In den vergangenen Jahren hat man sich immer mehr mit dem Thema Fremdsprachenunterricht auseinandergesetzt. Die Ursachen für das wachsende Interesse an dem Thema Mehrsprachigkeit liegen am „gesellschaftlichen Bedarf“1 an Fremdsprachen, welcher in der letzten Zeit erkennbar gestiegen ist. Dies ist abzulesen an den zusätzlichen Perspektiven für das Angebot an Fremdsprachen, durch die „Öffnung des europäischen Binnenmarktes“2 . Außerdem wächst der Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen ständig, insbesondere durch die internationale Zusammenarbeit „im Rahmen der Wirtschaft“.3 Durch das zusammenwachsende Europa gehören die Kenntnis fremder Lebensweisen und Kulturen, sowie das Beherrschen mindestens einer Fremdsprache inzwischen zu den grundlegenden Qualifikationen. Der Grundschule kommt die wichtige Aufgabe zu, alle Schüler an die fremden Kulturen und Sprachen heranzuführen. Wegen der gestiegenen Prägnanz des Aspektes „Mehrsprachigkeit“ wurden Schulmodelle entwickelt und erprobt, die die Mehrsprachigkeit in die Schulen und besonders in die Grundschulen bringen sollen. Im Folgenden wird dargestellt, welche Modellversuche die Grundschulen in Deutschland bereits durchgeführt haben, um die Mehrsprachigkeit in den Grundschulen zu etablieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Bemerkung zum Aspekt Mehrsprachigkeit
2. Kurze Darstellung zweier Modelle, die Mehrsprachigkeit in die Schulen bringen
I. Begegnungssprachenkonzept
II. Immersionsmodell
Bestandsaufnahme der Modellversuche im Bezug auf die Mehrsprachigkeit in den Grundschulen:
I. Sachsen
II. Nordrhein-Westfalen
III. Rheinland Pfalz
IV. Bayern
V. Hessen
5. Tabellarischer Überblick
6. Eigene Überlegungen zu den in den Bundesländern umgesetzten Modellen
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Umsetzung von Modellen zur Förderung der Mehrsprachigkeit an deutschen Grundschulen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie verschiedene Bundesländer den Fremdsprachenunterricht gestalten und inwiefern diese Ansätze tatsächlich zu einer gelebten Mehrsprachigkeit beitragen oder sich auf eine Reduktion auf die Weltsprache Englisch beschränken.
- Vergleich unterschiedlicher Fremdsprachenkonzepte (Immersionsmodell vs. Begegnungssprachenkonzept)
- Analyse der länderspezifischen Modellversuche (Sachsen, NRW, RLP, Bayern, Hessen)
- Kritische Reflexion der aktuellen bildungspolitischen Entwicklung
- Bedeutung der Lehreraus- und Weiterbildung für die Unterrichtsqualität
- Plädoyer für eine wertschätzende Sensibilisierung gegenüber Herkunftssprachen
Auszug aus dem Buch
I. Immersionsmodell
In diesem Modell werden die Schüler alle in einer Sprache Unterrichtet, die ihnen fremd ist. Die Kinder verfügen alle über eine „Muttersprache, die einen hohen Status hat“4. Sie entschließen sich freiwillig, in einer Minoritätssprache unterrichtet zu werden. Die Fremdsprache wird sozusagen als Vehicularsprache in allen Fächern eingesetzt.5 Die Lehrer sind bilingual und können somit auch bei Problemen mit den Kindern in der Muttersprache sprechen.
Dieses Modell hat einen hohen Erfolg in fremdsprachlichen Aspekten erbracht. Allein durch den hohen fremdsprachlichen Input, lernen die Schüler die Sprache schneller.
Dennoch kann sich ein solches Sprachbad nicht durchsetzen, da es zu wenig ausgebildete LehrerInnen gibt, die die „traditionellen Unterrichtsfächer der Grundschule in der Zweitsprache unterrichten können“6.
Eine andere Möglichkeit des Immersionsmodells ist, die Klassen zusammenzusetzen zur Hälfte aus Kindern, die alle dieselbe Minderheitssprache sprechen. Die andere Hälfte besteht aus Kindern, die die jeweilige Landessprache sprechen. Die beiden Gruppen werden gemeinsam unterrichtet, so dass ein Teil des Unterrichts in der Mehrheitssprache und ein Teil in der Herkunftssprache stattfindet. Die „native speakers“ lernen die Herkunftssprache der ausländischen Kinder als eine Begegnungssprache, und für die ausländischen Kinder bedeutet dies ein Schutz ihrer Muttersprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Bemerkung zum Aspekt Mehrsprachigkeit: Erläutert die steigende gesellschaftliche Relevanz von Fremdsprachenkenntnissen und die daraus resultierende Aufgabe der Grundschule.
2. Kurze Darstellung zweier Modelle, die Mehrsprachigkeit in die Schulen bringen: Stellt das Immersionsmodell sowie das Begegnungssprachenkonzept theoretisch vor.
Bestandsaufnahme der Modellversuche im Bezug auf die Mehrsprachigkeit in den Grundschulen:: Dokumentiert detailliert die Vorgehensweisen und Erfahrungen in den Bundesländern Sachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen.
5. Tabellarischer Überblick: Fasst die wesentlichen Daten der Bundesländer hinsichtlich Sprachangebot, Stundenzahl und Notengebung kompakt zusammen.
6. Eigene Überlegungen zu den in den Bundesländern umgesetzten Modellen: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung hin zu einem reduzierten Englischunterricht statt echter Mehrsprachigkeit.
6. Schlusswort: Plädiert für die Anerkennung aller Sprachen der Schüler und fordert einen ganzheitlichen Sensibilisierungsprozess.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Fremdsprachenunterricht, Grundschule, Immersionsmodell, Begegnungssprachenkonzept, Lehrerausbildung, Sprachsensibilisierung, Modellversuche, Herkunftssprachen, Fremdsprachenerwerb, Schulentwicklung, Interkulturelle Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Etablierung und Ausgestaltung von Fremdsprachenunterricht an deutschen Grundschulen und dem Ziel, Mehrsprachigkeit im Schulalltag zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Vergleich verschiedener Sprachlernmodelle, die Bestandsaufnahme länderspezifischer Ansätze sowie die Kritik an der aktuellen bildungspolitischen Fokussierung auf Englisch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Status Quo der Mehrsprachigkeit zu analysieren und aufzuzeigen, wie Schule durch Sensibilisierung einen wertschätzenden Umgang mit verschiedenen Sprachen fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte und eine vergleichende Bestandsaufnahme der offiziellen Modellversuche in verschiedenen Bundesländern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Immersionsmodell, das Begegnungsmodell sowie die konkrete Umsetzung des Fremdsprachenunterrichts in Sachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Fremdsprachenunterricht, Sensibilisierung, Interkulturalität und das Immersionsmodell charakterisiert.
Warum kritisiert die Autorin die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen?
Sie kritisiert, dass das ursprüngliche Begegnungskonzept, das auch Herkunftssprachen einbezog, zugunsten eines rein auf Englisch fokussierten Unterrichts aufgegeben wurde.
Welche Bedeutung misst die Arbeit der Lehrerausbildung bei?
Die Autorin betont, dass eine hohe Sprachkompetenz der Lehrkräfte entscheidend ist und kritisiert es als wenig sinnvoll, Lehrern Sprachen "aufzuerlegen", für die sie keine entsprechende Ausbildung oder Motivation besitzen.
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- Tanja Vorderstemann (Author), 2003, Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenunterricht in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16946