Die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften


Seminararbeit, 2009

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften
2.1. Ertragsteuerliche Behandlung auf Gesellschaftsebene
2.2. Ertragsteuerliche Behandlung auf Anteilseignerebene

3. Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen
3.1. Veräußerung von nicht wesentlichen Beteiligungen
3.2. Veräußerung von wesentlichen Beteiligungen

4. Veräußerung von im Betriebsvermögen gehaltenen Anteilen
4.1. Im Betriebsvermögen eines Personenunternehmens gehaltene Anteile
4.2. Im Betriebsvermögen einer juristischen Person gehaltene Anteile

5. Steuersystematische Analyse der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften

6. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Konzeption des deutschen Körperschaftsteuersystems besteht darin, Veräußerungsgewinne wie Dividenden gleichzustellen und als „Einmalausschüttung“ zu besteuern.[1] Für die ertragsteuerliche Behandlung der Veräußerungsgewinne auf Anteilseignerebene sind primär zwei Einflussgrößen relevant.[2] Zum einen erzwingt der Dualismus der Einkünfteermittlung eine Differenzierung nach der Zuordnung der Anteile zum Privat- oder Betriebsvermögen des Gesellschafters, zum anderen hängt der Umfang der Steuerpflicht von der Höhe der Beteiligungsquote ab.[3] Als Veräußerungsgewinn wird in der Arbeit nur die Veräußerung einer Beteiligung an einem Unternehmen verstanden.[4]

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit liegt in der Darstellung der steuerrechtlichen Grundlage der Veräußerungsgewinnbehandlung und Erklärung einzelner Begrifflichkeiten bei Anteilsveräußerungen bei Kapitalgesellschaften. Dazu werden zunächst in Kapitel 2 die grundsätzlichen steuerlichen Konsequenzen von Anteilsveräußerungen auf Gesellschafts- und auf Anteilseignerebene aufgezeigt. Letztere werden sodann im Detail in den Kapiteln 3 (im Privatvermögen gehaltene Anteile) und 4 (im Betriebsvermögen gehaltene Anteile) dargestellt. Dabei sollen lediglich die wichtigsten Punkte behandelt werden. Hierbei wird von der aktuellen Rechtslage ausgegangen. Kapitel 5 beinhaltet schließlich eine abschließende steuersystematische Analyse der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften, bevor in Kapitel 6 die wesentlichen ertragsteuerlichen Konsequenzen der Besteuerung zusammengefasst werden.

2. Grundlagen der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften.

2.1. Ertragsteuerliche Behandlung auf Gesellschaftsebene.

Die Veräußerung eines Gesellschafteranteils von einem Anteilseigner führt wegen des Trennungsprinzips auf der Ebene der Kapitalgesellschaft zu keiner ertragsteuerlichen Konsequenz.[5] Das Unternehmen führt bisherige Buchwerte fort, die stillen Reserven werden nicht aufgelöst, die Rechtsfähigkeit der Gesellschaft bleibt bestehen und der Verlustabzug bleibt grundsätzlich erhalten.[6] Verlustvortrag geht verloren, wenn die rechtliche Identität des Mantels erhalten bleibt, es wechselt jedoch die wirtschaftliche Identität (§ 8 c KStG).[7]

2.2. Ertragsteuerliche Behandlung auf Anteilseignerebene.

Die Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften aus dem körperschaftsteuerlichen Betriebsvermögen unterliegt beim Veräußerer nach der UntStRefG[8] grundsätzlich – unabhängig von der Beteiligungshöhe – immer der Besteuerung als laufenden Gewinn.[9]

Die ertragsteuerlichen Konsequenzen des Veräußerungsvorgangs auf Ebene der Gesellschafter hängen vornehmlich von folgenden Faktoren ab:

- von der Rechtsform des Veräußerers, da die steuerliche Behandlung von Veräußerungsgewinnen - je nach Rechtsform – auf den Vorschriften des Körperschaftsteuergesetzes oder Einkommensteuergesetzes basiert.[10]
- der Vermögenszuordnung: die steuerliche Belastung hängt davon ab, ob die Gesellschaftsanteile des Veräußerers im Privat- oder Betriebsvermögen gehalten werden.[11]

3. Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen.

3.1. Veräußerung von nicht wesentlichen Beteiligung en.

Die Einkommensbesteuerung der natürlichen Personen basiert im

Kern auf der Grundlage einer Kombination aus Quellen- und Reinvermögenszugangstheorie.[12] So blieben private Veräußerungsgewinne aufgrund der Quellentheorie steuerfrei.[13] Nach der UntStRefG gehören die Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an einer Körperschaft zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG) und unabhängig von einer Haltedauer unterliegen sie einer Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer (§ 32 d Abs. 1 EStG ).[14] Bei neu erworbenen Anteilen verliert die Abgrenzung gegenüber § 17 EStG an Bedeutung. Im Falle eines Veräußerungsverlustes kann die Einordnung in § 17 EStG dagegen vorteilhafter sein.

Mit Einführung der Abgeltungsteuer hat der Gesetzgeber die Quellen- und Veräußerungseinkünfte verbunden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors zu stärken und den Verwaltungsaufwand privater Kapitalanlagen zu reduzieren.[15]

Zu den Einkünften nach § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG gehören auch die Einlösung, Rückzahlung, Abtretung von Forderungen oder die verdeckten Einlagen in einer Kapitalgesellschaft.[16] Dabei ist der Veräußerungsgewinn die Differenz zwischen dem Veräußerungserlös nach Abzug der Aufwendungen, die in unmittelbarem sachlichen Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen, und den Anschaffungskosten.[17] Bei der Gewinnermittlung ist ein Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro (bei Zusammenveranlagung: 1.602 Euro) abzuziehen;[18] ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten (aufgewendete Zinsen für Fremdkapital, Depot- oder Beratungsgebühren) ist ausgeschlossen (§ 20 Abs. 9 EStG). Durch das Abzugsverbot wird das Nettoprinzip nicht beachtet.[19] Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mehr mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet, auch nicht nach § 10 d EStG abgezogen werden.[20] Die Verluste aus dem Verkauf von Aktien dürfen nach § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG nur mit Gewinnen aus dem Verkauf von Aktien ausgeglichen werden.[21]

Sofern die Besteuerung zum persönlichen Steuersatz des Anlegers niedriger ist als die Abgeltungsteuer, kann der Anleger beantragen, dass der Veräußerungsgewinn mit diesem persönlichen Steuersatz versteuert wird (so genannte Günstigerprüfung, § 32 d Abs. 6 EStG).[22] Hierfür müssen sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen erklärt und dem allgemeinen Einkommensteuertarif unterworfen werden (§ 32 d Abs. 6 Satz 2 EStG).[23]

Die Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen nicht der Abgeltungsteuer in folgenden Fällen:

- private Veräußerungsgeschäfte, insbesondere mit Gründstücken[24]
- Veräußerungsgewinne aus typischen stillen Beteiligungen und sonstigen Kapitalforderungen (insbesondereDarlehen), bei denen der Schuldner eine nahe stehende Person ist oder wenn der Schuldner eine Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft ist, an welcher der Gläubiger oder eine ihm nahestehende Person zu mindestens 10 Prozent beteiligt ist.[25]
- bestimmte Kapitalüberlassungsverträge sowie ausgewählte Konstellationen im Zusammenhang mit sogenannten Back-to-Back-Finanzierungen.[26]

Die Regelungen des UntStRefG 2008 gelten nur für Veräußerungen von Anteilen an Kapitalgesellschaften, die ab dem 01. Januar 2009 erworben werden. Für alle davor erworbenen Beteiligungen gilt dagegen noch die alte Rechtslage, auch wenn diese Beteiligungen erst nach 2009 veräußert werden.[27] Nach der alten Regelung ist der Gewinn aus der Beteiligungsveräußerung steuerfrei.[28] Der Veräußerungsgewinn wird doch der Besteuerung unterworfen, wenn der Zeitraum zwischen der Anschaffung und der Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt.[29] Die Bemessungsgrundlage wird gem. § 23 Abs. 3 S. 1 EStG als Einnahmeüberschuss des Veräußerungserlöses über die Werbungs- und Anschaffungskosten ermittelt[30] und im Rahmen des Halbeinkünfteverfahrens gem. § 3 Nr. 40 EStG besteuert, wenn die Freigrenze von 512 €[31] überschritten wird.[32] Die Veräußerungsverluste können bis zum Jahr 2013 mit Einkünften aus der Veräußerung von Kapitalanlagen verrechnet werden.[33]

[...]


[1] Vgl. Scheffler, Besteuerung von Unternehmen, 2007 ,S.207.

[2] Vgl.Brück/Sinewe, Unternehmenskauf, 2008, S.68.

[3] Vgl. Ballof/Krudewig, Die Unternehmenssteuerreform, 2007, S.5-6.

[4] Im deutschen Einkommensteuergesetz bezeichnen Veräußerungsgewinne auch Gewinne aus dem Verkauf von Schmuck, Antiquitäten, Kunstgegenständen, Immobilien u.a. Diese Gewinne sind nicht Gegenstand der Untersuchung.

[5] Vgl. Jacobs, Rechtsform, 2002, S. 90-127.

[6] Vgl. BMF- Schreiben vom 4.7.2008 - IV C 7 - S 2745-a/08/10001.

[7] Der Verlustvortrag wird erhalten, das Betriebsvermögen wird zur Sanierung zugeführt und Betrieb wird anschließend über 5 Jahre fortgeführt.

[8] Vgl. Brusch, Unternehmensteuerreformgesetz 2008, S.1000.

[9] Die generelle Steuerpflicht für Anteile im Privatvermögen gilt erstmal für solche, die nach dem 31.12.2008 angeschafft wurden, vgl. Haas, Abgeltungsteuer, 2008, S. 13-24.

[10] Vgl. Glass, Dissertation, 2004, S.62.

[11] Vgl. Eckhard, Die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen, 2007, S.22.

[12] Vgl. Schreiber, Besteuerung der Unternehmen, 2008, S.13-14.

[13] Die aus der Quellentheorie die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne bei den Überschusseinkünften wird im EStG nicht konsenquent umgesetzt, vgl. §§ 23 EStG, 17 EStG.

[14] Vgl. Schwedhelm/Olbig/Binnewies, GmbHR, 23/2008, S.1244.

[15] Vgl. Eckhoff, Finanz-Rundschau, 21/2007, S.995-996.

[16] Vgl. Tipke/Lang, Steuerrecht, 2008, S.357.

[17] Vgl. § 20 Abs. 4 Satz 1 EStG.

[18] Vgl. Haas, Abgeltungsteuer, 2008, S.74-75.

[19] Vgl. Scheffler, Besteuerung von Unternehmen, 2007, S.80.

[20] Vgl. § 20 Abs. 6 Satz 2 EStG.

[21] Vgl. Tipke/Lang, Steuerrecht, 2008, S. 359.

[22] Vgl. Brusch, Unternehmensteuerreformgesetz 2008, S. 1003.

[23] Das kann sinnvoll sein, wenn Verluste aus anderen Einkunftsarten mit Gewinnen aus Kapitaleinkünften verrechnet werden können.

[24] Vgl. Zengerling, UntStR, 2008, S. 23-24.

[25] Vgl. § 32d Abs. 2 Nr. 1 EStG.

[26] Vgl. Tipke/Lang, Steuerrecht, 2008, S. 359.

[27] Vgl. § 52 a Abs. 10 EStG.

[28] Vgl. Hüttemann/Waldhoff, Bonner Schriften zum Steuer-, Finanz- und Unternehmensrecht, S. 98.

[29] Vgl. § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Abs. 1 S. 1 EStG.

[30] Vgl. Hüttemann/Waldhoff, Bonner Schriften zum Steuer-, Finanz- und Unternehmensrecht, S. 98.

[31] Vgl. § 23 Abs. 3 S. 6 EStG.

[32] Vgl. Hüttemann/Waldhoff, Bonner Schriften zum Steuer-, Finanz- und Unternehmensrecht, S. 98-99.

[33] Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de, Abgeltungsteuer von A bis F.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V169310
ISBN (eBook)
9783640875818
ISBN (Buch)
9783640876006
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besteuerung, veräußerungsgewinnen, kapitalgesellschaften
Arbeit zitieren
Volha Streng (Autor), 2009, Die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Kapitalgesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169310

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