Diese Arbeit vermittelt ein Grundlagenwissen zum Thema Autismus und dem TEACCH-Ansatz und ist für die Sozialpädagogik in der Arbeit mit Menschen mit Autismus von zentraler Bedeutung.
Es wird der Frage nachgegangen, welche Zusammenhänge sich zwischen den Wahrneh-mungsschwierigkeiten von Menschen mit Autimsus und dem TEACCH-Ansatz beschreiben lassen. Dazu werden einerseits aktuelle Autismustheorien (Joint-Attention, Affekttheorie, die Theory of Mind, Theorie der exekutiven Funktionen und die Theorie der schwachen zentralen Kohärenz) vorgestellt und mit wissenschaftlichen Untersuchungen veranschaulicht und andererseits die einzelnen Leitprinzipien des TEACCH-Ansatzes vorgestellt. Anschliessend werden diese miteinander in Verbindung gebracht, indem jedes einzelne Leitprinzip des TEACCH-Ansatzes mit den Autismustheorien verknüpft wird. Dabei ist u. a. erkennbar, dass die Autismustheorien und der TEACCH-Ansatz sehr ineinander verwoben sind, was zu erkennen gibt, wie wichtig ein Wissen über Autismus ist, um diese Menschen verstehen und ihnen durch die Berücksichtigung von bestimmten Schwierigkeiten und Ressourcen adäquate Unterstützung bieten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Eigener Wissensstand
1.3 Stand des wissenschaftlichen Diskurses
1.3.1 Autismus
1.3.2 TEACCH
1.4 Eingrenzung des Themas und zentrale Fragestellung
1.5 Zielsetzungen und Abgrenzung
1.6 Relevanz für die Berufspraxis
1.7 Beschreibung und Begründung des Vorgehens
2. Autismus
2.1 Einführung
2.2 Klassifikation
2.2.1 Frühkindlicher Autismus
2.2.2 Atypischer Autismus
2.2.3 Asperger-Syndrom
2.2.4 Autismus-Spektrum-Störungen
2.2.5 Abgrenzung von anderen Störungen
2.3 Häufigkeit
2.4 Ursachen von Autismus
2.4.1 Somatische Faktoren
2.4.1.1 Genetische Faktoren
2.4.1.2 Neurologische Theorien
2.4.1.3 Biochemische Besonderheiten
2.4.2 Umweltfaktoren
2.4.3 Joint Attention (gemeinsam geteilte Aufmerksamkeit)
2.4.4 Affektive Theorie
2.4.5 Theory of Mind
2.4.6 Exekutive Funktionen
2.4.7 Schwache Zentrale Kohärenz
2.4.7.1 Reizaufnahme
2.4.7.2 Wahrnehmungsorganisation
2.4.7.3 Identifizieren und Einordnen
2.5 Anmerkungen der Verfasserin
3. TEACCH
3.1 Einführung
3.2 Begriffsklärung
3.3 Geschichte von TEACCH
3.4 Ziel von TEACCH
3.5 Der TEACCH-Ansatz
3.5.1 Das Verhalten von Menschen mit Autismus erkennen und verstehen
3.5.2 Streben nach dem Optimum, nicht nach Heilung
3.5.3 Kooperation mit den Eltern
3.5.4 Ressourcenorientierung
3.5.5 Individuelle Diagnostik als Basis für eine individuelle Unterstützung
3.5.5.1 Formelle Diagnostik
3.5.5.2 Informelle Diagnostik
3.5.6 Ganzheitlichkeit, Methodenvielfalt
3.5.7 Verhaltenstherapie
3.5.8 Kommunikation
3.5.9 Structured Teaching
3.5.9.1 Strukturierung des Raums
3.5.9.2 Strukturierung der Zeit
3.5.9.3 Strukturierung von Tätigkeiten
3.5.9.4 Routinen
3.5.10 Langfristig angelegte Hilfen
3.6 Anmerkungen der Verfasserin
4. Beantwortung der Fragestellung
4.1 Einführung
4.2 Das Verhalten von Menschen mit Autismus erkennen und verstehen
4.3 Streben nach Optimum, nicht nach Heilung
4.4 Kooperation mit den Eltern
4.5 Ressourcenorientierung
4.6 Individuelle Diagnostik als Basis für eine individuelle Unterstützung
4.7 Ganzheitlichkeit, Methodenvielfalt
4.8 Verhaltenstherapie
4.9 Kommunikation
4.10 Structured Teaching
4.11 Langfristig angelegte Hilfen
5. Umsetzung in der Praxis
5.1 Einführung
5.2 Praxisbeispiel Herr Müller
5.3 Praxisbeispiel Herr Meier
6. Kritische fachliche Reflexion
7. Reflexion aus der Sicht der Sozialpädagogik
8. Reflexion der Verfasserin zur vorliegenden Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen den Besonderheiten der Wahrnehmungsfähigkeit bei Menschen mit Autismus und den Prinzipien des TEACCH-Ansatzes, um ein fundiertes Grundlagenwissen für die sozialpädagogische Praxis zu vermitteln.
- Grundlagen des Autismus und aktuelle Theorien zur Wahrnehmungsverarbeitung
- Struktur und Zielsetzung des TEACCH-Ansatzes
- Verknüpfung von Autismustheorien mit den Leitprinzipien von TEACCH
- Praktische Umsetzung anhand von Fallbeispielen aus der Institution
- Reflexion der Relevanz für das Berufsfeld der Sozialpädagogik
Auszug aus dem Buch
1.1 Hinführung zum Thema
TEACCH bezeichnet ein Programm bzw. eine Einrichtung in North Carolina, welche die Unterstützung und Erziehung von Menschen mit Autismus oder von anderweitig kommunikationsbeeinträchtigten Menschen zum Ziel hat (vgl. Weiss 2002: 218), um somit eine soziale Integration in die Gesellschaft anzustreben. Dazu hat TEACCH einen Ansatz entwickelt, welcher verschiedene Prinzipien als Leitlinie vorgibt. Ein sehr weit verbreitetes Prinzip ist das Structured Teaching, welches Strukturierungs- und Visualisierungshilfen beschreibt und bei vielen Menschen mit TEACCH assoziiert wird (vgl. Häussler 2008a: 11).
Mit diesem TEACCH-Ansatz befasst sich seit etwa zwei Jahren das Wohn- und Beschäftigungsheim für erwachsene Menschen mit mittleren bis schweren kognitiven oder mehrfachen Beeinträchtigungen, darunter auch Menschen mit frühkindlichem Autismus, in dem die Verfasserin seit vier Jahren arbeitet.
Eingeführt wurde der TEACCH-Ansatz auf einer im Jahr 2008 gegründeten Aussenwohngruppe, auf welcher ein Mann mit Autismus und starken fremdverletzenden Verhaltensweisen aufgenommen wurde. Für ihn wurde, in Zusammenarbeit mit einer Fachfrau für Autismus und TEACCH, eine Wohnung eingerichtet, ein Team zusammengestellt und eine Tagesstruktur entwickelt, um ihm eine möglichst nachvollziehbare, verständliche und sicherheitsbietende Umgebung zu ermöglichen. Mittlerweilen lebt dieser Mann mit zwei weiteren anspruchsvollen Klienten zusammen. Die Anwendung des TEACCH-Ansatzes hat bisher sichtliche Erfolge gebracht. Es kann bereits jetzt ein Rückgang der fremdverletzenden Verhaltensweisen festgestellt werden und allgemein können krisenhafte Situationen durch die Anwendung von visualisierten Hilfen besser bewältigt werden. So kam es, dass auch einzelne Mitarbeitende aus den anderen Bereichen, zu denen auch die Verfasserin gehört, angefangen haben, sich mit dem TEACCH-Ansatz auseinanderzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage, der persönlichen Motivation, des wissenschaftlichen Diskurses und der Vorgehensweise der Arbeit.
2. Autismus: Umfassende theoretische Einführung in das Störungsbild, dessen Klassifikation und die verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsmodelle.
3. TEACCH: Definition des Konzepts, Beschreibung der geschichtlichen Entwicklung, der Ziele und der einzelnen methodischen Prinzipien.
4. Beantwortung der Fragestellung: Systematische Verknüpfung der theoretischen Autismustheorien mit den konkreten Prinzipien des TEACCH-Ansatzes.
5. Umsetzung in der Praxis: Veranschaulichung der theoretischen Ansätze anhand zweier konkreter Fallbeispiele aus der stationären Betreuung.
6. Kritische fachliche Reflexion: Diskussion der Erkenntnisse, Würdigung des Ansatzes und kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Anwendung.
7. Reflexion aus der Sicht der Sozialpädagogik: Einordnung der Arbeit in den professionellen Kontext der Sozialpädagogik und deren Auftrag.
8. Reflexion der Verfasserin zur vorliegenden Arbeit: Persönliche Rückschau auf den Erarbeitungsprozess und die gewonnenen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Autismus, TEACCH-Ansatz, Structured Teaching, Sozialpädagogik, Wahrnehmungsfähigkeit, Theory of Mind, Zentrale Kohärenz, Exekutive Funktionen, Individuelle Diagnostik, Ressourcenorientierung, Kommunikation, Verhaltenstherapie, Integration, Lebensqualität, Unterstützte Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen den speziellen Wahrnehmungsbesonderheiten von Menschen mit Autismus und dem TEACCH-Ansatz als Methode zu ihrer Unterstützung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst theoretische Erklärungen zu Autismus, den Aufbau des TEACCH-Ansatzes, diagnostische Verfahren und die praktische Anwendung von Strukturierungshilfen.
Was ist das primäre Ziel der Bachelor-Thesis?
Das Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis für Autismus und den TEACCH-Ansatz zu schaffen, um eine professionelle und individuelle Unterstützung in der Sozialpädagogik zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden aktuelle Autismustheorien wie die Theory of Mind, die Theorie der exekutiven Funktionen und die der schwachen zentralen Kohärenz herangezogen und mit den Prinzipien von TEACCH verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit den Ursachen und Wahrnehmungsbesonderheiten des Autismus sowie die detaillierte Vorstellung und Anwendung der verschiedenen TEACCH-Prinzipien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Autismus, TEACCH, Structured Teaching, Sozialpädagogik, Wahrnehmung und individuelle Unterstützung.
Warum spielt die individuelle Diagnostik eine so wichtige Rolle im TEACCH-Ansatz?
Da das Fähigkeitsprofil von Menschen mit Autismus sehr unterschiedlich ist, ermöglicht die individuelle Diagnostik, passgenaue und sinnvolle Förderziele zu definieren, statt ein Pauschalschema anzuwenden.
Wie werden die zwei Praxisbeispiele (Herr Müller und Herr Meier) zur Veranschaulichung genutzt?
Die Fallbeispiele dienen dazu, die theoretischen Erkenntnisse direkt auf die Situation von Klienten in einer stationären Einrichtung zu übertragen und aufzuzeigen, wie durch spezifische Anpassungen eine Entlastung und Steigerung der Lebensqualität erreicht werden kann.
- Quote paper
- Daniela Soto-Imhof (Author), 2010, Autismus und der TEACCH-Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169082