Die Biographie der Sophie von La Roche ist schillernd: Von der Bürgertochter brachte sie es bis zur Hofdame, bevor sie schließlich als Schriftstellerin den Grundstein für ihren (späten) Ruhm legte. Sophie von La Roche war Deutschlands erste „Bestsellerautorin“ – ihr gelang es, sich bereits mit ihrem Debütroman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ im männerdominierten Literaturbetrieb des 19. Jahrhunderts durchzusetzen. Die vorliegende Arbeit gibt einen kurzen Abriss über die Biographie Sophie von La Roches und schildert das dichte Beziehungsnetz, das die Großmutter Bettina von Arnims und Clemens Brentanos bis in den Frankfurter Zirkel um die Frau Rat Goethe knüpfte. Mit einem Mitglied dieses Kreises, Goethes Jugendfreund Bernhard Crespel, verband Sophie eine besonders tiefe und langjährige Freundschaft. Die vorliegende Arbeit vollzieht Sophies Werdegang nach, gibt einen Überblick über Sophies Beziehungsgeflecht und gibt einen Abriss über die Briefkulultur im Zeitalter der Empfindamkeit, von der Sophies private Korrespondenz ein beredtes Zeugnis ablegt: Dies zeigen vier ausgewählte Briefe Sophies an Bernhard Crespel, versehen mit einem Apparat sowie mit einem Kommentar.
Inhaltsverzeichnis
1. Sophie von La Roche: Zur Rezeption und Edition
2. Von der Kaufbeurer Bürgertochter zur Mainzer Hofdame
2.1. Im Elternhaus: Zwischen Aufklärung und Pietismus
2.2. Bianconi und Wieland: Gehversuche einer Schriftstellerin
2.3. Die Ehe: Eine Bürgertochter als Hofdame
3. Sophie von La Roche: Schriftstellerin und Gesellschafterin
3.1. Der Durchbruch: ‚Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim’
3.2. Zeiterscheinung Geselligkeit: Der literarische Salon in Ehrenbreitenstein
3.3. Der Kontakt zu Bernhard Crespel
4. Die Briefe
4.1. Der Briefverkehr zwischen Sophie von La Roche und Bernhard Crespel
4.2. Sophie als Briefautorin
4.3. Zur Briefauswahl und Textgestalt
4.4. Die Transkriptionen
5. Der Kommentar
5.1. Zur Vorgehensweise
5.2. Einzelstellenkommentar
5.2.1. 1. Brief an Bernhard Crespel vom 16. Januar 1776
5.2.2. 2. Brief an Bernhard Crespel vom 10. Dezember 1776
5.2.3. 3. Brief an Bernhard Crespel vom 13. Juli 1777
5.2.4. 4. Brief an Bernhard Crespel vom Januar 1778
6. Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Aufarbeitung und Edition ausgewählter, bisher kaum systematisch edierter Briefe von Sophie von La Roche an ihren Korrespondenzpartner Bernhard Crespel. Ziel ist es, neben einer textkritischen Transkription der Handschriften eine biographische und sozialgeschichtliche Kontextualisierung der Briefe zu liefern, um die Rolle La Roches als Schriftstellerin und Gesellschafterin im späten 18. Jahrhundert sowie ihr Beziehungsnetzwerk und ihre gesellschaftlichen Interessen zu beleuchten.
- Biographische Sozialisation von Sophie von La Roche
- Die literarische und gesellige Rolle der Autorin im 18. Jahrhundert
- Analyse des Briefwechsels als Instrument der Vernetzung und Informationsgewinnung
- Textkritische Erschließung und kommentierte Wiedergabe der Korrespondenz
- Untersuchung der Briefsprache vor dem Hintergrund zeitgenössischer Briefkultur
Auszug aus dem Buch
1. Sophie von La Roche: Zur Rezeption und Edition
Mit Sophie von La Roche – heute zuweilen als „Deutschlands erste Bestsellerautorin“1 tituliert – beschäftigte sich die Literarturgeschichte, wenn überhaupt, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts meist als Freundin Christoph Martin Wielands oder als Großmutter Bettina und Clemens Brentanos2. Ihr eigenes schriftstellerisches Werk trat zunächst durch die Frauenbewegung der 30-er Jahre vorübergehend in den Blickpunkt, bevor sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts als eigenständige Literatin wiederentdeckt wurde. Ihre Briefe sind noch nicht systematisch herausgegeben, einzelne Teile ihrer Korrespondenz finden sich recht verstreut in Editionen ihrer Briefpartner.
Der einzige bisherige Editionsort der Briefe Sophie von La Roches an Bernhard Crespel ist dessen Lebensdarstellung von Wilhelm Herz3. Allerdings ediert Herz die Briefe inkonsequent und verweist etwa nicht auf graphische Besonderheiten der charakteristischen Handschrift Sophies. Außerdem bleiben die Texte wegen ihrer buchstabengetreuen Wiedergabe und des fehlenden Kommentars schwer zugänglich; die vorliegende Arbeit verfolgt ein anderes Ziel.
Ein biographischer Abriss über ihre Erziehung und ihren Lebensweg gibt zunächst einen Überblick über die Sozialisation Sophie von La Roches, ihr Leben und die Motivationen ihres Schaffens. Sophie erwarb sich ein hohes gesellschaftliches Ansehen, das sie durch ein dichtes Beziehungsnetzwerk pflegte. Daher wird nicht zuletzt von Sophies Rolle als Gesellschafterin zu reden sein, als die sie schließlich auch den Kontakt zu Bernhard Crespel knüpfte. Die schrittweise Annäherung an ihre Korrespondenz führt notwendigerweise zu der Frage, welche Beziehungshintergründe und gesellschaftsbezogenen Interessen in die Briefe der Freunde einflossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sophie von La Roche: Zur Rezeption und Edition: Einführung in die Forschungsgeschichte und Begründung der vorliegenden, kommentierten Edition der Briefe.
2. Von der Kaufbeurer Bürgertochter zur Mainzer Hofdame: Darstellung der Erziehung und der prägenden biographischen Etappen von Sophie von La Roche bis zum Eintritt in das höfische Leben.
3. Sophie von La Roche: Schriftstellerin und Gesellschafterin: Analyse ihres literarischen Erfolgs durch das Erstlingswerk und ihre zentrale Rolle in der damaligen Geselligkeits- und Salonkultur.
4. Die Briefe: Untersuchung der Briefe als Medium sowie Erläuterung der Auswahlkriterien und der angewandten editorischen Vorgehensweise bei der Transkription.
5. Der Kommentar: Detaillierte Einzelstellenkommentare zu den edierten Briefen zur Aufhellung inhaltlicher Anspielungen und biographischer Hintergründe.
6. Schlusswort: Zusammenfassende Auswertung der Bedeutung der Briefe und Reflexion über das Verhältnis von Sophie von La Roche zu Bernhard Crespel.
Schlüsselwörter
Sophie von La Roche, Bernhard Crespel, Briefkultur, 18. Jahrhundert, Briefedition, Empfindsamkeit, Literaturgeschichte, Korrespondenz, Geselligkeit, Aufklärung, Pietismus, Transkription, Literatur salon, Biographik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer kommentierten Edition und Analyse von Briefen, die Sophie von La Roche an den Frankfurter Jugendfreund Bernhard Crespel schrieb.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Fokus stehen die biographischen Grundlagen von La Roche, die zeitgenössische Briefkultur, ihr Beziehungsnetzwerk in der damaligen Literaturwelt sowie ihr Wirken als Schriftstellerin und Gesellschafterin.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines wissenschaftlich fundierten, lesbaren Textes der Korrespondenz, der durch einen textkritischen Apparat und erläuternde Kommentare ergänzt wird, um die historischen und sozialen Kontexte der Briefe zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine editorische Methode gewählt, die einen Kompromiss zwischen originalgetreuer Wiedergabe der Handschriften und moderner Lesbarkeit sucht, flankiert durch eine historische Kontextualisierung der erwähnten Personen und Ereignisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einleitung, eine Untersuchung des literarischen und sozialen Kontextes, eine editorische Vorbemerkung sowie die eigentliche Edition der Briefe mit einem umfassenden Kommentar zu den Einzelstellen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen gehören Sophie von La Roche, Briefkultur, Empfindsamkeit, Salonkultur und editorische Praxis.
Welche Rolle spielte Bernhard Crespel für Sophie von La Roche?
Crespel fungierte als eine Art "Agent" im Frankfurter Umfeld, über den La Roche Informationen erhielt und den sie häufig für Erledigungen und organisatorische Hilfestellungen in Anspruch nahm.
Warum wird die editorische Vorgehensweise als "Kompromiss" beschrieben?
Da die Originalbriefe orthographisch und grammatikalisch sehr variabel sind, wurde eine behutsame Anpassung an heutige Normen vorgenommen, um die Lesbarkeit zu gewährleisten, ohne den Charakter der Korrespondenz zu verfälschen.
- Citar trabajo
- Andreas Mohr (Autor), 2007, Briefe an Bernhard Crespel. Eine Brieffreundschaft Sophie von La Roches, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168842