Computereinsatz im Geschichtsunterricht - Die "digitale Revolution" in den Klassenzimmern?


Hausarbeit, 2005
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. )Medien und Medienkompetenz im Geschichtsunterricht

3. )Möglichkeiten des Computereinsatzes im GU
3.1. ) Der Computer als Nachschlage- und Informationsmedium
3.2. ) Der Computer als Werkzeug
3.3. ) Multimediale Programme im Geschichtsunterricht

4. ) Schluss: Chancen für den Geschichtsunterricht durch den Computereinsatz

5. ) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Die digitale „Revolution“, die in der Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts einsetzte, machte auch nicht vor den Klassenzimmern unserer Schulen halt. Zunächst wurde ihr mit überschwänglicher Euphorie begegnet, die dazu führte, dass Computer didaktisch fragwürdig und eher wahr los im Unterricht eingesetzt wurden. Auch standen häufig gar nicht passende Programme zur Verwendung im Unterricht zur Verfügung, sodass die Kinder mit der Materie nicht angemessen in Berührung gebracht werden konnten. Infolgedessen legte sich diese erste Euphorie gegenüber der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien und vielerorts machte sich Ernüchterung breit. Man ging dazu über, Computer didaktisch durchdachter einzusetzen und speziellere Software und Angebote für Kinder zu entwickeln und zu verwenden. So kam es in Folge der Beruhigung der Euphorie dazu, dass die Lehrangebote durch Computerprogramme (Software) eine größere „Benutzbarkeit“ (Usability) aufwiesen. Jedoch sieht sich der Lehrer immer noch im Zwiespalt, eigentlich zwei Kriterien gleichzeitig gerecht werden zu müssen: Einerseits ist er dem mediendidaktischen Kriterium unterworfen. Demnach muss er das Lernziel, mit „neuen“ Medien wie dem Computer adäquat umzugehen, berücksichtigen. Computer sind aus der Lebenswelt der Schüler nicht mehr wegzudenken, daher muss auch der Unterricht Bezug zu den neuen Herausforderungen der „Informationsgesellschaft“ nehmen. Meistens absorbiert die Bedienung der Software jedoch so viel kognitive Kapazität, dass das zweite Kriterium, die Umsetzung der fachlichen Ziele, meistens nur eingeschränkt geschehen kann. Erst wenn es hier kein „entweder oder“ gibt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil des Geschichtsunterrichts werden.

Ziel dieser Hausarbeit soll es nun sein, Möglichkeiten des Computereinsatzes im Geschichtsunterricht aufzuzeigen und diese auf didaktische Relevanz zu prüfen. Es soll nach einigen mediendidaktischen Vorüberlegungen geprüft werden, inwiefern mittels Computereinsatzes historische Erkenntnisgewinnung auf Seiten der Schüler stattfinden kann und welche Beschaffenheit multimediale Programme, die eine Verwendung im Geschichtsunterricht finden sollen, haben müssen.

2.) Medien und Medienkompetenz im Geschichtsunterricht

Bevor es um die Bedeutsamkeit des Computereinsatzes im Geschichtsunterricht gehen soll, werden, angelehnt an Gies und Günther Arndt, einige Gedanken zu Medien und deren Bedeutung für den Unterricht vorweg geschickt.[1]

Zunächst sind Medien Informations- und Kommunikationsmittel, ohne die Lehr- und Lehrprozesse nahezu unmöglich wären.

Schon Kant (Kritik der reinen Vernunft) hat erkannt, dass eine bloße Anschauung nicht genügt, um Erkenntnisse zu gewinnen. Ohne einen entwickelten Begriffsapparat als Werkzeug der Auffassung und Mittel der Verständigung steht man „Erscheinungen“ jeglicher Art blind gegenüber. Verständigung und Kommunikation wären ohne personale Medien (Sprache, Stimme etc.) im Unterricht unmöglich. Neben den personalen Medien sind objekthafte Medien entscheidende Auslöser für Denk-, Erkenntnis und Kommunikationsprozesse. Sie sind solche Medien, über die Sinneskontakt zum Unterrichtsgegenstand hergestellt werden kann (Brief, Faustkeil, Tondokumente, Filme uvm.). Durch bildliche Veranschaulichung wird Lernen nachweislich positiv beeinflusst (Gies). Medien sind demzufolge nicht nur Mittel, sondern auch „Mittler“ in Lernprozessen. Durch sie ist es möglich, Informationen zu tragen, zu transportieren, festzuhalten und zu vermitteln.

Darüber hinaus dienen Medien im Unterricht als Lehrmittel und Lernmaterial. Medien sind in diesem Kontext Mittel zur Verständigung der am Lehr- und Lernprozess Beteiligten. Dabei ist die zielgerichtete Auswahl, didaktische Aufbereitung und der zweckentsprechende Einsatz durch die Lehrkraft ein weiteres Charakteristikum.

Besonders relevant für den Geschichtsunterricht ist, dass Medien Realerfahrungen ersetzen oder ermöglichen können. Da die geschichtlichen Geschehnisse unwiderruflich vergangen sind, ist eine unmittelbare „Anschauung“, die schon Comenius gefordert hat, der Unterrichtsgegenstände in situ nur sehr selten möglich (das Museum wäre eine Möglichkeit, wobei auch hier nur Ausschnitte dargeboten werden). Demnach benötigt der Geschichtsunterricht Medien, um die Vergangenheit erschließen zu können. Überwiegend wird dazu das Medium der Sprache verwendet (Quellen, Forschermeinungen, Lehrmittel und -materialien). Einerseits sind die Unterrichtsmedien intentional zur Erlangung bestimmter Kompetenzen (kognitiv, pragmatisch, affektiv) auszuwählen. Andererseits haben sie eine thematische Spezifik, sie bilden Inhalte ab, konkretisieren und abstrahieren den Lerngegenstand und erfordern je nach ihren Eigenarten Übung im Umgang. Bestimmte Verfahren zur Erkenntnisgewinnung aus Medien müssen geübt werden, um einem Objekt (Quelle, Gegenstand) Erkenntnisse entlocken zu können. Insgesamt sind Medien dabei von der „Lernumwelt“ determiniert, sozio-kulturelle und anthropogene Voraussetzungen beeinflussen die Auswahl der Medien. Zwischen diesen drei Faktoren kommt es durch den Medieneinsatz zu Wechselwirkungen, die man beim Einsatz berücksichtigen muss.

Neben den klassischen Medien (Tafel, Gemälde, Quellen) entstanden in den letzten Jahren, bedingt durch die technischen Neuentwicklungen, neue Mediengattungen, kurz „Neue Medien“ oder auch „technische“ Medien genannt. Das spezifische an derlei Medien ist, dass sie mehrere Medien in ein Medium integrieren (Filme, Multimedia­Anwendungen).

Dabei ist es ein grundlegendes Anliegen des Geschichtsunterrichtes, die Schülerinnen und Schüler möglichst gut auf ihr späteres Leben vorzubereiten und ihnen, daraus gefolgert, auch grundlegende Fertigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit den „Neuen Medien“, zu denen auch der PC gehört, mit auf den Weg zu geben. Nicht nur die heute selbstverständliche Informationsbeschaffung mittels des PC's, sondern auch die versteckten Gefahren, die die Technik mit sich bringt, sind den Kindern beizubringen. So ist es heutzutage ein Leichtes, trotz geringer technischer Fertigkeiten schnell an jugendgefährdendes Material, beispielsweise im Internet, zu gelangen. Hier stehen Lehrer, Eltern, ja die gesamte Gesellschaft vor der großen Aufgabe, die Schüler für derartige „Randerscheinungen“ zu sensibilisieren und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Überdies sind den Schülern noch einige grundlegende Kompetenzen, die teilweise natürlich auch für andere Medien als den Computer gelten, zu vermitteln:

Eine zentrale Kompetenz im Umgang mit Computerprogrammen, Websites usw. ist die Fähigkeit zur Orientierung in nicht hierarchischen oder linearen Strukturen. Unsere Lesegewohnheiten, die an hierarchisch- bzw. linear aufgebauten Texten orientiert sind, sperren sich gegenüber Hypermediaangeboten wie Websites. Vielen Benutzern kommen Websites wie ein großes Chaos vor. Ohne eine Orientierungsstruktur bzw. -hilfe zu[2] stellen, kann ein an die „Neuen Medien“ angelehnter Unterricht nicht mehr als Verwirrung stiften. Orientierung beinhaltet nach Oswalt sowohl die fachliche Einbettung, Orientierung im „Raum“ und die Orientierung im „piktografischen System“ (gemeint ist die Benutzeroberfläche) einer Website oder eines Programmes.

Neben der Fähigkeit zur Orientierung müssen die Schüler auch die Fähigkeit zur Decodierung erwerben. Dabei geht es um die Fähigkeit zur Rückübersetzung dargebotener Multimediainhalte (Visualisierungen wie Grafiken) in ein lineares Gedankengebäude wie einen Text. Dieser Schritt muss im Grunde genommen permanent bei der Arbeit an Hypertextseiten aus dem Internet oder an multimedialer Lernsoftware erfolgen.

Im Zuge der Benutzung von Internetseiten oder von Lernsoftware müssen Schüler auch verstärkt im Lesen und Interpretieren von Bildern, Abbildungen, Grafiken usw. geschult werden.

Ferner müssen die Selektion (Abgleich von Interesse und Angebot) von Inhalten beherrschen, da der „rote“ Faden sonst bei der Arbeit am Computer schnell zum gordischen Knoten werden kann.

Als selbstverständlich kann man den kritischen Umgang mit digital dargebotenen Informationen betrachten, gilt die Notwendigkeit dieser Kompetenz doch auch für alle anderen Medien.

Wie vorangestellter Kompetenzkatalog zeigt, muss den Schülern im Unterricht zunächst erhebliche Hilfestellung seitens der Lehrenden geleistet werden. In keiner Weise dürfen sie mit den Programmen bzw. dem Computer „alleingelassen“ werden, da ihnen oftmals jegliche Form der Orientierung fehlt. Oben genannte Fähigkeiten können natürlich nicht rein theoretisch gelehrt werden, der Praxiseinsatz ist hier durch nichts zu ersetzen. Dementsprechend sind auch die Anforderungen an die Lehrer groß, da sie erstens diese Kompetenzen selbst aufweisen müssen und zweitens ein auf die Schüler zugeschnittenes Angebot bieten sollten. So könnte man anhand von methodischen Einschüben, die durchaus nicht unbedingt fachwissenschaftlichen festgelegten Themenstellungen unterworfen sein müssen, den Kompetenzerwerb bündeln und den Kindern „typische“ Programmstrukturen und deren „mentales Modell“ einstudieren.

Je besser sie die Konstruktionsprinzipien der Programme durchschauen, desto besser können sie generell dargebotene Angebote von „außen“ einschätzen. Aus mediendidaktischer Perspektive bleibt noch zu erwähnen, dass der Computer neben den rein rezipierenden Formen (Informationen sammeln und auswerten) auch die Günther-Arndt, Hilke, Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 22005, 219ff.

[...]


[1] Gies, Horst, Geschichtsunterricht. Ein Handbuch zur Unterrichtsplanung, Köln (et al.) 2004, 213ff.

[2] Vgl. Oswalt, Vadim, Multimediale Programme im Geschichtsunterricht, Wochenschau Geschichte 1, Köln 2002, 44ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Computereinsatz im Geschichtsunterricht - Die "digitale Revolution" in den Klassenzimmern?
Hochschule
Universität Paderborn
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V168873
ISBN (eBook)
9783640867714
ISBN (Buch)
9783640867950
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
computereinsatz, geschichtsunterricht, revolution, klassenzimmern, Neue Medien
Arbeit zitieren
Simon Tewes (Autor), 2005, Computereinsatz im Geschichtsunterricht - Die "digitale Revolution" in den Klassenzimmern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168873

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