Jeder kennt Koordinationsprobleme. Sowohl im privaten, wie auch im wissenschaftlich-universitären Bereich sind diese vorhanden. Man muss eine Lösung erarbeiten und sich dabei mit anderen abstimmen. Nicht anders sieht es in den öffentlichen Organisationen in Deutschland aus. Die Koordinierung zwischen den einzelnen Behörden und Organisationen in der öffentlichen Verwaltung, scheint für den Bürger mitunter etwas „groteskes“ an sich zu haben. Resultate sieht man zuhauf, wobei dem Bürger nur Folgen von Koordinierungsproblemen ins Auge stechen, wie z.B. das Aufreißen einer neugebauten Straße um Kabel zu verlegen. Bei diesem Beispiel sind Koordinierungsprobleme vorhanden, die offensichtlich sind.
In diesem Essay sollen nun die Fragen beantwortet werden, was nach der Definition von Fritz W. Scharpf unter „negativer Koordination“ verstanden wird und aus welchen Gründen diese Koordinationsform in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland so weit verbreitet ist. Hierzu wird kurz die Terminologie „Koordination“ erklärt um dann im nächsten Punkt auf die „positive und negative Koordination“ zusprechen zu kommen. Hiernach werden die Gründe erklärt, weshalb die „negative Koordination“ in Deutschland so verbreitet ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Koordination
2.1 Die Definition der Koordination und ihre Probleme
2.2 Positive und negative Koordination nach F. W. Scharpf
2.2.1 Negative Koordination
2.2.2 Positive Koordination
3. Die Koordination in der Praxis
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der negativen Koordination in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland, wobei das primäre Ziel darin besteht, die Gründe für die weite Verbreitung dieser Koordinationsform trotz theoretisch überlegener Alternativen zu identifizieren.
- Grundlagen und Definitionen des Begriffs Koordination.
- Differenzierung zwischen negativer und positiver Koordination nach Fritz W. Scharpf.
- Analyse der Koordinationskosten in Entscheidungsprozessen.
- Bewertung der administrativen Effizienz und des Problems der Überlastung.
- Diskussion über das Risiko des Immobilismus bei komplexen Entscheidungsprozessen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Definition der Koordination und ihre Probleme
Koordination ist die gegenseitige Abstimmung von Vorhaben und Maßnahmen. In der Verwaltung und Policy-Forschung „verbindet der Begriff das Ideal, Konflikte und Störungen zu Vermeiden und knappe Ressourcen möglichst effizient einzusetzen“ (Ellwein, 1991: S. 99). Die Koordination ist ein Folgeproblem der Arbeitsteilung. „Angesichts komplexer politischer Probleme, die im Rahmen territorial, organisatorisch und funktional ausdifferenzierter Planungs-, Entscheidungs- und Durchführungsprozesse bewältigt werden müssen, stellt Koordination ein weit verbreitetes Phänomen dar.“ (Scharpf, 1993: S. 57). Koordination führt wie oben bereits kurz erwähnt zu erheblichen Koordinationsproblemen. Diese äussern sich nicht nur in Fehlschlägen, wie Brücken ohne Autobahnanschluss (berühmte „Soda-Brücke“), sondern auch in zeitlichen Verzögerungen (Vgl. Bogumil/Jann, 2009: S. 143). In Deutschland findet die Problemverarbeitung und das administrative Handeln in den so genannten „Basiseinheiten“ statt. Diese sind spezialisierte Einheiten, wobei sich jede Einheit auf „ihre Zuständigkeit konzentriert und die Probleme außerhalb kaum oder überhaupt nicht wahr nimmt oder hält sie zumindest für weniger Wichtig.“ (Bogumil/Jann, 2009: S. 143).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Koordinationsschwierigkeiten in der deutschen öffentlichen Verwaltung und Vorstellung der Forschungsfrage.
2. Koordination: Theoretische Herleitung des Begriffs und detaillierte Unterscheidung zwischen der negativen und der positiven Koordination.
3. Die Koordination in der Praxis: Ökonomische Analyse der Koordinationskosten und Erklärung, warum Verwaltungen zur negativen Koordination neigen.
4. Fazit: Abschließende Bewertung, die begründet, warum die negative Koordination trotz ihrer Schwächen ein notwendiges Instrument zur Vermeidung von Immobilismus darstellt.
Schlüsselwörter
Negative Koordination, Positive Koordination, Öffentliche Verwaltung, Fritz W. Scharpf, Koordinationskosten, Basiseinheiten, Mitzeichnung, Arbeitsteilung, Politikverflechtung, Immobilismus, Entscheidungsprozesse, Verwaltungseffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Art und Weise, wie Behörden in der deutschen öffentlichen Verwaltung ihre Arbeit und Entscheidungen untereinander abstimmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von Koordinationsformen, die Analyse administrativer Entscheidungsprozesse und die ökonomische Betrachtung von Koordinationskosten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erklären, warum die negative Koordination in der deutschen Verwaltung dominiert und aus welchen Gründen sie trotz normativer Nachteile praktiziert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einem von Fritz W. Scharpf entwickelten Rechenmodell basiert, um die Kosten und Komplexität verschiedener Koordinationsformen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen der Koordination, die Unterschiede zwischen positiver und negativer Koordination sowie die Anwendung dieser Modelle in der Praxis erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind negative und positive Koordination, Koordinationskosten, Verwaltungseffizienz, Mitzeichnung und das Risiko der Überlastung von Organisationseinheiten.
Was genau ist unter dem Instrument der „Mitzeichnung“ zu verstehen?
Mitzeichnung ist ein Instrument der negativen Koordination, bei dem andere Bereiche lediglich prüfen, ob sie mit einer geplanten Entscheidung leben können, ohne dabei selbst zur Problemlösung beitragen zu müssen.
Warum wird die „positive Koordination“ in der Realität oft vermieden?
Sie wird vermieden, da sie mit exponentiell steigenden Kosten und einer hohen Überlastung der Kapazitäten der Organisationseinheiten verbunden ist, was zu einer Lähmung des Entscheidungsprozesses führen kann.
Was versteht man in diesem Kontext unter einem „Immobilismus“?
Immobilismus beschreibt den Zustand, in dem ein System aufgrund zu komplexer Abstimmungsanforderungen unfähig wird, notwendige Entscheidungen oder Reformen tatsächlich umzusetzen.
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- Mehran Zolfagharieh (Author), 2010, Negative Koordination in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169477