„Der zureichende Grund“ bei Leibniz - Leben als schicksalhafter Zufall


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der zureichende Grund bei Leibniz
2.1 Gott - Der Grund aller Gründe
2.2 Der zureichende Grund als deterministische Grundlage
2.3 Zufall als Kontingenz

3. Determinismus
3.1 Kausalitätsprinzip
3.2 Kausaler Determinismus
3.3 Determinismus als deterministisches Gesetz

4. Indeterminismus
4.1 Die Zukunft ist offen
4.2 Grundgesetzlichkeit oder Zustandsbeschreibung
4.3 Indeterminismus - das Stiefkind der Philosophie

5. Zufall
5.1 Subjektiver Zufall
5.2 Objektiver Zufall
5.3 Würfelt Gott?

6. Schicksal
6.1 Vorstellungen vom Schicksal
6.2 Das Schicksal bei Leibniz
6.3 Schicksal als Schicksalszufälligkeit

7. Fazit

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit widmet sich Leibniz´ Satz vom zureichenden Grund (lat. principium rationis sufficientis). Für Leibniz ist der Satz vom zureichenden Grund nicht nur ein tragendes Theorem seiner Philosophie sondern gehört, neben dem Satz des Widerspruchs, zu einem der beiden Prinzipien auf die sich menschliche Vernunftsschlüsse stützen. Er findet sich neben der Monadologie auch in der Theodizee als raison d é terminante wieder. Besonders der französische Begriff gibt einen Aufschluss über die Tragweite des zureichenden Grundes, der ich mich versuchen werde zu nähern. In der Monadologie beschreibt Leibniz die Bedeutung des zureichenden Grundes folgendermaßen: "Und das des zureichenden Grundes, kraft dessen wir erwägen, dass keine Tatsache [fait] als wahr oder existierend gelten kann und keine Aussage [Enonciation] als richtig, ohne dass es einen zureichenden Grund [raison suffisante] dafür gibt, dass es so und nicht anders ist, obwohl uns diese Gründe meistens nicht bekannt sein mögen“1.

„Dieser Satz, der besagt, dass nichts in der Welt ohne Grund ist und geschieht, ist für Leibniz ein allgemeingültiges Seinsprinzip, das seiner Weltwahrnehmung und Interpretation fundamental zugrunde liegt.“2 Er spiegelt Leibniz´ zutiefst theologischen Charakter wieder, denn der Satz vom Grunde erklärt Gott als den letzten Grund der Welt. „Er erkennt Gott als Grund aller Gründe“.3 Der Satz vom Grunde unterstützt seinen kosmologischen Gottesbeweis der auf Ursache und Wirkung basiert und fundiert durch ihn seine deterministische Weltanschauung. In Leibniz´ determinierter Welt agiert Gott nur als letzter Grund, also, als eine Art erster Beweger - auf den weiteren Verlauf der Dinge, hat er keinen Einfluss. Trotzdem hinterlässt er sie in einem kontingenten Zwangsverhältnis. Zufall wird nur als „vorbestimmt“ anerkannt, nicht als objektiv.

In meiner Arbeit werde ich daher versuchen zu beweisen, dass eine Zufälligkeit trotz der Existenz eines zureichenden Grundes nicht ausgeschlossen ist. Für Leibniz´ gibt es nur die Determination von Indeterminiertem. Zufall ist für ihn vielmehr Kontingenz. Die Möglichkeit von Indeterminiertem neben Determiniertem soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein. Sie wird sich mit dem zureichenden Grunde beschäftigen, der allgemeinen Vorstellung von Determinismus und Indeterminismus sowie den Begriffen Kontingenz, Zufall und Schicksal widmen. Ich werde für die Begründung meiner Vermutung auf die Theorie des objektiven Zufalls eingehen, um abschließend in meinem Fazit darzulegen, dass Determinismus und Indeterminismus nicht zwangsläufig als Gegenpaar, sondern vielmehr als Zusammenspiel betrachtet werden sollten.

2. Der zureichende Grund bei Leibniz

2.1 Gott - Der Grund aller Gründe

Wie schon in der Einleitung erwähnt, untermauert der Satz vom Grunde nicht einfach nur Leibniz´ kosmologischen Gottesbeweis sondern er ist „wesentlicher Schlüssel zur Welterkenntnis des Menschen“4. Der zureichende Grund ist in Leibniz´ Denken, der Grund aller Gründe und dieser ist letztlich Gott selbst. In der Monadologie sagt Leibniz´ „So muss der letzte Grund der Dinge in einer notwendigen Substanz liegen, in der das Besondere der Veränderung nur eminenter, wie in einer Quelle enthalten ist, und dies nennen wir Gott“.5 Leibniz´ mach uns seine Weltanschauung deutlich, die Gott als Schöpfer der Welt, also als alles Seienden betrachtet.

2.2 Der zureichende Grund als deterministische Grundlage

Diese Herleitung ist ein Model Gott zu erklären und zu beweisen. Sie ist nicht nur eine theologische Herleitung, sondern vor allem eine rationale, die sich auf das Kausalitätsprinzip gründet. Dieses Prinzip, das vor allem in der Zeit vor der Quantentheorie, von der Verkettung von Ursache und Wirkung ausgeht. Hierbei soll Ursache, als zureichender Grund verstanden werden. Dieses Kausalitätsprinzip verifiziert eine deterministische Weltanschauung. Eine Vorstellung in der jede Handlung und alles Geschehen, nicht nur eine Ursache hat, sondern einen zureichenden, letzten Grund Gott.

2.3 Zufall als Kontingenz

In Leibniz´ Denken sind auch jene Ereignisse, die wir als zufällig bezeichnen würden determiniert, denn das Prinzip des bestimmenden Grundes (le principe de la raison d é terminante) besagt, dass nichts geschieht, ohne das es eine Ursache oder einen bestimmten Grund gibt. „Gleichwohl ist die Präetablierung oder Prädeterminierung {durch den zureichenden Grund} kein Widerspruch zur Freiheit und Kontingenz, denn auch wenn alle Dinge von Ewigkeit her in Gott beschlossen sind, so ‚...bleiben die Geschehnisse in sich selbst kontingent“.’ Das bedeutet, dass auch wenn Gott als erster Beweger und zureichender Grund angesehen wird, ein Einwirken auf den Verlauf der Dinge ausgeschlossen ist. Für Leibniz´ impliziert diese Tatsache Freiheit. Für mich führt sie zu der widersprüchlichen Beschreibung des „Leben{s} als schicksalhafter Zufall“. Denn der Begriff, der Kontingenz beinhaltet letztlich beides. Nämlich eine Tatsache, die Möglichkeit und Notwendigkeit in einem verbindet.

3. Determinismus

3.1 Kausalitätsprinzip

Kausalitätsverfechter gehen, trotz der Erkenntnisse zur Quantenmechanik, weiterhin davon aus, dass lediglich die Messinstrumente und Verifikationsmöglichkeiten einer Begrenzung erliegen. Betrachtet man das Kausalprinzip, so wird aus heutiger Wissenschaftstheorie vor allem eines klar, nämlich das es weiterhin, wenn auch widerwillig, als eine Grundvoraussetzung wissenschaftlichen Forschens angesehen wird. „{...}In Hinblick auf den Tatbestand, dass im Falle kausal unerklärbarer Naturvorkommnisse nicht angenommen wird, dass es dafür keine Kausalgesetze gibt, sondern dass diese bisher nur nicht gefunden werden konnten.“6 Das heißt, dass die fehlende Voraussagbarkeit in der Quantenmechanik und Wahrscheinlichkeitstheorie lediglich einem unzureichenden Wissenschaftsstand geschuldet ist. Das Kausalitätsprinzip an sich wird nicht in Frage gestellt.

3.2 Kausaler Determinismus

Aus heutiger Sicht kann Leibniz´ Determinismus als Kausal-Determinismus bezeichnet werden. Spätestens seit der Quantenmechanik ist der Physik die Herleitung allgemeiner Geschehnisse aus einem Ursache-Wirkungs-Prinzip genommen. Dementsprechend wird auch die Philosophie zu einem Umdenken gezwungen. Um nicht vollends die Vorstellung einer deterministischen Welt aufzugeben, wurde gerade in den letzten Jahrzehnten der Terminus Determinismus, immer mehr zu einem gesetzgebenden Prinzip umformuliert. Anstatt die physikalische Widerlegung des Determinismus- Prinzips zu akzeptieren, wurde lediglich dessen Bedeutungsebene umdefiniert. Dass der klassische Determinismus aber eigentlich mit dem Kausalitätsprinzip gleichzusetzen ist, wird weiterhin, besonders in der Philosophie, ignoriert.

3.3 Determinismus als deterministisches Gesetz

„Es hat die Determinismusfrage in der heutigen Wissenschaftstheorie insgesamt maßgeblich bestimmt, dass sie sich nicht in erster Linie als eine Fortführung oder Wiederaufnahme der tradierten Kausalitätsdiskussion mit anderen Mitteln akzentuierte, sondern dass ihr Dreh- und Angelpunkt vielmehr das deterministische Gesetz geworden ist.“7 Wie oben erwähnt, scheint sich der Begriff Determinismus, aus heutiger Sicht, auf Geschehnisse zu berufen, die aus bestimmten physikalischen Gesetzmäßigkeiten resultieren. Statt einer Welt die auf Ursache und Wirkung beruht, ist die deterministische Welt, jetzt eine Welt, die auf Gesetzen beruht. Dem kann aus physikalischer wie auch biologischer Sicht kaum widersprochen werden.

4. Indeterminismus

4.1 Die Zukunft ist offen

Der Indeterminismus ist nichts anderes als das Gegenteil vom Determinismus. „We shall take indeterminism to be a doctrine asserting that not all events are ' determined in every detail' (whatever this may mean) and determinism as asserting that they all are, without exception, whether future, present, or past.“.8 Der prinzipielle Indeterminismus, erstmalig durch die Quantenphysik in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bewiesen, geht davon aus, dass es Dinge gibt, von denen wir nicht den Verlauf bestimmen können. Die klassische Vorstellung von kausalen Zusammenhängen, dem sogenannten Laplaceschen Determinismus, ist damit physikalisch widerlegt worden. Karl Popper, der in seinem Indeterminism in Quantum Physics and in Classical Physics - Paper den bekannten Ausspruch „The future is open“9 geprägt hat, geht davon aus, dass noch mehr Systeme, nicht nur die der klassischen Physik und der Quantenphysik indeterministisch sind. „My thesis is that most systems of physics, including classical physics and quantum physics, are indeterministic in perhaps an even more fundamental sense than the one usually ascribed to the indeterminism of quantum physics (in so far as the unpredictability of the events which we shall consider is not mitigated by the predictability of their frequencies).“10

4.2 Grundgesetzlichkeit oder Zustandsbeschreibung

Die Unbestimmtheit von Ereignissen eröffnet uns eine neue freiere Wirklichkeit und lässt Platz für Phänomene wie dem Zufall. Die Existenz von Gesetzmäßigkeiten, schließt die indeterministische Quantenphysik nicht aus. Vielmehr wird dadurch die Grundlage für meine, in der Einleitung angesprochene, Argumentationskette geschaffen. Trotz klarer beweisbarer Gesetzmäßigkeiten, die uns die Natur bietet, sind Zustände und Ereignisse der möglichen Zufälligkeit ausgeliefert. Dass beide, Gesetzmäßigkeit sowie Unbestimmtheit nebeneinander existieren, soll in den folgenden Seiten noch expliziter gezeigt werden.

[...]


1 Monadologie, G.W. Leibniz, S.27 § 32.

2 Gott als Grund der Welt im Denken des G.W. Leibniz, E. Holze, S.59.

3 Der Satz vom Grund, M. Heidegger, S.169.

4 Gott als Grund der Welt im Denken des G.W. Leibniz, E. Holze, S.59.

5 Monadologie, G.W. Leibniz, S.31 § 38.

6 Determinismus-Indeterminismus, Wolfgang Marx S. 14.

7 Determinismus-Indeterminismus, Wolfgang Marx S. 11.

8 The British Journal for the Philosophy of Science „ Indeterminism in Quantum Physics and in Classical Physics “ , Karl Popper 1950, Part 1 S. 120.

9 The British Journal for the Philosophy of Science „ Indeterminism in Quantum Physics and in Classical Physics “ , Karl Popper 1950, Part 1 S. 121.

10 The British Journal for the Philosophy of Science „ Indeterminism in Quantum Physics and in Classical Physics “ , Karl Popper 1950, Part 1 S. 117.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
„Der zureichende Grund“ bei Leibniz - Leben als schicksalhafter Zufall
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V169364
ISBN (eBook)
9783640876723
ISBN (Buch)
9783640876976
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leibniz, Der zureichende Grund, Determinismus, Indeterminismus, Schicksal, Zufall
Arbeit zitieren
Mirna Funk (Autor), 2011, „Der zureichende Grund“ bei Leibniz - Leben als schicksalhafter Zufall, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169364

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