Entstehung von Gewalt und Aggression


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition / Begriffserklärung
2.1 Aggressionen
2.2 Gewalt

3 Formen der Gewalt

4 Entstehungstheorien
4.1 Trieb- oder Instinkttheorie
4.2 Aggressions- Frustrationstheorie
4.3 Lerntheorie
4.4 Katharsis-Hypothese

5 Gewaltprävention
5.1 Mediation (primär)
5.2 Coolness-Training (sekundär)
5.3 Anti-Aggressions-Training (tertiär)

6 Fazit

1 Einleitung

Gewalt ist ein globales Phänomen und Problem, denn verbale und körperliche Übergriffe, Rassendiskriminierungen, Vergewaltigungen und Morde sind in jedem Land weit verbreitet. Oft verkünden die Nachrichten, die Kriminalitätsrate sei erneut gestiegen. Unabhängig des Alters, des Geschlechts oder der verschiedenen sozialen Gruppierungen und Schichten ist der Nährboden für Gewalt überall gegeben. Egal ob in Beziehungen, im Eheleben, im familiären Umfeld, im Freundeskreis, im Berufsleben, auf dem Schulhof oder im Schulsport, kann dort aggressives und gewalttätiges Potenzial vorhanden sein beziehungsweise entstehen. Sogar zwischen ganzen Systemen oder vereinzelten Ländern findet Gewalt aktiv statt, wenn wir einen Rückblick auf die Weltkriege werfen. Massenmedien, wie etwa der Fernseher, senden oft gewaltverherrlichende Filme und in den Nachrichten werden jeden Tag schreckliche Gewalttaten emotionslos präsentiert. Gewalttätige und pornografische Kurzfilme werden per Knopfdruck am Handy zum Belustigen und Schockieren an den Freund versendet. Diskussionen über die Zensur des Internets und gewaltverherrlichender Computerspiele nehmen zu, die auf der einen Seite logisch erscheinen, auf der anderen aber die Freiheiten des Menschen einschränken. Steigende Arbeitslosigkeit und wachsende Armut scheinen die Hemmschwelle der Gewalt tiefer zu legen und die Gewaltbereitschaft und Beschaffungskriminalität zu erhöhen. Man erkennt, dass das Thema Gewalt mit seinen Ursachen und Wirkungen ein komplexes Gebiet ist, welches politisches und soziales Engagement benötigt.

Im Rahmen dieser Hausarbeit definiert der Autor zunächst die Begriffe Aggression und Gewalt. Dabei geht er auf die wesentlichen Unterscheidungen zwischen Aggressionen und Gewalt ein. Fortfahrend werden die häufigsten Formen von Gewalt genauer erläutert. In Kapitel vier werden die Entstehungstheorien besprochen. Der fünfte Punkt gilt der Gewaltprävention.

Das Fazit am Ende dient der Zusammenfassung der vorher beschriebenen Teilgebiete und der Ansicht des Autors.

2 Definition / Begriffserklärung

2.1 Aggressionen

„Aggression wird von Psychologen in der Regel als jede Form des Verhaltens definiert, die darauf angelegt ist, eine Person gegen ihren Willen zu schädigen oder zu verletzen. Das heißt, es handelt sich bei einer beabsichtigten Schädigung nicht um Aggression, wenn die verletzte Person den Angriff gewünscht hat. Aggression schließt jede Form der Verletzung ein, auch die psychische oder die gefühlsmäßige.“[1]

Mit anderen Worten gesagt, sind Aggressionen von der Gesellschaft negativ angesehene und sozial abweichende Verhaltensweisen, die darauf aus sind, andere Lebewesen körperlich oder verbal zu verletzen. Aggressionen können sich aber auch gegen Sachgegenstände richten, deren Ausübung sich durch Vandalismus ausdrückt. Diese Zerstörungswut ist eine bewusste und absichtliche Beschädigung von Sachgegenständen. Jedoch können sich Aggressionen nicht nur gegen andere Personen oder Gegenstände richten, sondern auch gegen die eigene Person. Diesen Vorgang der Selbstverletzung beschreibt man als Autoaggression.

2.2 Gewalt

Der Begriff Gewalt ist die gesteigerte und extremste Form der Aggression. Da Aggressionen einen Menschen „nur“ psychisch und körperlich schädigen, können Gewalthandlungen zur völligen Zerstörung des körperlichen oder seelischen Wohls eines Menschen führen. Gewalthandlungen entstehen aus den vorausgegangenen Aggressionen. Die Wurzeln der Gewalt entspringen also aus den Ursachen und aus der Entstehung von Aggressionen. Ohne vorangegangene Aggression kann es zu keiner Gewalthandlung kommen. Es muss aber nicht sein, dass aus einer vorhandenen Aggression eine Gewalthandlung entsteht oder ausgeübt wird.

„Alle Gewalt ist Aggression, aber nicht alle Aggression ist Gewalt.“[2]

Breakwell definiert Gewalt als Handlung, „…in der vorsätzlich versucht wird, jemandem körperlichen Schaden zuzufügen. Entsteht ein Schaden unbeabsichtigt, dann liegt keine Gewalt vor. Die Unterscheidung zwischen vorsätzlich und unbeabsichtigt wird sowohl im täglichen Umgang mit anderen wie auch im Gesetz gemacht.“[3] Gewalt ist also die geplante und bewusste Vorgehensweise, um seinem Opfer schwerwiegenden physischen oder psychischen Schaden zuzufügen.

Der wesentliche Unterschied zwischen Aggression und Gewalt besteht darin, dass eine Gewalthandlung gegenüber einer Aggression oft berechnend und kalt ausgeübt wird, während Aggressionen die Folge „heißer emotionaler Erregungen“ sind. Aggressionen führen zu unerheblichen Schädigungen, Gewalthandlungen jedoch zu schweren Schädigungen mit erheblichen Konsequenzen, da sie gegen juristisch festgelegte Normen verstoßen. Aggressionen hingegen verstoßen nur gegen herkömmliche Umgangsformen, die vermieden werden sollten. Gewalthandlungen haben oft einen instrumentellen Charakter, also ist die Gewaltausübung nur das Werkzeug oder das Mittel zum Zweck, um beispielsweise an Geld zu kommen, während Aggressionen wiederum einen feindseligen Charakter haben.[4]

3 Formen der Gewalt

Aggressives Verhalten und gewalttätiges Handeln können sich in vielen verschiedenen Formen und Variationen ausleben und werden wie folgt kategorisiert.

Die körperliche/physische Gewalt richtet sich gegen Personen (Opfer) und Sachwerten (Vandalismus). Hier zählen auch die Benutzung von Waffen und gefährlicher Gegenstände dazu. Außerdem beinhaltet sie alle Formen von Misshandlungen, wie zum Beispiel Stoßen, Treten, Schlagen, Würgen, Prügeln mit Gegenständen, bis einschließlich Totschlag und Mord. Beispiele für Vandalismus wären, das Zerstechen von Autoreifen, Brandstiftung, Fensterscheiben einwerfen oder Graffitis an Wände malen. Die Varianten zur Durchführung körperlicher/psychischer Gewalt sind schier unendlich. Die Einnahme von Alkohol und Drogen, kann die Gewaltbereitschaft eines Menschen drastisch steigern.

Opfer der seelischen/psychischen Gewalt erleiden alle Formen der Demütigung, Erniedrigung, Drohungen und verbalen Beschimpfungen. Dies kann öffentlich durch Beleidigungen und Schläge oder verdeckt durch Intrigen schmieden und Gerüchte verbreiten Anwendung finden. Frauen neigen eher dazu seelische/psychische Gewalt anzuwenden, während Männer zu körperlicher/physischer Gewalt neigen. Seelische/psychische Gewalt drückt sich also durch Entwertung, Ablehnung oder Erpressung der betroffenen Personen aus. Im Berufsleben kann man diese Form der Gewalt als Mobbing bezeichnen.

Erzwungene intime Körperkontakte oder sexuelle Handlungen werden als sexuelle Gewalt angesehen. Darunter zählt auch der sexuelle Missbrauch von Kindern. Hier sind alle Handlungen gemeint, die an, vor oder gegen den Willen des Kindes vorgenommen werden. Dazu gehört auch, wenn das Kind aufgrund seiner sprachlichen, körperlichen, seelischen und geistigen Unterlegenheit gegenüber Erwachsenen nicht wissentlich zustimmen kann. Sexuelle Gewalt verletzt den Körper aber auch die Seele des Opfers. Die grausamste Art der sexuellen Gewalt ist die Vergewaltigung. Sexuelle Gewalt ist Aggression und Machtmissbrauch.

Eine weitere Gewaltform ist die Kindesmisshandlung und meint allgemein die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Hier können bereits alle oben beschriebenen Formen gegen Kinder zur Anwendung kommen, jedoch zählt die Vernachlässigung als Misshandlung dazu. Vernachlässigung heißt, dass das Kind aufgrund unzureichender Pflege, Kleidung, Ernährung, gesundheitlicher Fürsorge, Beaufsichtigung und mangelndem Schutz vor Gefahren, keine ausreichende Basis für ein normales Leben hat. Die Vernachlässigung eines Kindes kann zu starken Beeinträchtigungen oder Schädigungen der kindlichen Entwicklung führen.

Fortführend ist die strukturelle Gewalt zu nennen, deren Hauptaugenmerk sich auf gesellschaftliche Strukturen und Personengruppen richtet, die ausgegrenzt, benachteiligt oder behindert werden. Als Beispiel wäre die jahrelang ausgegrenzte Homosexuellenbewegung zu nennen oder die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft, da sie oft geringere Berufschancen haben und für die gleiche Arbeit weniger Geld erhalten als Männer. Die Diskriminierung von Frauen kann auch als frauenfeindliche Gewalt bezeichnet werden. Auch die Rechtsextremisten mit ihrer Fremdenfeindlichkeit, ihrem Hass auf Ausländer und ihrer Sichtweise, Menschen als lebensunwert zu betrachten, werden als eine besondere Form der strukturellen Gewalt bezeichnet.

[...]


[1] Quelle: Breakwell, G. M. (1998). S. 19.

[2] Quelle: Frank, H. (1996). S. 20. übernommen aus Hacker, F. (1985). S. 31.

[3] Quelle: Breakwell, G. M. (1998). S. 19.

[4] Quelle: Vgl. www.fundus.org/pdf.asp?ID=7576, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Entstehung von Gewalt und Aggression
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Veranstaltung
Entwicklungspsychologie / Allgemeine Psychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V169345
ISBN (eBook)
9783640876655
ISBN (Buch)
9783640876891
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Entstehung, Gewalt, Aggression, Entstehungstheorien, Frustrationstheorie, Katharsis, Mediation, Coolness-Training, Anti-Aggressionstraining, Lerntheorie, Trieb, Instinkttheorie, Gewaltprävention
Arbeit zitieren
Christoph Bärwald (Autor), 2009, Entstehung von Gewalt und Aggression , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169345

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