Die digitale Transformation stellt Verwaltungen vor tiefgreifende Struktur-, Prozess- und Kulturveränderungen – oft unter Ressourcenknappheit, komplexen Zuständigkeiten und politischem Einfluss. Diese Arbeit zeigt praxisnah, wie Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst wirksam gelingt: Welche Relevanz hat es im digitalen Wandel, welche Gestaltungsaspekte sind entscheidend und welche typischen Herausforderungen (u. a. Akzeptanz, Mindset, Kommunikation, Führung und Kompetenzaufbau) müssen gezielt adressiert werden? Auf Basis einer systematischen Literaturrecherche und qualitativer Experteninterviews werden Erfolgsfaktoren wie Beteiligung, klare Steuerung sowie Agilitäts- und Resilienzförderung herausgearbeitet – und in konkrete Handlungsempfehlungen sowie ein integratives Phasenmodell überführt.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfragen
- 1.2 Gang der Arbeit
- 2 Theoretische Grundlagen
- 2.1 Veränderungsmanagement im Umbruchszeitalter
- 2.1.1 Umbrüche und Trends als Veränderungs- und Reformationstreiber
- 2.1.2 Grundlagen zum Veränderungsmanagement
- 2.1.3 Ansätze des Veränderungsmanagements
- 2.1.3.1. Thematische Ansätze im Rahmen der digitalen Transformation
- 2.1.3.2. Methodische Ansätze zur erfolgreichen Wandelgestaltung
- 2.2 Öffentlicher Dienst im Umbruchszeitalter
- 2.2.1 Grundlagen
- 2.2.2 Modernisierungsbestrebungen der öffentlichen Verwaltung
- 2.2.3 Herausforderungen der digitalen Transformation
- 2.1 Veränderungsmanagement im Umbruchszeitalter
- 3 Forschungsdesign
- 3.1 Erhebungsmethode – das Leitfadeninterview
- 3.2 Wahl und Begründung der Experten – die Stichprobe
- 3.3 Auswertungsmethode - die qualitative Inhaltsanalyse
- 4 Empirische Studie
- 4.1 Datenerhebung und Datenaufbereitung
- 4.2 Datenauswertung
- 5 Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst
- 5.1 Diskussion
- 5.1.1 Relevanz im Rahmen der digitalen Transformation
- 5.1.2 Gestaltungsaspekte für die öffentliche Verwaltung
- 5.1.3 Herausforderungen im Rahmen der digitalen Transformation
- 5.2 Handlungsempfehlungen im Rahmen der digitalen Transformation
- 5.1 Diskussion
- 6 Schlussbetrachtung
- 6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
- 6.2 Kritische Würdigung
- 6.3 Ausblick
- Verzeichnis der Anhänge
- Anhang
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die Relevanz und die spezifischen Herausforderungen des Veränderungsmanagements im öffentlichen Dienst im Kontext der digitalen Transformation. Aus einer identifizierten Forschungslücke abgeleitet, zielt die Arbeit darauf ab, konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung erfolgreicher Wandelprozesse in diesem Sektor zu entwickeln und die zugrundeliegenden Forschungsfragen zu beantworten.
- Identifikation von Umbrüchen und Megatrends als wesentliche Treiber für organisationale Veränderungen.
- Detaillierte Untersuchung der digitalen Transformation als zentraler Kontext für Veränderungsprozesse.
- Analyse der Konzepte des Organisationalen Change-Managements (OCM), Agilität und Resilienz zur Bewältigung des Wandels.
- Spezifische Betrachtung des öffentlichen Dienstes, seiner Modernisierungsbestrebungen und besonderen Herausforderungen.
- Bewertung methodischer Ansätze des Veränderungsmanagements und deren Übertragbarkeit auf die öffentliche Verwaltung.
- Empirische Untersuchung zur Gewinnung praxisorientierter Erkenntnisse über das Veränderungsmanagement in der öffentlichen Verwaltung.
Auszug aus dem Buch
Umbrüche und Trends als Veränderungs- und Reformationstreiber
Um in die Thematik der vorliegenden Masterthesis – dem Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst vor dem Hintergrund der digitalen Transformation - einzuleiten, wird in dem ersten theoretischen Teil literaturbasiert die Relevanz der Umbrüche und Trends als Veränderungs- und Reformationstreiber aus dem Anlass für die inhaltliche Grundlage der vorliegenden Masterthesis heraus thematisiert. Ferner wird der Einbet tungskontext der digitalen Transformation im Themenwirkungsgefüge erläutert.
Das Ausmaß der „vierte[n] industrielle[n] Revolution“12, über die gemäß Mooreschen Gesetz sich exponentiell entwickelnden Technologien führt über das Integrieren dieser zu einem fundamentalen Transformationsprozess sowohl von Wirtschaft, Wissenschaft als auch Politik.13 Führende Technologien – um nur einige zu nennen – sind beispiels weise Künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Internet der Dinge (IoT), Autonome Fahr zeuge und der 4D-Druck.14 Neben dem Technologietrend, der in der vorliegenden Ar beit über die Digitalisierung primär betrachtet wird und weiteren Umbrüchen15 auf Makro- und Mikroebene, die zu einem Neu- und Umdenken im Sinne von Anpassung und Restrukturierung führen, lassen sich weitere Trendkategorien mit unterschiedlichen Definitionen, Wirkebenen und einer gewissen Dauer identifizieren; unter anderem die sogenannten Megatrends.16 Das Zukunftsinstitut definiert Megatrends als „extrem komplexe Veränderungsdynamiken … [die als] Modell für den Wandel der Welt [dienen] … [und somit] als wertvolle Navigationshilfen durch den Dschungel gegen wärtiger und künftiger Wandlungsdynamiken [gelten]“17. Gemäß vier Kriterien lassen sich Megatrends erkennen und definieren, womit sie nicht ausgerufen, sondern vielmehr als „konzentrierte[s] Ergebnis [einer] systematischen Beobachtung, Beschreibung und Bewertung neuer Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft“18 erfasst werden:19 - Dauer: Halbwertszeit mind. 50 Jahre - Ubiquität: Auswirkungen auf Technologie, sozialer und ökonomischer Ebene - Globalität: weltweiter Einfluss - Komplexität: hoher Impact Sowohl für die Wirtschaft als auch für den öffentlichen Dienst und generell für jegliche Art von Organisation ist die Beachtung der Megatrends von höchster Relevanz, da sie langfristig nicht nur gesamte Gesellschaften im Rahmen eines fundamentalen Wandels umformen, sondern auch Branchen in ihrer Struktur neu ausrichten.20 Damit gelten Um brüche, Trends und Megatrends als Veränderungs- und Reformationstreiber, die auf grund ihres Einflusses und ihrer fundamentalen Wirkung über inkrementelle bis hin zu disruptiven Veränderungen insbesondere im strategischen Management Beachtung fin den müssen, um von unternehmerischer Seite aus im „Prozess des digitalen Darwi nismus“21 zu bestehen.22 Einbettungskontext des Themenschwerpunktes der vorliegen den Masterthesis wird vor allem die Digitalisierung und der damit verbundene Wandel im Rahmen eines digitalen sowie organisationalen Transformationsprozesses über das Veränderungsmanagement sein. Um dazu zunächst eine einheitliche Begriffsbasis zu schaffen, werden folglich die Begriffe Digitalisierung, digitale Transformation und Di gitization definiert: „‚Digitalisierung‘ beschreibt die Einführung neuer, auf digitalen Technologien basie rende[n] Lösungen. … ‚Digitization‘ .. bezeichnet die Überführung von Informationen von einer analogen in eine digitale Speicherform und damit eine sehr spezifische Form der ‚Digitalization‘. [Die] ,digitale[] Transformation‘.. beschreibt den durch digitale Technologien und darauf aufbauend digitalen Innovationen hervorgerufenen Wandel, [wobei neben der] Einführung einer fachlichen Lösung …, [insbesondere] aber auch die treibende Rolle neuer digitaler Technologien [betont wird]. [Hervorhebung nicht im Original]“23 Mit der digitalen Transformation einhergehend und in Wechselwirkung zueinanderste hend ist vor allem auch die organisationale Transformation, die sich auf die ganzheitli che Betrachtung von Strategien, Geschäftsmodellen, Prozessen und dem sozialen Mitei nander über Kultur- und Führungsthemen infolge der digitalen Transformation be zieht.24 Das Themenwirkungsgefüge organisationale Transformation im Kontext der digitalen Transformation ist dabei dicht mit der Organisationsentwicklung über den Einsatz agiler Methoden verwoben. Diese ist im Rahmen agiler Arbeits- und Selbstor ganisation sowie der Personalentwicklung über veränderte Bedingungen und Kon textfaktoren als stetiger Entwicklungsprozess zusätzlich im Sinne der Resilienzförde rung als Selbstreflexionsstärke einer Organisation anzusehen.25 Sowohl die digitale als auch die organisationale Transformation bedeuten stetige Veränderungen und damit auch Kulturwandel, da nicht nur der gesamte Wertschöpfungsprozess, sondern auch das gesamte Backend und Frontend dem Veränderungsprozess unterliegen.26 Die Transfor mationen zielen insbesondere darauf ab, über Wandelbarkeit, Anpassungsfähigkeit, Resilienz, Innovationskraft, Agilität und Flexibilität - effektive und effiziente Prozesse aufzusetzen, - restriktive Ressourcen optimal zu allokieren, - um den strategischen Fit, die strategische Positionierung und Kernkompetenzen zu intensivieren - und um damit insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.27 Abbildung 1 visualisiert das Themenkonglomerat der Veränderungstreiber über die di gitale als auch organisationale Transformation für Organisationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Problemstellung, Zielsetzung und die aus der Forschungslücke abgeleiteten Forschungsfragen vor und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Beleuchtet das Veränderungsmanagement im Kontext des Umbruchszeitalters, identifiziert Umbrüche und Trends als Treiber und erläutert Grundlagen und Ansätze des Veränderungsmanagements. Zudem wird der öffentliche Dienst im Umbruchszeitalter mit seinen Grundlagen, Modernisierungsbestrebungen und Herausforderungen durch die digitale Transformation analysiert.
3 Forschungsdesign: Beschreibt die methodische Vorgehensweise der empirischen Studie, einschließlich der Erhebungsmethode (Leitfadeninterview), der Expertenauswahl (Stichprobe) und der Auswertungsmethode (qualitative Inhaltsanalyse).
4 Empirische Studie: Dokumentiert den konkreten Prozess der Datenerhebung und -aufbereitung sowie die detaillierte Datenauswertung der qualitativen Leitfadeninterviews.
5 Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst: Diskutiert und interpretiert die Ergebnisse der empirischen Studie im Abgleich mit literarischen Erkenntnissen, um die Relevanz, Gestaltungsaspekte und Herausforderungen des Veränderungsmanagements im öffentlichen Dienst im Kontext der digitalen Transformation zu beantworten und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
6 Schlussbetrachtung: Fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, nimmt eine kritische Würdigung der Arbeit vor und gibt einen Ausblick auf weiteres Forschungspotenzial.
Schlüsselwörter
Veränderungsmanagement, digitale Transformation, öffentlicher Dienst, Organisationsentwicklung, Agilität, Resilienz, VUCA-Systemumwelt, Megatrends, Reformprozesse, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen, qualitative Inhaltsanalyse, Stakeholderanalyse, Modernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des Veränderungsmanagements im öffentlichen Dienst, insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation, um dessen Relevanz, Gestaltungsaspekte und Herausforderungen zu ermitteln und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Rolle von Umbrüchen und Megatrends, die digitale und organisationale Transformation, das Change-Management, Agilität und Resilienz sowie die spezifischen Bedingungen und Herausforderungen im öffentlichen Dienst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Relevanz und Herausforderungen des Veränderungsmanagements im öffentlichen Dienst im Kontext der digitalen Transformation zu analysieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren. Die Forschungsfragen beleuchten die Relevanz, Gestaltungsaspekte und Herausforderungen des Veränderungsmanagements in diesem Sektor.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche und einer empirischen Studie mittels qualitativer Leitfadeninterviews, deren Daten durch qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen des Veränderungsmanagements und des öffentlichen Dienstes, stellt das Forschungsdesign vor, präsentiert die empirische Studie mit Datenerhebung und -auswertung und diskutiert die Ergebnisse hinsichtlich der Relevanz, Gestaltungsaspekte und Herausforderungen des Veränderungsmanagements im öffentlichen Dienst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind: Veränderungsmanagement, digitale Transformation, öffentlicher Dienst, Organisationsentwicklung, Agilität, Resilienz, VUCA-Systemumwelt, Megatrends, Reformprozesse, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen, qualitative Inhaltsanalyse, Stakeholderanalyse, Modernisierung.
Welche Rolle spielt die Kultur im Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst?
Die Kultur spielt eine zentrale Rolle, da ein Kulturwandel als entscheidend für den Erfolg der digitalen Transformation und organisatorischen Entwicklung im öffentlichen Dienst angesehen wird, um Veränderungen aktiv zu begrüßen und mitzutragen.
Wie unterscheidet sich das Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst von dem in der Privatwirtschaft?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Zielorientierung (Gemeinwohlmaximierung vs. Gewinnorientierung), der geringeren Konkurrenz und dem daraus resultierenden geringeren Veränderungsdruck im öffentlichen Dienst. Zudem prägen verfassungsrechtliche Vorgaben und die Unkündbarkeit von Beamten den Umgang mit Veränderungen stark.
Welche Barrieren gibt es bei der Förderung agiler und resilienter Strukturen im öffentlichen Dienst?
Barrieren sind unter anderem das dominierende Bürokratiemodell nach Max Weber, starre Personalstrukturen (Beamten- und Tarifrecht), hierarchische Entscheidungswege, fehlendes Dringlichkeitsgefühl für Veränderungen und mangelnde Ressourcen sowie Kompetenzen für Veränderungsmanagement.
- Citar trabajo
- Lisa-Marie Kobets (Autor), 2023, Veränderungsmanagement im öffentlichen Dienst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1692757