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Verbindungen schaffen? Ideen und Konzepte von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing zum Epochenwandel

Title: Verbindungen schaffen? Ideen und Konzepte von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing zum Epochenwandel

Term Paper (Advanced seminar) , 2024 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nele Heimann (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

In einer sich stetig wandelnden Welt ist die Suche nach Kategorien und Zuschreibungen präsent wie nie. In unserer Neuzeit fallen deshalb viele Fragen an. Wie können wir unser Wissen, unsere Erfahrungen, unser ganzes Sein letztlich zusammenfassen? In was fur einem Wertesystem leben wir?

Zur Beantwortung dieser Fragen ist die Kategoriebildung einer Epoche elementar.
Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing beschäftigen sich in ihrer Arbeit mit Neukonzeptionen des jetzigen Erdzeitalters und geben einen Einblick in eine spekulativ-feministische Weltsicht. Diese Hausarbeit arbeitet die Position beider heraus, in dem sie vergleichend verschiedene Konzepte vorstellt und untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • EINLEITUNG
  • 1. WAS KOMMT NACH DEM HOLOZÄN?
    • 1.1. DER MENSCH IM MITTELPUNKT: DAS ANTHROPOZÄN
    • 1.2. UNENDLICHES WACHSTUM: DAS KAPITALOZÄN
  • 2. EINE NEUE DENKART: ALTERNATIVTHEORIEN ZUM ANTHROPOZÄN.
    • 2.1. DIE ERDKOMPONENTE: DAS CHTHULUZÄN.
    • 2.2. VERBINDUNGEN SCHAFFEN MIT KRITTERN UND CYBORGS
    • 2.3. EINE POSTKOLONIALE BETRACHTUNGSWEISE: DAS PLANTAGOZÄN
  • 3. EXKURS: NATURKATASTROPHEN UND DIE HOFFNUNG AUF ÜBERLEBEN
    • 3.1. DER PILZ AM ENDE DER WELT
    • 3.2. EINFLECHTUNG IN DIE KUNST: DAS THEATERSTÜCK „ATTACK ON POYRITZ“ ALS EXEMPEL
  • 4. VERBINDUNGEN DURCH VERGÄNGLICHKEIT?
  • 5. ZUSAMMENFASSUNG UND REFLEXION.
  • LITERATURLISTE.

Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Erneuerung des Epochenbegriffs und der Perspektive eines Epochenwandels. Sie untersucht kritisch die Kategorisierung der gegenwärtigen Zeit über das Holozän hinaus und erforscht das Potenzial einer neuen Weltwahrnehmung, die über eine bloße Neubenennung der Epoche hinausgeht.

  • Kritische Analyse und Definition des Anthropozäns als menschenzentrierte Epoche.
  • Betrachtung des Kapitalozäns als Epoche des unendlichen Wachstums und seiner wirtschaftlichen sowie ökologischen Auswirkungen.
  • Einführung und Erläuterung alternativer Epochenbegriffe wie das Chthuluzän und das Plantagozän von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing.
  • Erforschung der Konzepte von "Krittern" und "Cyborgs" zur Schaffung neuer Denkstrukturen und Verbindungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur:innen.
  • Eine postkoloniale Betrachtungsweise zur Ausbeutung von Mensch und Natur und deren Einfluss auf unser Klima und Miteinander.
  • Die Darstellung von Naturkatastrophen und die Rolle der Kunst als Ausdruck der Hoffnung auf Überleben.

Auszug aus dem Buch

Verbindungen schaffen mit Krittern und Cyborgs

„Philosophisch sah ich die Möglichkeit, die Figur des Cyborgs als Metapher für die Überwindung überkommener metaphysischer Dualismen einzusetzen: des Dualismus zwischen Mensch und Maschine, zwischen Biologischem und Mechanischem, zwischen Mann und Frau und so weiter.“

Cyborgs werden als „implodierte Entitäte[n], verdichtete materiell-semiotische Dinge“ beschrieben. Sie geben eine Möglichkeit, die genannten Dualismen aufzubrechen und einen Ausblick zu schaffen, was zukünftiges Leben mit sich bringen könnte. Mit ihrem Essay „A Cyborg Manifesto“ (1985) stellte Haraway bereits Thesen diesbezüglich auf. Mit ihrem Essay schuf Haraway ein interdisziplinäres Werk, was in den Kultur- und Sozialwissenschaften als einschneidend und beutend angesehen wird.

Cyborgs sind so gesehen „uneheliche Nachkommen des Militarismus und des patriarchalen Kapitalismus“, sind weder dem einem noch dem anderen verpflichtet, eher widerspenstig und demnach eigen. Sie sind jedoch weder frei noch gebunden und auch nicht in einer Machtposition. Auch versteht Haraway unter Cyborgs nicht eine technische menschenähnliche Komponente, wie es so oft in Science-Fiction Romanen oder Filmen der Fall ist. Es kann einen oder keinen technischen Aspekt im Sinne des Cyborgs geben. Menschen können ebenfalls Cyborgs sein. Sie stellen keine Hybriden dar.

Neben den Cyborgs sind es die Kritter, die als Verbindung agieren. Kritter sind die Verbindungssubjekte zwischen menschlichem und nichtmenschlichem. Es geht um die Gemeinsamkeit, den Austausch, die Kollaboration zwischen den Akteur:innen des Systems Erde. Mithilfe der Kräfte der verschiedenen Kritter sollen Zufluchtsorte geschaffen werden, die die Rettung von Arten machen. Haraway spricht vom „Gedeihen von reichhaltigen, artenübergreifenden Gefügen.“

Ein weiterer von Haraway geprägte Begriff ist der der Sympoiesis. Diese beruht auf der Annahme, dass nichts von sich selbst ‚gemacht‘ wird, sondern alles in einer ständigen Beeinflussung miteinander steht. Der Begriff bezieht sich auf die durch Lynn Margulis geprägte Idee der „Intimität mit dem Fremden". Es soll Symbiose praktiziert werden zwischen unterschiedlichen Spezies – mit Krittern.

„Sympoiesis ist ein einfaches Wort. Es heißt ‚mit-machen‘. Nichts macht sich selbst, nichts ist wirklich autopoietisch oder selbst-organisierend. [...] Sympoiesis ist deshalb ein passender Begriff für komplexe, dynamische, responsive, situierte, historisch spezifische Systeme. Es ist ein Wort für ein Welten-Mit, ein Welten mit GenossInnen."

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, neue Kategorien für unsere sich ständig wandelnde Welt zu finden, hinterfragt die Gültigkeit des Holozäns als gegenwärtige Epoche und führt die zentralen Fragen der Arbeit zur Erneuerung des Epochenbegriffs ein.

1. WAS KOMMT NACH DEM HOLOZÄN?: Dieses Kapitel setzt sich mit der geologischen Definition des Holozäns auseinander und stellt dar, wie industrielle Entwicklungen und menschliche Ausbreitung ökologische Dysbalancen verursachen, woraus sich populäre Alternativtheorien wie das Anthropozän und das Kapitalozän ergeben.

1.1. DER MENSCH IM MITTELPUNKT: DAS ANTHROPOZÄN: Hier wird das Konzept des Anthropozäns definiert, das die tiefgreifenden und globalen Veränderungen des planetarischen Lebenssystems durch den Menschen hervorhebt, auch wenn es geologisch noch nicht offiziell anerkannt ist.

1.2. UNENDLICHES WACHSTUM: DAS KAPITALOZÄN: Das Kapitalozän wird als eine kritische Einordnung des Wirtschaftssystems des Kapitalismus beleuchtet, welches nach unendlichem Wachstum strebt und Mensch sowie Natur auf ihre Verwertbarkeit reduziert.

2. EINE NEUE DENKART: ALTERNATIVTHEORIEN ZUM ANTHROPOZÄN.: Dieses Kapitel führt die Theorien von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing zum Chthuluzän und Plantagozän ein, die einen kritischen Blick auf epochale Vorstellungen werfen und einen Ausblick auf neue Denkstrukturen geben.

2.1. DIE ERDKOMPONENTE: DAS CHTHULUZÄN.: Das Chthuluzän wird als ein erdverbundener Zeitort des Lernens beschrieben, der die Idee eines responsablen gemeinsamen Lebens und Sterbens auf einer beschädigten Erde verfolgt und den Fokus vom Menschen wegbewegt.

2.2. VERBINDUNGEN SCHAFFEN MIT KRITTERN UND CYBORGS: Dieser Abschnitt erläutert, wie Kritter (nicht-menschliche Geschöpfe) und Cyborgs (menschlich/nicht-menschlich) als Verbindungssubjekte die traditionellen Dualismen aufbrechen und Zufluchtsorte für artenübergreifendes Gedeihen schaffen können, basierend auf dem Konzept der Sympoiesis.

2.3. EINE POSTKOLONIALE BETRACHTUNGSWEISE: DAS PLANTAGOZÄN: Das Plantagozän wird als postkoloniale Perspektive eingeführt, die die historische Zwangsarbeit und Ausbeutung von Mensch, Tier und Pflanzen in Plantagensystemen kritisiert und die Auswirkungen auf das Klima und unser Miteinander aufzeigt.

3. EXKURS: NATURKATASTROPHEN UND DIE HOFFNUNG AUF ÜBERLEBEN: Dieser Exkurs widmet sich der Hoffnung, die aus Naturkatastrophen geschöpft werden kann, und zieht Anna Tsings Werk „Der Pilz am Ende der Welt“ sowie das Theaterstück „Attack on Poyritz“ als Beispiele heran.

3.1. DER PILZ AM ENDE DER WELT: Anna Tsings Buch über den Matsutake-Pilz zeigt, wie dieser Organismus in zerstörten Ökosystemen einen neuen Lebensweg findet und symbolisiert ein Hoffnungsnarrativ, das aus dem scheinbar Ausgeschöpften schöpft.

3.2. EINFLECHTUNG IN DIE KUNST: DAS THEATERSTÜCK „ATTACK ON POYRITZ“ ALS EXEMPEL: Das Theaterstück „Attack on Poyritz“ dient als Beispiel, wie künstlerische Darstellungen die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit der Erde und der Hoffnung auf Besserung in einer scheinbar zerrütteten Welt beleuchten.

4. VERBINDUNGEN DURCH VERGÄNGLICHKEIT?: Dieses Kapitel reflektiert über die Koexistenz verschiedener Epochentheorien und betont die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Verständnisses vom Miteinander auf der Erde, das über menschliche Überlegenheit hinausgeht und Resignation überwindet.

5. ZUSAMMENFASSUNG UND REFLEXION.: Die Zusammenfassung rekapituliert die Kernideen des Anthropozäns, Kapitalozäns, Chthuluzäns und Plantagozäns, betont die interdisziplinäre Natur der Theorien und plädiert für ein vernetztes, resilientes Miteinander.

Schlüsselwörter

Epochenwandel, Holozän, Anthropozän, Kapitalozän, Chthuluzän, Plantagozän, Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Kritter, Cyborgs, Sympoiesis, Postkolonialismus, Ökosystem, Naturkatastrophen, Resilienz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich grundsätzlich mit der kritischen Auseinandersetzung und Erneuerung des Epochenbegriffs sowie den Potenzialitäten eines Epochenwandels, der über traditionelle geologische Definitionen hinausgeht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Diskussion um das Anthropozän und Kapitalozän, die Einführung alternativer Epochentheorien wie das Chthuluzän und Plantagozän von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing, die Rolle von Krittern und Cyborgs sowie postkoloniale Perspektiven auf die Natur-Mensch-Beziehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, neue Denkstrukturen und Weltwahrnehmungen zu entwickeln, die ein verantwortliches, vernetztes Leben und Sterben auf einer beschädigten Erde ermöglichen, indem die Grenzen zwischen Mensch und Nicht-Mensch aufgelöst werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit vereint philosophische, soziologische und kulturtheoretische Denkansätze, um die genannten Epochenbegriffe zu definieren und zu diskutieren. Sie bedient sich einer kritischen Interpretation und vergleichenden Analyse von Theorien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt ausführlich die Konzepte des Anthropozäns und Kapitalozäns, führt dann die Alternativtheorien von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing (Chthuluzän, Plantagozän, Kritter und Cyborgs, Sympoiesis) ein und untersucht abschließend Naturkatastrophen im Kontext der Kunst als Hoffnungsträger.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Epochenwandel, Anthropozän, Kapitalozän, Chthuluzän, Plantagozän, Donna Haraway, Anna Lowenhaupt Tsing, Kritter, Cyborgs, Sympoiesis, Postkolonialismus und Ökosystem.

Welche Rolle spielt der Matsutake-Pilz in der Arbeit?

Der Matsutake-Pilz dient als Beispiel aus Anna Tsings Werk „Der Pilz am Ende der Welt“, um aufzuzeigen, wie Leben auch in zerstörten Ökosystemen entstehen und ein Hoffnungsnarrativ für das Überleben im Angesicht der Endlichkeit bilden kann.

Wie wird die Kunst in die Thematik integriert?

Die Kunst wird durch die Analyse des Theaterstücks „Attack on Poyritz“ integriert, das die Auseinandersetzung mit Naturkatastrophen und die Hoffnung auf Besserung künstlerisch darstellt und Anlehnungen an die Theorien von Haraway und Tsing aufgreift.

Was unterscheidet das Chthuluzän von Anthropozän und Kapitalozän?

Während Anthropozän und Kapitalozän den Menschen in den Mittelpunkt stellen und dessen zerstörerisches Wirken hervorheben, konzentriert sich das Chthuluzän auf die Schaffung von Verbindungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten und bietet einen optimistischen Ausblick auf ein gemeinsames, verantwortliches Zusammenleben auf einer beschädigten Erde.

Was versteht Donna Haraway unter "Sympoiesis"?

Sympoiesis ist für Donna Haraway ein Konzept, das „mit-machen“ bedeutet und die Annahme beschreibt, dass nichts von sich selbst gemacht wird, sondern alles in ständiger Beeinflussung miteinander steht. Es geht um Symbiose und Ko-Existenz verschiedener Spezies und Kritter.

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Details

Title
Verbindungen schaffen? Ideen und Konzepte von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing zum Epochenwandel
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Nele Heimann (Author)
Publication Year
2024
Pages
27
Catalog Number
V1691284
ISBN (PDF)
9783389177754
ISBN (Book)
9783389177761
Language
German
Tags
Epochenwandel Feminist Fabulation Anthropozän NaturKultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nele Heimann (Author), 2024, Verbindungen schaffen? Ideen und Konzepte von Donna Haraway und Anna Lowenhaupt Tsing zum Epochenwandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1691284
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