Der Essay setzt sich kritisch mit der Frage nach dem Sinn des Lebens auseinander und argumentiert, dass diese häufig missverständlich gestellt wird. Statt nach einem objektiven Zweck des menschlichen Daseins zu fragen, wird vorgeschlagen, den Fokus auf den subjektiven Wert des Lebens zu richten. Während die Natur- und Lebenswissenschaften Erklärungen über das „Wie“ des Lebens liefern können, bleibt die Sinnfrage als Frage nach dem „Wozu“ unbeantwortet. Philosophische Versuche, objektive Sinnkriterien oder allgemeingültige Zwecksetzungen des Lebens zu formulieren, werden daher kritisch betrachtet und als problematisch zurückgewiesen.
Ausgehend von der Annahme, dass Sinn keine objektive Eigenschaft ist, sondern eine Zuschreibung, wird Sinn als abhängig von individueller Wertsetzung verstanden. Menschliches Leben wird dabei ausdrücklich nicht als zweckorientiert oder nach Nützlichkeit bewertbar begriffen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird folglich umgedeutet zu der Frage, ob und in welchem Maße dem eigenen Leben Wert beigemessen wird, sodass es als lebenswert erscheint.
Im ersten Teil des Essays werden zentrale Positionen von Erich Fromm und Viktor Frankl vorgestellt, wobei insbesondere ihre jeweiligen Liebeskonzeptionen im Mittelpunkt stehen. Anhand dieser wird gezeigt, dass Sinn stets an subjektive Wertschätzung gebunden ist und Liebe als eine Form aktiver Wertzuschreibung verstanden werden kann.
Der zweite Teil widmet sich unterschiedlichen Formen der Liebe und zeigt, wie diese jeweils verschiedene Weisen darstellen, dem Leben Bedeutung und Wert zu verleihen. Abschließend wird die These vertreten, dass eine reife, reflektierte Liebe zum Leben selbst dazu führen kann, dass die Frage nach einem objektiven Sinn an Bedeutung verliert.
- Arbeit zitieren
- Cina Bousselmi (Autor:in), 2012, Gibt es einen "Sinn des Lebens"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1695675