Majakovskijs poetische Innovationen in den Poemen "Ljublju" und "Pro ėto"


Hausarbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Intertextualität und Intermedialität

3. "Ljublju"
3.1 Inhaltliche Gliederung
3.2 Intertextualität
3.3 Intermedialität

4. "Proéto"
4.1 Inhaltliche Gliederung
4.2 Autobiographischer Hintergrund
4.3 Intertextualität
4.4 Intermedialität

5. Bedeutung beider Poeme innerhalb von Majakovskijs Gesamtwerk

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Stilistik

1. Einleitung

"Не смоют любовь ни ссоры, ни версты.

Продумана,

выверена,

проверена.

Подъемля торжественно стих скороперстный,

клянусь -

люблю

неизменно и верно!"1

Dies ist die Folgerung Vladimir Majakovskijs in seinem 1922 veröffentlichten Poem "Ljublju". Im selben Jahr gibt er einen ersten Hinweis auf das Poem "Pro éto" in seiner Autobiographie "Ja sam". In dem Kapitel 22-j god heißt es: "Задумано: о любви. Громадная поэма". Mit der Arbeit an diesem Poem begann Majakovskij Ende Dezember 1922. Beide Werke haben autobiographische Züge und spiegeln seine Reflexion des Phänomens Liebe wieder. Beide Poeme zählen zu der urbanen Lyrik Majakovskijs und weisen eine Reihe von Neulogismen, Vulgarismen, Obszönitäten und verschiedene Jargons auf, die die Schriftsprache revolutionierten. "Dem entspricht die Eigendynamik der Dingwelt, die gegen die Dominanz der Menschen zu rebellieren scheint und ihrerseits anthropomorphe Züge annimmt"2. Ebenso wichtig sind in den beiden Werken die stilistischen Mittel der Intertextualität und der Intermedialität, die in der folgenden Arbeit untersucht werden. Dabei sollen ergänzend die äußere Gliederung und die stilistischen Mittel sowie der autobiographische Hintergrund beider Poeme analysiert werden. Desweiteren ist die Bedeutung beider Poeme in Majakovskijs Gesamtwerk Gegenstand dieser Arbeit. Die Sekundärliteratur zu beiden Poemen ist überaus umfangreich, so dass eine angemessene Auswahl nicht ganz leicht fällt. Bei der Untersuchung der Fragestellung im Rahmen einer Proseminararbeit ist eine erschöpfende Darstellung weder angestrebt noch möglich.

2. Definiton von Intertextualität und Intermedialität

(lat. inter: zwischen; lat. médius: Mittler, vermittelnd)

Die Intermedialität ist "in einem weiten Sinn jedes Überschreiten von Grenzen zwischen konventionell als distinkt angesehenen Ausdrucks- oder Kommunikationsmedien; in einem engeren, werkinternen Sinn analog zur Intertextualität, die eine in einem Text nachweisliche Einbeziehung mindestens eines weiteren (verbalen) Textes bezeichnet, eine in einem Artefakt nachweisliche Verwendung oder (referentielle) Einbeziehung wenigstens zweier Medien."3

3. "Ljublju" 1922

3.1 Inhaltliche Gliederung

Anhand von der inhaltlichen Gliederung sollen im Folgenden die Intertextualität und Intermedialität veranschaulicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Intertextualität

Die Intertextualität macht auf vielfältige Weise auf Majakovskijs Bezüge zur Außenwelt sowie auf einige interessante Persönlichkeiten aufmerksam. Hier sollen einige davon erläutert werden.

Der erste Hinweis auf Intertextualität taucht in dem Abschnitt "Юношей"4 auf. Dort findet sich ein Verweis auf Igor Sewerjanin, eigentlich Igor Wassiljewič Lotarew - einen russischen ego-futuristischen Dichter und Majakovskijs Zeitgenossen, einen manieristischen Lyriker mit erotischen Tendenzen. Um 1910 entstanden in der russischen Literatur neue Strömungen von kurzer Dauer, wie der Futurismus - nicht nur die Syntax wurde außer Kraft gesetzt, auch Buchstaben und Worte präsentierten sich in unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichen Schriften sowie in unterschiedlicher Ausrichtung. Da Druckmaschinen diese Schriftformen nicht darstellen konnten, behalf man sich mit der aus der Malerei übernommenen Technik der Collage und Montage (Majakovskij). Außerdem der Egofuturismus mit extravaganten Wortschöpfungen, wie bei Sewerjanin. Sewerjanin blieb in seiner Dichtung dem Grundgedanken der Revolutionierung des poetischen Wortschatzes treu: der Schaffung von Neologismen und beispielsweise der Experimentierfreudigkeit in Bezug auf Versstruktur und Bildmaterial (realisierte Metaphern). Es wurden circa 2500 neue Lexeme nachgewiesen, die Sewerjanin in die Sprache der russischen Poesie brachte. Der Expressionismus, wie in Belyjs Romanen, der nach Klarheit und Dinglichkeit strebende, gegen den Symbolismus gerichtete Akmeismus von Gumiljow, Achmatowa und Mandelschtam und Imaginismus von Jessenin, gehören ebenso zu diesen Strömungen. Majakovskij verweist auf den ideologischen Gegensatz und macht in seinen Poemen auf die neue Liebeslyrik aufmerksam. Er will die Liebe neu definieren und sie von ihrem Dasein als Synonym für rein sexuelle und eheliche Beziehungen sowie Beziehungen, in denen materielle Abhängigkeiten existieren, befreien. Im Folgenden vergleicht er sich mit IgorSewerjanin, seinem angeblichen Konkurrenten.

" В вашем квартирном маленьком мирике

для спален растут кучерявые лирики.

Что выищешь в этих болоночьих лириках?!

Меня вот любить учили в Бутырках.

Что мне тоска о Булонском лесе?!

Der zweite Hinweis auf Intertextualität findet sich im Abschnitt "Мой университет"5 6 in den folgenden Verszeilen:

"Мутят Иловайских больные вопросы:

- Была ль рыжа борода Барбароссы? - Пускай!

Не копаюсь в пропыленном вздоре я - любая в Москве мне известна история?

Берут Добролюбова (чтоб зло ненавидеть), - фамилия ж против, скулит родовая. Я жирных с детства привык ненавидеть, всегда себя за обед продавая."7

Majakovskij verweist auf einen russischen Literaturkritiker, Publizisten, materialistischen Philosophen und revolutionären Demokraten Nikolai Alexandrowič Dobroljubow. In den wenigen Jahren bis zu seinem frühen Tod, wandte er sich zunehmend von rein-demokratischen Positionen ab und vertrat schließlich frühe sozialistische Ideen. Sozialisten betonen besonders die Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität und legen meist Wert auf eine enge Wechselbeziehung zwischen praktischen sozialen Bewegungen und theoretischer Gesellschaftskritik, um beide miteinander in Richtung einer sozial gerechten Wirtschafts- und Sozialordnung weiterzuentwickeln. Majakovskij war jedoch im Gegensatz ein Befürworter des Kommunismus. Kommunismus (vom lateinischen communis = "gemeinsam") bezeichnet das politische Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und das erwirtschaftete Sozialprodukt gesellschaftlich angeeignet wird, das heißt, allen Menschen gleichermaßen zugänglich ist. Dieser Ansatz könnte den Verweis auf Dobroljubow erklären.

[...]


1 Majakovskij, W. Gedichte russisch und Deutsch. Gerhard Schaumann (Hg.). Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1988, S. 240

2 Städtke, K. Russische Literatur Geschichte. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart-Weimar, 2002, S. 266

3 Nünning, A. Metzler Lekikon Literatur- und Kulturtheorie. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart-Weimar, 2004,S.296

4 Majakovskij, W. Gedichte russisch und Deutsch. Gerhard Schaumann, S. 224

5 Majakovskij, W. Gedichte russisch und Deutsch. Gerhard Schaumann, S. 226

6 Majakovskij, W. Gedichte russisch und Deutsch. Gerhard Schaumann, S. 226

7 Majakovskij, W. Gedichte russisch und Deutsch. Gerhard Schaumann, S. 228

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Majakovskijs poetische Innovationen in den Poemen "Ljublju" und "Pro ėto"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Slavische Philologie)
Veranstaltung
Majakovskij und der südslavische Avantgardismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V169344
ISBN (eBook)
9783640876631
ISBN (Buch)
9783640876884
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Majakovskij, Poetik, Lyrik, Poem, Poetische Innovationen, Ljublju, Pro ėto, Intertextualität, Intermedialität, Stilistik, Avantgardismus, Futurismus, Lilja Brik, Russland, Russisch
Arbeit zitieren
Olga Levina (Autor), 2008, Majakovskijs poetische Innovationen in den Poemen "Ljublju" und "Pro ėto", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169344

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