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Gyburg als Frauengestalt in "Wolframs von Eschenbach" Willehalm

Eine Analyse von Gyburgs Darstellungsweise anhand ausgewählter Szenen

Titre: Gyburg als Frauengestalt in "Wolframs von Eschenbach" Willehalm

Dossier / Travail , 2022 , 28 Pages , Note: 2,3

Autor:in: Anastasia Grubnik (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Ancienne, Littérature Médiévale
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Résumé Extrait Résumé des informations

Der "Willehalm" ist eines der bedeutendsten mittelhochdeutschen epischen Werke des Mittelalters und stammte von Wolfram von Eschenbach. Die Verserzählung ist Wolframs zweites episches Werk nach dem "Parzival" und wurde um 1220-1230 verfasst, wobei sie unvollendet blieb. Insgesamt sind von dem Epos zwölf vollständige Handschriften und 58 Fragmente überliefert worden. Verarbeitet wird darin ein Stoff der altfranzösischen "Chanson de geste"-Tradition, wobei es sich um eine Gattung handelt, die christliche Heldenepik überliefert, indem historische Ereignisse der karolingischen und merowingischen Zeit thematisiert werden.

Die folgende Arbeit wird anhand ausgewählter Szenen, in denen Gyburg mit den für sie relevantesten Männerfiguren (Gatte, Vater und Bruder) interagiert, untersuchen, wie Gyburgs Figur unter Berücksichtigung des mittelalterlichen Frauenbildes im Roman dargestellt wird. Zu diesem Zweck wird zunächst knapp das (ideale) Frauenbild im Mittelalter skizziert. Im Anschluss erfolgt eine Analyse der folgenden Ausschnitte: Willehalms Rückkehr aus der ersten Schlacht und dessen Aufenthalt auf Orange (89,1-105,15), Gyburgs Religionsgespräche mit Terramer (109,17-111,25; 215,1-221,26) sowie Gyburgs Interaktion mit Rennewart (289,20-296,21).

Extrait


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. (Ideales) Frauenbild im Mittelalter
  • 3. Analyse von Gyburgs Darstellung in ausgewählten Szenen
    • 3.1 Gyburgs erster Auftritt und Willehalms Rückkehr nach Orange (89,9-96,5)
    • 3.2 Gyburgs und Willehalms erste Liebesnacht (99,8-105,15)
    • 3.3 Terramers Drohung und Gyburgs List (109,17-111,25)
    • 3.4 Terramer und Gyburg im Religionsgespräch (215,1-221,26)
    • 3.5 Dialog zwischen den verlorenen Geschwistern Gyburg und Rennewart (289,20-296,21)
  • 4. Fazit
  • Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit verfolgt das Hauptziel, die vielschichtige Darstellung der Figur Gyburg in Wolfram von Eschenbachs „Willehalm“ detailliert zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie Gyburgs Charakterisierung im Kontext des mittelalterlichen Frauenbildes und insbesondere in ihren Interaktionen mit den relevantesten männlichen Figuren – ihrem Gatten Willehalm, ihrem Vater Terramer und ihrem Bruder Rennewart – gezeichnet wird.

  • Analyse der Charakterisierung Gyburgs im „Willehalm“.
  • Beleuchtung des (idealen) Frauenbildes im Mittelalter und dessen Einfluss auf Gyburgs Darstellung.
  • Untersuchung von Gyburgs Interaktionen mit Willehalm und deren Bedeutung für ihre Rolle.
  • Erforschung von Gyburgs Beziehungen zu ihrem Vater Terramer und Bruder Rennewart.
  • Tiefgehende Szenenanalyse ausgewählter Textpassagen.
  • Identifikation von Merkmalen wie Tapferkeit, Klugheit, strategischem Denken und Frömmigkeit bei Gyburg.

Auszug aus dem Buch

3.1 Gyburgs erster Auftritt und Willehalms Rückkehr nach Orange (89,9-96,5)

Zum ersten Mal im Willehalm tritt Gyburg in Buch 89 auf. Willehalm, der als einziger Überlebender aus der ersten Schlacht bei Alischanz zurückgekehrt ist, wird von seiner Ehefrau nicht erkannt und für einen Heiden gehalten: „si sprach 'ir sit ein heidensch man“ (89,16). Gyburg bemerkt, dass sowohl der Waffenschmuck als auch das Schild des vermeintlichen Willehalms untypisch für die ihres Gatten sind („si nam der zimierde war: der koste si bevilte. si prüefte ouch bi dem schilte daz er ein heiden möhte sin“ 89,10-14), was die Königin aufmerksam erscheinen lässt. Sie glaubt nicht, dass Willehalm seine Mitkämpfenden in der Schlacht zurücklassen konnte und spricht ihrem Ehemann manheit (89,20) zu, wie es sich für eine „gute“ und in ihren Mann Vertrauen habende Ehefrau gehört. Gleichzeitig versucht Gyburg den Fremden zu täuschen, indem sie ihn glauben lässt, dass sich viele Ritter in der Burg befänden (,,wan daz ez kan versmahen hie inne al miner riterschaft“ 89,26f.), um den „Heiden“ einzuschüchtern, obwohl ihre tatsächliche Streitmacht aus einem einzigen Kaplan besteht (,,do was ir werlichiu kraft gedigen et an den kapelan“ 89,28f.). Dies lässt die Markgräfin mutig und gerissen erscheinen, was wiederum für eine sich abzuzeichnen zu beginnende Charakterstärke spricht.

Nach dem ersten Überzeugungsversuch Willehalms, er sei der tatsächliche Burgherr, bedroht seine unwissende Gattin ihn sogar: „[M]it eime steine sol iu ge-winket werden“ (90,8f.) und verbietet dem Fremdling den weiteren Aufenthalt vor der Burg (,,iuwers haldens ich iu hie niht gan“ 90,11), wodurch sie dominant, gewissermaßen gebieterisch und entschlossen Orange zu verteidigen, wirkt. Zeitgleich sieht Gyburg etwa 500 in Gefangenschaft geratene Christen vorbeiziehen, die die Empathie der Burgherrin wecken und großes Mitleid in ihr auslösen („die begunden sere erbarmen“ 90,16). Geschickt fordert Gyburg den Fremden auf, sei er denn tatsächlich ihr Gatte, die Christen zu befreien (vgl. 90,19-23). Obwohl Willehalm diese Identifikationsmöglichkeit nutzt und Mensch wie auch Tier die Freiheit schenkt, bleibt Gyburg misstrauisch (vgl. 90,24-91,21); eine durchaus realistische Reaktion in Anbetracht der Gefahr, die vom Eindringling ausgehen könnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Kapitel führt in Wolframs von Eschenbachs unvollendetes Epos „Willehalm“ ein, beschreibt seine Entstehung und die Verankerung in der altfranzösischen „Chanson de geste“-Tradition. Es umreißt die Forschungslage zur Darstellung von Frauenfiguren im „Willehalm“, insbesondere von Gyburg, und leitet die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit ab.

2. (Ideales) Frauenbild im Mittelalter: Dieses Kapitel skizziert das ideale Frauenbild des Mittelalters, dessen Wurzeln in der Schöpfungsgeschichte liegen und das die Unterordnung der Frau betonte, aber auch gleichberechtigungsähnliche Ansätze kannte. Es wird erörtert, wie diese idealen Vorstellungen in der zeitgenössischen Literatur, insbesondere in Frauenfiguren von Romanen, verarbeitet wurden.

3.1 Gyburgs erster Auftritt und Willehalms Rückkehr nach Orange (89,9-96,5): Hier wird Gyburgs erste Begegnung mit dem nicht erkannten Willehalm analysiert, bei der sie sich als mutige, gerissene und strategische Burgherrin zeigt, die ihre Burg entschlossen verteidigt und auch Mitleid für Gefangene empfindet. Ihre Figur wechselt zwischen couragierter Stärke und verletzlicher Unterwürfigkeit, nachdem sie Willehalm erkennt.

3.2 Gyburgs und Willehalms erste Liebesnacht (99,8-105,15): Das Kapitel beleuchtet Gyburgs Rolle nach einer Schlacht, wo sie den verletzten Willehalm liebevoll umsorgt und als aktive Akteurin den Handlungsverlauf lenkt. Es zeigt ihre tiefe Empathie, ihren unerschütterlichen christlichen Glauben und ihre Bereitschaft, für das "größere Gut" zu opfern, während sie Willehalm strategisch berät.

3.3 Terramers Drohung und Gyburgs List (109,17-111,25): In diesem Abschnitt wird Gyburgs standhaftes und furchtloses Verhalten gegenüber den Drohungen ihres Vaters Terramer analysiert. Sie zeigt sich als taktisch kluge und listige Verteidigerin von Orange, die ihre Intelligenz einsetzt und unbeirrt an ihrem christlichen Glauben festhält.

3.4 Terramer und Gyburg im Religionsgespräch (215,1-221,26): Dieses Kapitel konzentriert sich auf den Dialog zwischen Gyburg und Terramer, in dem Gyburg ihren christlichen Glauben eloquent und theologisch fundiert verteidigt. Sie appelliert an familiäre Loyalität, zeigt Weitsichtigkeit im Wunsch nach Frieden und übernimmt eine priesterähnliche Rolle.

3.5 Dialog zwischen den verlorenen Geschwistern Gyburg und Rennewart (289,20-296,21): Die Interaktion Gyburgs mit ihrem Bruder Rennewart wird untersucht, wobei Gyburg ihre Güte, Empathie und Intuition unter Beweis stellt. Sie erkennt ihren Bruder und versucht, ihm Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, zeigt aber auch Trauer über seinen heidnischen Glauben.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gyburg eine komplexe und facettenreiche Figur ist, die sowohl "weibliche" als auch "männliche" Eigenschaften zeigt und als gleichgestellte Beraterin ihres Gatten agiert. Ihre Darstellung wird als Ausdruck von Wolframs progressivem Frauenbild interpretiert, welches geistig-seelische Stärke betont und von gesellschaftlichen Konventionen abweicht.

Schlüsselwörter

Gyburg, Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Frauenbild Mittelalter, Charakteranalyse, Epische Dichtung, Mittelalterliche Literatur, Religionsgespräch, Geschlechterrollen, Heldenepik, Orange, Terramer, Rennewart, Christentum, Islam

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung der Frauenfigur Gyburg in Wolfram von Eschenbachs „Willehalm“ anhand ausgewählter Szenen, in denen sie mit ihrem Gatten, Vater und Bruder interagiert, und beleuchtet dies im Kontext des mittelalterlichen Frauenbildes.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Charakterisierung Gyburgs, das mittelalterliche Frauenbild, Gyburgs Interaktionen mit Willehalm, Terramer und Rennewart sowie die Analyse ihrer strategischen, emotionalen und religiösen Facetten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie Gyburgs Figur unter Berücksichtigung des mittelalterlichen Frauenbildes im Roman „Willehalm“ dargestellt wird, insbesondere durch ihre Beziehungen zu den männlichen Hauptfiguren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine detaillierte Textanalyse ausgewählter Szenen aus dem „Willehalm“, um Gyburgs Darstellung und ihr Verhalten zu interpretieren und mit bestehenden Forschungsmeinungen abzugleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Analyse von Gyburgs Darstellung in verschiedenen Schlüsselmomenten des Epos: ihren ersten Auftritt und die Rückkehr Willehalms, die erste Liebesnacht, Terramers Drohung und Gyburgs List, das Religionsgespräch mit Terramer sowie den Dialog mit ihrem Bruder Rennewart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Gyburg, Wolfram von Eschenbach, Willehalm, Frauenbild Mittelalter, Charakteranalyse, Epische Dichtung, Mittelalterliche Literatur, Religionsgespräch, Geschlechterrollen, Heldenepik, Orange, Terramer, Rennewart, Christentum, Islam.

Wie unterscheidet sich Gyburgs Darstellung im Vergleich zu Wolframs französischer Vorlage?

Michael Westreicher hebt hervor, dass Wolfram von Eschenbach größtenteils Gyburgs Figur anpasste, indem er die beiden Religionsgespräche Gyburgs mit Terramer und die beiden Liebesnächte mit Willehalm, die in der französischen Vorlage nicht enthalten waren, hinzufügte.

Inwiefern bricht Gyburg mit dem idealen Frauenbild des Mittelalters?

Gyburg bricht insofern mit dem idealen Frauenbild, als sie als selbstbewusste, kluge und strategische Figur dargestellt wird, die oft eine aktive und führende Rolle einnimmt. Obwohl sie auch weibliche Züge zeigt, wird ihre „männliche“ Seite, insbesondere ihre Klugheit und Tapferkeit, positiv bewertet, was nicht den reellen gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit entsprach.

Welche Rolle spielt Gyburgs christlicher Glaube in ihren Interaktionen?

Gyburgs unerschütterlicher christlicher Glaube ist ein zentrales Element ihrer Charakterisierung. Er gibt ihr die Kraft, sich ihrem heidnischen Vater zu widersetzen, ist die Basis ihrer theologisch fundierten Argumentation und führt sie zu Akten der Selbstlosigkeit und der Bereitschaft, für ihre Überzeugungen zu leiden.

Wie wird Gyburgs "männliche" Seite in der Analyse interpretiert?

Gyburgs "männliche" Seite, die sich in ihrer Klugheit, Tapferkeit, Weitsichtigkeit und ihrem rationalen Verhalten äußert, wird in der Analyse überwiegend positiv bewertet. Sie wird als Symbol für die körperliche und geistige Äquivalenz der Burgherrin angesehen, die ihren Gatten nicht nur ergänzt, sondern ihm auch als gleichgestellte Beraterin zur Seite steht.

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Résumé des informations

Titre
Gyburg als Frauengestalt in "Wolframs von Eschenbach" Willehalm
Sous-titre
Eine Analyse von Gyburgs Darstellungsweise anhand ausgewählter Szenen
Université
University of Osnabrück
Cours
Wolfram von Eschenbach: 'Willehalm'
Note
2,3
Auteur
Anastasia Grubnik (Auteur)
Année de publication
2022
Pages
28
N° de catalogue
V1691534
ISBN (PDF)
9783389176399
ISBN (Livre)
9783389176405
Langue
allemand
mots-clé
Mittelhochdeutsch Willehalm Gyburg Wolfram von Eschenbach
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anastasia Grubnik (Auteur), 2022, Gyburg als Frauengestalt in "Wolframs von Eschenbach" Willehalm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1691534
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Extrait de  28  pages
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