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Von der Relevanz der Zu- und Abweisung von Reputation in industriellen Beziehungen und der Notwendigkeit einer neuen gewerkschaftlichen Anerkennungspolitik

Title: Von der Relevanz der Zu- und Abweisung von Reputation in industriellen Beziehungen und der Notwendigkeit einer neuen gewerkschaftlichen Anerkennungspolitik

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Tim Bischoff (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Summary Excerpt Details

Der Beruf hat sowohl zeitlich als auch für die eigene Persönlichkeit der Menschen einen zentralen Stellenwert in der Gesellschaft eingenommen. Beruflicher Erfolg schafft Anerkennung und Respekt anderer Menschen, die häufig direkt in ein entsprechendes Entgelt führen und dadurch einen bestimmten Lebensstandard ermöglichen. Statussymbole werden zu einem Indikator dafür, dass man es "geschafft" hat. Die Werbung und Ansprüche der Menschen richten sich genau auf dieses Bedürfnis, so wird neben "jung" und "dynamisch" immer häufiger "erfolgreich" in der Werbebotschaft transportiert. Auch wenn nicht alle Menschen dauerhaft erfolgreich sein können, so möchten sie sich doch zumindest die Dinge aneignen, die ihnen suggerieren, dass sie es sind. So ist z.B. in Deutschland die Anzahl neuer Autos so hoch wie noch nie, einen alten Käfer sieht man immer seltener.
Tatsächlich sind die Menschen nahezu erfolgsabhängig geworden. Ist diese Erfolgsabhängigkeit, die in den letzten Jahren beständig in Form von "mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein/e Frau/Mann" zelebriert worden ist evtl. die Ursache der Veränderung der Arbeitsverhältnisse, der„Humanisierung der Arbeit„- Bewegung der 80er Jahren? Liegt in der Wandlung von einst eintönigen und durchorganisierten Arbeitsprozessen mit direkter Kontrolle von oben in kleine nahezu selbständig arbeitende, autarke Gruppen im Unternehmen mit einem hohen Grad an Entscheidungsspielräumen, die Ursache für den Zwang zum Erfolg? Geht mit Enthierarchiesierung, Dezentralisierung und Gruppenarbeit im Zuge betrieblicher Reorganisationsprozesse die Anforderung der Arbeitgeber an die Arbeitnehmer einher selbst für ihren eigenen beruflichen Erfolg zu sorgen?
Gleichzeitig stellt sich die Frage wie es zu diesem Wandel hin zur Humanisierung der Arbeit kam. Ab wann und warum waren die Arbeitnehmer nicht mehr bereit die gegebenen Arbeitsbedingungen des Taylorismus zu ertragen. Worin könnten die Ursachen liegen, dass die Arbeitnehmer diese Bedingungen so lange hingenommen haben?
Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ANERKENNUNG

2.1 VON DER WÜRDIGUNG ZUR REPUTATION

2.2 EROSION UND WANDEL

2.3 DUALITÄT KURZFRISTIGER BEZIEHUNGEN – ORGANISATIONEN UND DAS PROBLEM DES VERTRAUENS

2.4 BEDEUTUNGSGEWINN DER REPUTATION = ZUNAHME DER UNSICHERHEIT

3. URSACHEN VON UNTERORDNUNG UND WIDERSTAND

3.1 GESELLSCHAFT UND SOZIALE UNGLEICHHEIT

3.2 EXISTENZFÄHIGKEIT DER GESELLSCHAFT UND IHRE PRINZIPIEN – DIE SOZIALE KOORDINATION

3.2.1 AUTORITÄT

3.2.2 ARBEITSTEILUNG

3.2.2 VERTEILUNG VON RESSOURCEN

4. GEWERKSCHAFTLICHE ANERKENNUNGSPOLITIK

4.1 NEUE ANFORDERUNGEN AN DIE GEWERKSCHAFTEN

5. RESÜME UND SCHLUSS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Bedeutungswandel von Anerkennungsformen in der modernen Arbeitswelt und analysiert, inwiefern dieser Wandel die Erosion traditioneller gewerkschaftlicher Bindungen beeinflusst. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Gewerkschaften angesichts der Verschiebung von langfristiger Würdigung hin zu kurzfristiger, reputationsbasierter Erfolgsbewertung ihre Rolle als Arbeitnehmervertretung neu definieren können.

  • Bedeutungswandel von Anerkennung und Reputation in industriellen Beziehungen
  • Ursachen von Unterordnung und Widerstand im Kontext sozialer Koordination
  • Auswirkungen der Individualisierung auf kollektive Identitäten und Loyalität
  • Anforderungen an eine neue gewerkschaftliche Anerkennungspolitik
  • Problematiken bei gewerkschaftlichem Handeln in der Kommunikationsgesellschaft

Auszug aus dem Buch

2.4 Bedeutungsgewinn der Reputation = Zunahme der Unsicherheit

Mit dem Bedeutungsgewinn der Reputation nimmt für den Arbeitnehmer aber auch Unsicherheit zu, dies ist für Voswinkel vorallem an folgenden Punkten feststellbar:

a.) Die Entwicklung eines neues Managertyps

Manager sind zunehmend weniger durch eine innerbetriebliche Karriere mit dem Unternehmen verbunden, vorzeigbare individuelle Erfolge stehen im Fordergrund. „Noch vor kurzem galten deutsche Topmanager als Unternehmensführer, die frei von kurzfristigen Erfolgsdruck entscheiden konnten ... . Heute beobachtet man in den Karrieren der Manager einen Trend zu Professionalisierung ... zu größerer Konkurrenz und zu größerem Druck , schnell positive Ergebnisse vorzeigen zu können.“

b.) Bedeutungsgewinn der Nutzung der Subjektivität und Personalität (selbständiges Arbeiten, Kreativität, Fantasie) der Beschäftigten

Einerseits entsteht aus einer sich entwickelnden selbstbestimmten Lebensweise eine egozentrische Lebensführung und Karriereplanung, deren Folge eine verinnerlichte Leistungsbereitschaft ist, die viel mit individueller Sinnerfüllung und wenig mit dem Wunsch nach kollektiver Einbindung und Solidarität zu tun hat. Gleichzeitig ermöglichen posttaylorische Arbeitsformen, z.B. Gruppenarbeit oder Teamarbeit den Beschäftigten einen gewissen Autonomiespielraum bei der Ausführung ihrer Arbeit. Die direkte Kontrolle wandelt sich zur Kontrolle der Ergebnisse oder Erfolge. Andererseits setzen diese neuen Autonomiespielräume aber auch voraus, dass die Orientierung an klaren Zielen und Vorgaben erfolgt und dass unter der Voraussetzung eines „Commitments“ der Beschäftigten, es zu einer Verinnerlichung eines Selbstverständnisses als Mitunternehmer kommt. Voswinkel definiert diesen neuen Arbeitnehmertyp, der aus Autonomiespielräumen, dem unternehmerisch mitdenkenden und an klaren Zielen orientiert arbeitenden Arbeitnehmer entsteht, als Arbeitskraftunternehmer, einem nahezu selbständig arbeitenden Unternehmer im Unternehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den zentralen Stellenwert beruflicher Anerkennung und führt in die Fragestellung ein, wie sich der Wandel der Arbeitsbedingungen auf das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auswirkt.

2. ANERKENNUNG: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Formen des sozialen Handelns und definiert die Begriffe Anerkennung, Würdigung und Reputation sowie deren Erosion im postfordistischen Arbeitskontext.

3. URSACHEN VON UNTERORDNUNG UND WIDERSTAND: Das Kapitel analysiert den impliziten Gesellschaftsvertrag und die damit verbundenen Probleme der sozialen Koordination, wie Autorität und Ressourcenverteilung, als Ursachen für soziale Ungleichheit.

4. GEWERKSCHAFTLICHE ANERKENNUNGSPOLITIK: Hier werden die Herausforderungen für Gewerkschaften diskutiert, ihre Vertretungsmuster an den Bedeutungswandel von Reputation und die Individualisierung der Arbeitnehmer anzupassen.

5. RESÜME UND SCHLUSS: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Erosion kollektiver Bindungen und der Druck zur Selbstdarstellung als Arbeitskraftunternehmer neue Ansätze für gewerkschaftliche Anerkennungspolitik zwingend erforderlich machen.

Schlüsselwörter

Anerkennung, Reputation, industrielle Beziehungen, Gewerkschaften, Arbeitskraftunternehmer, soziale Koordination, Individualisierung, Postfordismus, Würdigung, Arbeit, Identität, Machtverhältnisse, Gesellschaftsvertrag, Arbeitsmarkt, Prestige.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wandel der Anerkennungsmodi im Arbeitsleben und untersucht, wie die zunehmende Bedeutung von Reputation die industrielle Beziehung und die Rolle der Gewerkschaften verändert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung vom tayloristischen zum posttayloristischen Arbeitskraftunternehmer, die Erosion kollektiver Identitäten und die Notwendigkeit einer neuen gewerkschaftlichen Anerkennungspolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Ursachen für den Wandel in den Anerkennungsverhältnissen aufzuzeigen und Strategien zu diskutieren, wie Arbeitnehmervertretungen auf die veränderte Arbeitswelt reagieren können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten (insbesondere von Stephan Voswinkel) sowie Modellen zur sozialen Koordination von Moore und Berrington, um die aktuelle Lage zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Begriffe Anerkennung und Reputation definiert, der Wandel zu kurzfristigen Arbeitsbeziehungen beleuchtet sowie Ursachen für Unterordnung und Widerstand in der Gesellschaft theoretisch fundiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Anerkennung, Reputation, Arbeitskraftunternehmer, Gewerkschaften und Individualisierung.

Warum reicht der traditionelle gewerkschaftliche Ansatz laut Autor nicht mehr aus?

Durch die Individualisierung und den Zerfall kollektiver Identitäten fühlen sich Arbeitnehmer weniger als anonyme Kollektivmitglieder, sondern fordern als Kunden Anerkennung ihrer Individualität, was klassische Strategien entwertet.

Welche Rolle spielt der „Arbeitskraftunternehmer“?

Er ist ein Arbeitnehmertyp, der in einem selbstbestimmten, aber zielorientierten Umfeld arbeitet und sich zunehmend selbst als Mitunternehmer begreift, was eine neue Form der Reputationspolitik seitens der Gewerkschaften erforderlich macht.

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Details

Title
Von der Relevanz der Zu- und Abweisung von Reputation in industriellen Beziehungen und der Notwendigkeit einer neuen gewerkschaftlichen Anerkennungspolitik
College
Bielefeld University  (Fakultät für Soziologie)
Course
Aspekte des Postfordismus
Grade
2,0
Author
Tim Bischoff (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V16898
ISBN (eBook)
9783638216043
Language
German
Tags
Relevanz Abweisung Reputation Beziehungen Notwendigkeit Anerkennungspolitik Aspekte Postfordismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tim Bischoff (Author), 2002, Von der Relevanz der Zu- und Abweisung von Reputation in industriellen Beziehungen und der Notwendigkeit einer neuen gewerkschaftlichen Anerkennungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16898
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