Cézanne war in seiner Kunst auf einer ständigen Suche nach Harmonie, die „parallel zur Natur verläuft“. Das Wort „Parallel“ erinnert stark an den Widerspruch, den auch unser Held spürt wenn er für kurze Augenblicke im Einklang mit der Natur ist, um sich danach wieder fremd zu fühlen. Verläuft Handkes Erzählverfahren somit „parallel“ zu dem Gestaltungsverfahren des französischen Malers? Gelingt es ihm in Worten zu realisieren, was Cézanne mit Hilfe seiner Pinseln und Farben auf der Leihwand gelungen ist? Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, ob es tatsächlich ein verstecktes Verhältnis in Handkes Erzählung zu Cézannes Kunst gibt. Zunächst jedoch gilt es, die verschiedenen Aspekte Cézannes Kunst und die Handkes zusammenzufassen und sie dann zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Cézannes Kunstauffassung und -deutung
3) Sorgers Weltbild und Philosophie
4) Parallelisierung
5) Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das versteckte Verhältnis zwischen Peter Handkes Erzählung „Langsame Heimkehr“ und der Kunstauffassung des Malers Paul Cézanne, indem sie Gemeinsamkeiten in ihrer Weltwahrnehmung und dem Streben nach Harmonie analysiert.
- Wechselseitige Anregungen zwischen bildender Kunst und Literatur
- Die Rolle von Naturbeobachtung und Formsuche bei Sorger und Cézanne
- Die Bedeutung von Licht, Farbe und Alltagsgegenständen als poetische Elemente
- Überwindung von Entfremdung durch kontemplative Wahrnehmung
- Die Suche nach Harmonie und einem „Allzusammenhang“ in einer technisierten Welt
Auszug aus dem Buch
Parallelisierung
Inwiefern ist die Hauptfigur Valentin Sorger in Handkes „Langsame Heimkehr“ als die Präfiguration des französischen Malers Paul Cézanne zu verstehen? Nicht die Person des Geologen, sondern vielmehr seine Weltauffassung weist eine Ähnlichkeit mit Cézanne auf. Es geht also darum, den verborgenen Bezug zum französischen Maler aufzudecken.
„Man muß sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet.“ Der Maler Cézanne sah seinerzeit schon in der wachsenden Industrialisierung der Jahrhundertwende eine Bedrohung für seine künstlerische Auffassung. Durch die Technisierung des Alltags und die durch die Medien ideologisierten Bilder verschwindet alles. Sorger zeichnet sich ebenfalls seine Umwelt aus den Formen unberührter Natur aus. Dabei interessieren ihn in der unberührten Natur Alaskas vor allem die kleinen, unscheinbaren, alltäglichen Elemente, ganz im Sinne der Stilleben Cézannes. Und tatsächlich wird Sorger, als an die Westküste ankommt, von der geglückt technisierten Stadt ausgestoßen.. Cézanne sagte: „Eines schönen Morgens, am nächsten Tage, erscheinen mir allmählich die geologischen Grundlagen, die Schichten lagern sich, die großen Pläne meiner Leinwand, ich zeichne im Geiste ihr steinernes Skelett. Ich sehe die Felsen unter dem Wasser schwimmen, den Himmel lasten. Alles ist in Lot.“ In New-York erlebt Sorger dann, wie bereits erwähnt, eine Epiphanie: er erkennt plötzlich die poetische Schönheit in den durch den Alltag modernisierten Gegenstände der Großstadt und er malt sie bis in kleinste Detail in seinem Inneren aus. Die Kontemplation gilt nicht allein den Formen der unberührten Natur, sondern auch denen der „beliebigen Großstädten“ um sich zu orientierten und Selbstvertrauen zu gewinnen. Sorger konzentriert sich auf solche burleske, winzige, für den normalen Betrachtenden unbedeutende Abläufe, die Cézanne in seiner Malerei in seinen zahllosen Stillleben ebenfalls aufzeichnet. Beide sind auf der Spur nach dem Alltäglichen (Obst, Flaschen, Krüge,...). Und schon erkennt Sorger selbst in dieser grauen Betonstadt die kleinen noch existierenden Elemente der Natur, die plötzlich aufleuchten.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung thematisiert die interdisziplinäre Verbindung zwischen bildender Kunst und Literatur und stellt die Forschungsfrage, ob Handkes Erzählverfahren Parallelen zur Malweise von Paul Cézanne aufweist.
2) Cézannes Kunstauffassung und -deutung: Dieses Kapitel erläutert Cézannes Streben nach einer „Harmonie parallel zur Natur“ und seinen Fokus auf die Erfassung des Mysteriums der Wirklichkeit durch Farbe und Form.
3) Sorgers Weltbild und Philosophie: Hier wird die Reise des Protagonisten Sorger analysiert, der als Geologe zwischen wissenschaftlicher Analyse und einer metaphysischen Suche nach Einheit und Ordnung in der Natur schwankt.
4) Parallelisierung: Dieses Kapitel stellt die direkte Verknüpfung zwischen Sorger und Cézanne her und zeigt, wie beide in Alltagsgegenständen und der Natur eine zeitlose, poetische Wahrheit suchen.
5) Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass die Suche nach Harmonie und der Schutz des Alltäglichen vor der Bedeutungslosigkeit der modernen Welt die zentrale gemeinsame Schnittmenge zwischen Handkes Literatur und Cézannes Malerei bilden.
Schlüsselwörter
Peter Handke, Paul Cézanne, Langsame Heimkehr, Naturbeobachtung, Kunsttheorie, Parallelisierung, Weltauffassung, Formsuche, Epiphanie, Harmonie, Stillleben, Existenz, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Allzusammenhang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretischen und ästhetischen Parallelen zwischen Peter Handkes Erzählung „Langsame Heimkehr“ und dem Werk des Malers Paul Cézanne.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, die Suche nach künstlerischer Form, die Überwindung von Entfremdung und die Bedeutung der Wahrnehmung im Alltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzudecken, ob es ein verstecktes Verhältnis zwischen Sorger, der Hauptfigur von Handke, und der Weltauffassung von Paul Cézanne gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz, bei dem kunsttheoretische Konzepte Cézannes auf die literarische Erzählweise Handkes übertragen und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kunstauffassung Cézannes, das Weltbild und die philosophische Entwicklung Sorgers sowie die direkte Gegenüberstellung ihrer künstlerischen Methoden der Realitätswahrnehmung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind neben den Autorennamen „Formsuche“, „Harmonie“, „Naturbeobachtung“, „Epiphanie“ und „Allzusammenhang“.
Inwiefern spielt die Farbe Gelb bei Cézanne und Handke eine Rolle?
Die Arbeit identifiziert Gelb als eine Übergangsfarbe, die den Reifeprozess von Dingen markiert und somit als Symbol für die lebendige, fortdauernde Zeit in der Natur fungiert.
Warum wird Sorger als „Präfiguration“ von Cézanne bezeichnet?
Sorger teilt die grundlegende Weltauffassung des Malers; sein Bemühen, die Welt nicht nur wissenschaftlich, sondern in ihrer ästhetischen Tiefe zu erfassen, spiegelt Cézannes künstlerische Intentionen wider.
- Arbeit zitieren
- Anne-Christine Funk (Autor:in), 2011, Peter Handke „Langsame Heimkehr“ - Parallelversuch zu Paul Cézanne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169525