Globalisierte Bestseller. Eine exemplarische Untersuchung von "Die Frau des Zeitreisenden" und "Twilight"


Magisterarbeit, 2010

87 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Fragestellung.

2. Das Untersuchungsprogramm

Hauptteil
I. Die Marktkarriere
1. Der faktische Erfolg der Romane
2. Die Vermarktungskette der Romane
II. Die Genres
1. Motivgeschichte
a.) Die Zeitreise
b.) Der Vampirismus
2. Das Bestsellerpotential
a.) Die Zeitreise
b.) Der Vampirismus
aa.) Der narrative Kern der Vampirfigur
bb.) Flexible Deutungsmuster der Vampirfigur
cc.) Die Anpassung an den Zeitgeschmack
3. Die Aktualisierung des Potentials
a.) Zeitreisen in Die Frau des Zeitreisenden
b.) Vampirismus in Twilight
III. Der Genremix
1. Die Zusammenführung mit dem Liebesthema
a.) Die Frau des Zeitreisenden
b.) Twilight
2. Die Entwicklung der Liebesthematik in Zeitreise- und Vampirgeschichten von der „Romantic Line“ zum Zentralmotiv
3. Die soziale Bedeutung von Liebe
IV. Die Globalisierung der Erzählungen
1. Der Bezug aus Weltkultur-Milieus in Die Frau des Zeitreisenden
2. Der Bezug auf Weltkultur-Milieus in Twilight
V. Die Darstellungsstrategien
1. Die direkte Rede
2. Die Perspektive
3. Die Abschnittslänge
VI. Zielgruppen-Orientierung
1. Jugend, Pubertät und Adoleszenz in Twilight
2. Die erwachsene Sichtweise in Die Frau des Zeitreisenden

Fazit
Quellenverzeichnis
Anhang
Eidesstattliche Versicherung

Einleitung

Im Jahr 2003 veröffentlichte Audrey Niffenegger ihren Roman Die Frau des Zeitreisenden, der die Geschichte des Zeitreisenden Henry und seiner Frau Clare erzählt. Henry kann seine Fähigkeit zum Zeitreisen nicht kontrollieren, sie wird durch einen genetischen Defekt hervorgerufen und gleicht in ihrem Auftreten der Epilepsie. Sowohl auf seinen Reisen als auch in der Erzählgegenwart begegnet er Clare, die seine Frau und sein einzig andauernder Bezugspunkt wird. Die Liebe, die sich zwischen beiden entwickelt, ist so stark, dass sie jedes Hindernis überwindet. Auf Grund seiner ungewollten Zeitreisen ist Henry immer wieder gezwungen, Clare zu verlassen und während er sich allein und nackt durch eine raue und feindliche Welt schlägt, bleibt sie allein zurück. Henry und Clare sind Liebende, deren Gefühle die Zeit überdauern, sie lieben sich in der Vergangenheit, der Gegenwart, der Zukunft, bevor sie sich begegnen und über den Tod hinaus. Der Roman verfolgt die Beziehung der Beiden durch die verschiedenen Stationen ihres Lebens, begleitet ihre Sehnsüchte, Wünsche und Verluste. Er wurde 2009 unter dem gleichen Titel mit Eric Bana und Rachel McAdams in den Hauptrollen verfilmt.

Twilight ist der erste Roman von Stephenie Meyer. Er wurde 2005 veröffentlicht und behandelt die Geschichte der Highschool-Schülerin Bella, die aus Phoenix in Arizona in die regnerische Kleinstadt Forks zieht und dort den geheimnisvollen Edward kennenlernt. Er fasziniert sie, denn er ist nicht wie die anderen. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei Edward um einen Vampir, der sich aber nicht von Menschenblut ernährt. Beide verlieben sich trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft „bedingungslos und unwiderruflich[1] “ und werden allen Hindernissen zum Trotz ein Paar. Das Buch wurde 2008 mit den seinerzeit fast gänzlich unbekannten Schauspielern Robert Pattinson und Kristen Stewart verfilmt. Die Geschichte um Edward und Bella löste weltweit eine regelrechte Twilight -Manie aus, unzählige Leser verschlangen den ersten der mittlerweile vier Bände der Twilight -Saga und verfolgten später das Schicksal des ungleichen Paares im Kino.

1. Die Fragestellung

Obwohl die Romane auf dem ersten Blick keine Gemeinsamkeiten zu haben scheinen

- bei Twilight handelt es sich um einen Vampirgeschichte für Jugendliche, wo hingegen sich Die Frau des Zeitreisenden an ein erwachsenes Publikum richtet und sich mit dem Science-Fiction-Thema „Zeitreise“ beschäftigt – weisen die Bücher verblüffende Ähnlichkeiten in der Marktkarriere auf. Beide Romane scheinen vordergründig nur ein Randpublikum anzusprechen, erwiesen sich jedoch tatsächlich als überdurchschnittlich erfolgreich und konnten ihre Bestsellerqualitäten nicht nur auf dem Buchmarkt bzw. in den Filmtheatern unter Beweis stellen, sondern breiteten sich darüber hinaus gewinnbringend auf andere Vermarktungszweige (z.B. Hörbücher, Soundtracks etc.) aus. Beide Texte entwickelten sich außerdem innerhalb kurzer Zeit zu herausragenden Verkaufsschlagern auf mehreren Kontinenten. Sie wurden in verschiedenen Ländern gleichzeitig veröffentlicht und entwickelten sich überall zu einem Massenerfolg, anders als es die Klassifizierung als Randgruppenphänomen auf den ersten Blick hätte annehmen lassen. Der zeitnahe Start in den verschiedenen Ländern lässt vermuten, dass mit einem relativ geringen kaufmännischen Risiko kalkuliert wurde, und dass, obwohl es sich bei beiden Romanen um Erstlingswerke bis dato unbekannter Autoren handelt. Tatsächlich wurde nicht abgewartet, ob sich die Romane nach ihrer Erstveröffentlichung als verkaufsstark erweisen würden. Außerdem wurden die Filmrechte derart zügig verkauft, dass es bei Die Frau des Zeitreisenden bereits vor der Veröffentlichung zum Vertragsabschluss kam. Beide Umstände lassen vermuten, dass von der Vertreiberseite mit einem Erfolg gerechnet wurde.

Die Frau des Zeitreisenden und Twilight weisen übereinstimmende Marktkarrieren auf, deren Verlauf von Händlerseite wohl bereits in dieser Art erwartet worden war. Obschon beide Romane dies auf den ersten Blick kaum vermuten lassen, müssen sie deutliche Kennzeichen eines potentiellen Bestsellers aufweisen. Die zuständigen Verlage und der jeweilige Filmverleih müssen angesichts von Die Frau des Zeitreisenden und Twilight davon ausgegangen sein, dass sich diese umgehend in einen ökonomischen Erfolg verwandeln lassen würden. Man könnte anhand der sich entsprechenden Marktkarrieren der Romane sogar soweit gehen, zu behaupten, dass der Erfolg geplant gewesen sei, zumindest lässt dies der Umgang mit dem Material vermuten.

Einer derartigen These lässt sich auf der Ebene des Textes nachgehen, es soll hier gefragt werden, ob die Textebene Kennzeichen aufweist, die den Erfolg von Die Frau des Zeitreisenden und Twilight als geplant ausweisen können.

Es lässt sich festhalten, dass die Themenwahl und die Themenbehandlung von der Absatzseite als aktuell und publikumsattraktiv kalkuliert worden sein müssen. Bei näherer Betrachtung werden auch diesbezüglich Übereinstimmungen zwischen den scheinbar so verschiedenen Romanen offenbar. Beide kombinieren eine phantastische Komponente mit einer Liebesgeschichte, wobei die phantastische Disposition immer nur eine der beiden Hauptfiguren betrifft und beide Motive Genres entstammen, die über eine eigene Tradition verfügen. Eine weitere Gemeinsamkeit der Romane ist die Behandlung des Themas „Liebe“. Beide Texte behandeln die große und ewige Liebe zwischen zwei Figuren, die durch die phantastische Komponente hindernisreich wird. Edward und Bella kommen aus unterschiedlichen Welten, sie ist ein Mensch, er ist ein Vampir. Trotzdem lieben sie sich und meinen für einander bestimmt zu sein, so dass es keine Alternative zu einer Beziehung gibt. Die Liebe der Beiden zu einander ist so groß, dass sie nichts verhindern könnte und sie sich ewig, sogar über den Tod hinaus, lieben werden. Ebenso ist es bei Clare und Henry, die seit ihrer ersten Begegnung wissen, dass sie füreinander bestimmt sind und nie einen anderen auf diese Weise lieben werden. Sie sind bereit, sich ihre Liebe immer wieder zu beweisen und für sie zu kämpfen, auch wenn Henrys Zeitreisen sie wiederholt trennen werden. Die phantastische Komponente in Die Frau des Zeitreisenden macht ihre Liebe hindernisreich, doch sie macht ihnen auch bewusst, wie viel ihr gemeinsames Leben ihnen bedeutet.

Die Romane stimmen also auch in ihrer Themenwahl überein und behandeln die von ihnen gewählten Themen übereinstimmend. Dieser Umstand legt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um keinen Zufall handelt. Der Erfolg von Die Frau des Zeitreisenden und Twilight legt nahe, dass es sich bei den von ihnen gewählten Themen um Gegenstände handelt, die von aktuellem gesellschaftlichen Interesse sind, dass beide diesbezüglich übereinstimmen, lässt vermuten, dass die Themenwahl nicht zufällig ist. Beide Romane legen ein Genre zu Grunde, dass durch seine lange Tradition bereits unter Beweis gestellt hat, dass es Erfolg verspricht (und dies in mehr als nur einem Medium). Sie verändern die traditionellen Motive und passen sie dem Geschmack der Zeit an – so trinkt Edward kein Menschenblut und Henry verlässt Clare und reist durch die Zeit. Die Aktualität des Erzählinhalts kann zwar nicht als ein allgemeines Kennzeichen eines Bestseller gelten, sie tritt allerdings laut Ernst Fischer immer dort auf, „wo entschieden rezipientenorientierte Texte vor allem in der Gattung des Romans gezielt darauf spekulieren, tatsächliche oder vermeintliche psychosoziale Bedürfnisstrukturen zu befriedigen“.[2] Und die Befriedigung psychosozialer Bedürfnisstrukturen ist zumindest eine Erklärung für einen Bestsellererfolg. Beide Romane wählen vergleichbare Genres, die sie übereinstimmend bearbeiten, anscheinend in der Absicht einen Publikumserfolg zu planen. In diesem Sinne mischen beide das traditionelle Genre mit der Komponente „Liebe“, die stets ein guter Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Geschichte ist und in der heutigen Gesellschaft als romantisches Ideal eine so wichtige Rolle spielt, dass auch die zentrale Stellung der Liebe in den Romanen wie Erfolgskalkül wirkt.

Es wurde festgestellt, dass Die Frau des Zeitreisenden und Twilight international erfolgreich sind. Ein Faktum, das von Bestsellern angestrebt wird, für das es jedoch bisher keine allgemeingültige Formel gibt. Gefragt werden muss also an dieser Stelle, welche neue Qualität beide Romane mitbringen, die sie global erfolgreich sein lässt. Die Verfasserin stellt die Vermutung an, dass beide Romane ihre Handlung in allgemein verständlichen Milieus ansiedeln und Bezüge zu leicht verfügbaren Informationen aus einem „Weltkultur-Pool“ herstellen. Die Handlung spielt sich nicht mehr in einem geographischen Raum ab, der abhängig von der kulturellen und nationalen Herkunft des Rezipienten verstanden werden kann, sondern etabliert sich im Spannungsfeld zwischen E- und U-Kultur, Marken und Moden. Es kann angenommen werden, dass die vorliegenden Bestseller in dieser Weise „globalisiert“ wurden, d.h. mit Absicht so gestaltet wurden, dass sie international leicht angenommen werden und zu einen Massenerfolg führen würden.

Weiterhin besteht die Vermutung, dass auch die Möglichkeit der Übersetzung in ein Drehbuch auf Merkmalen der Romane beruht, die beide aufweisen. Die Verfasserin ist der Meinung, dass mit gestalterischen Mitteln bereits eine Verfilmung in den jeweiligen Romantext eingearbeitet wurde, und dass sich Die Frau des Zeitreisenden und Twilight im Einsatz dieser Mittel entsprechen.

Während es in Twilight um Themen des Erwachsenwerdens (etwa das Verlassen der Eltern und Geheimnisse vor ihnen, voreheliche Enthaltsamkeit oder die Beziehung zu Freunden) im Kleid einer Vampirgeschichte geht, stammen die berührten Themenkreise in Die Frau des Zeitreisenden aus einer erwachsenen Sphäre. Die Beziehung zu den Eltern und zu Freunden sowie sexuelles Begehren werden ebenfalls thematisiert, doch ist die Beziehung zu den Eltern nicht vertrauensvoll, sondern gestört, zwischen den Freunden herrschen oftmals unterschwelliger Neid sowie Resignation, und Sexualität ist bereits vor der Ehe ein zentrales Moment der Beziehung zwischen Henry und Clare. Die Welt, in der sich Clare und Henry bewegen, ist nicht geprägt von verklärten Idealen, sondern oftmals hart, rau und zynisch. Im Gegensatz zum Vampir Edward, der gedankenvoll mit seinem Schicksal hadert und Bellas Glück über alles stellt, versucht Henry sich mit Alkohol zu betäuben und den Zeitreisen mit Medikamenten beizukommen. Clares Liebe ist in Bezug auf ein Kind egoistisch und nimmt auf Henrys Bedürfnisse keine Rücksicht. Im Hinblick auf diese Unterschiede in der Themenbehandlung, gilt die Vermutung, dass sie aus der Orientierung an der Zielgruppe resultieren. Dabei geht die Verfasserin davon aus, dass das ausgewählte Thema für die Zielgruppe verwendet wird, bei der es am meisten Erfolg verspricht und der Stoff in dieser Richtung bearbeitet wurde. Dem entsprechend wurden Motive und Merkmale des Genres besonders herausgearbeitet, die für die Zielgruppe von besonderem Interesse sind und sich so für die Vampirgeschichte Twilight ein jugendlicher Blickwinkel ergibt, während Die Frau des Zeitreisenden durch eine erwachsene Weltsicht geprägt erscheint. Dabei ist zu vermuten, dass von vornherein die Zielgruppe gewählt wurde, die den ökonomischen Erfolg der Geschichte und die wirtschaftliche Verwertung seiner Elemente am aussichtsreichsten stützt.

2. Das Untersuchungsprogramm

Aus den vorangegangenen Überlegungen ergibt sich folgendes Untersuchungsprogramm: In einem ersten Schritt sollen der faktische Erfolg der Romane und ihre Verwertungskette dargestellt werden. Nachfolgend wird die Geschichte sowohl des Zeitreise- als auch des Vampirgenres dargestellt, so dass die Entwicklung der Motive nachvollzogen werden kann. Die, sich daraus ergebende, Einsicht über die dauerhafte Präsenz der Zeitreise und des Vampirismus’ in unterschiedlichen medialen Bereichen, kann einen Aufschluss darüber geben, in wie weit das Genre bereits einen attraktiven Gegenstand für einen publikumswirksamen Roman darstellt. In einem weiteren Abschnitt soll das Wesen des Zeitreise- bzw. Vampirmotivs daraufhin überprüft werden, welche Elemente als ausschlaggebend für den dauerhaften Erfolg der Genres angenommen werden können. Daraus vermag sich eine Reihe von Merkmalen zu ergeben, die als charakteristisch für traditionelle Zeitreise- und Vampirgeschichten gelten können. Es wird gezeigt werden, dass die Motive durch die Kombination von narrativer Kongruenz und Variationsfähigkeit gekennzeichnet sind, und dass diese für ihren andauernden Erfolg verantwortlich gemacht werden kann. Dem entsprechend soll gezeigt werden, dass bei Die Frau des Zeitreisenden und Twilight ein diesbezüglich gleich geartetes Genres gewählt wurde.

In einem weiteren Schritt wird dargestellt werden, in wie weit die vorliegenden Geschichten die traditionellen Merkmale der Motive übernehmen und diese im Sinne des Zeitgeschmacks modernisieren, so dass die Aktualisierung der traditionellen „Bestsellerelemente“ als weiteres Element des geplanten Erfolgs ersichtlich wird. Es soll dargelegt werden, wie nah die Veränderungen der historischen Bearbeitung aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen und Konflikten stehen. Damit wird deutlich, dass die Genres auch im Hinblick auf ihre Aktualisierungsmöglichkeiten gewählt und offensichtlich in moderne Zusammenhänge gestellt wurden. Es wird gezeigt werden, dass sich die Romane in ihrer Tendenz ein traditionelles und fortwährend erfolgreiches Genre im Sinne des derzeitigen Trends zu erneuern, entsprechen.

Im Anschluss daran wird die Zusammenführung der phantastischen Komponente mit dem Liebesthema diskutiert werden. Es ist dafür notwendig, die Darstellung der Liebe in beiden Romanen offenzulegen, um sie von der typischen Bearbeitung der Liebeshandlung in den traditionellen Genres zu unterscheiden. Es soll gezeigt werden, dass beide Romane eine idealisierte und nicht lebbare Liebe in ihr Zentrum stellen, während in der traditionellen Zeitreise- bzw. Vampirgeschichte die Liebe zwar durchgehend auftritt, dabei jedoch selten gesondert thematisiert wird. Dieser Umstand soll durch die Darstellung der Entwicklung der Liebeshandlung von der „Romantic Line“ in der traditionellen Form bis zum Zentralmotiv in den vorliegenden Romanen verdeutlicht werden. Die Vermutung lautet, dass es sich bei Die Frau des Zeitreisenden und Twilight im Kern eigentlich um Liebesromane handelt. Anschließen wird sich ein Überblick über die Entwicklung der Konzepte Liebe und Ehe von ihren historischen Gründen in der vorindustriellen Zeit bis in das 21. Jahrhundert. Daraus ergibt sich ein Bild des sozioökonomischen Milieus, in dem sowohl die Romane Die Frau des Zeitreisenden und Twilight als auch deren gleichnamige Verfilmungen veröffentlicht wurden. Es kann verständlich gemacht werden, warum die zentrale Rolle der Liebesthematik die These des geplanten Erfolges durch Themenwahl und Behandlung zu unterstützen vermag, da offenbar werden wird, welche bedeutende Rolle dem Ideal der romantischen Liebe in der heutigen Zeit zukommt. Aus dieser Darstellung ergibt sich die zentrale Rolle der Liebe als ein mögliches Erfolgsmerkmal, so dass auch die Mischung der Genre („Genremix“) in Die Frau des Zeitreisenden und Twilight als ein geplanter Akt auf dem Weg zum internationalen Mega-Erfolg gelten kann.

Im Anschluss an die erzählerischen Merkmale der Geschichten, wird die Qualität der Romane, die diese als „globalisierte Bestseller“ kennzeichnen soll, analysiert werden. Es wird dargestellt werden, wie sowohl Die Frau des Zeitreisenden als auch Twilight Bezüge zu Weltkultur-Milieus herstellen und ihre Handlung in der internationalen Kulisse einer Produkt- und Markenwelt ansiedeln. Es soll deutlich werden, wie es den Romanen gelingen kann, sich an den modernen „Weltbürger“ zu richten - anstatt nur an ein, durch seine Herkunft geprägtes, Publikum. Dem entsprechend kann schlüssig erklärt werden, dass eine internationale Veröffentlichung bereits in die Produktion der Geschichten einging.

Auch der schnelle Verkauf der Filmrechte, der bei Die Frau des Zeitreisenden sogar vor der Fertigstellung des Romans erwirkt werden konnte, lässt sich aus der Gestaltung der Stoffe herleiten. Aus diesem Grund soll der nachfolgende Abschnitt der Arbeit der Darstellung der Romaninhalte gewidmet werden. Auf diese Weise kann gezeigt werden, wie beiden Geschichten ihre Verfilmung bereits vorbereitend eingearbeitet wurde. Es soll dargestellt werden, dass die Möglichkeit der Verfilmung durch die Präsentation der Romaninhalte sowohl in Die Frau des Zeitreisenden als auch in Twilight vorweg genommen worden ist.

In einem letzten Abschnitt der Arbeit soll verdeutlicht werden, dass die Unterschiede der Stoffbehandlung durch die Orientierung der Romane auf ihre jeweilige Zielgruppe begründet werden können. Die Frau des Zeitreisenden wendet sich an ein erwachsenes Publikum, während die Twilight -Zielgruppe vornehmlich aus Teenagern besteht. Dem entsprechend wurden die Inhalte der Romane ansprechend für Erwachsene bzw. Jugendliche gestaltet. Dies bezieht sich sowohl auf die erzählerischen Inhalte der Werke als auch auf deren Verfilmung und die weitere Vermarktung in Form von Merchandising-Artikeln. Durch die Darstellung der Zielgruppenorientierung kann gezeigt werden, dass der ausgewählte Stoff entsprechend dem für ihn erfolgversprechenden Marktsegment gestaltet wurde, so dass auch diesbezüglich bereits in der Produktion eine Erfolgsplanung vorgelegen haben muss.

Aus der Gesamtanalyse sollen sich die Merkmale des globalisierten Bestsellers auf der Textebene ergeben, die diesen als geplant ausweisen können.

Hauptteil

I. Die Marktkarriere

1. Der faktische Erfolg der Romane

Die Twilight -Saga ist sowohl als Buch als auch als Film als überdurchschnittlich erfolgreich einzustufen. Von den insgesamt vier Twilight -Romanen hat sich das erste weltweit bereits über 80 Mio. Mal verkauft, die deutschsprachige Ausgabe aller vier Bände ca. 8,5 Mio. Mal. Die Geschichte um Bella und Edward ist weltweit in 50 Ländern (darunter Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Portugal, Russland, die Schweiz, Spanien und Tschechien.[3] ) erschienen und hat eine Gesamtauflage von über 100 Mio. Exemplaren.[4] Auf den Jahresbestsellerlisten (Hardcover) der Jahre 2007 bis 2009 war die Twilight -Saga immer mindestens mit einem Band vertreten, 2009 sogar mit allen vier Bänden (Platz 1: Bd. 4 – Bis(s) zum Ende der Nacht, Platz 2: Bd. 3 – Bis(s) zum Abendrot, Platz 9: Bd. 2 – Bis(s) zur Mittagsstunde, Platz 20: Bd. 1 – Bis(s) zum Morgengrauen.[5] Dabei ist zu beobachten, dass der erste Band der Twilight -Saga sich 2007 durchgehend, 2008 bei über der Hälfte und 2009 bis weit über die Jahresmitte in den wöchentlichen Bestsellerlisten hielt, wobei die Platzierungen sich zwischen Platz 6 und 50 bewegten. Die nachfolgenden Bände erreichten alle einen ersten Platz, den sie mit jedem Band schneller erreichten und länger hielten.[6]

Der erste Film Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen spielte in den USA am Eröffnungswochenende (USA) 69.637.740 Dollar ein (23. November 2008) und wurde auf 3.419 Leinwänden gezeigt. Insgesamt spielte der Film bereits bis zum März 2009 eine Gesamtsumme von 376 Mio. US Dollar ein, davon ca. 191 Mio. Dollar in den USA.[7]

Im Vergleich zu Twilight tritt der Erfolg von Die Frau des Zeitreisenden etwas weniger augenfällig auf. Präzise Daten sind dem entsprechend schwerer zu ermitteln, es ist keine aktuelle Gesamtverkaufszahl zu finden. Von seinem Erscheinen im August 2004 hat sich das Buch bis zum Ende des Jahres jedoch durchgehend auf den wöchentlichen Bestsellerlisten gehalten, mit Platzierungen zwischen Platz 6 und 42. Es blieb in den ersten Wochen des Jahres 2005 auf den Listen, verschwand dann jedoch. Das Taschenbuch, das 2005 erschien, hielt sich in den Jahren 2005 (Plätze 3 – 50), 2006 (Plätze 5 – 49) fast durchgehend auf den Bestsellerlisten und erschien dort auch 2007 (Platz 70) und wieder ab Mitte/Ende 2009 (Plätze 25 – 49). Es hielt sich erneut bis Jahresende.[8] Das Buch wurde in über 20 Sprachen übersetzt.[9] Im Spätsommer 2009 kam der Film in die Kinos und spielte am Eröffnungswochenende (USA) 18.623.171 Dollar ein (14. August 2009, auf 2.988 Leinwänden). Der Film hat in den USA insgesamt 63.414.846 Dollar eingespielt.[10]

2. Die Vermarktungskette der Romane

Ernst Fischer schreibt über den Buchbestseller, dass dieser immer mehr nur noch ein Element im medialen Verwertungszusammenhang sei. Er meint damit, dass nach den verschiedenen Stufen im Bereich des Buchmarkts (vom Vorabdruck und der Hardcover-Ausgabe über das Taschenbuch zur Sonder- und Buchgemeinschaftsausgabe und zu Lizenzverkäufen im Ausland) die Verwertung der damit gegebenen Substanz auch in anderen Medien des Non Paper-Bereichs angestrebt werde. Zumindest lässt sich sagen, dass ein Buchbestseller die Massentauglichkeit des in ihm verarbeiteten Stoffes bereits unter Beweis gestellt hat und sich so zur Weitervermarktung anbietet.[11] Dem entsprechend gibt es auch von den erfolgreichen Romanen Twilight und Die Frau des Zeitreisenden sowohl Bücher in Hardcover- und Taschenbuch sowie Buchclub und Sonderausgaben als auch Hörbücher und Verfilmungen. Außerdem in direkter Folge DVD- und Blue-ray-Ausgaben in Einzel- und Sondereditionen sowie einen oder mehrere (Twilight) Soundtracks. Dies entspricht in der heutigen Zeit einer Art klassischer Verwertungskette, die man von einem Bestseller mit breiter Konsumgruppe erwarten würde. Das heißt, wenn der Bestseller bezüglich der Gruppe seiner Rezipienten dazu geeignet ist, auch in anderen Medien bei diesen Anklang zu finden bzw. davon ausgegangen werden kann, dass über andere Medien weitere Gruppen als der Kreis der Buchrezipienten erreicht werden können.

Diese typische Verwertung des Bestseller-Stoffes wird bei Twilight durch ein immenses Aufgebot an Merchandise-Artikeln ergänzt. Das Phänomen Twilight hat sich auf ein breites Textilsortiment ausgebreitet, sowie es Bedarfsartikel des täglichen Lebens und Accessoires erfasst hat. Die Artikel sind so zahlreich, dass es kaum möglich ist, alle aufzuzählen. Neben Postern, T-Shirts, Bettwäsche, Taschen, Regenschirmen, Schmuck etc. hat sich außerdem ein breiter Sektor an sekundär Film- (z.B. Twilight in Forks), Internet- und Literaturmaterial (z.B. Philosophie in Twilight) gebildet. Wobei die filmischen Bearbeitungen im Internet (wie z.B. in YouTube) oder das Zustandekommen von Twilight -Fanclubs, wie Björn Helbing ausführt[12], als eigenständige Erscheinung des „viralen Marketings[13] “ verstanden werden kann. „Jede/r möchte am Phänomen bzw. Produkt „Twilight“ teilhaben; die Identifikation mit dem Film entsteht somit von selbst.“[14]

II. Die Genres

1. Motivgeschichte

a.) Die Zeitreise

Die Darstellung beginnt mit dem Motiv der Zeitreise, sie folgt dabei in der Hauptsache der Dissertation Zeitreisen. Untersuchung zu einem Motiv der erzählenden Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts von Getrud Lehnert-Rodiek, da trotz der unüberschaubaren Fülle an Primärliteratur kaum wissenschaftliche Abhandlungen zum Thema Zeitreise existieren. Es finden sich zwar Science Fiction. Theorie und Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild von Ulrich Suerbaum/ Ulrich Broich/ Raimund Borgmeier sowie Literarische Zukunftsphantastik. Eine Studie über Science Fiction von Jörg Hienger, beide beschäftigen sich aber hauptsächlich mit Science Fiction im Allgemeinen, wobei nur unsystematisch einige Werke erwähnt werden, in denen das Thema Zeitreise auftritt. Des Weiteren existiert eine Dissertation von Nancy Greene Havera aus dem Jahr 1977. Diese widmet sich dem Gegenstand eingehender, betont aber vor allem das Phantastische in dem Motiv der Zeitreise und konzentriert sich außerdem auf Eigentümlichkeiten der argentinischen Literatur. Die 2009 erschienene Abhandlung Zeitreisen. Die Erfüllung eines Menschheitstraums von Falko Blask und Ariane Windhorst nimmt hauptsächlich Bezug auf die physikalischen Theorien zu den Themen Zeit und Zeitreise.

Die Darstellung der Motivtradition beginnt notwendigerweise mit einer Abgrenzung des zu beschreibenden Motivs gegenüber anderen Phänomenen, die sich mit dem Thema Zeit auseinandersetzen. Das Zeitreisemotiv, mit dessen Tradition sich im folgenden Abschnitt befasst werden soll, ist dass einer physischen Reise in eine andere Zeit. Gemeint ist das reale Auftauchen einer Person in der Zukunft oder Vergangenheit und nicht die Vorstellung einer solchen Reise, derartige Träume, Visionen oder lebhafte Erinnerungen an vergangene Zeiten. „Unter «Zeitreise» wird – analog zur Bewegung im Raum – die Bewegung einer realen Person innerhalb ihres eigenen Zeitkontinuums […] verstanden. Mit «eigenem Zeitkontinuum» ist der rekonstruierbare historische bzw. in die Zukunft verlängerbare, d. h. einem Individuum in seiner eigenen Welt […] erfahrbare Zeitfluss gemeint.“[15] Mit dieser Definition werden Reisen in Parallelwelten von der Untersuchung des Zeitreisemotivs ausgeschlossen, da diese streng genommen Reisen in eine andere Welt entsprechen, auch wenn gleichzeitig eine andere Zeit erreicht wird. In der Argumentation stellt Lehnert-Rodiek bezüglich einer Definition weiterhin darauf ab, dass der Begriff „Reise“ innerhalb des Wortes die „Bewegung durch die Zeit mit einem Ausgangs- und einem Zielpunkt“[16] betone und damit das Überspringen eines Zeitabschnitts zur notwendigen Bedingung von Zeitreisegeschichten mache, so wie im strengen Sinn nur dann von „Zeitreisen“ gesprochen werden könne, wenn die Reiserichtung willentlich zu steuern und umkehrbar sei.[17] Da jedoch auch im Falle einer bspw. unwillentlichen Versetzung in die Zukunft, ohne die Möglichkeit einer Rückkehr, Zeit übersprungen wird, soll in Anlehnung an Hans-Joachim Alpers/ Werner Fuchs/ Ronald M. Hahn/ Wolfgang Jeschke[18] diesbezüglich von „eingleisigen Zeitreisen“ gesprochen werden. Ein Begriff, den auch Lehnert-Rodiek hierfür übernimmt und diesbezüglich weiter ausführt, dass diese mit frühen Vorformen des Zeitreisemotivs in enger Verbindung stünden und damit selbst als wichtige Vorläufer des Motivs zu gelten hätten.[19] Solche frühen Vorformen des Zeitreisemotivs lassen sich bereits aus Sagen und Legenden wie etwa der Kyffhäusersage oder den Berichten über den Kreter Epimenides ableiten, in denen Menschen in einen langen Schlaf fallen oder durch ein ähnliches Phänomen scheinbar kurze Zeit aus ihrem Alltag heraus treten, objektiv aber eine sehr große Zeitspanne überwinden. Hierbei steht jedoch vielmehr das Wunder der Zeitüberwindung als solches im Vordergrund als die Möglichkeit der Zukunftsbereisung.[20] Zu diesem Zweck wurde das Phänomen des „langen Schlafes“ erst 1771 von Louis-Sébastien Mercier in seinem Roman L’an deux mille quatre cent quarante. Rêve s’il en fut jamais eingesetzt. In diesem wird der Protagonist durch den Schlaf in die Zukunft versetzt um deren Gesellschaft kennenzulernen. L’an 2440 kann demnach als die erste utopische Zeitreisegeschichte gelten.[21] Im 18. und 19. Jh. wurde die Zeitreise überwiegend durch Utopien verwendet, bis sie im 20. Jh. von der Science Fiction Literatur übernommen wurde.[22] Diese fügte ihr auch eine entscheidende Erweiterung hinzu: 1895 erfand Herbert George Wells in seinem Roman The Time Machine die erste Zeitmaschine. Wells’ Erfindung beeinflusste unzählige Autoren, wie z.B. Carl Grunert in Pierre Maurignacs Abenteuer (1908), Egon Friedell in Die Rückkehr der Zeitmaschine (1946) oder Ronald Wright in Scientific Romance (1998). Parallel zu der neuen Technik eine Reise durch die Zeit anzutreten, entwickelte sich auch die Überlegung zur Veränderbarkeit vergangener Ereignisse und das damit verbundenen Paradox, ob diese bereits Folgen eines Eingriffs in die Zeit seien. Solche Überlegungen tauchten zuerst bei Mark Twain in seinem 1899 erschienen Roman A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court auf, wenn auch nur marginalisiert, da sich der Protagonist keine Gedanken über die Folgen seines Handelns macht und die Zeit, in die er versetzt wird, nicht historisch verbürgt ist und damit von dergleichen Problemen unberührt bleibt.[23] Das Problem wurde erst später thematisiert, so z.B. in Antoni Slonimskis Roman Der Zeittorpedo (1924), in dem sich der Protagonist bei der Rückkehr in seine Zeit auflöst, da er verhindert hat, dass seine Großeltern sich kennenlernen und so auch seine eigene Zeugung unmöglich wurde. Die Idee der Selbstauflösung auf Grund von Eingriffen in die Vergangenheit wurde ebenso z.B. von Alfred Bester in der Kurzgeschichte The Man Who Murdered Mohammed (1958) oder von Wolfgang Jeschke in seinem Roman Der letzte Tag der Schöpfung (1981) aufgegriffen, in dem die Protagonisten die Vergangenheit verändert und damit ihre Gegenwart zerstört haben, so dass sie nicht mehr zurückkehren können.

Bis heute wird das Motiv der Zeitreise in unterschiedlichen Ausprägungen immer wieder eingesetzt. Da es nicht alleiniger Inhalt einer Geschichte sein kann[24], taucht es oftmals zusammen mit einem anderen Genre z.B. der Detektivgeschichte o.Ä. auf – so geschehen auch bei der Übernahme des Motivs durch den Film, der es bspw. mit dem Genre „Action“ oder „Komödie“ kombiniert. Prominente Beispiele für Zeitreisen in Filmen sind Terminator (James Cameron, 1984), in dem versucht wird, die Geburt eines zukünftigen Rebellenführers in der Gegenwart zu verhindern oder Zurück in die Zukunft (Robert Zemeckis, 1985), in dem der Protagonist beinahe verhindert, dass seine Eltern sich verlieben und versuchen muss diesen Zustand doch zu erreichen, damit er und seine Geschwister wirklich zur Welt kommen. Das Motiv der Zeitreise fand später auch in Fernsehserien Verwendung, etwa in Lost (Jeffrey Jacob Abrams, Damon Lindelof, Jeffrey Lieber; 2004 – 2010), eine Serie in der Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer Insel durch die Zeit reisen, oder Journeyman (Kevin Falls, 2007), in der ein Mann unfreiwillig durch die Zeit reist, um anderen zu helfen und dabei bei jedem Zeitsprung selbst entdecken muss, worum es sich bei seiner Mission handelt.

b.) Der Vampirismus

Auch das Vampirmotiv ist ein Motiv mit einer langen Tradition, die auf außerlitera-rische Vorbilder zurückgreift. Diese sind in Sagen und Legenden zu finden, wobei ein Ursprungsland nicht ermittelt werden kann. Als mögliche Ursprungsländer gelten sowohl Ägypten, Babylonien, Indien und Griechenland als auch China, Mesopotamien, Russland und Transsylvanien.[25] Nahezu überall existieren Legenden über vampirhafte Wesen, die als Vorformen des Vampirmotivs bezeichnet werden können. In Indien z.B. kennt man den „Vetala“, der auf einem grünen Pferd reitend in Erscheinung tritt und dem das Blut seiner Opfer besonders gut schmeckt, wenn diese betrunken sind.[26] Diese Vorgänger sind in ihrer Form allerdings stets weit entfernt von den später geprägten Typisierungen mit denen sie allein den Konsum menschlichen Blutes gemeinsam haben. Prägend für die Gestalt des Vampirs waren die im Laufe der Zeit (bis in das 18. Jh.) vermehrt auftretenden Pseudo-Zeugnisse über menschliches Blutsaugertum, denen zu Folge Menschen nach ihrem Tod in ihr Dorf zurückkehrten und dort bspw. schlechte Ernten oder ein Massensterben auslösten. Solche Vorfälle werden aus heutiger Sicht medizinisch z.B. in den Zusammenhang mit Seuchen gestellt, bei denen der Einzelne sich andernorts infizierte, nach seiner Rückkehr in der Dorfgemeinschaft starb und durch vorherige Weiterinfizierung ein Massensterben auslöste. Damals jedoch waren die Urheber, durch den tief verwurzelten Glauben an die uralten Mythen über vampirhafte Wesen[27], die rasante und unaufhaltsame Ausbreitung der Epidemie und die hysterische Suche „des Mobs“ nach einer logischen Erklärung[28], schnell gefunden: Vampire. Die Figur des Vampirs beschränkte sich bis in die Zeit der Romantik auf historische Berichte über dergleichen Phänomene und später Versuche, sie wissenschaftlich einzufangen.[29] Während des Jahrhunderts der Aufklärung blieb das Vampirmotiv für die Literatur gänzlich bedeutungslos, da die rationalistische Geisteshaltung kein Interesse an verstandesmäßig schwer fassbaren Phänomenen und Ängsten zuließ, so dass das Vampirmotiv erst in der Romantik Gegenstand der schöngeistigen Literatur wurde[30], z.B. in Goethes Ballade Die Braut von Korinth (1797). Unter dem prägenden Einfluss der deutschen Romantik entwickelte sich in England das Genre der „Gothic Novels“, das zu einer der populärsten Literaturströmungen avancierte[31] und in denen der Vampir seinen festen Platz hatte. Innerhalb dieser Strömung wurde 1816 William Polidoris Novelle The Vampyre veröffentlicht, die man anfangs fälschlich Lord Byron zuschrieb, der Polidori mit einer mündlichen Erzählung die Inspiration für die Geschichte geliefert hatte. The Vampyre gilt als der erste reine Vampirroman und markiert die Geburtsstunde der modernen Vampirerzählung.[32] Mit der vampirischen Hauptfigur des Lord Ruthven entwickelte Polidori den Grundtypus des Vampirs. Er entfernte ihn von den realen Figuren des 18. Jh. und schuf eine literarische Gestalt, die sowohl Aristokrat als auch grausamer Genießer und exotischer Verführer war. Der Grund seiner Verdammnis war dem Vampir unbekannt, so dass sein Schicksal zum unbegreiflichen Verhängnis, er selbst zur tragischen Figur wurde.[33] Die von ihrer literarischen Qualität her eher durchschnittliche Novelle[34] hatte europaweiten Erfolg und löste andauernde Begeisterung bezüglich der Vampirthematik in der Literatur aus. 1872 schuf Joseph Sheridan Le Fanu mit der Erzählung Carmilla den ersten weib-lichen Vampir. Carmilla war ebenso exotisch-verführerisch wie Lord Ruthven, jedoch dezent homosexuell angelegt. Sie löste innerhalb des Vampirgenres ein eigenes Subgenre aus, dessen Faszination andauert. Die Erzählung steht formal deutlich in der schauerromantischen Tradition, während sie sich erzähltechnisch als psychologischer Roman erweist.[35] Der für die Typisierung der Vampirfigur unbestreitbar einflussreichste Roman ist 1897 Bram (Abraham) Stokers Dracula, der sich in seiner äußerst freien Bearbeitung entfernt an der historischen Figur des Vlad Tepes (Vlad III, Woiwode der Walachei im 15. Jh.) ausrichtet. Kein anderer Roman schlüsselt so genau sowohl die Eigenschaften des Vampirs, seine Beweggründe und Bedürfnisse und die wirkungsvollsten Möglichkeiten zu seiner Bekämpfung auf. Darüber hinaus hat Stoker der vielschichtigen Figur des Vampirs, die vieles verkörpert – so etwa Sexualität, Machtgier, Schmarotzertum, Sucht, Verbrechertum, Dämonie und den Traum von ewigem Leben – eine adäquate Gestalt verliehen, die auf die nachfolgende Literatur geradezu vorbildlich wirkte.[36] Eingeführt wurde in diesem Roman auch Draculas Widersacher: Der Vampirjäger Van Helsing, mit Beiden etablierte sich der Kampf „Gut gegen Böse“ im Vampirgenre. Stokers Roman markiert das Ende des gotischen Romans, der Vampir lebte weiter in der Trivialliteratur.[37] Ein Feld auf dem das Motiv sich schon ab 1830 durch Varney the Vampire (wöchentlicher Fortsetzungsroman) einen festen Platz erobert hatte. Innerhalb der Trivialliteratur entwickelte sich das Vampirmotiv in den folgenden Jahren in mehrere Richtungen fort, während die renommierte Literatur sich weitgehend von dem Motiv distanzierte. Erst 1976 schien es mit Anne Rices fünfbändiger Chronik der Vampire eine neue Qualität zu erlangen. In deren ersten Band Interview mit einem Vampir ein junger Reporter ein Gespräch mit dem Vampir Louis führt, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt. In den Folgebänden wird die von Louis erzählte Geschichte durch die von Lestat (seinem Erschaffer und Gefährten) ergänzt. Eine Neuerung stellte die Erzählung aus Sicht des Vampirs dar[38], der sich in Gestalt von Louis auch noch als ein Opfer seines Daseins erkennt. Ein weiteres Grundthema des Romans ist der Wunsch des Menschen ewig zu Leben, dem der ewig lebende Vampir den Wunsch menschlich zu fühlen entgegensetzt.[39]

Mit Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu. Symphonie des Grauens erschien 1922 der erste abendfüllende Vampirfilm, so dass das Vampirmotiv seinen Weg in ein anderes Medium fand. Der Film basiert auf Stokers Dracula, hat jedoch verschiedene Veränderungen erfahren. Trotz der Nachlässigkeit, der Eile und dem geringen Budget mit dem der Film realisiert wurde, konnte durch den Einsatz von Licht und Schatten, raffinierte Kameraführung und Montage und die schauspielerische Leistung Max Schrecks als Vampirgraf Orlok, ein Meisterwerk des deutschen Stummfilms geschaffen werden.[40]

Tod Brownings Dracula aus dem Jahr 1931 bildet den ersten Tonfilm, der sich mit dem Vampirmotiv beschäftigt. Der kammerspielartig inszenierte Kinofilm orientierte sich inhaltlich nicht direkt an Stokers Romanvorlage, sondern an der Londoner Bühnenfassung aus dem Jahr 1927. Er übernahm außerdem dessen ungarischen Draculadarsteller Bela Ferenc Deszo Blasko – bekannt als Bela Lugosi. Dieser wurde durch seine Rolle in Brownings Film ebenso berühmt wie seine Darstellung den Grafen im Film maßgeblich prägte. Dracula ist entschieden entsexualisiert, es wird kein einziger Biss gezeigt. Der erste Tonfilm auf dem Gebiet des Vampirismus, orientiert sich in seiner Darstellung hauptsächlich am gesprochenen Wort, so dass die bildlichen Möglichkeiten des Mediums in den Hintergrund treten.[41]

Ab den 50er Jahren (dem ersten folgten bis in die 70er Jahre weitere sieben Filme) setzte sich Terence Fisher im Auftrag der Hammer-Studios mit der Vampirthematik auseinander. Es wurden eine Reihe von (Farb-)Filmen produziert, an deren Anfang 1958 Dracula nach der Bearbeitung von Tod Browning, dem entsprechend nach der Bühnenfassung von 1927, stand. Die Neuerung der Fisher-Verfilmung bestand nicht nur in der Verwendung von Eastmancolor (im Farbfilm konnte Blut endlich rot dargestellt werden und gewann an Wirkmacht), sondern auch ein verändertes Konzept der Dracula-Figur, das diese nun als hoch gewachsenen, attraktiven Mann in den Drei-ßigern ohne Akzent, schnell und in geschäftsmäßigem Ton sprechend sowie mit Autorität ausstrahlender, raumgreifender Bewegungsdynamik darstellte.[42] Wohingegen der 1967 von Roman Polanski 1967 umgesetzte Tanz der Vampire das Motiv parodierte und damit den Vampir auch zur komischen Figur machte. Polanski nahm in seinem Film die spätestens seit Stoker bestehenden Klischees des Vampirmotivs auf und thematisierte die literarischen und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge.[43]

Der Vampirfilm erlebte erst 1992 mit Bram Stoker’s Dracula von Francis Ford Coppola eine entscheidende Wiederbearbeitung der Vampirthematik, obgleich der Film seinem Titel nicht entspricht. Coppola hatte sich vorgenommen, die Vorlage Stokers detailgenau zu verfilmen, gleichwohl nahm er mehrere deutliche Änderungen vor, so dass bspw. Mina, Harkers Verlobte, bei Coppola zu einer Reinkarnation der verstorbenen Ehefrau des Vampirgrafen wird, einer Figur, die bei Stoker nicht existiert. Dieser Umstand führt zu einer vollständigen Änderung der Motivation des Grafen, der nun zum sehnsüchtigen Liebhaber nicht nur nur einer Frau, sondern noch der eigenen Ehefrau wird. Coppola stellte die Liebe des Grafen als dessen Handlungsmotivation in den Vordergrund. Darüber hinaus war für die Neuerung der Figur des Grafen Dracula entscheidend, dass Coppolas Graf sich auch bei Tag (in der Augustsonne) frei bewegen konnte.

Um die Jahrtausendwende verknüpfte der Mainstream-Vampirfilm die eigentliche Thematik vermehrt mit zusätzlichen Themen sowohl was die Figuren als auch was das Genre angeht. So ist David S. Goyers Blade (1998) nicht nur ein Beispiel für die postmoderne Hybridisierung der Figur (Halbvampir) sondern auch für die Fokussierung auf den Vampirjäger, die in den 90ern eintrat.[44] Diese wurde mit der Serie Buffy – The Vampire Slayer (Joss Whedon, 1997 – 2003) auch durch das Fernsehen aufgegriffen. Zusammen mit der Akzentuierung der Vampirjäger trat eine Serialisierung der Vampire auf. Diese erschienen nicht mehr einzeln oder in kleinen Gruppen, sondern als Massenerscheinung, oft kombiniert mit der Gestalt eines Anführers.[45] Weitere Vampir-Fernsehserien waren ab 1999 Angel (Joss Whedon, David Greenwalt, 1999 - 2004), True Blood (Alan Ball, 2008) und Vampire Diaries (Kevin Williamson, Julie Plec; 2009). Während bei der erstgenannten Serie der Fokus weiterhin auf dem Vampirjäger lag, fand bei den letztgenannten Serien eine Verschiebung statt. In den Vordergrund rückte die Beziehung zwischen Vampir und Mensch, die hindernissreich ist. Im Zuge dieser Entwicklung wurde der Vampir stark personalisiert. Er war immer noch Teil einer Massenerscheinung, innerhalb dieser aber ein Individuum.

2. Das Bestsellerpotential

a.) Die Zeitreise

Das Motiv der Zeitreise entwickelte sich aus Sagen und Legenden und ist seit dem beständig präsent in Literatur, Film und Fernsehen.[46] Dies liegt darin begründet, dass das Motiv in so weit flexibel ist, als dass es sich an verschiedene Arten von Geschichten anpassen lässt und somit in jeder Zeit eine mögliche Verwendung findet. Die Zeitreise kann als Mittel der Satire und Utopie, als Vehikel der Thematisierung von „Geschichte“ in historischen und parahistorischen Texten, als Mittel zur Konstituierung von Zeitschleifen und Zeitfallen, zur Komplexitätsmehrung des Handlungsmusters von Kriminal- und Detektivgeschichten, zur Potenzierung anderer Motive (Doppelgängerei und Metempsychose) oder als Mittel und Ausdruck geistig-seelischer Erfahrung zum Einsatz kommen, oder es kann es eine burleske Verwendung des Motivs vorgelegt werden.[47] Zumeist flieht der Protagonist aus unterschiedlichen Gründen mittels der Zeitreise in eine andere Zeit - etwa, weil er persönliche Schwierigkeiten hat oder krank ist. Wells The Time Machine ist der einzige Text, in dem eine Zeitreise aus rein wissenschaftlichen Gründen unternommen wird. Grundsätzlich ist die Zeitreise nur ein Transportmittel wie jedes andere auch. Sie ist also oft nur der Auslöser für verschiedene Handlungsstrukturen oder fungiert als Träger unterschiedlicher Themen. Dies erklärt auch die Menge der Gestaltungsmöglichkeiten, denn die Zeitreise allein füllt keine Geschichte.[48] Das Motiv muss notwendigerweise um andere Inhalte ergänzt werden. Lehnert-Rodiek erläutert treffend, dass es zu allgemein und abstrakt wäre, um sich exklusiv mit einem bestimmten Motivkomplex verbinden zu lassen, grundsätzlich könne jeder aus jedem beliebigen Grund in jede gewünschte Zeit reisen.[49] Das Motiv der Zeitreise ist flexibel genug, um sich in einen beliebigen zeitgemäßen Kontext einpassen zu lassen, so dass es ein Teil die so gestaltete Geschichte werden und aktuell bleiben kann.

Das Motiv hat seinen Ursprung nach Lehnert-Rodiek „in der existentiellen mensch-lichen Auseinandersetzung mit der unbeeinflussbar fließenden, unumkehrbaren und unerklärbaren Zeit und so letztlich auch mit dem Tod.“[50] Und auch Blask/Windhorst sind der Meinung, dass die Idee der Zeitreisen ähnlich der Suche nach dem Paradies oder außergewöhnlichen Erfahrungen, die das Dasein transzendieren und sogar religiösen Motiven letztlich der Sehnsucht entspringt, die Zeitlichkeit des Daseins zu überwinden.[51] Die Zeit ist ein Phänomen von besonderem Interesse, weil es uns nicht möglich ist, sie zu verlassen. Der Mensch kann sich von einem Ort entfernen, an dem er sich nicht mehr wohl fühlt, aber er muss in seiner Zeit bleiben, auch wenn ihm diese nicht gefällt. Er kann sie außerdem nicht umkehren und sich eine zweite Chance für falsch getroffene Entscheidungen oder verpasste Chancen ermöglichen. Was geschehen ist, ist unveränderlich. Als letzte Instanz der Zeitlichkeit droht den Menschen der Tod und auch dieser ist nicht zu überwinden, es sei denn mit einer Zeitreise. Davon zeugen die Geschichten, in denen der „lange Schlaf“ wirksam wird oder, heutzutage, die Verfahren der Kryogenik zum Einsatz kommen. Außerdem schafft die Zeit zwischen den Menschen eine „kollektive Zwangsgemeinschaft“[52], die es dem Einzelnen nicht erlaubt, anderen als den gleichzeitig mit ihm lebenden Menschen zu begegnen und auch diesen nur, solange sie leben. Eine Flucht aus der Zeit könnte es ermöglichen, dem Verlust geliebter Personen aus dem Weg zu gehen (Überwindung des Todes) und darüber hinaus sich selbst oder (theoretisch) Persönlichkeiten von histo-rischem Interesse zu begegnen.

In Verbindung mit der Zeitreise taucht zwangsläufig die Auseinandersetzung mit der Veränderbarkeit der Zeit auf. Sind Eingriffe in die Zeit möglich, werden diese allerdings fast nie gutgeheißen und führen entweder zu schlimmeren Ergebnissen oder zum selben Ergebnis, da der Eingriff in die Zeit bereits vor seiner Verwirklichung ein Teil der logischen Zeitstruktur gewesen sein soll. Dem entsprechend ist eine der Kernaussagen der Zeitreiseliteratur, dass es sinnvoll ist, dass die Zeit nicht kontrolliert werden kann. Tatsächlich drängt Zeitreiseliteratur oftmals auf eine sinnvolle Ordnung der Dinge, die nicht gestört werden sollte.[53] Natürlich existieren auch andere Beispiele, in denen Eingriffe in die Zeit von negativen Folgen verschont bleiben (z.B. The Lake House, Alejandro Agresti, 2006), derartige Geschichten sind allerdings die Ausnahme.

b.) Der Vampirismus

Die mediale Figur des Vampirs zeichnet sich seit ihrer Erschaffung durch kontinuierliche Präsenz aus. Erdacht in Zeiten der Aufklärung und rudimentär aus Volksmythen und Aberglauben entwickelt, scheint sie ihre Aktualität durchgehend bewahren zu können und somit durch die Jahrhunderte eine ansprechende Thematik zu sein. Auffallend ist diesbezüglich, eine Vielgestaltigkeit des Motivs, wobei die einzelnen Ausprägungen trotzdem unter dem Begriff des Vampirs subsumiert werden können. Michael Will fasst zur Gestaltung des Vampirmotivs um die Jahrtausendwende zusammen: „Die Vampire sind überall und decken die unterschiedlichsten Interessen und Identifikationsbedürfnisse ab, vom Kinderfilm bis zum Queer-Vampir-Porno.“[54] Tatsächlich hat der Vampir sich in seiner Existenz auf verschiedene Sparten ausgebreitet und sowohl Forschung als auch Journalisten werden nicht müde, das Motiv in seiner Aktualität zu bestätigen und diese auf die Vielgestaltigkeit seiner Darstellung zu stützen.[55] Trotzdem hat sich das Motiv in seinem Kern erhalten, so dass es identifizierbar bleibt. Dies hängt zum Einen mit der Beschränkung des Motivs auf lediglich zwei zur Charakterisierung und Identifizierung primär maßgebliche Eigenschaften zusammen: Den Blutdurst und das ewige Leben als Untoter.[56] Zum Anderen schuf Bram Stoker mit seinem „Dracula“ den Urvater aller nachfolgenden Vampirgestalten, in dem er ihn mit einem fast vollständigen Eigenschaftenkatalog ausstattete. Durch den aus zwei elementaren Eigenschaften aufgebauten narrativen Kern konnte Stokers Vorbild relativ beliebig kopiert, wiederholt, verkehrt und zitiert und trotzdem eine Wiedererkennung des Motivs gewährleistet werden. Das heißt, dass die Stereotypisierung des Vampirmotivs durch Stoker eine Vorlage für Vampirfiguren lieferte, aus deren Eigenschaften eine Figur zusammengestellt werden kann, die sich letztlich nur auf die zwei elementaren Charaktereigenschaften reduzieren lassen können muss, um identifiziert zu werden. Die Vampirliteratur (der Vampirfilm) wiederholt zumindest in Ansätzen die Strukturen und Requisiten der Vampirliteratur seit Bram Stoker[57], oder wie Uli Jung es ausdrückt, ist Stokers Roman für die Filmindustrie mehr ein „Steinbruch“ als eine Vorlage.[58] Der Rückgriff auf den von Stoker geschaffenen Eigenschaftenkatalog kann, auch in Form einer Verkehrung oder als Requisite zur Charakterisierung der Figur, eine Identifizierung, auch bei sonstiger Alterität, erleichtern, und es kann die Beschränkung auf lediglich zwei elementare Eigenschaften eine kontinuierliche Identität des Motivs, bei größtmöglicher Variationsbreite, herstellen. Das Vampirmotiv ist geprägt durch die Eigenschaft, die Hans Blumenberg als das Charakteristikum des Mythos beschrieben hat: die Beständigkeit des narrativen Kerns bei ebenso ausgeprägter Variationsfähigkeit.[59] Das Vampirmotiv besteht also aus zwei verschiedenen Komponenten: Einem festgelegten Kern, der die Identifizierung ermöglicht und einem Bündel an Variablen, dass die Anpassung an den jeweiligen Zeitgeschmack zulässt.

[...]


[1] S. Meyer: „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“, S. 206.

[2] E. Fischer: „Bestseller in Geschichte und Gegenwart“, S. 768.

[3] http://www.bella-und-edward.de/web/faq (Carlsen-Verlag) Stand ca. Jan. 2009.

[4] Pressemappe S. Meyer auf: http://www.carlsen.de/uploads/Presse/Pressemappe_Stephenie_Meyer.pdf.

[5] http://www.buchreport.de/bestseller/jahresbestseller.htm, 05.07.2010.

[6] Titelnachweis über: http://www.buchreport.de/bestseller/suche_im_bestsellerarchiv.htm, 05.07.2010.

[7] B. Helbing: „Twilight. Vom Vampirmythos zur Popkultur.“, S. 1.

[8] Nachweis über: http://www.buchreport.de/bestseller/suche_im_bestsellerarchiv.htm, 05.07.2010.

[9] Fischer Taschenbuch “Die Frau des Zeitreisenden”, 17. Aufl., 2009, Text Umschlaginnenseite.

[10] “The Timetraveller’s Wife“, IMDb, “boxoffice” unter: http://www.imdb.com/title/tt0452694/business.

[11] E. Fischer: „Bestseller in Geschichte und Gegenwart“, S. 773.

[12] B. Helbing: „Twilight. Vom Vampirmythos zur Popkultur.“, S. 6.

[13] Virales Marketing: Informationen über ein Produkt werden innerhalb kürzester Zeit gleich einem biologischen Virus von den KonsumentInnen selbst verbreitet; der Werbeeffekt geschieht somit von selbst. Virales Marketing geschieht heutzutage vor allem via Internet (nach B. Helbing).

[14] B. Helbing: „Twilight. Vom Vampirmythos zur Popkultur.“, S. 6.

[15] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 22.

[16] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 24.

[17] ebenda.

[18] H.-J. Alpers/ W. Fuchs/ R. M. Hahn/ W. Jeschke: „Lexikon der Science Fiction Literatur“, S. 135.

[19] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 25.

[20] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 20.

[21] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 48.

[22] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 22.

[23] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 98f.

[24] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 26.

[25] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 28.

[26] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 17.

[27] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 37.

[28] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 14.

[29] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 61.

[30] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 62.

[31] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 66.

[32] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 68.

[33] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 65.

[34] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 63.

[35] A. Tesarik in: „Draculas Tante“, S. 102f.

[36] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 75f.

[37] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 85.

[38] D. Klewer: „Die Kinder der Nacht“, S. 323.

[39] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 91.

[40] N. Borrmann: „Vampirismus“, S. 268f.

[41] Vgl. E. Bronfens Aufsatz „Das Kino als Vampir“ in: „Der Vampirfilm“, S. 55 – 72.

[42] U. Jung: „Der Vampir gegen das Bürgertum“, S. 91.

[43] P. Cersowsky in: „Polanskis Tanz der Vampire “, S. 106.

[44] M. Will: Das Zeitalter der Vampire“, S. 164.

[45] M. Will: Das Zeitalter der Vampire“, S. 165.

[46] Diverse Beispiele für die Verwendung von Zeitreisen in den Medien in: F. Blask/ A. Windhorst: „Zeitreisen. Die Erfüllung eines Menschheitstraums“.

[47] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 116ff.

[48] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 199.

[49] ebenda.

[50] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 204.

[51] F. Blask/A. Windhorst: „Zeitreisen. Die Erfüllung eines Menschheitstraums“, S. 12.

[52] F. Blask/A. Windhorst: „Zeitreisen. Die Erfüllung eines Menschheitstraums“, S. 29.

[53] G. Lehnert-Rodiek: „Zeitreisen“, S. 203.

[54] M. Will: „Das Zeitalter der Vampire“, S. 159.

[55] M. Delius: „Vampire“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2008; U. Jung: „Dracula”, S. 11.

[56] M. Will: Das Zeitalter der Vampire“, S. 158.

[57] M. Delius: „Vampire“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2008.

[58] U. Jung: „Dracula“, S. 11.

[59] H. Blumenberg: „Arbeit am Mythos“, S. 40.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Globalisierte Bestseller. Eine exemplarische Untersuchung von "Die Frau des Zeitreisenden" und "Twilight"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
87
Katalognummer
V169537
ISBN (eBook)
9783640880072
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Twilight, Die Frau des Zeitreisenden, Vampir, Zeitreise, Liebe, Vermarktung, Bestsellerpotential, Zeitgeschmack, Weltkultur, Jugend, Verfilmung
Arbeit zitieren
Katja Schnur (Autor:in), 2010, Globalisierte Bestseller. Eine exemplarische Untersuchung von "Die Frau des Zeitreisenden" und "Twilight", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169537

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