Pierre Bourdieu hat seine Habitus-Theorie anhand der kabylischen Gesellschaft entwickelt. Da diese sehr komplex ist, musste ich mich auf ein Teilgebiet, in diesem Fall das symbolische Kapital beschränken und habe ebenfalls am Beispiel der kabylischen Gesellschaft, darzustellen, was dieses überhaupt ist. Hierbei ist natürlich wichtig zu erläutern, was Pierre Bourdieu und die kabylische Gesellschaft miteinander zu tun haben, ebenso die Habitustheorie kurz anzureißen und dann einen Zusammenhang vom symbolischen Kapital zur kabylischen Gesellschaft darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiographie Pierre Bourdieus
3. Die kabylische Gesellschaft
4. Der Habitus
5. Symbolisches Kapital
6. Zusammenhang von symbolischem Kapital zur kabylischen Gesellschaft
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das von Pierre Bourdieu entwickelte Konzept des symbolischen Kapitals im Kontext seiner Habitus-Theorie zu erläutern und dessen praktische Anwendung sowie Bedeutung anhand der kabylischen Gesellschaft Algeriens exemplarisch aufzuzeigen.
- Grundlagen der Habitustheorie von Pierre Bourdieu
- Differenzierung verschiedener Kapitalarten (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch)
- Soziologische und ethnologische Analyse der kabylischen Gesellschaft
- Die Rolle von Prestige, Ehre und Tradition in der kabylischen Gesellschaft
- Wechselwirkungen zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Strukturen
Auszug aus dem Buch
4. Der Habitus
Der Begriff des Habitus wurde von Pierre Bourdieu während seiner Forschungstätigkeit in Algerien entwickelt und bezeichnet die Bedeutung von „Fähigkeiten, Gewohnheiten, Haltung, Erscheinungsbild und Stil“ (Bohn/Hahn, 1999, S. 258), er ist die „stets gleiche Handschrift“ (Wittpoth, 1994, S. 93) eines Akteurs. Alles, was man sich im Leben aneignet, wird in diesem Habitus gespeichert und jede Handlung ist eine Folge des in einem verankerten Habitus. (vgl. Kumoll, 2005, S. 53).
Es gibt sowohl den Primärhabitus, der bei der primären Sozialisation erworben wird, als auch den sekundären Habitus, der in späteren, sozialen Feldern, erworben wird (Bohn/Hahn, 1999, S. 261). Desweiteren gibt es den sogenannten „Klassenhabitus“. Dieser bezeichnet die Praktiken, die man in seinem begrenzten Milieu vorfindet und dort erlernt (vgl. Wittpoth, 1994, S.93). Beispielsweise werden Kinder aus dem Mittelstand von ihren Eltern, bzw. von ihrem Vater wahrscheinlich eher zum Fußball oder Basketball mitgenommen, sie erlernen also diese Sportart und werden später auch in diesem Sport bleiben. Kinder eines angesehenen Arztes werden jedoch eher Tennis oder Golf spielen. Das Gleiche gildet natürlich ebenso für Verhaltensregeln und anderes, das je nach Milieu unterschiedlich erlernt wird.
Es gibt drei Arten, sich Handlungen oder Verhalten anzueignen. Die eine ist das Nachahmen von Handlungen. Kinder sehen beispielsweise etwas, das ein Erwachsener macht und versuchen dieses nachzuahmen, also das sogenannte „Imitationslernen“ (Steiner, 2001, S. 25). Neben diesem unbewussten Erwerb von Handlungsprinzipien, gibt es noch die sogenannten „strukturalen Übungen“ (Wittpoth, 1994, S. 99), also das Lernen durch Spiele oder Wettkämpfe sowie als dritte Form das ausdrückliche Übertragen von Handlungsprinzipien (vgl. Wittpoth, 1994, S.98).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenstellung ein und erläutert die Konzentration auf das symbolische Kapital innerhalb der komplexen Habitus-Theorie Bourdieus anhand des kabylischen Beispiels.
2. Kurzbiographie Pierre Bourdieus: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebenslauf Bourdieus, insbesondere seine Forschungsjahre in Algerien, die maßgeblich seine soziologischen und ethnologischen Erkenntnisse prägten.
3. Die kabylische Gesellschaft: Es wird die sozio-kulturelle Struktur der in Algerien lebenden kabylischen Gesellschaft und deren traditionelle Lebensweise zur Zeit der Forschung Bourdieus beschrieben.
4. Der Habitus: Das Kapitel definiert den zentralen Begriff des Habitus als erworbenes System von Dispositionen und unterscheidet zwischen Primär-, Sekundär- und Klassenhabitus.
5. Symbolisches Kapital: Hier wird der Begriff des symbolischen Kapitals eingeführt, der eng mit dem Lebensstil und der gesellschaftlichen Wahrnehmung eines Individuums verknüpft ist.
6. Zusammenhang von symbolischem Kapital zur kabylischen Gesellschaft: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Konzepte mit der Praxis der Kabylen, wobei insbesondere Hochzeit und familiäre Ehre als zentrale Faktoren für symbolisches Kapital beleuchtet werden.
7. Fazit: Das Fazit reflektiert die Anwendbarkeit der Habitus-Theorie, die ursprünglich an einer post-traditionellen Gesellschaft entwickelt wurde, auf moderne Gesellschaftsstrukturen.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Habitus, symbolisches Kapital, kabylische Gesellschaft, Algerien, Primärhabitus, Klassenhabitus, Sozialisation, Imitationslernen, familiäre Ehre, soziologische Theorie, Lebensstil, Prestige, ethnologische Forschung, Handlungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung zentraler soziologischer Konzepte von Pierre Bourdieu, namentlich der Habitus-Theorie und dem symbolischen Kapital, im Kontext der kabylischen Gesellschaft in Algerien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themenfeldern gehören die theoretische Definition des Habitus, die Klassifizierung von Kapitalarten sowie die empirische Betrachtung traditioneller Werte wie Ehre und Prestige in Algerien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Konzept des symbolischen Kapitals zu definieren und aufzuzeigen, wie dieses durch spezifische Praktiken in der kabylischen Gesellschaft erworben, mehrt oder gemindert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer deskriptiven Aufarbeitung von Bourdieus Feldforschungen in der Kabylei.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Biografie Bourdieus, die soziologische Einbettung der kabylischen Gesellschaft, die Erläuterung des Habitus-Begriffs und die Verbindung dieser Konzepte zum symbolischen Kapital.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Habitus, Pierre Bourdieu, symbolisches Kapital, Kabylei und soziologische Theorie charakterisieren.
Warum ist das Verständnis des "Klassenhabitus" für diese Arbeit wichtig?
Der Klassenhabitus verdeutlicht, wie soziale Praktiken wie Sport, Verhaltensweisen und Bildungsweg eng an die jeweilige soziale Herkunft und das Milieu gebunden sind.
Welche Rolle spielt die Hochzeit als Faktor für symbolisches Kapital?
In der kabylischen Gesellschaft fungiert die Hochzeit als zentrale Bühne, um Prestige zu demonstrieren und durch die Wahl des Partners oder die Art der Feier das symbolische Kapital der Familie zu festigen.
- Citation du texte
- Christina Rokoss (Auteur), 2006, Das symbolische Kapital in dem von Pierre Bourdieu entwickelten Habitus am Beispiel der kabylischen Gesellschaft Algeriens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169499