Sprache als Tätigkeit

Wittgensteins Konzeption des Sprachspiels


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprachauffassung des frühen Wittgenstein: Die Abbildtheorie

3 Sprache in den Philosophischen Untersuchungen
3.1 Die Rolle der Benennung
3.2 Sprachspiele als pragmatische Sprachkonzeption

4 Kritische Beurteilung

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der nachfolgenden Arbeit geht es um die Betrachtung des von vielen Wissenschaftlern als dem menschenspezifischsten Merkmal überhaupt angesehenen Phänomens: Sprache. Schon seit der Antike bestehen verschiedene Auffassungen über Sprache und deren Funktion. So geht es seither vor Allem in der Sprachphilosophie um die „wirklichkeitserschließende Kraft“ der Sprache und ihre „normative Verbindlichkeit“[1] Die zentrale Frage, ob unseren sprachlichen Zeichen, mit Hilfe derer wir auf Dinge in unserer Welt referieren, in Wirklichkeit auch etwas entspricht, oder ob sprachliche Zeichen rein konventionelle, mentale Begriffe darstellen, wird bis heute heiß diskutiert. So entstanden mit der Zeit verschiedene Sprachtheorien, die versuchten diesen komplexen Begriff zu erklären. In dieser Arbeit wird die Sprachauffassung Ludwig Wittgensteins dargelegt, dessen hauptsächliches Anliegen darin bestand die Funktion der Sprache zu verdeutlichen und zu zeigen was es heißt, Sprache sinnvoll zu gebrauchen. So bemühte er sich vordergründig um eine Analyse des Sprachgebrauchs, um zu zeigen, dass sinnloses Verwenden von Sprache in der Philosophie zu Missverständnissen und Problemen führen kann. Das Zentrum dieser Betrachtung bildet Wittgensteins Begriff des Sprachspiels. Dieses handlungsorientierte und kontextgebundene Bild von Sprache entwickelte er jedoch erst zu einem späten Zeitpunkt seines Schaffens. Da Wittgenstein in seinem früheren Werk, dem Tractatus logico-philosophicus ein komplett anderes Sprachverständnis aufweist und er diese Vorstellung eigens in seinem späteren Werk, den Philosophischen Untersuchungen kritisiert, ist nachfolgend eine Betrachtung beider Werke von Nöten. Demnach wird allererst die frühe Abbildtheorie in Kapitel 2 dargestellt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen werden anschließend in Kapitel 3 Probleme dieser Theorie identifiziert. Mittels seiner Kritik und der damit verbundenen Veranschaulichung der Rolle der Benennungsfunktion innerhalb der Sprache wird des Weiteren in Kapitel 3.2 nun zu einer pragmatischen Theorie von Sprache übergeleitet, die in der handlungsorientierten Konzeption des Sprachspiels gipfelt. Schlussendlich konzentriert sich Kapitel 4 auf die Problematik der konventionellen Sprachbetrachtung und versucht herauszuarbeiten, in wie fern einzelne Wörter in unserer Sprache mit nur einer Bedeutung belegt sind und ob dadurch eine konventionelle Sprachauffassung angezweifelt werden muss.

2 Sprachauffassung des frühen Wittgenstein: Die Abbildtheorie

Im folgenden Kapitel wird auf die Sprachauffassung des frühen Wittgenstein eingegangen. Dieses Bild von Sprache findet sich in Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus, welcher erstmals 1921 erscheint. Es soll in verkürzter Form gezeigt werden, was wesentliche Merkmale dieser, bis dato in der Philosophie dominierenden, Abbildtheorie darstellen. Da Wittgenstein diese Darstellung von Sprache in seinem späteren Werk, den Philosophischen Untersuchungen, wieder aufgreift und anhand von Beispielen dieses Sprachverständnis modifiziert, vielmehr revidiert, ist es für ein Verständnis der pragmatischen Sprachauffassung Wittgensteins, also für das Verstehen seines Sprachspielkonzeptes, von enormer Bedeutung.

Sprache hat im TLP eine ganz bestimmte Funktion. Sie soll die Welt abbilden. Diese Welt besteht aus Tatsachen: „Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.“[2] Da die Welt in Tatsachen zerfällt und aus Allem besteht was der Fall ist, ergibt sich daraus eine Vorstrukturierung der Welt. Diese resultiert aus dem Bestehen oder Nichtbestehen von Tatsachen oder Sachlagen, die wiederum ihrerseits aus Dingen oder Sachen zusammengesetzt sind. Dieses Modell der Wirklichkeit ist für uns als Menschen erfassbar, man kann sozusagen dieses Weltbild darstellen.[3]

„Die Abbildungen der Welt und ihrer Tatsachen finden in Gedanken […] oder in sinnlich wahrnehmbarer Form in Sätzen […] statt. Dabei sind Gedanke und Satz strukturgleich […]; insofern kann man davon sprechen, daß [sic] die Welt in Sätze transformiert wird.“[4]

Sprache hat also hier nach Wittgenstein einen klar repräsentativen Charakter. Wie bereits erwähnt bestehen Tatsachen aus Dingen oder Sachen, die mittels Namen in unserer Sprache dargestellt werden. Namen in Sätzen entsprechen demzufolge Dingen in der Welt, die entweder Bestehen oder Nichtbestehen können. Bei Bestehen handelt es sich um eine Tatsache (einen Weltbestandteil), bei Nichtbestehen um eine nichtexistierend Tatsache-sprich, einen nichtexistierenden Sachverhalt. Daraus ergibt sich eine Wahr-Falsch-Bipolarität des Gedankens beziehungsweise des Satzes.[5] Es wird also davon ausgegangen, dass der Gedanke sich wie ein Maßstab zur Wirklichkeit verhält, mit diesem die Wirklichkeit übereinstimmen kann oder nicht. Da Sprache und Gedanke strukturgleich sind, erlaubt uns dies die Wirklichkeit mittels Sprache abzubilden.

„Im Denken bzw. in der Sprache machen wir uns Bilder davon, was der Fall oder nicht der Fall ist, indem wir Zeichen für die Gegenstände so miteinander verbinden, daß [sic] die Art und Weise ihrer Verbindung – so wie ein Modell – vorstellt, wie sich die bezeichneten Dinge selbst in Wirklichkeit zueinander verhalten, wenn unsere Gedanken bzw. Sätze wahr sind.“[6]

Diese Erläuterungen machen deutlich, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Welt, Gedanke und Sprache besteht.[7] Dieser Zusammenhang hat nach Wittgenstein eine logische Natur. „Jedes Bild ist auch ein logisches.“[8] Da wir uns in Gedanken ein Bild von der Welt machen, handelt es sich somit auch in diesem Fall um ein logisches Bild. Wenn es sich also so verhält, dass wir dieses Abbild der Wirklichkeit in Form des Gedankens durch Sprache in ein sprachliches Bild transformieren können, ist damit gleichzeitig auch dieses Bild ein logisches. Diese logische Natur, bzw. Verhältnis gewährleistet nun außerdem, dass wir wahre oder falsche Aussagen tätigen können, je nachdem ob das Abgebildete mit dem Abzubildendem übereinstimmt.

„Die Form eines Bildes könnte man dasjenige nennen, worin das Bild mit der Wirklichkeit stimmen muß (um sie überhaupt abbilden zu können) […] Die Theorie der logischen Abbildung durch Sprache sagt – ganz allgemein: Damit es möglich ist, daß ein Satz wahr oder falsch sei – daß er mit der Wirklichkeit übereinstimme oder nicht – dazu muß im Satze etwas mit der Wirklichkeit identisch sein.“[9]

Hieraus wird ersichtlich, dass die Form von Bild und Wirklichkeit übereinstimmen muss, damit das Abbilden als solches überhaupt funktioniert. Diese Form ist nach Wittgenstein die logische Form: „die logische Form, das ist die Struktur der Wirklichkeit.“[10] Um diese Wirklichkeit in Sprache abbilden zu können, muss die Form der Sprache ebenfalls logisch sein. Stimmt diese logische Form der Sprache, in denen Namen für Gegenstände stehen, die wiederum Bestandteile von Sachverhalten sind, mit diesen Tatsachen überein, handelt es sich um eine wahre Aussage.

[...]


[1] Prechtl, Peter u. Burkard, Franz-Peter [Hrsg.]: Metzler Lexikon Philosophie. Begriffe und Definitionen. Stuttgart: J.B. Metzler 2008. S.576.

[2] Wittgenstein, Ludwig (1921): Logisch-philosophische Abhandlung. Tractatus logico-philosophicus. Hrsg. von Mc Guinness, Brian u. Schulte, Joachim. Suhrkamp: Frankfurt am Main 1989. S.14 1.1.

[3] Vgl. Kellerwessel, Wulf (2009) : Wittgensteins Sprachphilosophie in den „Philosophischen Untersuchungen“. Eine kommentierende Ersteinführung. Ontos Verlag: Heusenstamm 2009. S.14.

[4] Kellerwessel, Wulf (2009):a.a.O., S.15.

[5] Vgl. Ammereller, Erich (2001): Die abbildende Beziehung. Zum Problem der Intentionalität im Tractatus. in: Vossenkuhl, Wilhelm [Hrsg.]: Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus. Akademie Verlag: Berlin 2001. S.112.

[6] Ammereller, Erich (2001): a.a.O., S.112f.

[7] Vgl. Kellerwessel, Wulf (2009): a.a.O., S.15.

[8] Wittgenstein, Ludwig (1921): a.a.O., S.14, 2.182. Hervorhebung im Original.

[9] Ebd., S. 15, 20.10.14. Hervorhebung im Original.

[10] Ebd., S.14, 2.18.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sprache als Tätigkeit
Untertitel
Wittgensteins Konzeption des Sprachspiels
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Philosophisches Institut Aachen)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V169248
ISBN (eBook)
9783640874934
ISBN (Buch)
9783640875177
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, tätigkeit, wittgensteins, konzeption, sprachspiels, tractatus-logico-philosophicus, philosophische untersuchungen
Arbeit zitieren
Daniel Jacobs (Autor), 2011, Sprache als Tätigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169248

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