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Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers

Ein formtheoretischer Versuch über die Rezeption des Wahnsinns in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"

Titre: Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers

Dossier / Travail de Séminaire , 2011 , 21 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Michael Bolz (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Um sich Tiecks Wissen, seiner Transformationsleistung und Darstellung des Wahnsinns in seinen Werken annähern zu können, ist es vorab nötig sich zu fragen, wie er sich das „Wie“ des Vorhandenseins des alten und des ihm gegenwärtigen Wahnsinns beantwortet hat.
Tieck spielte mit der Substanz des kulturellen Bewusstseins und Wissens seiner Gegenwart und reintegrierte in Folge seiner Interpretation der literarischen Vergangenheit den Wahnsinn in sein schriftstellerisches Schaffen und Werk. Er erfand das Wunderbare. Er reintegrierte den vergangenen Wahnsinn, der in Folge der kulturellen Entwicklung und eines epistemologischen Bruches im 17./18.
Jahrhundert von der bürgerlichen Vernunft stigmatisiert – pathologisiert und ausgegrenzt – worden war in einer neuen literarischen Form. Es gelang ihm in einer, über seine Zeit hinaus weisenden Arbeit, die trotz allem „Kind seiner Zeit“ geblieben ist, einen dreifach gegliederten Entwurf vom Wahnsinn zu entwickeln, dem er über die romantische Literatur einen Platz in der bürgerlichen Kultur schuf und sicherte.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. ἐτυμολογία – eine kleine Begriffsgeschichte

2.1 Wahnsinn im 16. und 17. Jahrhundert

2.2 Wahnsinn im 18. und 19. Jahrhundert

3. Die Theorie des Wunderbaren

3.1 „Der blonde Eckbert“ - vom Ende des Anfangs

4. Conclusio: Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Konzept des „Wunderbaren“ bei Ludwig Tieck und analysiert, wie er den Wahnsinn in seine Werke integriert. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Tieck historische und zeitgenössische Diskurse über den Wahnsinn aufgreift, transformiert und literarisch verarbeitet, um eine neue Form des Erzählens zu schaffen.

  • Historische Begriffsgeschichte des Wahnsinns
  • Transformation des Wahnsinnsbegriffs von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert
  • Die literarische Theorie des „Wunderbaren“ bei Tieck
  • Analyse der Erzählstruktur in „Der blonde Eckbert“
  • Wechselspiel zwischen bürgerlicher Vernunft und pathologischem Wahnsinn

Auszug aus dem Buch

3.1 „Der blonde Eckbert“ - vom Ende des Anfangs

Wie die Vernunft ab spätestens dem 18. Jahrhundert den Wahnsinn in jeglicher Form zunehmend aus Gründen der Prävention ausschließt indem sie ihn interniert, genauso interniert der blonde Eckbert den Grund für seinen krankhaften Wahnsinn und den darauf folgenden Tod im tiefsten Inneren: Berta. Dieser Moment ist je auf der strukturellen und inhaltlichen – der formalen wie der darstellenden – Ebene gegeben: die Rahmenhandlung „Eckbert“ schließt also die Binnenhandlung „Berta“ doppelt in sich ein.

Dieser Spur nachzugehen, scheint mir für die weitere Untersuchung fruchtbar, weshalb ich vorschlage, die Novelle, im Gegensatz zu Klussmann, doch von hinten aufzurollen, sie also als Erzählung „vom Ende des Anfangs“ zu lesen.

In den vorliegenden Erzähl-Verhältnissen begegnen uns alle Rezeptionsformen des Wahnsinns bei Tieck: Neben dem furchtbaren Wunderbaren, wie etwa der Darstellung von Natur, finden sich in der Erzählung verschiedene Elemente des schönen Wunderbaren, die sich, wie am Beispiel der Natur, auch ähneln, oder gar die Plätze tauschen können. Hier verwischt, erneuert, oder verformt der Erzähler ästhetisch die literarisch gebildeten Eindrücke ein- und desselben Gegenstandes, die bedrückend und erhebend sein können zugleich. Sie entsprechen der literarisch geformten, subjektiven Wahrnehmung Eckberts aufgrund seines seelischen Zustandes. Die Novelle ist die Wiedergabe der tieckschen Interpretation eines tragischen Wahnsinns, der im Rahmen der unmöglich aufzulösenden Interdependenz „sich“ und der spielerischen Vernunft im Spiegel nirgends eine irgend und möglicherweise einzuhaltende Grenze mehr findet. Eckbert ist quasi von Beginn an bzw. immer schon verloren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Tiecks literarisches Konzept des „Wunderbaren“ ein und erläutert die Zielsetzung, den Wahnsinn als strukturelles Element seiner Schriften zu untersuchen.

2. ἐτυμολογία – eine kleine Begriffsgeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die etymologische und begriffsgeschichtliche Entwicklung von „Wahnsinn“ von der frühen Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert nach.

2.1 Wahnsinn im 16. und 17. Jahrhundert: Hier wird das Verhältnis von Vernunft und Wahnsinn in der Renaissance beleuchtet, in der der Wahnsinn als komplementäres Gegenstück zur Vernunft verstanden wurde.

2.2 Wahnsinn im 18. und 19. Jahrhundert: Das Kapitel analysiert den epistemologischen Bruch und die zunehmende Pathologisierung und soziale Ausgrenzung des Wahnsinns im Zuge der aufkommenden bürgerlichen Rationalität.

3. Die Theorie des Wunderbaren: Hier wird Tiecks ästhetisches Konzept des Wunderbaren als literarisches Werkzeug zur Auseinandersetzung mit dem Wahnsinn und der menschlichen Vernunft theoretisch hergeleitet.

3.1 „Der blonde Eckbert“ - vom Ende des Anfangs: Dieses Kapitel bietet eine tiefgehende Analyse von Tiecks Novelle „Der blonde Eckbert“ unter dem Fokus der Verschränkung von Rahmen- und Binnenhandlung sowie der Darstellung des pathologischen Wahnsinns.

4. Conclusio: Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zusammen und reflektiert Tiecks Bedeutung bei der literarischen Integration des Wahnsinns in die Moderne.

Schlüsselwörter

Ludwig Tieck, Der blonde Eckbert, Wahnsinn, Romantik, Das Wunderbare, Vernunft, Literarische Transformation, Erzählstruktur, Binnenhandlung, Epistemologie, Pathologisierung, Bürgertum, Kulturgeschichte, Selbstidentifikation, Psychopathologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Ludwig Tieck das Phänomen des Wahnsinns in seinem literarischen Werk, insbesondere in der Novelle „Der blonde Eckbert“, aufgreift und in ein Konzept des „Wunderbaren“ integriert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die historische Begriffsgeschichte des Wahnsinns, die Transformation des Verhältnisses von Vernunft und Wahnsinn über die Jahrhunderte sowie die ästhetische Gestaltung dieses Themas bei Tieck.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Tieck den Wahnsinn als literarisches Konzept nutzte, um sich kritisch mit den bürgerlichen Vernunftvorstellungen seiner Zeit auseinanderzusetzen und eine neue, literarisch handhabbare Form des Ausdrucks zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die eng mit historischen Diskursen (z. B. Foucaults Konzepte der Vernunft und des Ausschlusses) und etymologischen Herleitungen verknüpft ist, um Tiecks Texte zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffsgeschichtliche Aufarbeitung des Wahnsinns, eine theoretische Einbettung von Tiecks Konzept des Wunderbaren und eine detaillierte textanalytische Untersuchung von „Der blonde Eckbert“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Ludwig Tieck, „Der blonde Eckbert“, Wahnsinn, Romantik, Das Wunderbare, Vernunft, Literaturtheorie und Pathologisierung.

Wie interpretiert der Autor das Verhältnis von Rahmen- und Binnenhandlung in „Der blonde Eckbert“?

Der Autor schlägt vor, die Novelle „vom Ende des Anfangs“ zu lesen, da die Rahmenhandlung die Binnenhandlung über Berta „doppelt in sich einschließt“, was die Ausweglosigkeit des Protagonisten unterstreicht.

Welche Rolle spielt die „Ausschlussmechanik“ der Vernunft in der Analyse?

Die Analyse verdeutlicht, dass ab dem 18. Jahrhundert die Vernunft den Wahnsinn zunehmend ausgrenzte und internierte. Tieck reagiert darauf, indem er den Wahnsinn in seinen Erzählungen nicht bloß pathologisiert, sondern literarisch reintegriert.

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Titre
Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers
Sous-titre
Ein formtheoretischer Versuch über die Rezeption des Wahnsinns in Ludwig Tiecks "Der blonde Eckbert"
Université
Humboldt-University of Berlin  (Deutsche Literatur)
Cours
Die Innvoationen des Ludwig Tieck
Note
1,0
Auteur
Michael Bolz (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
21
N° de catalogue
V169259
ISBN (ebook)
9783640874989
ISBN (Livre)
9783640875245
Langue
allemand
mots-clé
Wahnsinn Romantik Ludwig Tieck Tieck Foucault Psychologie Novelle Märchen Shakespeare Cervantes Boccaccio
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael Bolz (Auteur), 2011, Wahnsinn im Spiegel eines Romantikers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169259
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Extrait de  21  pages
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