsweise Schulgärten angepasst. So können in Schule selbst neue Erfahrungen gemacht werden (vgl. ebd., S.84). Renate Kock, die sich wie Pfeiffer intensiv mit Freinets Kindheit und Pädagogik auseinandersetzte, sieht Schulen mit dieser pädagogischen Ausrichtung als „Prototyp der Schule der Zukunft und als Embryo der neuen Gesellschaft, in der die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller, Erwachsener und Kinder, verwirklicht ist“ (Kock, 2006, S.68). Im Sinne der Gleichheit sollen alle Kinder die gleichen Möglichkeiten bekommen, sich weiterbilden zu können. Dazu ist ein gewisses Maß an Freiheit nötig, um auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können. Bezogen auf das Konzept der sprachlichen Bildung hat Freinet der Kommunikation und dem freien Ausdruck eine besondere Bedeutung beigemessen (vgl. Pfeiffer, 2013, S.84). Die Grundzüge und Ziele des Konzepts werden im Folgenden erläutert. Da die Druckwerkstatt ein entsprechendes inhaltliche Medium des Konzepts ist und hier im Fokus steht, beschränken sich die Erläuterungen des Konzepts auf die Umsetzung mit der Druckmaschine und es werden keine weiteren Materialien aufgegriffen.
2.2 Grundzüge und Ziele des Konzepts Zunächst gelten für das Konzept die gleichen Rahmenbedingungen wie für den restlichen Unterricht: die Schüler*innen organisieren und kontrollieren ihren Lernprozess mit Hilfe von Arbeitsplänen selbst (vgl. Pfeiffer, 2013, S.84). Dabei ist auch elementar, dass das Lernvorhaben zwar für alle Kinder gleich ist, der Ablauf aber individuell von und mit den Kindern geplant wird (vgl. Jörg, 2007, S.103).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Druckwerkstatt im Kontext der Freinet-Pädagogik vor, beleuchtet ihre Relevanz für den Schriftspracherwerb und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Unterstützung von Kindern mit LRS.
Kapitel 2 Die Druckwerkstatt für Kinder im Schriftspracherwerb: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe der Druckwerkstatt in Grundschulen, ihre didaktischen Grundzüge und die Ziele des Freinet-Konzepts im Kontext des Deutschunterrichts.
Kapitel 3 LRS: Hier wird der Begriff der Lese-Rechtschreib-Schwäche definiert, die Herausforderungen im Schriftspracherwerb für betroffene Kinder aufgezeigt und empirische Überlegungen zum Umgang mit diesen Schwierigkeiten diskutiert.
Kapitel 4 Freinets Druckwerkstatt als Medium für Kinder mit LRS: Das Kapitel analysiert die Potenziale der Druckwerkstatt zur Förderung von Kindern mit LRS und diskutiert kritische Überlegungen sowie mögliche Adaptionen des Konzepts.
Schlüsselwörter
Freinet-Pädagogik, Druckwerkstatt, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS), Schriftspracherwerb, Grundschule, Inklusion, Deutschunterricht, Kommunikationsfähigkeit, Motivation, Orthografie, Selbstbestimmung, individuelle Förderung, Adaption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Freinets Druckwerkstatt Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) beim Schriftspracherwerb unterstützen kann und welche Anpassungen des Konzepts dafür notwendig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Freinet-Pädagogik, die Druckwerkstatt als didaktisches Medium, die Definition und Herausforderungen von LRS sowie Möglichkeiten der Förderung im Schriftspracherwerb.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Chancen und Grenzen der Druckwerkstatt zur Unterstützung von Kindern mit LRS im Schriftspracherwerb zu analysieren und zu reflektieren, wie das Konzept gegebenenfalls modifiziert werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer reflektierenden Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen der Freinet-Pädagogik, der LRS-Forschung und empirischen Überlegungen zum Schriftspracherwerb.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Hintergründe und Ziele der Druckwerkstatt, definiert LRS und ihre Herausforderungen und analysiert anschließend die Chancen und kritischen Aspekte der Druckwerkstatt für Kinder mit LRS, inklusive Adaptionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Freinet-Pädagogik, Druckwerkstatt, LRS, Schriftspracherwerb, Inklusion, Deutschunterricht, Motivation, Orthografie, Selbstbestimmung, individuelle Förderung und Adaption.
Wie trägt die Freinet-Pädagogik zur "Schule für Alle" bei?
Freinet wollte ein Schulsystem schaffen, das benachteiligte Kinder freier entfalten lässt und der Verschiedenheit der Kinder Rechnung trägt, indem es individuelle Lernwege und authentische Erfahrungen ermöglicht.
Welche Rolle spielt die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan im Kontext der Druckwerkstatt?
Die Selbstbestimmungstheorie ist relevant, da das Kind durch die Druckwerkstatt ein Gefühl von Effektivität und Kompetenz erlebt, was zu höherer Arbeitsbereitschaft, Lernfreude und Zuversicht führt, insbesondere bei Kindern mit LRS.
Warum ist die Segmentierung von Wörtern für Kinder mit LRS eine besondere Herausforderung?
Kinder mit LRS haben Schwierigkeiten, Wörter in Bestandteile (Laute, Silben) zu zerlegen und die alphabetische Strategie zu verinnerlichen, da ihnen die Funktion von Schrift und das Phonembewusstsein oft verzögert klar wird.
Welche konkreten Adaptionen werden für die Druckwerkstatt vorgeschlagen, um Kinder mit LRS besser zu fördern?
Es wird vorgeschlagen, Anlauttabellen und Silbenhäuschen zu nutzen, die Buchstaben-Laut-Beziehung gezielt einzuführen und die Lehrkraft sollte den Erwerbsprozess stärker begleiten und intervenieren.
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- Anonym (Author), 2024, Chancen und Grenzen von Freinets Druckwerkstatt im Hinblick auf Kinder mit LRS im Schriftspracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1688353