Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Sociologie - Politique, Majorités, Minorités

Identität, Alterität und Judenfeindschaft

Die Rolle des Antisemitismus in der Differenzkonstruktion

Titre: Identität, Alterität und Judenfeindschaft

Travail d'étude , 2010 , 16 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Myrthe Rosenbaum (Auteur)

Sociologie - Politique, Majorités, Minorités
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem modernen, sog. sekundären Antisemitismus und dessen Funktion für die und in der Identitätsstiftung. Nachdem einleitend kurz die unterschiedlichen Richtungen des Antisemitismus zusammengefasst werden, sollen Arbeiten von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zum Antisemitismus umrissen werden um aufzuzeigen, wie und welche soziologischen Ansätze der Antisemitismusforschung für die Themenstellung relevant sind. Ausgehend von poststrukturalistischen Theorien, welche das Augenmerk besonders auf Konstruktionsbedingungen von Strukturen sowie normative Vorstellungen und theoretische Prinzipien der Identitätsbildung richten, soll erläutert werden, in welcher Form die antisemitische Denkweise Fremd- und Selbstbilder entwirft, und aus welcher Motivation heraus sie dies tut. Der Sammelband „Die Verneinung des Judentums. Antisemitismus als religiöse und säkulare Waffe“ (Holz/ Kauffman/ Paul (Hg.) 2009) dient hierbei als Grundlage um die Verschachtelung der jeweiligen Fremd- und Selbstbilder und ihrer Einbettung ins Gesellschaftssystem darzustellen. Außerdem sind an dieser Stelle die Arbeiten von Wolfgang Wippermann zu nennen, dessen umfangreiche und kritische Auseinandersetzung mit den Vielschichtigkeiten des Antisemitismus, des Faschismus und seiner Anhänger das gedankliche Fundament dieser Ausarbeitung bilden. Zum Schluss soll das komplexe Feld von Antisemitismus und Identität nach der Shoa, bzw. „nach Auschwitz“ wie es anlehnend an Adorno von Holz formuliert wird, beleuchtet werden.

„Die duale Trennung muss man machen. Das ist unausweichlich. Wir haben nicht die Option zu sagen: das wollen wir nicht, das schaffen wir ab. Möglich ist nur, diesen Zwang des Unterscheidens zu reflektieren. (...)Identitätswahn ist die verweigerte Reflexion darauf, dass Identität durch Unterscheiden konstruiert wird.“ (Holz, 138)

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Formen des Antisemitismus/ der Judenfeindschaft

2. Soziologische Ansätze

3. Identitätsbilder im und durch den Antisemitismus

3.1 Täter und Opfer-Dichotomie

3.2 Gemeinschaft versus Gesellschaft

3.3 Identität versus nicht-identische Identität

4. Identität und Antisemitismus „nach Auschwitz“

4.1 Die Opfer-Täter-Umkehr

5. Versuch eines Fazits

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion des modernen Antisemitismus als zentrales Element bei der Konstruktion von Identität und Alterität, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Rolle des „sekundären Antisemitismus“ sowie der Täter-Opfer-Umkehr nach der Shoa liegt.

  • Analyse der soziologischen Grundlagen und der Rolle des Antisemitismus in der Differenzkonstruktion.
  • Untersuchung der Verschränkung von Fremd- und Selbstbildern innerhalb antisemitischer Ideologien.
  • Erarbeitung der Bedeutung der Figur des „Dritten“ und deren Paradoxie für die Identitätsbildung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Täter-Opfer-Umkehr als Strategie der Entlastung deutscher Identität nach Auschwitz.

Auszug aus dem Buch

3. Identitätsbilder im und durch den Antisemitismus

Eine der Grundfragen ist, ob der Antisemitismus nur ein Fremdbild oder die Integration eines Selbstbildes mit einem Fremdbild ist (Holz). Zwar besteht weithin Konsens darüber, dass die Ursache jedes judenfeindlichen Bildes auf Seiten der Antisemiten etwa in ihrer Gesellschaftsform oder ihrer Psyche zu suchen sei. Antisemitismus wird in der Forschung als eine im Kern irrationale Haltung angesehen, welche jenseits des Bereichs der rational zu begründenden und moralisch zu rechtfertigenden Positionen situiert ist. Die Suche nach Erklärungen für derartige Überzeugungen richtet sich entsprechend auf die sozialen und psychischen Bedingungen, die dazu führen, dass moralisches Urteilsvermögen derart eingeschränkt wird und „aufklärungsresistente Vorurteile Resonanz finden“ (Scherr/ Schäuble 2008).Weit seltener aber werden die Selbstbilder, die Antisemiten (in ihren Texten bzw. Argumentationsmustern) entwerfen, systematisch rekonstruiert. Wie Holz feststellt, werden judenfeindliche Bilder nicht isoliert kommuniziert; sondern sie werden systematisch begleitet von Selbstbildern. Nur die Judenbilder zu rekonstruieren gleiche dem Versuch, eine Schraube ohne Mutter zu verstehen; unverzichtbar sei es, den Selbstbildern die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen wie den Judenbildern, denn erst gemeinsam ergeben sie einen kohärenten Sinn.

Um dieser Forderung nachzukommen, entwirft Holz wie gleich ausgeführt wird drei Gegensatzpaare, durch die Selbst- und Judenbild in weiten semantischen Feldern ausgearbeitet werden: Opfer versus Täter, Gemeinschaft versus Gesellschaft und Identität versus Nicht-Identität. Grundsätzlich werde, wie auch Scherr und Schäuble bestätigen, in antisemitischen Positionierungen von der fraglos-selbstverständlich vorausgesetzten Differenzannahme ausgegangen, dass Jüdischsein eine Eigenschaft sei, die eine primäre soziale Zugehörigkeit begründe, und entsprechend davon auszugehen sei, dass die jeweilige – national, ethnisch oder religiös definierte- Eigengruppe grundlegend von „den Juden“ unterschieden sei. Diese Prämisse, dass Juden als eine vom jeweiligen „Wir“ unterschiedene Gruppe mit besonderen und spezifischen Eigenschaften angenommen werden, welche sich fundamental und negativ von der Eigengruppe unterscheidet, macht die Differenzkonstruktion zur Basis des Antisemitismus. (Scherr/ Schäuble)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Formen des Antisemitismus/ der Judenfeindschaft: Gibt einen Überblick über die historischen Entwicklungslinien von der religiösen Judenfeindschaft bis zum modernen, rassenideologischen Antisemitismus.

2. Soziologische Ansätze: Beleuchtet die Ansätze der Kritischen Theorie, insbesondere von Adorno und Horkheimer, zur Erklärung der individuellen und gesellschaftlichen Resonanz auf antisemitische Ideologien.

3. Identitätsbilder im und durch den Antisemitismus: Analysiert die semantischen Felder (Opfer/Täter, Gemeinschaft/Gesellschaft, Identität/Nicht-Identität), durch die Antisemitismus als identitätsstiftendes Differenzierungsmerkmal fungiert.

3.1 Täter und Opfer-Dichotomie: Untersucht die notwendige Personifizierung des „Bösen“ im Antisemitismus, die als moralische Rechtfertigung für die Feindschaft dient.

3.2 Gemeinschaft versus Gesellschaft: Erläutert, wie der Antisemitismus als Gemeinschaftssemantik die moderne Gesellschaft als negativ und fremd markiert und dem ein konstruiertes Ideal der „Gemeinschaft“ entgegenstellt.

3.3 Identität versus nicht-identische Identität: Arbeitet die Rolle der „Figur des Dritten“ heraus, die den Juden als Paradoxon außerhalb der binären nationalen Identitätsordnung positioniert.

4. Identität und Antisemitismus „nach Auschwitz“: Diskutiert die spezifische Bedrohungslage für die deutsche Identität nach dem Holocaust und die daraus resultierenden Bewältigungsmechanismen.

4.1 Die Opfer-Täter-Umkehr: Beschreibt, wie durch die Umkehrung der Rollen versucht wird, die deutsche Nation von ihrer historischen Schuld zu entlasten.

5. Versuch eines Fazits: Resümiert, dass Antisemitismus eine zentrale Rolle in der Identitätskonstruktion spielt und der „Dritte“ als Projektionsfläche für eine nicht gewiss nationale Identität fungiert.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Identitätsstiftung, Alterität, Differenzkonstruktion, Kritische Theorie, Sekundärer Antisemitismus, Täter-Opfer-Umkehr, Nationalismus, Shoa, Gemeinschaft, Gesellschaft, Fremdbild, Selbstbild, Paradoxon, Deutschland

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion des modernen Antisemitismus und wie dieser zur Stützung und Bildung von Identität – insbesondere einer „deutschen“ Identität – instrumentalisiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen Antisemitismusforschung, Identitätstheorie, die Rolle der Shoa für die Nachkriegsidentität und die soziologische Differenzkonstruktion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Funktionsweise antisemitischer Denkmuster zu ergründen und aufzuzeigen, wie diese als Differenzkonstruktion zur positiven Abhebung der eigenen Wir-Gruppe dienen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer und kulturwissenschaftlicher Ansätze, insbesondere unter Rückgriff auf die Kritische Theorie und die Arbeiten von Klaus Holz.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene Konzepte wie Täter-Opfer-Dichotomien, das Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft sowie die paradoxe Rolle des „Dritten“ bei der Konstruktion von Identität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Antisemitismus, Identitätsstiftung, Differenzkonstruktion, Täter-Opfer-Umkehr und das Verhältnis von Identität und Alterität.

Was genau bedeutet die „Figur des Dritten“?

Der Dritte steht laut der Arbeit außerhalb der binären Unterscheidung von „Eigenem“ und „Fremdem“ und wird genutzt, um die eigene nationale Identität als sicher zu markieren, indem er das „nicht-identische“ Element verkörpert.

Wie unterscheidet sich der sekundäre Antisemitismus?

Der sekundäre Antisemitismus speist sich aus der spezifischen Schuldthematik nach der Shoa, bei der die Anerkennung der Verbrechen als Bedrohung der narzisstischen Identifikation mit der Nation wahrgenommen wird.

Fin de l'extrait de 16 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Identität, Alterität und Judenfeindschaft
Sous-titre
Die Rolle des Antisemitismus in der Differenzkonstruktion
Université
University of Hamburg  (Institut für Soziologie)
Cours
Rassismus und Critical Whiteness Studies
Note
1,0
Auteur
Myrthe Rosenbaum (Auteur)
Année de publication
2010
Pages
16
N° de catalogue
V169052
ISBN (ebook)
9783640871926
ISBN (Livre)
9783640871995
Langue
allemand
mots-clé
Antisemitismus Identitätsbildung Differenzkonstruktion Soziologische Ansätze der Antisemitismusforschung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Myrthe Rosenbaum (Auteur), 2010, Identität, Alterität und Judenfeindschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169052
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint