Länderneugliederung nach dem Zweiten Weltkrieg - Von der SBZ zur DDR


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Die Kriegsziele der Alliierten
1.1 Konferenzen von Jalta und Potsdam
1.2 Errichtung der Besatzungszonen

2. Der Ost-West-Konflikt und der Beginn der deutschen Teilung
2.1 Scheitern der alliierten Konferenzen
2.2 Berliner Blockade

3. Die sowjetische Besatzungszone
3.1 Länder der SBZ
3.2 Entwicklungen in der SBZ
3.3 Gründung der DDR
3.3 Auflösung der Länder

Ausblick und Schlussbetrachtungen

Anhang

Quellen:

Quellen- und Literaturverzeichnis:
Quellen:
Literatur:

Einleitung

Es ist bereits ein Jahrzehnt her, dass der erste Versuch eine Länderehe zwischen Berlin und Brandenburg zu gründen, am Wählervotum der Brandenburger und der Ostberliner Bevölkerung scheiterte und eine erneute Abstimmung über die Fusion der beiden Bundesländer bis auf weiteres zurückgestellt wurde. Die Mehrheit der Bürger war und ist der Länderehe nach wie vor misstrauisch eingestellt.[1] Auch am Beispiel der aktuell diskutierten Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern, in deren Rahmen vergrößerte und effizientere Landkreise geschaffen werden sollen, wird deutlich, dass die Bürger den Neugliederungsdebatten der Politiker skeptisch gegenüberstehen. Das Phänomen der Länderneugliederung, das kein adäquates Gegenstück in der Welt findet, beschränkt sich nicht nur auf die neuen Bundesländer oder auf die Gegenwart, sondern stellt bereits seit der Weimarer Republik[2] die Diskussionsgrundlage für Politiker, Juristen, Geographen und Verwaltungsfachleuten dar. Seit nunmehr fast neunzig Jahren wird vergeblich darüber debattiert, welche territorialen Umgestaltungen unternommen werden müssten, um die Staatsausgaben zu minimieren, die Verwaltung transparenter und effektiver zu gestalten und den sogenannten Reformstau im Gesetzgebungsprozess zu beseitigen. Dabei sind in Deutschland bislang zwei große Territorialrevolutionen durchgeführt worden, die jeweils von außerhalb initiiert wurden. Die erste wird mit den Umwälzungen während der Jahre der französischen Besatzung von 1792 bis 1819 datiert. Die nächsten maßgeblichen Veränderungen setzten mit dem alliierten Sieg über das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1945 und der Aufteilung in Besatzungszonen ein und wurden mit der Auflösung der Länder im östlichen Teil Deutschlands im Jahr 1952 beendet. Die Länderneugliederung, die nach der Kapitulation des Dritten Reiches von den alliierten Siegermächten durchgeführt wurde, veränderte die territoriale Struktur der Mehrzahl der deutschen Länder.[3] Die Unterteilung Deutschlands in Besatzungsgebiete führte letztendlich zur Teilung Deutschlands und ließ zwei gegensätzlich ausgerichtete Staaten entstehen. Während die westlichen Alliierten ein neues demokratisches und föderalistisches[4] Staatswesen kreierten, leitete die Sowjetunion in ihrem Besatzungsgebiet eine Territorialneugliederung ein, die mit der Deutschen Demokratischen Republik, die DDR, einen Einheitsstaat[5] hervorbrachte.

Im Rahmen dieser Arbeit soll den Entwicklungen in der sowjetischen Besatzungszone Beachtung geschenkt werden. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Etappen nachgezeichnet werden können, die der Entwicklung des zentralistisch aufgebauten Staates Antrieb gaben und die schlussendlich mit der Auflösung der Länder der DDR im Jahr 1952 ihren Höhepunkt fanden. Dabei werden die Entwicklungstendenzen in den westlich besetzten Gebieten beziehungsweise der späteren Bundesrepublik Deutschland nur insofern in die Betrachtungen einbezogen, wie sie Aufschluss über Entscheidungen und Maßnahmen in der SBZ oder der DDR geben können. Die Quellenlage zu diesem Zeitraum erweist sich als sehr gut und umfangreich, da auch in den westlichen Archiven Dokumente zu den Anfängen der DDR aufbewahrt worden sind und das Interesse an der Erforschung ihrer Entstehungsgeschichte im Zuge der Wiedervereinigung wuchs. Daneben existiert noch eine Fülle von bisher unbearbeitetem Dokumenten- und Quellenmaterial, das erst mit der Öffnung der russischen Archive für die Forscher zugänglich gemacht wurde.[6]

Die Darstellung der Ereignisse wird mit dem Vorstellen der alliierten Kriegsziele vor und nach der Kapitulation des Dritten Reiches beginnen, die in den Konferenzen von Jalta und Potsdam zum Ausdruck kamen. In diesem Abschnitt soll auch der Anfang der Besatzungszeit dargestellt werden. Der darauf folgende Abschnitt wird sich mit dem beginnenden Konflikt zwischen den Großmächten und deren Auswirkungen auf ihre Deutschlandpolitik befassen. Die einsetzende deutsche Spaltung soll hier besonders illustriert werden. Im Anschluss daran setzt eine ausführliche Abhandlung über die sowjetische Besatzungszone an. Zuerst wird der Aufbau und die Zusammensetzung der Zone beleuchtet, in den Unterpunkten kommen dann die Vorgänge zur Sprache, die zur Gründung der DDR und der Auflösung der Länder geführt haben. Die Ergebnisse der einzelnen Abschnitte werden jeweils am Ende eines jeden Punktes zusammengefasst. Abschließende Betrachtungen und Einblicke in die weitere Entwicklung finden im Schlussteil Eingang.

1. Die Kriegsziele der Alliierten

Der Sieg der Alliierten über das Deutsche Reich am 8. Mai 1945 beendete zwar das Terrorregime der Nationalsozialisten, führte aber gleichermaßen zur Spaltung Deutschlands. Nachdem das Deutsche Reich im Mai bedingungslos kapituliert hatte, war die oberste Regierungsgewalt in Deutschland an die Alliierten übergegangen. Um die damit verbundenen Aufgaben wahrzunehmen, richteten sie in den ihnen zugeteilten Zonen Militärregierungen ein. Die ersten Vorschläge zum weiteren Umgang mit Deutschland nach Beendigung des Krieges hatten amerikanische Vertreter bereits im Oktober 1943 auf der Moskauer Außenministerkonferenz unterbreitet. Auch in der folgenden Zeit ging die Planungsinitiative hauptsächlich von den westlichen Mächten aus. Allerdings verfolgten sowohl die Westalliierten als auch die Sowjetunion gemeinsame Ziele, wodurch sie in der ersten Nachkriegszeit zur Kooperation gezwungen waren. Dazu gehörte vor allem die Zerschlagung der Militärmacht und der Rüstungsindustrie.[7] Ein dringendes Verlangen, das besonders in den Vereinigten Staaten bestand, war außerdem die Auslöschung Preußens, das als die Wurzel des Nationalismus und Chauvinismus in Deutschland angesehen wurde.[8] Bevor dieses Problem im Februar 1947 durch den Alliierten Kontrollrat für alle vier Besatzungsgebiete verbindlich geregelt wurde, verordnete die britische Militärregierung bereits am 23. August 1946 die Auflösung der Provinzen des Landes Preußens in ihrer Besatzungszone. In der Verordnung Nr. 46 verkündet die Militärregierung die preußischen Provinzen als solche aufgelöst und erkennt ihnen vorläufig die staatsrechtliche Stellung von Ländern zu.[9] Dieser Vorbehalt sollte verdeutlichen, dass eine spätere Neugliederung nicht ausgeschlossen werden sollte.

Für die Sowjetunion wurde es allerdings besonders ab 1945 von größerer Bedeutung, in Deutschland ihr eigenes System einzurichten, um dem Faschismus und Militarismus entgegenzuwirken, welche laut ihrer Ideologie als Folgen des Kapitalismus auftreten. Weiterhin beanspruchte sie für sich umfassende Reparationen, das sie während des Krieges die größten Zerstörungen verzeichnen musste. Da sie sich diese Reparationen vor allem aus dem Westen und hier besonders aus dem Ruhrgebiet erhoffte, musste sie bei der Lösung der Deutschlandfrage auch eine gesamtdeutsche Regelung vorziehen.

Für den Verlauf der Deutschlandpolitik der Sowjetunion während des Krieges hat Alexander Fischer wenigstens fünf Varianten kreiert, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Der erste Abschnitt wird als Ideologie und Machtpolitik bezeichnet und erstreckt sich auf die Jahre 1941 und 1942. Ihm schließt sich das von Fischer als Spiel mit dem Sonderfrieden benannte Teilstück von 1942 bis 1943 an. Im selben Jahr allerdings beginnt das Stadium, welches er mit den Stichworten deutsch-nationale Karte bezeichnet. Ebenfalls 1943 lässt sich die Herausbildung der antideutschen Allianz als vierte Variante erkennen, die sich bis ins Jahr 1944 ausdehnt. Dort setzt als letzte Variante das antifaschistische Programm ein, das ebenfalls das letzte Kriegsjahr 1945 mit einschließt. Das deutschlandpolitische Interesse der Sowjetunion weist demnach einige Modifizierungen und Flexibilitäten auf, nichtsdestotrotz verfolgte sie seit 1941 konsequent bestimmte Ziele. Dazu gehörten neben der Westverschiebung Polens zu Gunsten der sowjetischen Westgrenze und dem Problem der Reparationen, das seit Jalta immer mehr in den Mittelpunkt rückte und die Deutschlandpolitik wie keine andere Frage bestimmte, auch die Teilung Deutschlands. In Jalta hatte Stalin das Aufteilungskonzept verfochten, doch schon im März 1945 distanzierte er sich ausdrücklich davon. Am 9. Mai 1945 positionierte er sich zu diesem Plan mit seiner bekannten Aussage: „Die Sowjetunion feiert den Sieg, auch wenn sie sich nicht anschickt, Deutschland zu zerstückeln oder zu vernichten.“[10]

Im folgenden Abschnitt sollen die Wandlungen in der alliierten Deutschlandpolitik dargelegt werden, die sich seit den Konferenzen von Jalta und Potsdam vollzogen haben.

1.1 Konferenzen von Jalta und Potsdam

Die Prinzipien der Besetzung Deutschlands durch die Alliierten wurden auf den Konferenzen von Jalta im Februar 1945 und von Potsdam, die in den Monaten Juli und August 1945 stattfand, beschlossen.[11] Die „Großen Drei“, US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, der britische Premierminister Winston Churchill und Josef Stalin für die Sowjetunion, trafen sich vom 4. bis zum 11. Februar 1945 in Jalta auf der Krim, wo sie die folgenden wesentlichen Vereinbarungen trafen. Die Aufteilung Deutschlands, die bereits zwei Jahre zuvor in Teheran besprochen wurde, sollte in die Tat umgesetzt und die einzelnen Besatzungszonen errichtet werden. Es wurde festgelegt, Frankreich in die alliierte Kontrolle über Deutschland einzubeziehen und eine vierte Besatzungszone einzurichten, die aus einem Teil des ursprünglich amerikanisch-britischen Gebietes gebildet werden sollte.[12] Der zweite Beschluss zielte auf die Gründung eines Kontrollrates als oberste interalliierte Verwaltungsinstanz ab, dessen Sitz nach Berlin gelegt wurde und bei dem sich Frankreich ebenfalls beteiligen sollte. Von allseitigem Interesse war die Abmachung die vollständige Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands durchzusetzen und den Nationalismus und den Militarismus zu liquidieren. Weiterhin wurden den Deutschen hohe Reparationsforderungen auferlegt, um die von ihnen angerichteten Zerstörungen im selben Ausmaß zu ersetzen. Für die Sowjetunion war es von großer Bedeutung, dass die Curzon-Linie als Ostgrenze Polens anerkannt und die SU somit beträchtliche Gebietszuwächse verzeichnen konnte. Als Entschädigung sollten Polen im Norden und Westen Gebiete auf Kosten Deutschlands zugesprochen werden. Die endgültige Festlegung dieser Grenze sollte erst auf einer Friedenskonferenz erfolgen, sodass diese Frage bewusst offen gelassen wurde.[13] Auch stellte sich schon im Februar heraus, dass die Pläne zur Aufteilung und politischen Zerstückelung Deutschlands in der Form nicht verwirklicht werden konnten. Bereits im Herbst des Jahres 1944 war ein britischer Planungsstab zu der Erkenntnis gekommen, dass dies die wirtschaftliche Kraft Deutschlands zu sehr schwächen würde und somit auch die Reparationszahlungen gefährdet wären. Die einsetzende Verarmung des Landes hätte ebenfalls Auswirkungen auf die Regenerierung der restlichen Staaten, die sich im Zuge der geringer ausfallenden Zahlungen von den Kriegsschäden langsamer erholen könnten. Die Aufgliederung Deutschlands, wie sie die Alliierten während der Jalta-Konferenz erarbeitet hatten, konnte also derartig nicht umgesetzt werden, sollten die wirtschaftlichen Interessen der Siegermächte keinen Schaden nehmen.[14] Aus diesem Grund mussten nun die beteiligten Mächte davon überzeugt werden, dass eine längerfristige Kontrolle der deutschen Wirtschaft längerfristig effektiver erscheint, als das Festhalten an den Aufteilungsplänen. In Verbindung mit der Entmilitarisierung und Entwaffnung wären dadurch nicht nur wirtschaftlichen Interessen entsprochen, sondern auch ein gewisses Maß an Sicherheit gewährt. Gerade aber bei diesem Punkt kamen die unterschiedlichen Prioritäten der Alliierten zum Ausdruck. Während die westlichen Verbündeten die Lösung der kontrollierten Industrie und Wirtschaft den Zerstückelungsplänen vorzogen, stand für die Sowjetunion die Reparationsfrage nach wie vor im Mittelpunkt ihrer Deutschlandpolitik. Ebenso wie die Beschlüsse der Konferenz von Jalta kann auch die Potsdamer Konferenz sowohl als Ausgangspunkt für eine zukünftige Kooperation als auch für den sich anbahnenden Konflikt zwischen den Alliierten angesehen werden. Es lassen sich durchaus einige Motive erkennen, welche die Siegermächte verbanden und eine weitere Kooperation zwischen ihnen nicht von vornherein als ausgeschlossen erscheinen ließen. Ein Faktor dabei war das Sicherheitsbedürfnis in Hinblick auf eine Vermeidung der erneuten Erstarkens Deutschlands. Als ein weiteres Motiv kann der Wille zur Bestrafung und Wiedergutmachung bei allen Siegermächten ausgemacht werden, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung. Des weiteren vertraten die Alliierten eine gleichwohl positive Deutschlandpolitik, d.h. sie waren an einem Wieder- und Neuaufbau eines demokratisch ausgerichteten Deutschlands interessiert und nicht an der Niederwerfung des Landes. Deutlicher als in Jalta, kamen die divergierenden Interessen und die politischen Konflikte zwischen den alliierten Siegermächten allerdings während der Konferenz in Potsdam zutage. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 trafen sich die drei Staatschefs zu ihrer letzten Kriegskonferenz in Potsdam.[15] Dort wurde das Rahmenprogramm für eine einheitliche alliierte Besatzungspolitik ausformuliert.[16] Die Westalliierten verstanden die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz über die Reparationsforderungen, die Entnazifizierung und Entmilitarisierung, die Demokratisierung und über territoriale Angelegenheiten als zeitlich befristete Absprachen. Stalin legte den Fokus vielmehr auf die Festlegung der zu zahlenden Reparationssumme und die Beteiligung der Sowjetunion daran. Ihm war weiterhin daran gelegen, Ost- und Südosteuropa als russische Interessensphären bestätigen zu lassen und die verschobene Ostgrenze Polens sowie die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze zu Deutschland akzeptiert zu wissen.[17] Doch weder Roosevelt noch Churchill wollten den russischen Drang nach Expansion außer Kontrolle geraten lassen. Roosevelt wollte vielmehr die Zusicherung der russischen Kooperation bei der Errichtung der Vereinten Nationen erhalten, die Gründung einer auf Dauer angelegten Friedensorganisation war das deklarierte wichtigste Kriegsziel der Vereinigten Staaten von Amerika. Zu den zentralen Verabredungen der Konferenz gehören der Beschluss, einen Rat der Außenminister der fünf Hauptmächte[18] einzurichten, der die Friedensverträge mit Deutschlands Verbündeten im Zweiten Weltkrieg vorbereiten und sich mit der Regelung offener territorialer Streitpunkte sowie der Beratung zur Lösung der deutschen Frage beschäftigen sollte. Weiterhin kam man zu der Übereinkunft, dass die Ausübung der Regierungsgewalt durch die Oberbefehlshaber der Streitkräfte der vier Großmächte in deren Besatzungszonen und gemeinsam im Alliierten Kontrollrat stattzufinden hat. Außerdem konnten konkrete Maßnahmen die völlige Abrüstung und Entmilitarisierung betreffend getroffen werden. Dazu gehörten dir Auflösung aller Streitkräfte, einschließlich der SS und der SA, und die Auflösung der NSDAP. Eine weitere Vereinbarung betraf die Entnazifizierung der Bevölkerung, die Aufhebung aller nationalsozialistischen Gesetze, die Verhaftung und Verurteilung der Kriegsverbrecher, die Demokratisierung des Erziehungssystems, der Justiz, der Verwaltung und des öffentlichen Lebens. Die Wirtschaft sollte unter alliierter Kontrolle dezentralisiert und dekartellisiert werden. Trotz der Einteilung in Besatzungszonen sollte Deutschland als wirtschaftliche Einheit betrachtet werden.

Auch die Reparationsfrage konnte zur Zufriedenstellung der Sowjetunion geklärt werden. Sie sollte ihre Ansprüche aus ihrer Besatzungszone zufrieden stellen. Die Westmächte und andere anspruchsberechtigte Staaten sollten sich ihre Forderungen aus den westlichen Besatzungszonen erfüllen, aus denen die Sowjetunion darüber hinaus Industrieausrüstungen und andere Leistungen erhalten sollte. Obendrein wurden ihr die Stadt Königsberg und das nördliche Ostpreußen zugesprochen, allerdings vorbehaltlich einer endgültigen Friedensregelung. Ebenso unter Vorbehalt erkannte man die Oder-Neiße-Linie als die Westgrenze Polens an. Auf Grund dieser eher unverbindlichen Formulierungen hoffte die deutsche Bevölkerung in den ersten Nachkriegsjahren noch, dass einige Teile der verlorenen Ostgebiete zurück an Deutschland fallen würden, das sich als neuer Staat aus der Vereinigung der vier Besatzungszonen bilden würde. Zum Grundverständnis gehörte es anfangs noch, dass die Beschlüsse von Potsdam lediglich der erste Schritt auf dem Weg zu einer Friedensregelung wären, die dann nach Vorbereitung durch den „Rat der Außenminister“ zu einem Friedensvertrag mit Deutschland führen sollten.[19] Als sich die Spannungen zwischen den Alliierten allerdings bald darauf immer mehr verstärkten, schwand die Hoffnung auf eine baldige Regelung dieser offenen Angelegenheiten aber zusehendst.

[...]


[1] Am 5. Mai 1996 sprachen sich 62,7% der Brandenburger Wählerschaft gegen einen Zusammenschluss mit Berlin aus. Hauptbeweggrund für die Ablehnung war vor allem die Sorge, von der Hauptstadt dominiert zu werden. Vgl. dazu: Münch, Ursula/Meerwaldt, Kerstin: Geschichtlicher Rückblick, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) Föderalismus in Deutschland. Informationen zur politischen Bildung, H. 275, Bonn 2002, S. 56 und Rundfunk Berlin Brandenburg: Zur Landtagswahl 2004. Kalte Füße bei Berlin-Brandenburg; http://www.rbb-online.de/_/themen/beitrag_jsp/key=teaser_1057710.html, 6. März 2006.

[2] Im Zusammenhang mit den Beratungen bezüglich einer neuen Reichsverfassung und einer Reichsreform Anfang 1919 riet Hugo Preuß als Schöpfer der Verfassung eine territoriale Neuordnung des Reichgebietes an.

[3] Matz, Klaus-Jürgen: Länderneugliederung. Zur Genese einer deutschen Obsession seit dem Ausgang des Alten Reiches, Idstein 1997, S. 23-24.

[4] Mit Föderalismus ist das Organisationsprinzip eines gegliedertes Gemeinwesen gemeint, dessen gleichberechtigte und mehr oder weniger eigenständige Glieder zu einem übergeordneten Ganzen zusammengeschlossen sind, vgl. dazu Schubert, Klaus/Klein, Martina: Föderalismus, in: Politiklexikon, Bonn 2006, S. 109.

[5] Der Begriff Einheitsstaat sagt aus, dass die staatliche Gewalt auf einige zentrale Institutionen beschränk ist.. Es gibt keine regionalen Untergliederungen mit politischer Selbstständigkeit, also keine Länder oder Einzelstaaten. Beispiele sind neben der DDR auch Frankreich und Italien, vgl. dazu Schubert, Klaus/ Klein, Martina: Einheitsstaat, in: Politiklexikon, Bonn 2006, S. 84-85.

[6] Weber, Hermann: Die DDR 1945-1990, 2., überarb. und erw. Aufl., München 1993, S. 118-123.

[7] Vgl. dazu Weber, S. 3-5.

[8] Siehe dazu auch Wehler, Hans-Ulrich: Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen, 2. durchgesehene Auflage, München 2004.

[9] Vgl. dazu Quelle 2: Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung. Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder, hrsg. vom Bundesanzeiger (Dokumente. Zusammenbruch und Neuaufbau Deutschlands 1945-1990, Köln 1991) S. 49.

[10] Rodenbach, Hermann-Josef: Die Berliner Blockade und die staatliche Teilung Deutschlands, in: Boris Meissner (Hrsg.), Die Deutschlandfrage von Jalta und Potsdam bis zur staatlichen Teilung Deutschlands 1949 (Studien zur Deutschlandfrage; Bd. 12), Berlin 1993, S. 104.

[11] Über die Behandlung des Deutschen Reiches nach Beendigung des Krieges hatten sich die Alliierten auf der ersten Gipfelkonferenz der Anti-Hitler-Koalition in Teheran vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 verständigt. Dort konnte sich allerdings lediglich über allgemeine Grundsätze geeinigt werden, konkrete Pläne wurden noch nicht geschaffen. Neben dem Beschluss, Deutschland unter den Siegermächten aufzuteilen und Österreich in seinen Grenzen von 1937 wiederherzustellen, entschieden die drei Alliierten die von Stalin geforderte Westverschiebung Polens, BpB, S.4-7. Siehe auch Abb. 1

[12] Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Deutschland 1945-1949. Besatzungszeit und Staatengründung, in: Informationen zur politischen Bildung, H. 259, Bonn 2005, S. 4-5.

[13] Klessmann, Christoph: Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955, 5., überarb. und erw. Aufl., Göttingen 1991, S. 29-30.

[14] BpB, S. 6.

[15] Der französische Regierungschef Charles de Gaulle war zu dieser Konferenz ebenso wenig eingeladen wie zuvor zum Gipfeltreffen in Jalta. In Frankreich wurde dies als Herabwürdigung der Bedeutung des Landes empfunden. Der Missmut darüber kam in der folgenden Besatzungszeit zum Ausdruck, in der sich Frankreich gegen gemeinsame Beschlüsse über Deutschland sperrte und deren Durchführung blockierte, BpB, S. 5.

[16] Klessmann, S. 28-30.

[17] Diese Festlegung erwies sich wie kaum eine andere Bestimmung des Potsdamer Abkommens als folgenreich für die zukünftige außen- als auch innenpolitische Entwicklung Westdeutschlands.

[18] Zu den fünf Hauptmächten zählten die USA, Großbritannien, die Sowjetunion, Frankreich und China.

[19] BpB, S.7.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Länderneugliederung nach dem Zweiten Weltkrieg - Von der SBZ zur DDR
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
35
Katalognummer
V169346
ISBN (eBook)
9783640876648
ISBN (Buch)
9783640877058
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
länderneugliederung, zweiten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Kerstin Wendt (Autor:in), 2006, Länderneugliederung nach dem Zweiten Weltkrieg - Von der SBZ zur DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169346

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