Das Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der intensiven und individualpädagogischen Jugendhilfe ist selten das eigentliche Problem. Es ist Ausdruck von Erfahrungen, die oft nur bruchstückhaft bekannt sind – von Grenzverletzungen, Verlust, Angst und fehlender Sicherheit. Wer Verhalten allein verändern will, bleibt an der Oberfläche.
Dieses Buch lädt dazu ein, hinter das Sichtbare zu schauen. Es versteht auffälliges Verhalten nicht als Fehlleistung des Kindes, sondern als Symptom tiefer liegender Verletzungen, die ihren Ursprung häufig in Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch oder dem Entzug zentraler Schutzfaktoren haben. Dort, wo Urvertrauen beschädigt wurde, greifen klassische Erziehungsstile zu kurz.
Im Mittelpunkt steht eine pädagogische Haltung, die nicht korrigiert, sondern begleitet. Die Beziehung zum Kind, das Verstehen seiner Geschichte und die gemeinsame Arbeit an den Ursachen rücken an die Stelle von Kontrolle und Verhaltensmodifikation. Kinder tragen keine Schuld an dem, was sie schützt oder überfordert – verantwortlich ist die Erfahrung, die ihnen Sicherheit genommen hat.
Aus entwicklungspsychologischer Perspektive beleuchtet der Autor zentrale Fragen der Resilienz: Warum entwickeln manche Kinder trotz extremer Belastungen innere Stärke, während andere daran zerbrechen? Welche Bedeutung haben Bindung, Urvertrauen und ein schützender Lebensraum für Heilung und Entwicklung? Und wie wirken sich extreme Erfahrungen von Angst, Ohnmacht und Ausgeliefertsein langfristig auf die kindliche Psyche aus?
Dieses Buch richtet sich an Fachkräfte der Jugendhilfe, Pädagog:innen und alle, die mit belasteten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Es verbindet fachliche Reflexion mit einer klaren Haltung: Kinder brauchen keine weiteren Maßstäbe – sie brauchen Menschen, die bleiben, verstehen und Schutz ermöglichen.
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- Jörg Weber (Autor), 2026, Vom verletzten Vertrauen zur inneren Stabilität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1695463