Der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität im kulturellen Vergleich


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Vorhandensein von Homosexualität trotz fehlender evolutionstheoretischer Motivation

2. Knabenliebe im antiken Griechenland

3. Sodomie und Ketzerei im Mittelalter

4. Theorien im 19./20. Jahrhundert

5. Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland

6. Muslimische Emigranten und die Homosexualität

7. Päderastische Riten auf Pazifikinseln

8. Homophobe Reggae-Songs in Jamaika

9. Kontraste in Südafrika

10. Homosexualität in Städten der USA

11. Einstellung zur Homosexualität abhängig von Entwicklung des Staates?

Literaturverzeichnis

1. Das Vorhandensein von Homosexualität trotz fehlender evolutionstheoretischer Motivation

In der Wissenschaft wird immer nach dem Motiv gefragt, stets ist man auf der Suche nach einem Kausalzusammenhang, etwas, das konkret in Verbindung mit dem Objekt der Forschung steht. Homosexualität fällt nun in eines dieser Phänomen, die besonders erklärungsbedürftig sind, denn „(g)eht man von der grundsätzlichen biologischen Programmierung der Sexualität aus, so dürfte es aus evolutionstheoretischen Gründen Homosexualität eigentlich gar nicht geben."[1] Sie trägt nicht zur Arterhaltung bei.

Nun ist es aber eine Tatsache, dass Homosexualität in der ganzen Welt und das schon seit Jahrtausenden weit in Verbreitung ist (sowohl bei den Menschen, als auch im Tierreich). Trotz der evolutionstheoretischen Wahrscheinlichkeit, dass sie längst durch eine sexuelle Selektion verschwunden oder zumindest sehr selten vorhanden sein müsste[2], war und ist sie in sämtlichen Kulturen aller Zeitspannen ein stets präsenter Bestandteil jeder Gesellschaft.

Ich werde nun vorerst einen kleinen Überblick über die jeweilige Beschaffenheit von Homosexualität in diversen Kulturen herstellen, den ich aus Gründen der Einfachheit in eine chronologische Reihenfolge setze, so weit dies möglich ist. Im Anschluss an diese konkreten Beispiele soll untersucht werden, worin existentiell gegebene Gründe für das Vorhandensein von Homosexualität bestehen und inwiefern sie sich in den jeweiligen Gesellschaften äußert. Denn „während sie in den westlichen Kulturen bis vor kurzem bei Männern völlig abgelehnt wurde und unter Strafe stand, ist sie z.B. bei einigen einfachen Kulturen Neuguineas zur gesellschaftlichen Regel geworden.“[3] Die Frage ist nun, gibt es zwischen diesen stark divergierenden Unterschieden auch Gemeinsamkeiten? Lässt sich Homosexualität auch auf einen oder mehrere Punkte bringen?

Wie gesagt werde ich nun an erster Stelle einen knappen Überblick über Homosexualität im historischen Verlauf verschaffen, anschließend sollen ausgewählte Beispiele den aktuellen Stand im Vergleich veranschaulichen und zuletzt werden diese gegenübergestellt, um herauszuarbeiten, ob es eine Art Essenz von Homosexualität überhaupt geben kann, beziehungsweise, inwiefern die Gesellschaft mit ihr umgeht.

Um das Ganze etwas zu vereinfachen, werde ich mich auf männliche Homosexualität beschränken. Die Arbeit dient weniger der Beantwortung essentieller Fragen, als vielmehr der Beschaffung eines kurzen Überblicks, beziehungsweise Einblicks in den Umgang mit Homosexuellen.

2. Knabenliebe im antiken Griechenland

Schon der Begriff „Homosexualität“ lässt sich zum einen Teil auf ein griechisches Wort zurückführen, nämlich auf „ όμοĩοϛ“, was so viel wie „gleich, gleichartig“ bedeutet.[4] Daraus lässt sich schlussfolgern, dass ein Homosexueller sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. (Real gesehen hat Karl Maria Benkert den Ausdruck erstmalig im Jahr 1869 gebraucht, als er ein dreiteiliges System von Sexualtypen aufstellte.[5] ) Wenn man allerdings von Homosexualität in der griechischen Antike spricht, gebraucht man häufiger den Begriff „Päderastie“, was sich mit „Knabenliebe“ übersetzen lässt, beziehungsweise mit der „Liebe zu Knaben“.

Päderastie in der Antike lässt sich schwer mit Homosexualität in unserer Zeit vergleichen. Tatsächlich handelte es sich um eine Art institutionalisierte Form von sexuellen Beziehungen zwischen einem Mann und einem männlichen Jugendlichen. Die sexuelle Komponente war unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei der pädagogische Anspruch eine zentrale Rolle einnahm.[6] Die Belege dafür sind hauptsächlich bei Platon, sprich aus dem vierten Jahrhundert vor Christus zu finden. Dieser sieht „in der „echten“ Knabenliebe als Verbindung gleichgeschlechtiger Menschen ein engeres Verhältnis als in der ehelichen Gemeinschaft, denn der Liebhaber (…) liebt in dem Knaben das ihm ähnliche Wesen, das er nach seinen Vorstellungen formen und sich angleichen kann.“[7] Der Liebhaber wird damit also auch zum Erzieher. Entscheidend für den Liebhaber, auch Erastes genannt, war keine festgelegte Altersgrenze, sondern lediglich eine physisch-psychische Überlegenheit, die jedoch durch sein höheres Alter als das des Geliebten, des Eromenos, bedingt sein sollte.[8] Der Eromenos hingegen war üblicherweise in einem Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren.

In der Regel lernten die Männer die Jugendlichen auf Sportplätzen, wie der Palästra oder dem Gymnasion, kennen, wobei sie diese mit Geschenken umwarben.[9] Üblich waren Tiergeschenke, doch auch Geld wurde den Knaben bisweilen ausgehändigt.

Dieses in der Öffentlichkeit anzunehmen war allerdings „nicht standesgemäß und entsprach in keinem Fall den ethischen Normen Platons.“[10] Prostitution konnte sogar dazu führen, dass dem jeweiligen Knaben die Ausübung seiner Bürgerrechte verwehrt wurde, da „der Gesetzgeber der Meinung war, daß einer, der seinen Körper anderen verkaufte, um ihnen willfährig zu sein (…), auch nicht zögern würde, die Interessen der Gemeinschaft als ganzer zu verkaufen.“[11]

Ziel einer päderastischen Beziehung war immer noch die pädagogische Ausrichtung. Dem Eromenos sollten durch den Erastes gesellschaftliche Ideale nahe gebracht werden, es war die Aufgabe des Liebhabers, den Geliebten zu männlicher Tugend und sittlicher Tadellosigkeit zu erziehen.[12] Die Konzentration liegt – wie allerdings erwähnt werden muss – hauptsächlich auf Athen, denn gewiss „verhielten sich die griechischen Völkerstämme nicht alle gleich bezüglich der Knabenliebe“.[13] Geht man aber von Platons Ansichten aus, so beinhaltete diese Art männlicher Freundschaft „einen pädagogischen Anspruch an den Erasten, den Eromenos zu führen, anzuleiten und ihm ein moralisches, nacheiferungswürdiges Vorbild zu sein, wofür er Bewunderung, Zuneigung und meistens auch sexuelle Befriedigung von dessen Seite erntete.“[14] Das Ausmaß und die Ausgestaltung sexueller Kontakte gestaltete sich gewiss recht unterschiedlich in den einzelnen Epochen im antiken Griechenland. Pauschal lässt sich wohl sagen, dass der interkrurale Verkehr, sprich das ledigliche Reiben des Penis zwischen den Oberschenkeln des Eromenos, die gesellschaftlich akzeptierte Form von Sexualverkehr zwischen Mann und Knabe war. Durch Analverkehr würde der Knabe nämlich gedemütigt werden, da seine männliche Identität dadurch in Frage gestellt worden wäre.[15] Wurde es in der Öffentlichkeit bekannt, dass ein Knabe sich freiwillig durch Analverkehr in eine passive, weibliche Rolle begeben hatte, warteten in der Gesellschaft nur Spott und Verachtung auf ihn. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass in der Realität auch andere Praktiken ausgeübt worden waren.

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass diese Knabenliebe, die in einem pädagogischen Kontext steht, in einem Idealfall Bildung und Liebe verbreitet, folglich als Bestandteil einer Kultur zur Bereicherung ebendieser führt.

3. Sodomie und Ketzerei im Mittelalter

Das Beispiel der Homosexualität in der Antike hat gezeigt, dass es nicht einfach ist, ein klares Bild davon zu erfassen, schon allein aus dem Grund, da die „alten Griechen“ selbst eine andere Einstellung zur Homosexualität hatten, als wir es heute in unserer Kultur haben, und auch gar nicht von „Homosexualität“ gesprochen hätten.

Das verhält sich im Mittelalter nicht anders.

Im alten Testament heißt es: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Greuel (Lev 18,22).[16] Ziemlich unmissverständlich werden gleichgeschlechtliche Beziehungen in der jüdisch-christlichen Tradition angeprangert, auch im neuen Testament beschreibt Paulus „den Geschlechtsverkehr unter Männern, selbst schon (als) Ergebnis der Abkehr von dem einen Gott, als Akt abseits der göttlichen Ordnung, „als Charakteristikum der heidnischen Welt“.[17] Dies alles läuft darauf hinaus, dass Menschen allein, um Nachkommen zu zeugen, miteinander den Geschlechtsverkehr ausüben sollten, und sonst aus keinem anderen Grund. Alles andere wäre Sünde.[18]

Dennoch muss das Ganze sich einer kritischen Prüfung unterziehen, denn berücksichtigt man, dass „die Aussagen des 3. Buches Mose kaum Einfluß auf das frühe Christentum“[19] hatten, muss die Ursache für die christliche Ablehnung der Homosexualität nicht in den biblischen Texten, sondern anderweitig begründet liegen. Der Begriff „Homosexualität“ ist im Mittelalter gar nicht vorhanden, am ehesten könnte man ihn durch „Sodomie“ ersetzen. Dies beruht auf einer reinen Interpretation des oströmischen Kaisers Justinian, welcher im Jahre 559 u. Z. homosexuelle Menschen für zahlreiche Naturkatastrophen verantwortlich machte, indem er behauptete, es sei die Strafe Gottes für ihr unzüchtiges Verhalten, wobei ihm „der Untergang der Stadt Sodom“ als Beispiel diente.[20]

Die Deutung der biblischen Geschichte vom Untergang der Stadt Sodom setzte sich im Mittelalter so durch, „daß sich die Begriffe ’Sodomie’ und ’Sodomiter’ zur Bezeichnung von ’Homosexualität’ und ’Homosexuellen’ ganz selbstverständlich (…) (einbürgerten) und später auch noch auf andere sexuelle Sünden ausgeweitet (…) (wurden), ohne daß die Bedeutung der Sodom-Erzählung noch einmal hinterfragt würde.“[21]

Verschiedene Einflüsse prägten das „asketische Christentum“ in seinem Bestreben, Sexualität auf den Zweck der Fortpflanzung einzuschränken, wobei Homosexualität im Endeffekt nur als Sünde betrachtet werden konnte. Bei den besagten Einflüssen handelt es sich um den Stoizismus, welcher vom Menschen verlangt, sich nicht von seinem Körper abhängig zu machen, um den Neuplatonismus, welcher Geschlechtsverkehr aus Gründen der Fortpflanzung als einzige natürlich Form festsetzt, und den Manichäismus, der ebenso bedeutsam für die nachhaltige Sexualablehnung in der christlichen Theologie war.[22]

Seit dem vierten Jahrhundert wurden homosexuelle Akte unter der Gesetzgebung des Kaisers Konstantin zunehmend unter Strafe gestellt, wobei den „homosexuellen Männern (…) der Feuertod angedroht (wurde).“[23] Im deutschen weltlichen Recht tauchte die „Verurteilung Homosexueller zum Tod durch das Feuer (…) jedoch erst 1507 im Artikel 141 der ’Constitutio criminalis Bambergensis’ auf, in welcher der Verfasser Johann von Schwarzenberg die „Synthese zwischen römischem und deutschem Recht vollzogen“ hat.“[24] In diesem Artikel werden sowohl sexuelle Handlungen zwischen Gleichgeschlechtlichen, als auch zwischen Mensch und Tier abgehandelt.

Nun verhielt es sich so, dass während der Ketzerverfolgungen im Mittelalter, den Häretikern häufig auch Homosexualität vorgeworfen wurde. „Als Ketzer bezeichnet(e) die Kirche vordergründig diejenigen, die in ihrem religiösen Gedankengut von den Dogmen ihrer Theologie abweichen“.[25] Der Vorwurf der Homosexualität wurde damit auch zu einem „strategischen Mittel zur Bekämpfung religiöser und politischer Gegner der kirchlichen Orthodoxie.“[26] Besonders die Katharer unterstellten ihren Gegnern Teufelspakte mit anschließend homosexuellen Orgien.[27] Damit fiel homosexuelles Handeln endgültig in einen Bereich des Bösen und Satanischen.

Insgesamt lässt sich vielleicht festhalten, dass „das gleichgeschlechtliche Verhalten als spezifisches Teilgebiet eines übergeordneten Bereichs, der widernatürlichen Sünde, aufgefaßt und dementsprechend durchweg mit unspezifischen Begriffen oder direkten Tabubezeichnungen belegt, die sich meist nur im inhaltlichen Textzusammenhang relativ eindeutig zuordnen lassen.“[28]

Homosexualität im Mittealter galt als Sünde, über die wenig gesprochen wurde, doch die Gründe dafür lagen hauptsächlich in der Art und Weise der sexuellen Praxis (Analverkehr war insgesamt verboten) und in der Möglichkeit, damit einen Gegner rechtlich aus dem Weg zu räumen.

4. Theorien im 19./20. Jahrhundert

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts „wurde der (homosexuelle) Akt jenseits aller Erfahrung mit einer Vergewaltigung verglichen.“[29] Ausgehend von den gesammelten gerichtsmedizinischen Erörterungen des päpstlichen Leibarztes Paolo Zacchias wurde angenommen, dass ein gleichgeschlechtlicher Analverkehr zu Rissen, Entzündungen und Dehnungen des Afters führen würde. Johann Ludwig Casper war nun der erste, der sich nicht auf bloße Überlieferungen stützte, sondern selbst Beobachtungen anstellte und daraus seine Schlüsse zog.[30] Seine Erkenntnisse endeten schließlich in der Sichtweise, Homosexualität sei in den meisten Fällen angeboren, er sprach von „geistiger Zwitterbildung“.[31] Casper hielt daran fest, dass ein Untersuchen des Anusbereichs keine klaren Indizien geben könnte und dass der Analverkehr ohnehin keine häufige Praktik sei.[32] In seinen Schriften fühlte sich Karl Heinrich Ulrichs einige Jahre später in seinen eigenen Ideen bestätigt. Ulrichs, selbst ein Homosexueller, war der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung angeboren sei.[33]

Er kam zu der Schlussfolgerung, dass Homosexuelle ein drittes Geschlecht bilden würden, Menschen in einem männlichen Körper und einem weiblichen Geist.

Heterosexuelle Männer bezeichnete er als „Dionäer“, während diejenigen, die „geschlechtliche Liebe zu Männern, geschlechtlichen Horror vor Weibern“[34] empfanden, von ihm „Urninge“ genannt wurden. Ulrichs setzte sich mit seinen Schriften stark dafür ein, dass Homosexuelle von der öffentlichen Meinung und vom Staat genauso anerkannt werden sollten, wie Heterosexuelle. Die Darstellung eines „Urnings“ als unglücklichen Menschen störte ihn, seiner Meinung nach waren die Urninge nur unglückliche Menschen, weil die Verfolgung und Beschimpfung sie unglücklich mache.[35] Er trug dazu bei, dass „im 19. Jahrhundert der Homosexuelle zunehmend als eigenständiger Typ wahrgenommen wurde“[36], dennoch wurden die Homosexuellen immer noch als kranke Menschen betrachtet.

Carl Friedrich Otto von Westphal sprach von einer „Krankheitserscheinung, hervorgerufen durch „neuropathische Störungen im Zentralnervensystem“.[37] In seiner Zeit war es selbstverständlich, Geschlecht und Sexualität implizit miteinander zu verknüpfen, Westphal hatte selbst einen Mann beobachtet, „den wir heute als „Transvestiten“ bezeichnen würden.“[38]

Homosexualität war damit nur unter der Voraussetzung einer Verkehrung der Geschlechtlichkeit vorstellbar. Richard von Krafft-Ebing definierte gleichgeschlechtliche Sexualität sogar als „funktionelle Degeneration“.[39] Seiner Meinung nach sollte der Zweck der menschlichen Sexualität einzig und allein in der Fortpflanzung liegen, jede Abweichung dieser Zweckmäßigkeit war in seinen Augen nicht „naturgemäß“, sondern eine Deformation. Dabei unterschied er noch den „gezüchteten Päderasten“, welchen er als gefährlichen Verbrecher darstellte, von denjenigen, die von Geburt an homosexuell waren und damit für Krafft-Ebing als Geisteskranke abgestempelt wurden.[40] Der gezüchtete Päderast wurde laut Krafft-Ebing durch häufiges Onanieren zu einem Homosexuellen und stellte im Anschluss Knaben nach, um diese ebenfalls zu verderben. Man sollte sie folglich hart bestrafen.

Diskriminierung von Homosexuellen sei nach Krafft-Ebing positiv, da die Betroffenen dadurch ihren individuellen Defekt begreifen und sich einer Therapie unterziehen würden. Richard von Krafft-Ebing hatte nachhaltigen Einfluss auf die Sexualwissenschaft.

Albert Moll widersprach nun der Meinung, Homosexualität sei angeboren. In seinen Augen war „alles Körperliche und Seelische sowohl eingeboren als auch erworben.“[41] Seine allgemeine Einstellung zur Homosexualität war allerdings um keinen Deut positiver. Er setzte sie mit einer Art „Missbildung“ gleich, sprach davon, dass „die allgemeine Labilität des Nervensystems (…) bei Homosexuellen angeboren (sei)“[42]. Es gebe möglicherweise von Geburt an eine Veranlagung dazu, jedoch stelle sich diese spätestens in der Pubertät heraus. Moll zog sogar die Schlussfolgerung, dass Homosexualität bei allen Menschen möglich wäre. Von einer Bestrafung der Homosexuellen sah er ab, da sie für ihren Zustand nicht verantwortlich seien, allerdings sollte man strafrechtlich gegen diejenigen vorgehen, welche „die junge(n) Menschen in der Phase des undifferenzierten Geschlechtsgefühls verführen.“[43]

Ganz massiv trat nun Magnus Hirschfeld für die Straffreiheit von Homosexualität ein. Im Kampf gegen den Paragraphen 175, welcher „beischlafsähnliche Handlungen unter Männern wie etwa (…) (den) Analverkehr“[44] unter Strafe stellte, entstanden seine Arbeiten. Hirschfeld bestand darauf, einen Homosexuellen nicht auf seine Sexualität zu reduzieren, sondern ihn in seiner Gesamtheit zu untersuchen, wobei man unweigerlich das Harmonische einer solchen Persönlichkeit erkennen musste.[45] Nach Hirschfeld „sei die Liebe der Homosexuellen der der Heterosexuellen völlig gleichwertig und im Grunde genommen gleichartig.“[46] Er entwickelte die so genannte Zwischenstufentheorie, wobei er in einem vierfachen Schema sexuelle Zwischenstufen festsetzte. Diese bezogen sich auf die Geschlechtsorgane, die sonstigen körperlichen Eigenschaften, den Geschlechtstrieb und die sonstigen seelischen Eigenschaften. Je nachdem waren damit Hermaphroditismus, Androgynis, Bisexualität und Homosexualität, und Transvestitismus angesprochen.

[...]


[1] Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-Joachim (Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 352

[2] vgl. Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-Joachim (Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 354

[3] vgl. Kornadt, Hans-Joachim: Motivation im kulturellen Kontext. In: Trommsdorff, Gisela/Kornadt, Hans-Joachim (Hg.): Erleben und Handeln im kulturellen Kontext. Göttingen 2007, S. 352

[4] Gemoll, Wilhelm/ Vretska, Karl: Gemoll. Griechisch-deutsches Schulwörterbuch und Handwörterbuch. München, Düsseldorf, Stuttgart 2006, S. 576

[5] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.54

[6] vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S. 163

[7] Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S. 38/39

[8] vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S. 164

[9] vgl. Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.55

[10] Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.165

[11] Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.26

[12] vgl. Reinsberg, Carola: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. München 1989, S.170

[13] Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.38

[14] Koch-Harnack, Gundel: Knabenliebe und Tiergeschenke. Ihre Bedeutung im päderastischen Erziehungssystems Athens. Berlin 1983, S.39

[15] vgl. Dover, Kenneth: Homosexualität in der griechischen Antike. München 1983, S.94-97

[16] vgl. Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.32

[17] Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.41

[18] vgl. Lutterbach, Hubertus: Sexualität im Mittelalter. Köln, Weimar, Wien 1999, S.160

[19] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.6

[20] vgl. Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.9-10

[21] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.10

[22] vgl. Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.13-15

[23] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.18

[24] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.21

[25] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.46

[26] Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.106

[27] vgl. Spreitzer, Brigitte: Die Stumme Sünde. Homosexualität im Mittelalter. Göppingen 1988, S.106

[28] Hergemöller, Bernd-Ulrich: Zum gleichgeschlechtlichen Verhalten im späten Mittelalter. In: Lautmann, Rüdiger/Taeger, Angela (Hg.): Männerliebe im alten Deutschland. Sozialgeschichtliche Abhandlungen. Berlin 1992, S.19

[29] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.60

[30] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.60/61

[31] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.63

[32] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.64

[33] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.68

[34] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.69

[35] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.72

[36] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.73

[37] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.75

[38] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.75

[39] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.79

[40] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.85

[41] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.90

[42] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.90

[43] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.93

[44] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.111

[45] vgl. Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.108/109

[46] Köllner, Erhard: Homosexualität als anthropologische Herausforderung. Konzeption einer Homosexuellen Anthropologie. Bad Heilbrunn 2001, S.108

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität im kulturellen Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Pädagogisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V169050
ISBN (eBook)
9783640872428
ISBN (Buch)
9783640872183
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, homosexualität, vergleich
Arbeit zitieren
Stefanie von Rossek (Autor), 2010, Der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität im kulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169050

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