Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Rousseau und Key – zwei Erzieher im Vergleich

2. Der Einfluss des historischen Hintergrundes
2.1 Rousseau: Leben in zeitgenössischen Konflikten
2.2 Ellen Key: Prägerin der Reformpädagogik

3. Die Erziehungskonzepte
3.1 Erziehung zur Mündigkeit und Unabhängigkeit bei Rousseau
3.2 Ellen Keys Pädagogik vom Kinde aus
3.3 Der direkte Vergleich beider Theorien

4. Möglichkeiten und Grenzen in der Gegenwart

5. Literaturverzeichnis

1. Rousseau und Key – zwei Erzieher im Vergleich

Wer kennt nicht Jean-Jacques Rousseau, einen der bekanntesten großen Denker und Mitbestreiter der Aufklärung? „Seine Radikalität besaß – und besitzt bis heute – Anregungskraft…“ (Raithel 2009, S. 104). In der Pädagogik verbreiteten sich seine Theorien vor allem durch sein 1762 veröffentlichtes Werk „Emile oder über die Erziehung“, in welchem er fiktiv und idealtypisch die, seines Erachtens, bestmögliche Erziehung des jungen Emile beschreibt.

Über ein Jahrhundert später macht sich die schwedische Lehrerin und Dozentin Ellen Key einen Namen in der Welt der Pädagogik. „Von maßgeblicher Bedeutung für reformpädagogische Strömungen ist ihr 1900 erschienenes Werk ‘Das Jahrhundert des Kindes’, das … auf ein breite Leserschaft trifft“ (ebd., S. 139). Viele ihrer darin geschilderten Ansätze über eine ideale Erziehung für das Kind wurden zum Paradigma der Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden Reformpädagogik.

Die Erziehungskonzepte von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key möchte ich in dieser Arbeit nun im Hinblick auf grundlegende Gemeinsamkeiten und Unterschiede miteinander vergleichen, da ich im Laufe unseres Seminars großes Interesse für dieses Thema bei mir entdeckte. Dabei möchte ich sowohl auf die Art der Erziehung, als auch auf die Rolle und die Aufgaben des Erziehers sowie natürlich die Erziehungsziele näher eingehen. Da Rousseau und Key aber in völlig unterschiedlichen Zeiten lebten, die auch von verschiedenen gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen geprägt waren, möchte ich zunächst auf den jeweiligen historischen Hintergrund eingehen, in welchem die Beiden ihr Leben verbrachten. Auf diese Weise kann man am Besten erkennen und nachvollziehen, was diese Erzieher zu ihrer Zeit beeinflusste und in ihre Erziehungskonzepte Einfluss fand, beziehungsweise was sie anprangerten und wovon sie sich abgrenzen wollten, um es durch die passende Erziehung zu verändern und zu verbessern. Denn wenn man einen Überblick über das bekommt, was diese Beiden in ihrem Leben beschäftigte, kann man ihre Theorien und Ansätze über die Erziehung auch am Besten verstehen. In jedem Fall aber kann man eines vorwegnehmen, das Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key gemein ist: Beide gaben mit ihren Erziehungskonzepten immer wieder Anlass für Diskussionen und prägten bestimmte Themen und Ansichten der Pädagogik bis in die heutige Zeit.

2. Der Einfluss des historischen Hintergrundes

2.1 Rousseau: Leben in zeitgenössischen Konflikten

Widmen wir uns zunächst der Lebens- und Wirkungszeit von Jean-Jacques Rousseau, womit wir uns hauptsächlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts befinden. Zu dieser Zeit setzt in Frankreich gerade die Aufklärung ein. Diese Epoche ist von vielen gesellschaftlichen Unruhen geprägt. „Rousseaus Leben spiegelt zeitgenössische Konflikte wieder, die zwischen Aufklärung, Romantik und Religion, zwischen städtischem und ländlichem Leben, zwischen zivilisatorischer Entwicklung und kulturellem Leben und zwischen politischer Abhängigkeit und Selbstständigkeit verliefen“ (Raithel 2009, S. 104).

Das Anliegen Rousseaus war es, die gesellschaftlichen Missstände aufzuzeigen und anzuprangern. Ein markantes Beispiel stellt hierbei seine Beantwortung einer Preisfrage der Akademie von Dijon dar. Die Frage lautete: „Hat die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste zur Reinigung der Sitten beigetragen?“ Darauf lautete Rousseaus Antwort: „Nein“. Seine dazugehörige Abhandlung richtete sich „…gegen den [damaligen, Anm. d. Verf.] Zeitgeist und die französische Gesellschaft…“ (ebd., S. 103). Auf diese Weise wurde Rousseau gewissermaßen berühmt und berüchtigt, denn er gewann bei dieser Preisfrage zwar den ersten Preis und machte sich als Philosoph einen Namen, aber er stieß damit auch auf Kritik, heftige Auseinandersetzungen und Anfeindungen (vgl. Eisenmann, in Pflüger 2008, S. 171). „Wie stark diese Rousseaus Leben beeinflussten, spiegelt sich in den paranoiden Zügen ab, die sich in seinen letzten Lebensjahren ausprägten…“ (Wolkler 1999, zitiert nach Eisenmann, in Pflüger 2008, S. 171). Allgemein setzt er sehr wenig Vertrauen in die Gesellschaft und ihre Kultur, welche sich auf Ausbeutung und Unterdrückung gründen. Seine Gesellschaftskritik rechtfertigt Rousseau durch die unmittelbare „…Erleuchtung eines ursprünglichen Naturzustands des Menschen – eines Menschen ohne soziale Bindung, ohne Sprache, ohne Kultur, aber eben auch ohne Eitelkeit, ohne Neid, ohne Falsch, kurzum: ohne Widerspruch zwischen Sein und Schein“ (Hansmann, in Dollinger 2008, S. 27). Diese Ansicht findet direkten Einfluss in Rousseaus Erziehungskonzept des Emile. Die Gesellschaft ist entfremdet von der Natur und um die natürliche Ordnung wieder herzustellen, liegt der Gedanke, dabei mit der Kindererziehung anzufangen, natürlich nicht fern, da Kinder dem ursprünglichen Naturzustand des Menschen noch am nächsten sind. Das oberste Ziel Rousseaus lag darin, Mündigkeit, Individualität und Selbstständigkeit „…in Unabhängigkeit von gesellschaftlichen und politischen Krisen zu etablieren“ (Raithel 2009, S. 104). Zusammenfassend kann man sagen, dass die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit bei Rousseau zu Skepsis und Kritik führten, die er öffentlich kund gab. Zudem trat er radikal für seine Überzeugungen ein. Dadurch erfuhr er seinerseits viel Kritik und Feindlichkeiten, die ihn nur darin bestärkten sich von der entarteten Kultur und Gesellschaft abzukehren und sich der natürlichen Freiheit und Individualität zuzuwenden sowie diese zu fördern.

2.2 Ellen Key: Prägerin der Reformpädagogik

Betrachten wir den Lebensweg von Ellen Key, so reicht dieser von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hinein ins 20. Jahrhundert. Der erste Umstand, welcher schon ihre erzieherischen Ansichten prägte, war wohl die Tatsache, dass sie nie eine öffentliche Schule besuchte. Daher waren ihre Bildungsquellen nach eigener Aussage die Natur und die Bibliothek ihres Vaters (vgl. Spillmann 1992, S. 40, zitiert nach Sandomeer 2006, S. 4). Aus dieser eigenen positiven Erfahrung heraus ergibt sich ihre Vorstellung einer idealen Schule, welche „durch Selbstständigkeit, Vertiefung in einen Stoff und Wahlfreiheit für denselben bestimmt [wird]…“ (Spillmann 1992, S. 39, zitiert nach Sandomeer 2006, S. 4).

Das Schweden während der 19. Jahrhundertwende, in welchem Ellen Key lebte, befand sich, wie der Rest Europas, zu dieser Zeit zwischen Tradition und Moderne. Ebenso waren die Geistes- und Kulturwissenschaften in Spannung zwischen der Tradition des 19. Jahrhunderts und den Fortschrittsgedanken des 20. Jahrhunderts. Das in Schweden vorherrschende preußische Schulsystem sorgte dafür, dass Key zunächst „mit ihren modernen Gedanken der Selbsterziehung keinen Nährboden fand“ (Sandomeer 2006, S. 8) und dazu bestand die Schwierigkeit noch darin, „…dass sie sich als Frau ohne einen akademischen Abschluss in ein von Männern besiedeltes und dominiertes Gebiet vorwagte“ (ebd., S. 8).

Jedoch verunsicherte der durch die damals fortgeschrittene Industrialisierung zunehmende Einsatz von Maschinen die Menschen. Dies führte zur Kulturkritik, bei welcher man sich von der mechanisierten Welt abwenden und dem natürlichen menschlichen Sein zuwenden wollte. In der Pädagogik mündete diese Bestrebung in der Reformpädagogik, welche das Ziel der „…Rückwendung zum Menschen und die Abwendung von der vorangegangenen Epoche [hatte]“ (ebd., S. 9). In der Reformpädagogik finden viele Gedanken wie beispielsweise „natürliche Erziehung, Erziehung vom Kinde aus, kindliche Kreativität…“ ihren Einfluss (Oelkers 1995, S. 25, zitiert nach Sandomeer 2006, S. 10). Ellen Key fand sozusagen ihre Bestimmung in dieser reformpädagogischen Bewegung und trieb sie voran. Oftmals wird Ellen Key „…als die Erfinderin einer Pädagogik ‘vom Kinde aus’ bezeichnet und soll nach Hansmann sogar das ‘Leitmotiv für eine ganze Epoche geliefert’ haben“ (Hansmann 1996, S.365, zitiert nach Sandomeer 2006, S. 13). Besonders mit ihrem Werk „Das Jahrhundert des Kindes“ sorgte Ellen Key hier für viel Aufsehen, weil sie damit dem reformpädagogischen Zeitgeist zur Jahrhundertwende entsprach.

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Details

Titel
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Kindheit und Jugend Vertiefung
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V168849
ISBN (eBook)
9783640867622
ISBN (Buch)
9783640867905
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ellen, Key, Jean, Jacques, Rousseau, Vergleich, Erziehungskonzept
Arbeit zitieren
Alexander Schwalm (Autor), 2010, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau und Ellen Key, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168849

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