Immer mehr Zeitungsverleger bieten auf ihrem lokalen Internetauftritt Web-TV an. Waren es in Deutschland im Jahr 2008 noch 400 Bewegtbild-Plattformen, stieg die Anzahl der Video-Angebote im Jahr 2009 auf 498. Damit ergibt sich für lokale Fernsehsender eine neue Wettbewerbssituation. Doch kann die journalistische Qualität solcher Low-Budget-Web-TVs bei den teuer produzierten öffentlich-rechtlichen Lokalbeiträgen mithalten? Diese Studie hat die Einhaltung journalistischer Qualitätsdimensionen beim Web-TV des Kölner Stadtanzeigers mit der WDR-Lokalzeit aus Köln verglichen. Während des vierwöchigen Beobachtungszeitraums kristallisierte sich heraus: Lokales Web-TV bietet viele Möglichkeiten. Nur die Umsetzung lässt derzeit häufig zu wünschen übrig.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aktuelle Strukturen des Lokaljournalismus in Deutschland
3 Web-TV
3.1 Technische Voraussetzungen
3.2 Anbieter von Web-TV in Deutschland
3.3 Rechtliche Bedingungen für Web-TV
3.4 Reichweitenentwicklung von Web-TV in Deutschland
3.5 Aussichten für Web-TV
4 Journalistische Qualität
4.1 Qualität in der Diskussion
4.1.1 Definitionen journalistischer Qualität
4.1.2 Messbarkeit journalistischer Qualität
4.1.3 Dimensionen journalistischer Qualität
4.2 Wissenschaftliche Anforderungen an journalistische Qualitätsdimensionen
4.2.1 Aktualität
4.2.2 Objektivität
4.2.3 Relevanz
4.2.4 Vielfalt
4.2.5 Richtigkeit
4.2.6 Rechtmäßigkeit
4.2.7 Akzeptanz
4.2.8 Vermittlung
5 Vergleich lokale Magazinsendung mit lokalem Web-TV-Auftritt
5.1 Zielsetzung
5.2 Die Anbieter
5.2.1 ksta.tv
5.2.2 WDR Lokalzeit aus Köln
5.3 Methodik
5.3.1 Grundlagen zur Methodik
5.3.2 Festlegung der Variablen
5.3.3 Festlegung der Codes
5.3.4 Filterung der Analyseeinheiten
5.3.5 Datengrundlage
5.3.6 Untersuchungszeitraum
5.3.7 Methodenkritik
5.4 Übersicht der Ergebnisse
5.4.1 Erhebungstechnische Variablen
5.4.2 Kategorisierungs-Variablen
5.4.3 Formale Analyse
5.4.4 Journalistisch-qualitative Variablen
5.4.5 Variablen zur Beitragsqualität
5.5 Auswertung der Ergebnisse
5.5.1 Aktualität
5.5.2 Objektivität
5.5.3 Relevanz
5.5.4 Vielfalt
5.5.5 Richtigkeit
5.5.6 Vermittlung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Ist-Zustand journalistischer Qualität im lokalen Web-TV im Vergleich zu einer etablierten öffentlich-rechtlichen lokalen Magazinsendung. Ziel ist es herauszufinden, ob Web-TV das Potenzial besitzt, das klassische Fernsehen in lokaler Berichterstattung qualitativ zu ergänzen oder zu ersetzen, und welche inhaltlichen Schwerpunkte dabei jeweils gesetzt werden.
- Strukturanalyse des Lokaljournalismus in Deutschland
- Technische und rechtliche Grundlagen von Web-TV
- Definition und Dimensionen journalistischer Qualität (u.a. Aktualität, Objektivität, Vielfalt)
- Empirischer Vergleich zwischen ksta.tv und der WDR Lokalzeit aus Köln
- Bewertung der journalistischen Professionalität und Vermittlungsstandards
Auszug aus dem Buch
3.1 Technische Voraussetzungen
Web-TV wird per Datenleitung übertragen. Der Empfänger benötigt also einen Internetanschluss.
„Für den Empfang von Web-TV und den Abruf von Videodiensten im Internet reicht ein ISDN-Anschluss kaum aus. Besser eignet sich ein Breitbandzugang (ab 2 Mbit/s im Downstream) über DSL (Digital Subscriber Line) oder Fernsehkabel, wobei die Qualität der Übertragung häufig stark schwankt. Je höher die Übertragungsleistung, desto besser ist die Qualität der übertragenen Bilder.“
Für die kontinuierliche Übertragung von Videosignalen in Fernsehqualität werden Datenleitungen mit einer Übertragungsrate von mindestens sieben Megabit pro Sekunde benötigt. Soll hochauflösende HDTV-Qualität erreicht werden, sind etwa zwölf bis 15 Megabit pro Sekunde nötig. Solche Datengeschwindigkeiten erreicht zum Beispiel ein ADSL2+-Anschluss.
Der Datentransfer erfolgt über ein eigenständiges Netzwerkprotokoll, beim RealPlayer ist es das Real Time Streaming Protocol (RTSP). Während der Übertragung wird ein kontinuierlicher Datenstrom zwischen dem Anbieter-Server und dem Empfänger aufgebaut. Wegen der relativ großen Datenmengen kann der Server des Anbieters nur eine bestimmte Anzahl an Empfängern gleichzeitig bedienen.
Als Empfangsgerät benötigt der Web-TV-Nutzer einen PC oder ein mobiles Endgerät wie ein internetfähiges Handy, Smartphone oder einen Tablet-PC. Es ist auch möglich, einen Fernseher als Endgerät zu nutzen, wenn dieser mit einer Set-Top-Box oder integrierten Rechner- und Modemelementen erweitert wird. „Für jeden zweiten Käufer eines Fernsehers ist Web-TV schon heute ein wichtiges Kriterium.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Web-TV als neues Medium ein und definiert die Forschungsfrage, die den qualitativen Vergleich zwischen Web-TV und öffentlich-rechtlichem Lokalfernsehen zum Gegenstand hat.
2 Aktuelle Strukturen des Lokaljournalismus in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert den Medienwandel im lokalen Bereich, insbesondere den Rückgang der Zeitungsauflagen und den Anstieg digitaler Bewegtbildangebote.
3 Web-TV: Hier werden die technischen Grundlagen, die Anbieterlandschaft, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung der Nutzerzahlen von Web-TV erläutert.
4 Journalistische Qualität: Es erfolgt eine theoretische Aufarbeitung des Qualitätsbegriffs im Journalismus mit einer detaillierten Erläuterung der relevanten Qualitätsdimensionen wie Aktualität, Objektivität, Vielfalt und Vermittlung.
5 Vergleich lokale Magazinsendung mit lokalem Web-TV-Auftritt: Das Kernstück der Arbeit, in dem das methodische Vorgehen definiert und die Ergebnisse der quantitativen Inhaltsanalyse von ksta.tv und WDR Lokalzeit gegenübergestellt werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Erkenntnisse zusammen und bewertet das Potenzial von Web-TV hinsichtlich der journalistischen Qualität gegenüber etablierten Fernsehformaten.
Schlüsselwörter
Lokaljournalismus, Web-TV, Journalistische Qualität, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Bewegtbild, Medienwandel, Inhaltsanalyse, Aktualität, Objektivität, Medienkonvergenz, Nutzerwahrnehmung, ksta.tv, WDR Lokalzeit, Qualitätsdimensionen, Informationsbeschaffung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die journalistische Qualität lokaler Bewegtbildangebote im Internet (Web-TV) und vergleicht diese mit einer klassischen öffentlich-rechtlichen lokalen Fernsehsendung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Strukturwandel im Lokaljournalismus, die technischen Rahmenbedingungen von Web-TV sowie die wissenschaftliche Fundierung und messbare Anwendung journalistischer Qualitätskriterien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu überprüfen, ob Web-TV-Angebote bei der journalistischen Berichterstattung über lokale Ereignisse ähnliche Qualitätsstandards erreichen wie etablierte Fernsehformate.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wurde eine quantitative Inhaltsanalyse durchgeführt, bei der sowohl ksta.tv als auch die WDR Lokalzeit anhand eines spezifischen Kodierschemas auf ihre journalistischen Qualitätsdimensionen hin untersucht wurden.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition von Qualitätskriterien im Journalismus und den empirischen Vergleich, bei dem Merkmale wie Aktualität, Objektivität, Relevanz und Vermittlung ausgewertet werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lokaljournalismus, Web-TV, journalistische Qualität, Medienkonvergenz und Inhaltsanalyse charakterisiert.
Worin unterscheiden sich ksta.tv und die WDR Lokalzeit laut den Ergebnissen?
Die Ergebnisse zeigen Unterschiede vor allem in der Aktualitätsverarbeitung und in der journalistischen Tiefe der Recherchen; während der WDR bei der Professionalität und Quellenarbeit stärker abschneidet, bietet Web-TV andere Formen der thematischen Gewichtung.
Wie bewertet der Autor das Potenzial von Web-TV?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Web-TV eine wichtige Ergänzung darstellt, jedoch bei der journalistischen Professionalität und der Einhaltung hoher Qualitätsstandards in vielen Punkten noch Nachholbedarf gegenüber öffentlich-rechtlichen Angeboten hat.
- Citar trabajo
- Sebastian Kröger (Autor), 2011, Weniger Qualität im Internet? Ein Vergleich von lokalem Web-TV und öffentlich-rechtlicher Magazinsendung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169438