Inwieweit ist der Freie Welthandel für die Entwicklung Brasiliens verantwortlich?


Seminararbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Prinzipien des Freien Handels nach Smith und Ricardo

3. Definition von Entwicklung

4. Brasiliens wirtschaftliche Maßnahmen bis 1994

5. Der Plano Real und seine Auswirkungen

6. Brasiliens wirtschaftliche und soziale Lage im 21. Jahrhundert

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Denken wir an Brasilien, so assoziieren wir häufig bestimmte Bilder mit diesem Land. Der Strand Ipanema’s, Karneval, Samba, Fußball, aber auch Armut, favelas, Unterentwicklung und die Abholzung des Regenwaldes. Selten sehen wir jedoch, wie sich Brasilien entwickelt hat, welche Potenziale es hat und auch bietet. Um mit dem stereotypen Bild Brasiliens aufzuräumen, befasst sich diese Arbeit mit der wirtschaftlichen, und daran gekoppelt der sozialen Entwicklung. Internationale Organisationen, wie zum Beispiel die Welthandelsorganisation, gehen von der These aus, dass Freier Handel zu einem Wohlstandsgewinn aller führt. Daher lautet die Fragestellung dieser Arbeit wie folgt:

In wieweit ist der Freie Handel für die Entwicklung Brasiliens verantwortlich?

Die Theorie des Freien Handels geht auf die Theorien von Adam Smith und David Ricardo zurück. Daher beginnt diese Arbeit mit einer Erläuterung der Hauptprinzipien der beiden Ökonomen. Es folgt eine Operationalisierung von Entwicklung, da dieser Term häufig ohne Definition gebraucht wird. Auch gibt es äußerst unterschiedliche Interpretationen, was genau als Entwicklung gilt.

Die Betrachtung Brasiliens beginnt mit der Zeit der Unabhängigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gezeigt wird die Struktur der damaligen Wirtschaft und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatte. Es wird Bezug genommen auf die internen, sowie externen Schwierigkeiten und wie diese die Umstrukturierung der Wirtschaft beeinflussten. Der nächste einschneidende Kurswechsel fand mit dem Beginn der Militärdiktatur statt, da diese eine Liberalisierung nach eigenen Regeln betrieb. Es folgte eine Zeit der Inflation und der Maßnahmen zur Bekämpfung eben jener, die alle unwirksam waren. Der nächste Teil der Arbeit befasst sich mit dem Plano Real, welcher die wirtschaftliche Stabilisierung brachte. Der Aufbau und die Auswirkungen des Plano Real werden ausführlich behandelt. Im letzten Teil dieser Arbeit wird die wirtschaftliche und soziale Lage Brasiliens im 21. Jahrhundert dargestellt. Es werden Indikatoren für Entwicklung verglichen und erläutert. Es wird dargelegt, wieso sich Brasilien wirtschaftlich als auch sozial positiv entwickelt hat. Insbesondere unter der Tatsache, dass es eine der schwersten Weltwirtschaftskrisen im Jahr 2008 gab.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit und einem Ausblick auf zukünftige Felder, in denen Entwicklung notwendig sein wird.

2. Die Prinzipien des Freien Handels nach Smith und Ricardo

Spricht man von freiem Handel, so ist es beinahe unmöglich, sich nicht mit Adam Smith und seinem Werk „The Wealth of Nations“ von 1776 zu befassen. Hier werden nur die grundlegenden Überlegungen von Smith dargestellt. Smith beschäftigte sich mit der Frage, wie es möglich sei, dass eine Gesellschaft von Individuen, die alle auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, als eine Einheit funktioniert. Er beantwortete diese Frage mit dem Konzept der „ invisible hand “ (Heilbronner 1999: 54). Smith geht davon aus, dass Angebot und Nachfrage sich selbst regulieren, solange sich niemand in den Marktmechanismus einmischt. Die treibende Kraft des Marktes ist „ the self-interest “ des Individuums, das so bestimmt wird, wofür eine Gesellschaft zu zahlen bereit ist. Die Frage, die sich Smith nun stellt, ist, wie wird dafür gesorgt, dass habgierige Einzelpersonen nicht übermäßig hohe Preise für ihre Güter verlangen. Hier kommt der Wettbewerb als regulative Kraft ins Spiel. Die einzelnen Anbieter stehen in Konkurrenz zueinander. Dies hat den Effekt, dass einzelne Anbieter nicht exorbitant hohe Preise für ihre Güter verlangen können, da die Konkurrenz diese Preise unterbieten wird, was zur Folge hat, dass ersterer nichts mehr verkauft. So ist es zu erklären, dass die Preise sich an die Nachfrage anpassen, obwohl der Eigennutz der Verkäufer einen nachfrageunabhängigen Preis vermuten lassen würde. Daher hat die „ invisible hand “ den Effekt, dass „selfish motives of men are transmuted by interaction to yield the most unexpected of results: social harmony“ (Heilbronner 1999: 55/56).

Diese Harmonie bedeutete nach Smith jedoch nicht, dass jedes Mitglied der Gesellschaft den gleichen Anteil des Reichtums erhält. Smith stellte fest, dass er sich auf den Reichtum einer Nation bezog, welcher keine Rücksicht auf die Verteilung innerhalb der Gesellschaft nahm. Smith ging davon aus, dass sowohl „poverty as well as wealth in the society“ existiere (Heilbronner 1999: 53). Allerdings schränkte er diese Aussage ein wenig ein, indem er darauf aufmerksam machte, dass “no society can surely be flourishing and happy, of which by far the greater part of the numbers are poor and miserable” (Heilbronner 1999:60/61). Hierin sah er einen der größten Antriebe zur Verbesserung der Situation der gesamten Gesellschaft, da eine Verbesserung aller somit auch im Interesse der Reichen ist. Während Smith die „ invisible hand “ auf den Markt einer Nation bezog, wird dieser daraus resultierende laissez-faire Ansatz auch auf den internationalen Markt bezogen.

Die Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) basiert auf diesem laissez-faire Ansatz. Sie geht davon aus, dass „ein von staatlichen Eingriffen und protektionistischen Maßnahmen weitgehend befreiter Außenhandel allen Handelstreibenden zum Vorteil gereiche“ (Nuscheler 2006: 69). Um den freien Welthandel zu verstehen, ist es notwendig, sich mit Ricardos „ comparative advantage “ zu befassen. Dieses besagt, dass ein Land sich auf die Produktion des Gutes spezialisieren soll, für das es am besten gerüstet ist. Dieses Gut soll dann auf dem Weltmarkt gehandelt werden gegen Güter, die andere Länder am besten produzieren. Das Konzept ist nicht zu verwechseln mit dem „absolut advantage“, denn selbst wenn ein Land A sowohl in der Herstellung von Produkt 1 als auch 2 besser ist als Land B, so sollten sich beide Länder auf das Gut spezialisieren, dass sie am besten herstellen. Jedes Land hat ein „ comparative advantage “, auch wenn es kein „ absolute advantage “ hat (Ricardo 1821, Kapitel 7; WTO).

Der freie Handel mit den „ comparative advangtage “ Gütern hat laut WTO, Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF) eine „Wachstum fördernde Wirkung, und mehr Wachstum bedeutet mehr Wohlstand“ (Nuscheler, Debiel, Messner 2006: 14). Ebendies gilt es zu untersuchen, da die Kritiker beklagen, dass dieser Wachstum „nur den starken in der Weltwirtschaft, außerdem nur wenigen Schwellenländern und dort vielfach nur Minderheiten zugute“ kommt (Nuscheler, Debiel, Messner 2006: 14).

3. Definition von Entwicklung

Entwicklung ist ein häufig gebrauchter Begriff, welcher jedoch äußerst unterschiedlich interpretiert wird. Daher ist es notwendig, eine Definition von Entwicklung zu erarbeiten. Auguste Comte sah Entwicklung als „ordnend und zielbewusst in Marktprozesse“ eingreifen (Kolland, Gächter 2007: 7). Wer diese regulierende Kraft sein soll, dafür gab es zahlreiche Vorschläge im Laufe der Zeit ohne dass ein Konsens geschaffen wurde. Nun gilt es zu klären, was heute mit „ordnend und zielbewusst“ gemeint ist. Dieter Nohlen definiert Entwicklungspolitik als „die Summe aller Mittel und Maßnahmen […], die von Entwicklungsländern und Industrieländern eingesetzt und ergriffen werden um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Entwicklungsländer zu fördern, d.h. die Lebensbedingungen der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zu verbessern“ (in Nuscheler 2006: 76). Anhand dieser Definition wird deutlich, dass die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Umstände der Bevölkerung als Entwicklung gesehen werden kann. Betrachtet man jedoch die Weltbank, stößt man auf eine andere Definitionen von Entwicklung. Für die Weltbank ist lediglich das Pro – Kopf – Einkommen relevant, wenn es um den Entwicklungsstand und die Förderungswürdigkeit eines Landes geht (Nuscheler 2006: 103). Die Weltbank orientiert sich somit an Adam Smith. Dies ist jedoch problematisch, da hier keine Rücksicht auf die Verteilung innerhalb der Nation genommen wird. Und da schon Smith festgestellt hat, dass es für eine Gesellschaft wichtig ist, dass zumindest der größte Teil der Bevölkerung am Wohlstand teilhat, darf die Einkommensverteilung nicht außer Acht gelassen werden. Doch auch diese beiden Parameter sind nicht extensiv genug. Der Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen (United Nations, UN) nutzt mehr als 70 verschiedene Parameter zur Messung von Entwicklung. Dies ermöglicht ein differenziertes Bild einer Nation, wenn auch kein vollständiges (United Nations 2010). In dieser Arbeit wird daher das Pro – Kopf – Einkommen und die Einkommensverteilung als Ausgangspunkt genommen, jedoch erweitert durch Ausblicke auf soziale, politische und ökologische Parameter.

4. Brasiliens wirtschaftliche Maßnahmen bis 1994

Ende des 19ten Jahrhundert fand Brasilien seinen komparativen Vorteil im Kaffeeanbau, was auf die hohe Elastizität der Arbeitskräfte und die enorme Menge von möglichen Anbaugebieten zurückging. Da die Rendite in der Kaffeewirtschaft so hoch war, wurden auch die Gewinne wieder in diese Wirtschaft investiert, was dazu führte, dass Brasilien drei Viertel des Weltmarktangebotes kontrollierte. Die Marktmacht Brasiliens führte dazu, dass trotz hoher Produktionsraten, die Menge am Weltmarkt künstlich knapp gehalten wurde, um die Preise hoch zu halten. Die eingelagerten Bestände wurden für den Ausgleich schlechter Ernten aufbewahrt. Dies wurde während der Depression von 1897 zu einem großen Problem, da der Absatz stark schrumpfte und es somit zu einer starken Überproduktion kam. Daraufhin beschloss Brasilien die Expansion der Plantagen zu kontrollieren (Furtado 1970: 142&143).

Nach wie vor war Kaffee jedoch der wichtigste Wirtschaftszweig Brasiliens, welcher auch von staatlicher Seite unterstützt wurde indem Ausfuhrsteuern erhoben wurde. So gelang es den Kaffeeproduzenten die Preise stabil und die Gewinne hoch zu halten bis zur Depression 1930. Es kam zu einem extremen Preisverfall, gepaart mit einer staatlich geförderten Überproduktion. Um die Einlagerungskosten gering zu halten, wurden daher große Mengen Kaffees vernichtet. Verschlimmert wurde die Situation dadurch, dass der Kaffeepreis in der Zeit nach der Depression nicht wie die anderen Rohstoffpreise stieg, sondern auf niedrigem Niveau stagnierte (Furtado 1970:150 & 151).

[...]

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Details

Titel
Inwieweit ist der Freie Welthandel für die Entwicklung Brasiliens verantwortlich?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V169467
ISBN (eBook)
9783640878208
ISBN (Buch)
9783640878758
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
freie, welthandel, entwicklung, brasiliens
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Esther Schuch (Autor), 2010, Inwieweit ist der Freie Welthandel für die Entwicklung Brasiliens verantwortlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169467

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