Serienanalyse "King of Queens"

Diskursanalytische Medienanalyse der Sitcom "King of Queens"


Seminararbeit, 2010

9 Seiten


Leseprobe

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es die Sitcom „King of Queens“ diskursanalytisch zu betrachten. Analysegrundlagen sollen dafür die Art und Konstitution der in der Sitcom vorkommenden Charaktere, deren Verortung im gesellschaftlichen Umfeld sowie die ihnen zugeschriebenen (Charakter)Eigenschaften bilden. In diesem Zusammenhang interessiert hauptsächlich die Frage, über welche Positionierungen und Nichtpositionierungen Akteure dargestellt, welche Begriffe verwendet und wie aufgrund der genannten Faktoren Diskurse produziert werden. Diesen Fragestellungen muss erhöhte Bedeutsamkeit zugemessen werden, weil das Identifikationspotential von Rezipientinnen mit medialen Formaten maßgeblich zur Bildung von Identität, ferner zur Gestaltung von Zusammenleben und Gesellschaft beitragen insofern, dass die medial vermittelten Diskurse zu Normalitätsstandards führen, welche von den Rezipientinnen aufgrund ihrer Implikation in die reale Lebenswelt, zu handlungsdeterminierenden Konstanten werden. Demzufolge soll die Serie auf die darin vermittelten Werte, Handlungen und Realitäten hinterfragt werden, um aufzuzeigen wie durch Positionierungen, Wertungen und Auslassungen Diskurse hergestellt und diese durch sprachliche Begriffe gestärkt und dadurch von den Rezipientinnen übernommen werden. Besondere Aufmerksamkeit soll folglich latenten Strukturen geschenkt werden, die in manifesten Gegebenheiten mittransportiert werden, um die Bedeutungen die hinter den medialen Texten stehen, einzusehen.

2. Beschreibung der Serie

„King of Queens“ ist eine us-amerikanische Sitcom, die seit 1998 in 207 Folgen im Rahmen von neun Staffeln im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wird (vgl. www. /www.kingofqueens.tv). Die Serie erzählt vom Leben des Kurierfahrers Douglas und seiner Frau Carrie Heffernan, die als Anwaltsgehilfin arbeitet und gemeinsam mit Carries Vater Arthur Spooner im Arbeiterbezirk Queens, in New York City, leben.

3. Charakteristika der Charaktere

3.1. Douglas Heffernan

Douglas Heffernan, stereotypisiert den übergewichtigen, mediensüchtigen und bewegungsfaulen Durchschnittsamerikaner. Doug repräsentiert den Stereotyp des einfachen Arbeiters der zufrieden mit Beruf und Lebenskonstellation ist, wodurch er nicht nach Veränderung oder Verbesserung seiner gegenwärtigen Situation strebt. Daneben kann Doug als genügsam, gutmütig und eher einfältig bezeichnet werden. Demnach kann Dougs Charakter einer „komplizenhaften Männlichkeit“ (Hipfl 2005: S.2) zugeordnet werden, die durch ihr grundsätzliches Bestreben die hegemonialen Anteile von Männlichkeit zu erhalten, diese Bestrebungen dennoch durch Kompromissbereitschaft ihren Partnerinnen gegenüber mildern (vgl. Hipfl 2005: S.2). Als Verkörperung des us-amerikanischen ‚Otto- Normalverbrauchers‘ der seine Freizeit gerne mit Kumpels, Essen und dem gemeinsamen Sehen von Sportsendungen verbringt und generell eine eskapistische Fernsehnutzung aufweist, symbolisiert Doug den „passiven Konsument“ (Debord 1996: S.219f), der sich durch seine Passivität zu einem inaktiven, konformen Subjekt entwickelt, was eine Öffnung des Weges hin zu politischen Konformismen sowie widerstandloser Beeinflussung und Naturalisation von politischen und kapitalistischen Diskursen möglich macht (vgl. Debord 1996: S.198). Doug verfolgt implizit das Ziel einer De-Individualisierung, insofern, dass er als unintelligent, konform und stereotyp dargestellt wird und keine Tendenzen zu einer Veränderung seiner Situation anstrebt.

3.2. Carrie Heffernan

Carrie arbeitet als Anwaltsgehilfin in einer Kanzlei in Manhattan. Sie repräsentiert eine starke, schlanke und sehr attraktive Frau, die mit ihrer durchsetzungsfähigen, aufbrausenden Art mit beiden Beinen im Leben steht, wichtige Entscheidungen und Dinge im Leben der Heffernans regelt und sich in den Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann oder Vater durchsetzt. Carrie symbolisiert in ihrer Rolle das Gegenteil von Doug. In der Art ihrer Darstellung wird der Diskurs des postmodernen Subjekts erzeugt, dass durch die Eigenschaften Unabhängigkeit, Disziplin und Autonomie beschrieben werden kann. Carrie sucht beständig nach der Verbesserung ihrer Situation und dem Verlassen ihres sozio- gesellschaftlichen Milieus, was sich in ihrem Bestreben eines Umzugs nach Manhatten, also hinaus aus dem Arbeiterviertel Queens und in ihrem späteren Studium, im zweiten Bildungsweg, zeigt. Mit Carries Entwicklung und Veränderung wird gezeigt, dass das postmoderne Subjekt prozesshaft ist und Identität beständig gebildet und verändert wird. Damit wird Identität implizit als planbare Kategorie dargestellt (vgl. Kraus 1999: S.4), „das postmoderne Leben [wird] als offenes Identitätsprojekt“ (Keupp 1992: S.36) vorgestellt, indem die Subjekte „Architekt[innen] des eigenen Lebensgehäuses“ (ebd. S.4) sind, die aufgrund ihrer pluralisierten Lebenskontexte und daraus resultierenden explosiv erweiterten Möglichkeiten, unbegrenzt ihre Ziele durch eigene Leistung erreichen können (vgl. ebd.). Dadurch wird unterstellt, dass jedem Mensch alle Chancen offen stünden, wenn er sich nur genügend anstrengend würde, ohne die kontextuelle Bedingtheit der Subjekte und hindernde (Sozial)Strukturen zu bedenken. In der Postmoderne gilt der Diskurs „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und Identität kann durch eigene Leistung gesteuert werden, was die Zukunft einer möglichen, lebbaren und] planbaren Kategorie macht (vgl.ebd.). Demnach verfolgt Carrie das Ziel der Individualisierung, um sich aus ihren sozialen Strukturen zu lösen weil sie ihre berufliche und private Situation verbessern will. Aus diesem Grund unterliegt Carrie dem (postmodernen) Druck in möglichst allen Lebensbereichen imposante Inszenierungen zu schaffen, um damit eine „narrative Identität“ (Kraus 1999: S.5) aufbauen zu können, mit der sie „die Erwartung zukünftiger Ereignisse begründen“ (ebd.) kann. Dementsprechend wird unter der narrativen Konstruktion von Identität in der Postmoderne die Handlung von Individuen verstanden, ihre eigenen Erfahrungen durch kontingente (Selbst)Erzählungen zu organisieren (vgl. ebd. S.7). Folglich verändert sich Carrie, als Repräsentantin eines „neoliberalen Subjekts“ (Hipfl 2005: S.2), ständig, indem sie flexibel auf die Gegebenheiten und Veränderungen ihrer Umgebung reagiert und bestrebt ist, sich in allen Situationen bestmöglich zu präsentieren (vgl. ebd.). Dieses Verhalten stellt Flexibilität und Inszenierungstechniken unhinterfragt als Standards dar. Daneben ist Carrie sehr diszipliniert und achtet auf Körper indem sie regelmäßig Fitness-, Nagel-, und Friseurstudios besucht, womit die modernen „Disziplinierungstechniken“ und „Technologien des Selbst“ (Foucault 1993: S.x) zu Normen konstruiert werden. Sie trainiert ihren Körper und diszipliniert sich selbst um ihr Aussehen an die medial vorgegebenen Ideale anzupassen.

3.3. Arthur Spooner

Arthur Spooner (ca. 75 Jahre) ist Carries Vater und lebt seit dem selbstverschuldeten Brand seines Hauses bei Doug und Carrie im Keller. Arthur ist aufbrausend, stur, exaltiert und rassistisch, er erzählt oft und gerne von seiner Vergangenheit und den Erlebnissen aus seiner Teilnahme am zweiten Weltkrieg (vgl.www.kingofqueens.tv). Arthur symbolisiert die Ideologie der Moderne, indem er fixierten Strukturen und Beziehungsgefügen hohe Bedeutungen beimisst. Daneben zeugt auch sein Denken in Klassen und Nationalismen von dieser modernen Identität, die sich beständig in rassistischen Äußerungen und/oder der Proklamation nationaler Zugehörigkeitsrituale und Traditionen zeigt (vgl. Kraus 1999: S.4).

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Details

Titel
Serienanalyse "King of Queens"
Untertitel
Diskursanalytische Medienanalyse der Sitcom "King of Queens"
Veranstaltung
Mediensozialisation
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V169061
ISBN (eBook)
9783640876549
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
King of Queens, Analyse, Semiologie, Semiotik, semiotische Analyse, Analyse Serien, Diskursanalyse, Medienanalyse, Serienanalyse, Analyse Charakteristika der Serie, Diskurs, Identität, Gender, Postmoderne, Arbeitsverhältnisse
Arbeit zitieren
MMag. Catrin Neumayer (Autor), 2010, Serienanalyse "King of Queens", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169061

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