m Zentrum der vorliegenden Arbeit steht die Untersuchung der Wirkung Reinmars des Alten nach Außen. Dies wird unternommen, indem Reinmars literarische Beziehung mit Walther von der Vogelweide diskutiert wird. Es wird unter anderem versucht, die Argumentation von Walther von der Vogelweide zu beschreiben anhand der Fragen: wie nimmt Walther Reinmar wahr und welche Bedeutung kann die Beziehung für beide Dichter gehabt haben? Ferner wird die in der Forschung oft diskutierte Frage, ob es eine Fehde in Form der gegenseitigen Bekämpfung zwischen Reinmar dem Alten und Walther von der Vogelweide gegeben haben soll, oder ob die literarischen Bezüge beider als eine harmlose Kommunikation unter Kollegen zu verstehen sei, untersucht. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist die unterschiedliche Behandlung gleicher Themen in ihren Werken, nämlich das Rühmen der Dame und die Konzeption der Minne. Es gilt die Frage zu beantworten, welchen Verlauf die Autorenkommunikation nahm. Dazu werden neben den Beispielen aus den Liedern beider Dichter die Untersuchungsergebnisse aus der Forschungsliteratur herangezogen und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Walthers Parodie als Außenbetrachtung auf Reinmar
2.1 Formale Untersuchung Reinmars 159,1 und der Vergleich mit dem Aufbau Walthers Parodie 111,22
2.2 Die inhaltlichen Bezüge auf Reinmars Lieder in Walthers Parodie 111,22
3 Die Untersuchung der Divergenz in den Minnekonzepten Reinmars und Walthers
3.1 Reinmar als Vertreter des traditionellen Minnekonzepts in 158,1, 162,7 und 165,10 und die neue Sicht auf Reinmar
3.2 Die Frage der Innovation in Walthers Lied 72,31
4 Walthers Reinmar-Bild in seinen Nachrufen 82,24 und 83,1
5 Die Rivalität als Unterhaltung
5.1 Beginn der Rivalität mit Reinmars Angriff in 170,1 auf Walthers 115,6 und Reinmars Verteidigung in 196,35
5.2 Autorenkonkurrenz oder -kommunikation?
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Beziehung zwischen Reinmar dem Alten und Walther von der Vogelweide, insbesondere die Frage, ob zwischen den Dichtern eine reale Fehde oder eine spielerische, intertextuelle Autorenkommunikation bestand.
- Analyse der formalen und inhaltlichen Parodien Walthers auf Reinmars Lieder
- Untersuchung divergierender Minnekonzepte und poetischer Traditionen
- Interpretation von Walthers Reinmar-Bild in seinen Nachrufen
- Erörterung der Rivalität als Mittel zur Unterhaltung und Selbstinszenierung
Auszug aus dem Buch
2.1 Formale Untersuchung Reinmars 159,1 und der Vergleich mit dem Aufbau Walthers Parodie 111,22
Zunächst soll die Besonderheit der Überlieferung Reinmars Liedes 159,1 „Ich wirbe umbe allez“ angesprochen werden. Das Lied wird in Handschriften A, B, C und E überliefert, die Leithandschrift ist die Weingartner Handschrift (B). Alle vier Handschriften überliefern das Lied mit fünf Strophen, „allerdings mit abweichender Strophenfolge“. Es ergibt sich eine Konkordanz wie folgt:
Die abweichenden Strophenfolgen und die zum Teil verschiedenen Textvarianten der Handschriften können unterschiedliche Interpretationen zur Folge haben. Beim Vergleich der Überlieferungen, wie hier am Beispiel Reinmars 159,1 gezeigt wird, kann man Unterschiede feststellen, die eine Wirkung erzielen, als komme der Hoffnung auf das weibliche Entgegenkommen in der A-Fassung „eine größere Bedeutung zu, als in der B-Fassung.“
Die Strophen in Reinmars 159,1 bestehen aus neun Versen, die sich jeweils in Auf und Abgesang gliedern lassen. Das Reimschema im Aufgesang ist durch einen Kreuzreim (ab ab) gekennzeichnet: im ersten Vers der ersten Strophe lautet der Reimklang “man“ (a) im darauffolgenden Vers lautet der Reimklang „sol“ (b), es folgen „enkan“ (a) und „wol“ (b). Der Abgesang enthält einen Paarreim: auf „tuot“ (c) reimt sich „guot“ (c), diesem wird die Dreireimperiode angeschlossen: „stat“ (d), „getrat“ (d) und „mat“ (d). Es handelt sich hierbei um konsonantisch und vokalisch reine Reime.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die literarische Interaktion zwischen Reinmar und Walther und hinterfragt, ob deren Beziehung von persönlicher Fehde oder rein literarischer Kommunikation geprägt war.
2 Walthers Parodie als Außenbetrachtung auf Reinmar: Dieses Kapitel vergleicht die formalen und inhaltlichen Strukturen von Reinmars Lied 159,1 und Walthers Parodie 111,22.
3 Die Untersuchung der Divergenz in den Minnekonzepten Reinmars und Walthers: Es wird analysiert, inwieweit unterschiedliche Minnekonzepte als Grundlage für die literarische Auseinandersetzung der beiden Dichter dienen könnten.
4 Walthers Reinmar-Bild in seinen Nachrufen 82,24 und 83,1: Eine Analyse von Walthers Nachrufen, die ein differenziertes Bild zwischen der Person Reinmar und seiner künstlerischen Leistung zeichnen.
5 Die Rivalität als Unterhaltung: Untersucht wird, ob die Auseinandersetzung zwischen Reinmar und Walther als bewusste Inszenierung zur Unterhaltung des höfischen Publikums zu verstehen ist.
6 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die literarische Kommunikation zwischen beiden Dichtern eher auf intertextueller Interaktion als auf persönlicher Feindschaft basiert.
Schlüsselwörter
Reinmar der Alte, Walther von der Vogelweide, Minnesang, Literarische Fehde, Autorenkommunikation, Minnekonzept, Parodie, Hohe Minne, Intertextualität, Mittelalterliche Lyrik, Klagegesang, Autorenkonkurrenz, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Spannungsfeld und die gegenseitigen Bezüge zwischen den Minnesängern Reinmar dem Alten und Walther von der Vogelweide.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die formale und inhaltliche Analyse von Parodien, die Konzepte der Minne sowie die Frage, ob eine tatsächliche Rivalität vorlag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob Walther Reinmar aus persönlicher Abneigung angriff oder ob die literarischen Bezüge als spielerische Kommunikation zu deuten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer komparativen Textanalyse von Primärquellen sowie der kritischen Auswertung einschlägiger Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Lieder, divergierende Minnekonzepte, die Funktion von Walthers Nachrufen und die These einer möglichen Unterhaltungsfunktion der Dichterfehde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Reinmar, Walther, Minnesang, Autorenkommunikation, Parodie, Intertextualität und literarische Fehde.
Wie deutet die Autorin/der Autor Reinmars Klagegesang?
Die Arbeit betont, dass Reinmars Klagegesang als poetische Konvention und Ausdruck freien Künstlertums zu sehen ist, nicht notwendigerweise als Abbild seiner persönlichen Lebenssituation.
Welche Rolle spielen die Nachrufe bei der Beurteilung der Beziehung?
Sie zeigen eine Differenzierung zwischen der Person und der Kunst Reinmars und deuten darauf hin, dass die vermeintliche Feindschaft keine ernste persönliche Färbung hatte.
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- Marianne Wenz (Author), 2005, Die Außensicht auf Reinmar den Alten durch Walther von der Vogelweide, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169033