Der Text beschäftigt sich mit der Rolle der deutsch-türkischen Mitbürger in den Medien und beleuchtet die Geschichte und den Einfluss türkischer Künstler in Deutschland. Begonnen wird mit der ersten Gastarbeiterwelle von 1961, als viele türkische Migranten nach Deutschland kamen, um vorübergehend zu arbeiten, aber oft dauerhaft blieben. Diese Migranten standen vor der Herausforderung, zwischen zwei Kulturen zu pendeln, was oft zu Konflikten, Isolation und Selbstfindung führte. Der Text hebt hervor, wie Humor und Satire als Mittel genutzt wurden, um gesellschaftliche Kritik zu üben und den Weg für die Integration in die deutsche Medienkultur zu ebnen. Heute gibt es mehr als 100 deutsch-türkische Künstler in verschiedenen Bereichen wie Schauspiel, Literatur und Film, die erfolgreich in der deutschen Gesellschaft aktiv sind und mit ihrer Kunst die kulturelle Vielfalt bereichern.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Satirisches Kabarett: Şinasi Dikmen
- 3. Schauspieler: Tayfun Bademsoy, Nursel Köşe und Renan Demirkan
- 4. Ethno-Comedy: Kaya Yanar
- 5. Regisseur: Fatih Akın
- 6. Schriftsteller: Feridun Zaimoğlu
- 7. Schauspielerin: Sibel Kekilli
- 8. Ethno-Comedy: Django Asül
- 9. Opernsänger: Erkan Aki
- 10. Schauspieler: Hilmi Sözer
- 11. Der Fundus des Türk-Raps: Hip Hop als Sprachrohr einer migrantischen Kultur
- 11.1 Musiker: Kool Savaş
- 11.2 Musiker: Eko Fresh
- 12. Türkisches Theater
- 13. Schlusswort
- 14. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Rolle deutsch-türkischer Mitbürger in den deutschen Medien, mit der primären Forschungsfrage, wie sich ihre Präsenz und Darstellung über die Zeit entwickelt hat und welche Herausforderungen und Erfolge sie dabei erleben. Der Fokus liegt auf der künstlerischen Ausdrucksform und der damit verbundenen Auseinandersetzung mit Identität und Integration.
- Darstellung deutsch-türkischer Künstler in Film, Fernsehen und auf der Bühne.
- Analyse satirischen Kabaretts und Ethno-Comedy als Mittel zur Kritik und Selbstironie.
- Entwicklung und Bedeutung des türkischsprachigen Hip-Hops als kulturelles Sprachrohr.
- Untersuchung von Literatur und Theater als Plattformen für migrantische Perspektiven.
- Beleuchtung von Klischees und Vorurteilen sowie deren Überwindung in der Medienlandschaft.
- Betrachtung von Gastarbeitergenerationen und ihren Nachkommen im Kontext der Medien.
Auszug aus dem Buch
11. Der Fundus des Türk-Raps: Hip Hop als Sprachrohr einer migrantischen Kultur
Als Hip-Hop Mitte der achtziger Jahre nach Europa rüberkam, waren es zum größten Teil Jugendliche mit migrantischem Hintergrund, die sich mit Hip-Hop beschäftigten und die sich in dieser Kultur frei entfalten konnten. Vor allem in Deutschland sahen viele ausländische Jugendliche die Chance, durch Stimme, Musik, Tanz, Kunst und durch ihre Texte auf sich aufmerksam zu machen: Waren sie gestern noch Menschen, die sowohl gegen die Regeln des Elternhauses verstießen, als auch durch das deutsche gesellschaftliche Raster fielen. So waren sie nun Teil einer Kultur, die nicht auf verhärteten Traditionen und religiösen Unterschieden basierte. Das einzige, was hier zählte, waren Kreativität und Fleiß.
Insbesondere türkische Jugendliche fanden im Hip-Hop ihre Erfüllung. In dieser Zeit waren sie es, die sich mit jugoslawischen, italienischen, afrikanischen und vielen anderen Jugendlichen dem Break-Dance, Graffiti, „DJ-ing“ und eben dem Rap widmeten. „Der Grund, weshalb wir uns für Hip-Hop als Sprachrohr entschieden haben, war der, dass es uns nichts gekostet hat“, sagen viele türkische Breaker, Rapper und Sprüher. „Wir saßen bis zu unserem 18. Lebensjahr auf gepackten Koffern, da konnten wir nicht sagen, dass wir eine Gitarre oder ein Klavier haben wollten, um Musik zu machen. Das Geld war für etwas anderes bestimmt: Für die Heimat.“ Hip-Hop war anders. Die Kids konnten einfach anfangen, Musik zu machen, ohne Instrumente zu kaufen, Noten lernen oder teure Kurse besuchen zu müssen. Ihre Vorbilder waren in Filmen wie „Beatstreet“ oder „Wildstyle“ zu bewundern. Einen besonderen Abschluss brauchte man nicht, jeder und jede konnte ein Teil dieser Kultur werden, egal mit welcher Bildung, Herkunft oder Religion.
Der türkischsprachige Rap hat innerhalb dieser paneuropäischen Entwicklung eine besondere Stellung erhalten. Keine andere Rapart hat einen derartigen Fundus wie der türkische Rap. Deutschsprachiger Rap kam aus Deutschland, der italienische Rap aus Italien, die Franzosen rappten als erstes auf französisch, aber auf türkisch wurde auf Grund der Migration nicht nur in der Türkei gerappt, sondern in ganz Europa. Vor allem Türken in Deutschland können als Vorreiter betrachtet werden. Der türkische Rap ist, wie viele andere Rapformen, stark mit der europäischen Migrationskultur verbunden und durch diese beeinflusst. Viele türkischsprachige Texte handeln vom Leben zwischen zwei Kulturen, von der fehlenden Akzeptanz in beiden Gesellschaften und den Problemen innerhalb der eigenen Tradition.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung zur Rolle deutsch-türkischer Mitbürger in den Medien ein und beleuchtet den historischen Kontext der türkischen Migration nach Deutschland.
2. Satirisches Kabarett: Şinasi Dikmen: Es wird Şinasi Dikmen als eine zentrale Figur des satirischen Kabaretts vorgestellt, der die Kleinkunstbühne „KÄS“ gründete und deutschsprachige Programme für türkisches Publikum anbot.
3. Schauspieler: Tayfun Bademsoy, Nursel Köşe und Renan Demirkan: Dieses Kapitel porträtiert bekannte türkischstämmige Schauspieler wie Tayfun Bademsoy, Nursel Köşe und Renan Demirkan, thematisiert ihre Herausforderungen mit Klischeerollen und ihren Einsatz für Emanzipation.
4. Ethno-Comedy: Kaya Yanar: Kaya Yanar wird als Pionier der Ethno-Comedy in Deutschland vorgestellt, der Tabuthemen durch Humor entschärft und Stereotypen aller Nationen persifliert.
5. Regisseur: Fatih Akın: Das Kapitel beschreibt Fatih Akın als preisgekrönten Filmemacher, der durch seine wechselnden Stile und seine Offenheit für kreative Weiterentwicklung große Anerkennung gefunden hat.
6. Schriftsteller: Feridun Zaimoğlu: Feridun Zaimoğlu wird als Schriftsteller vorgestellt, dessen Werke sich mit der Lebenswelt türkischer Männer in Deutschland, Liebe und Emanzipation auseinandersetzen und dessen Sprachstil als radikal authentisch beschrieben wird.
7. Schauspielerin: Sibel Kekilli: Es wird Sibel Kekilli porträtiert, ihre Karriere von frühen Pornofilmen bis zu preisgekrönten Schauspielrollen beleuchtet und ihre Konflikte mit der türkisch-deutschen Community thematisiert.
8. Ethno-Comedy: Django Asül: Dieses Kapitel zeichnet den Werdegang von Django Asül als Ethno-Comedian nach und hebt seine erfolgreichen Auftritte in verschiedenen Comedy-Shows hervor.
9. Opernsänger: Erkan Aki: Erkan Aki wird als türkischstämmiger Tenor präsentiert, dessen Karriere in Berlin begann, der sich für Integration einsetzt und mit seiner musikalischen Vielfalt internationale Anerkennung gefunden hat.
10. Schauspieler: Hilmi Sözer: Hilmi Sözer wird als vielseitiger Schauspieler vorgestellt, der sowohl in Komödien als auch in ernsten Theaterstücken auftritt und sich vom Kinder- und Jugendtheater bis zu internationalen Filmfestivals einen Namen gemacht hat.
11. Der Fundus des Türk-Raps: Hip Hop als Sprachrohr einer migrantischen Kultur: Dieses Kapitel analysiert, wie Hip-Hop für Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere für türkische Jugendliche, zu einer wichtigen Ausdrucksform für Kreativität, Selbstfindung und zur Artikulation von Problemen zwischen zwei Kulturen wurde.
12. Türkisches Theater: Das Kapitel beleuchtet die Entstehung und Bedeutung des türkischen Theaters in Deutschland als Plattform zur Thematisierung aktueller Probleme der deutsch-türkischen Generation und zur Förderung der Verständigung.
Schlüsselwörter
Deutsch-türkische Mitbürger, Medien, Künstler, Satirisches Kabarett, Ethno-Comedy, Hip-Hop, Türk-Rap, Schauspiel, Regie, Literatur, Integration, Migration, Klischees, Vorurteile, Kultur, Identität, Sprache, Musiker, Film, Theater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Rolle und der Entwicklung der Präsenz deutsch-türkischer Mitbürger in der deutschen Medienlandschaft, insbesondere in künstlerischen Berufen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die künstlerische Artikulation (Kabarett, Comedy, Schauspiel, Musik, Literatur), die Herausforderungen der Integration, die Auseinandersetzung mit Identität und Klischees sowie die Entwicklung der deutsch-türkischen Medienpräsenz über verschiedene Generationen hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Rolle deutsch-türkischer Mitbürger in den Medien zu beleuchten und die Forschungsfrage zu beantworten, welche Bedeutung ihre künstlerischen Beiträge für die Gesellschaft haben und wie sich ihr Status im Laufe der Zeit verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse von Lebensläufen und Karrieren bekannter Künstler und nutzt als Quellen hauptsächlich Zeitungen, Zeitschriften sowie Bücher, um ein Bild der Personen und ihrer Beiträge zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden einzelne deutsch-türkische Künstler aus verschiedenen Genres wie satirischem Kabarett, Schauspiel, Ethno-Comedy, Regie, Literatur, Oper und Hip-Hop porträtiert und ihre Beiträge zur deutschen Kulturlandschaft detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Deutsch-türkische Mitbürger, Medien, Künstler, Satirisches Kabarett, Ethno-Comedy, Hip-Hop, Türk-Rap, Schauspiel, Regie, Literatur, Integration, Migration, Klischees, Vorurteile, Kultur, Identität, Sprache, Musiker, Film, Theater.
Wie wurde Hip-Hop zu einem Sprachrohr für die migrantische Kultur in Deutschland?
Hip-Hop wurde ab den 1980er Jahren für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu einer Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken, auf sich aufmerksam zu machen und ihre Gefühle sowie Probleme zwischen den Kulturen zu artikulieren, oft als kostengünstige und zugängliche Kunstform.
Welche Herausforderungen begegneten türkischstämmige Schauspieler anfänglich bei der Rollenwahl in Deutschland?
Türkischstämmige Schauspieler wie Tayfun Bademsoy berichteten, dass sie anfangs überwiegend Neben- oder Klischeerollen wie Imbissverkäufer, Kriminelle oder eifersüchtige Ehemänner spielten und es schwierig war, ins Schauspielgeschäft reinzukommen.
Welche besondere Bedeutung hat der türkischsprachige Rap innerhalb der europäischen Migrationskultur?
Der türkischsprachige Rap nimmt eine besondere Stellung ein, da er aufgrund der Migration nicht nur in der Türkei, sondern in ganz Europa gerappt wird und stark mit der europäischen Migrationskultur verbunden ist, wobei Texte oft das Leben zwischen zwei Kulturen und fehlende Akzeptanz thematisieren.
Was ist das Hauptanliegen des "Türkischen Theaters" in Deutschland heute?
Das Türkische Theater in Deutschland fokussiert sich auf die aktuelle Situation der jetzigen deutsch-türkischen Generation, thematisiert Barrieren zwischen den Kulturen und bemüht sich um Verständigung, indem es Stücke türkischer Autoren mit deutschen Sprachelementen vermischt.
- Citation du texte
- Cem Köylüce (Auteur), 2005, Deutsch-türkische Künstler:innen vor und hinter der Kamera. Medienrepräsentation, Migration und kulturelle Ausdrucksformen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1695577