Die allgemeine Aufgabenstellung ist klar. Es geht um grundsätzliche Überlegungen aus theologisch-ethischer Perspektive1 mit Bezug auf die Sterbehilfe in Langzeitpflegeinstitutionen. Wenn ich immer wieder den Begriff des »Altersheimes« brauche, dann bin ich mir dessen Konnotationen bewusst, doch meine ich zugleich, dass der Begriff der »Langzeitpflegeinstitutionen« überaus euphemisch ist. Sterbehilfe ist ein umfassender Begriff, so dass ich mich auf Sterbehilfe als Beihilfe zum Suizid beschränken werde. Dies werde ich in Teil I erklären (I/2). Die aktuelle Diskussion über die Zulassung von Sterbehilfeorganisationen in Altersheimen im Kanton Zürich zeigt, dass die Stellungnahmen zu diesem Problemfeld äusserst kontrovers sind, weil grundlegende ethische Werte zur Disposition stehen (I/1.)
Inhaltsverzeichnis
- Vorgehen
- Problem- und Situationsanalyse
- Der Konflikt zwischen grundlegenden ethischen Werten stellt die Ethik auf den Prüfstand
- Begriffe von »Sterbehilfe<< und die Eingrenzung des Themas auf die Beihilfe zum Suizid
- Beihilfe zur Selbsttötung in Institutionen der Langzeitpflege/Altersheimen
- Das weitere Vorgehen
- Argumentationsmodelle, Begründungen, Verhaltensalternativen
- Selbsttötung - Geschichte und vier ethische Modelle
- Selbsttötung im Alter - Einleitende Gedanken
- Eine Kurzgeschichte des Suizids: Zwischen Verdammung und Romantisierung
- Ethische Argumentationen im Spannungsfeld von ethischem Verbot, Krankheit, Nutzenabwägung und Freiheit
- Schlussfolgerungen
- Mitleid, Recht auf den eigenen Tod/Selbstbestimmung, Recht auf Leben/Schutz des Lebens - Integration der Argumente als Grundlage für einen Entscheid
- Drei Argumente in der Diskussion
- Die Integration der drei Argumente
- Drei Grundhaltungen: Verbot, Erlaubnis, Anspruch
- Urteilsentscheid
- Fälle und Situationen - Die slippery slope als grosse Gefahr
- Umfrageergebnisse
- Die Entstehung und Einschätzung von Exit
- Der Urteilsentscheid - Orientierungen
- Selbsttötungshilfe in Institutionen der Langzeitpflege
- Zusammenfassung oder die Forderung nach Evaluation, Kritik und Mitbestimmung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text befasst sich mit der ethischen Problematik der Beihilfe zum Suizid in Langzeitpflegeinstitutionen aus theologisch-ethischer Perspektive. Er untersucht die komplexen Argumente und unterschiedlichen Positionen in dieser kontroversen Debatte.
- Der Konflikt zwischen dem Recht auf Leben und dem Recht auf Selbstbestimmung.
- Die ethischen Modelle zur Beurteilung von Selbsttötung.
- Die Rolle von Institutionen wie Exit bei der Beihilfe zum Suizid.
- Die Notwendigkeit eines ausgewogenen Urteils, welches die Würde des Menschen respektiert.
- Die Bedeutung eines ethischen Diskurses und einer kritischen Reflexion des Themas.
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel stellt die allgemeine Aufgabenstellung und die Methode des Textes vor. Es definiert den Begriff der Sterbehilfe als Beihilfe zum Suizid und erläutert die kontroverse Diskussion über die Zulassung von Sterbehilfeorganisationen in Altersheimen.
Kapitel I analysiert die komplexe Problematik der Sterbehilfe im Kontext der Langzeitpflege. Es beleuchtet den Konflikt zwischen grundlegenden ethischen Werten wie dem Recht auf Leben und der Selbstbestimmung.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen ethischen Modellen zur Beurteilung von Selbsttötung und untersucht die historischen und gesellschaftlichen Aspekte des Themas. Es betrachtet verschiedene ethische Argumentationen im Spannungsfeld von Verbot, Krankheit, Nutzenabwägung und Freiheit.
Kapitel III befasst sich mit den Argumenten für und gegen die Beihilfe zum Suizid, insbesondere im Kontext der Langzeitpflege. Es betrachtet die Rolle des Mitleids, des Rechts auf den eigenen Tod und des Rechts auf Leben.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Beihilfe zum Suizid, Langzeitpflege, Altersheim, Ethik, Theologie, Selbstbestimmung, Recht auf Leben, Mitleid, Lebensqualität, Würde des Menschen, ethische Modelle, Entscheidungsprozess, gesellschaftlicher Diskurs, Exit, slippery slope.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Fokus dieser theologisch-ethischen Arbeit?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Beihilfe zum Suizid in Langzeitpflegeinstitutionen (Altersheimen) und untersucht die damit verbundenen ethischen Konflikte.
Welche ethischen Grundwerte stehen in der Debatte gegenüber?
Es besteht ein Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Leben (Schutz des Lebens) und dem Recht auf Selbstbestimmung des Individuums.
Welche Rolle spielt die Organisation „Exit“?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Einschätzung von Sterbehilfeorganisationen wie Exit und deren Zulassung in Institutionen der Langzeitpflege.
Was bedeutet der Begriff „Slippery Slope“ in diesem Kontext?
Die „Slippery Slope“ (Dammbruch-Gefahr) beschreibt die Sorge, dass eine Erlaubnis der Beihilfe zum Suizid in Einzelfällen zu einer schleichenden gesellschaftlichen Normalisierung und zum Missbrauch führen könnte.
Welche Argumentationsmodelle werden zur Selbsttötung vorgestellt?
Der Text betrachtet vier ethische Modelle, die zwischen Verdammung, Romantisierung, Nutzenabwägung und dem Fokus auf individuelle Freiheit variieren.
Wie bewertet der Autor den Begriff „Langzeitpflegeinstitution“?
Der Autor empfindet den Begriff als euphemistisch und nutzt bewusst auch die Bezeichnung „Altersheim“, um die Realität dieser Einrichtungen deutlicher anzusprechen.
- Arbeit zitieren
- Helmut Kaiser, Prof. Dr. (Autor:in), 2001, 'Sterbehilfe' in Langzeitpflegeinstitutionen - Überlegungen zur Beihilfe zum Suizid aus theologisch-ethischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16906