Stadtbücher und Stadtchroniken sind die zwei Quellenarten der Überlieferung städtischen Lebens, die besonders wertvoll für uns sind und uns Einblicke in das Mittelalter, aber auch in die Frühe Neuzeit geben. Während Stadtchroniken meist aus „Sicht einer bürgerlichen oder auch klerikalen Person geschrieben wurden und somit nicht nur Belange der Stadt enthalten, sondern auch familiengeschichtlicher Natur“, ist bei Stadtbüchern eine Professionalität des Schreibens bemerkbar. Wohl bemerkt, ein Stadtbuch ist somit nicht die „auf Ratsordnung geführte Stadtchronik“ und es handelt sich hier nicht um einfache Geschichte der Stadt oder gar „um die großen Zusammenhänge der Weltgeschichte oder der politischen Geschichte des Heiligen Römischen Reiches“, sondern vielmehr um Normen, städtische Gesetzgebung, Ver- urteilungen, aber auch Eheschließungen und die Verleihung der Bürgerschaft u.v.m.. Diese Bücher werden nun von Schreibern der Kanzleien geschrieben im Auftrag des Stadtrates, ganz nach Max Webers Definition von Professionalisierung. Dennoch sind Stadtschreiber oftmals „selbständig aus freien Stücken zur Anlegung geschritten“. Der Anspruch auf Professionalität kam nicht von irgendwoher. Er diente der wachsenden Selbstständigkeit bzw. Autonomie gegenüber dem Stadtherren und somit der Legitimität gegenüber eben diesen auf Eigenständigkeit. Aber auch eine Verbesserung der Buchführung kann man dem Ausbau des Stadtbuchwesens verdanken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Weimar im späten Mittelalter
2.1 Ein Überblick über die Weimarer Stadtgeschichte
2.2 Weimars Stadtentwicklung im Mittelalter
2.3 Die Verwaltung Weimars im Mittelalter
2.4 Weimars kirchliche Situation im Mittelalter
3. Das Statutenbuch von 1433
3.1 Die Handschrift des Statutenbuches
3.2 Die Schreiber des Weimarer Statutenbuches
3.3 Der Inhalt des Statutenbuches
4. Das Fleischhauer Reinheitsgebot
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung des Weimarer Statutenbuches von 1433 als historische Quelle für das städtische Leben im späten Mittelalter. Dabei soll geklärt werden, aus welchen Beweggründen das Buch angefertigt wurde und inwieweit spezifische städtische Ordnungen, wie das Fleischhauer Reinheitsgebot, als Anzeichen einer beginnenden städtischen Moderne gedeutet werden können.
- Historische Entwicklung und Verwaltung Weimars im Mittelalter
- Analyse der Handschrift und Schreiber des Statutenbuches von 1433
- Untersuchung von Inhalt und Funktion städtischer Statutenbücher
- Das Fleischhauer Reinheitsgebot als Beispiel für städtische Normsetzung
- Die Rolle der Stadtbücher als Ausdruck städtischen Selbstbewusstseins
Auszug aus dem Buch
4. Das Fleischhauer Reinheitsgebot
Bei der Ordnung für das Handwerk der Fleischhauer handelt es sich um Gesetze, „Maßregeln für die auswärtigen Fleischhauer und die Abhaltung des Fleischmarktes“. So steht gleich zu Anfang des Eintrages im Statutenbuch „Lex et littera carnificium“, also Gesetz und Brief der Fleischer. Der Beruf der Fleischhauer, auch Fleischer, Metzger oder Schlachter genannt, gehört zu den älteren Handwerksberufen und beschäftigt sich mit der Herstellung und/oder Verarbeitung von Fleisch- und Wurstwaren. Im Mittelalter fanden sich die Fleischhauer zusammen und organisierten sich in Zünften oder Gilden, die auch Knochenhauer genannt wurden.
In der Weimarer Fleischhauerordnung vom 03. Dezember 1432 findet sich unter anderem die Aufnahme von fremden Fleischern. Diese und ihre Ehefrauen mussten, ähnlich wie Neubürger, einwandfrei Nachweisen können, „dass sie und ihre Frau ehelich geboren, fromme Leute und gute Steuerzahler sind. Nach der Aufnahme sollten sie dem Handwerk einen Eimer Bier und ein Pfund Wachs“ geben. Eine besondere Verordnung findet man jedoch in Absatz [VI]: Das Bratwurst-Reinheitsgebot. Entdeckt wurde dieses Gebot von Hubert Erzmann im Jahre 2005, was einer Sensation gleich kam. Dieses Reinheitsgebot, das Ursprünglich aus der Stadt Weißensee stammt, wurde „per Rechtsverschreibung“ nach Weimar geholt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert Stadtbücher und Stadtchroniken als wichtige Quellen für das städtische Leben und umreißt die Fragestellung zur Entstehung des Statutenbuchs von 1433 sowie zur Bedeutung der Fleischhauerordnung.
2. Weimar im späten Mittelalter: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die politische und städtische Entwicklung Weimars, beschreibt die Verwaltung unter Schultheißen und Räten sowie die Rolle der Stadtkirche und des Deutschen Ordens.
3. Das Statutenbuch von 1433: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung des physischen Zustands der Handschrift, der Arbeit der Stadtschreiber sowie der inhaltlichen Ausrichtung des Buches als Sammlung von städtischen Normen und Urkunden.
4. Das Fleischhauer Reinheitsgebot: Dieses Kapitel analysiert die Handwerksordnung für Fleischhauer und beleuchtet insbesondere das Bratwurst-Reinheitsgebot, das als ein bedeutendes, von der Stadt Weißensee übernommenes Statut identifiziert wird.
5. Fazit: Das Fazit ordnet das Statutenbuch als Ausdruck städtischen Selbstbewusstseins ein und betont, dass das späte Mittelalter als Beginn einer Moderne verstanden werden kann, die sich durch zunehmende rechtliche und organisatorische Vernetzung auszeichnet.
Schlüsselwörter
Weimar, Stadtbuch, Statutenbuch, Mittelalter, Fleischhauer, Reinheitsgebot, Handwerk, Stadtentwicklung, Rechtsgeschichte, Verwaltung, Rat, Quellenkunde, Bratwurst, Professionalisierung, Urkunden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historischen Weimarer Stadtbücher mit einem besonderen Fokus auf das Statutenbuch von 1433 und die darin enthaltenen Handwerksordnungen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der städtischen Geschichte Weimars, der Entwicklung von Ratsverfassungen, der Funktion von Stadtbüchern als Verwaltungsdokumente und spezifischen berufsständischen Normen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, aus welchen Gründen das Statutenbuch von 1433 angefertigt wurde und ob die Fleischhauerordnung als Indiz für eine städtische Moderne gewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf der Edition von Henning Steinführer und ergänzender Sekundärliteratur zu mittelalterlichen Stadtbüchern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Weimars, eine formale Beschreibung der Handschrift von 1433, die Auswertung der Schreibertätigkeiten sowie eine detaillierte Analyse der Fleischhauerordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Weimar, Stadtbuch, Statutenbuch, Handwerksordnung, Mittelalter, Fleischhauer und Reinheitsgebot.
Welche Rolle spielt die Stadt Weißensee für die Weimarer Statuten?
Weimar übernahm verschiedene Rechtsgrundlagen und Statuten von Weißensee, da man sich dort für Rechtsauskünfte an die etabliertere Stadt wandte.
Wie wurde das Bratwurst-Reinheitsgebot historisch bewertet?
Die Entdeckung dieses Gebots im Jahr 2005 durch Hubert Erzmann wurde als Sensation gewertet, da es einen seltenen und detaillierten Einblick in die Qualitätsanforderungen mittelalterlicher Handwerksordnungen bietet.
War die im Statutenbuch dokumentierte Autonomie des Weimarer Rates stark ausgeprägt?
Die Autonomie des Rates war laut der Arbeit eher beschränkt, da sie stark von der Gunst der Stadtherren, insbesondere der Wettiner, abhing.
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- Mehran Zolfagharieh (Author), 2010, Die Weimarer Stadtbücher - das Statutenbuch von 1433 und das Fleischhauer Reinheitsgebot, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169491