„Der Privilegien-Ritter“

Die Privilegien (Patente) des unermüdlichen Technikpioniers und Visionärs Friedrich Ritter von Lössl (1817 - 1907)


Fachbuch, 2011
65 Seiten

Leseprobe

Einleitung

„Österreich besteht aus neun Bundesländern und dem Salzkammergut“.[1]

In der österreichischen Bundesverfassung hat diese Erkenntnis eines feinsinnigen Beobachters noch keinen Niederschlag gefunden, aber die Neugierde ist geweckt, was denn an dieser heute nicht mehr deutlich abgrenzbaren Landschaft so Besonderes wäre? Die Literatur, die darauf Antworten zu geben versucht ist umfangreich. Die Antworten hängen mit einem Phänomen zusammen, das seine Wirkung offensichtlich auch auf Friedrich von Lössl, nicht verfehlte. Geboren 1817 in Weiler im Allgäu, gestorben 1907 in Wien. Ungemein vielseitiger Techniker, erfolgreicher Eisenbahningenieur, Tüftler, Erfinder, Kaufmann und Organisator. Wegen seines Eintretens für die vom Bürgertum getragene liberale Bewegung von 1848 war er seinen vorgesetzten bayerischen Stellen verdächtig und damit seiner Karrierechancen verlustig geworden und wechselte deswegen 1856 nach Österreich, wo er zunächst bei der Elisabethbahn als Ingenieur 1. Klasse eine verantwortungs- volle Stelle bekam. Er wohnte in Salzburg, Linz und Wien und erkor im „Unruhestand“ das Salzkammergut zu seiner Wahlheimat und in diesem den damaligen Markt Aussee[2] zu seinem Alterssitz.

Christian Dirninger hat in seinem Buchbeitrag “Visionäre der Machbarkeit“ [3] beschrieben, wie diese Gegend zu einem „besonders gedeihlichen Nährboden für Visionen und deren Umsetzung“ geworden war. Der Umbruch von der alten Salzregion in die neue Tourismusregion und das Eindringen „industrieller Modernität“ in Verbindung mit einer phänomenalen Dichte von einheimischen Tüftlern und Erfindern und zugereisten Eliten, die von der faszinierenden Landschaft nicht nur angezogen, sondern offensichtlich von dieser auch zu geistigen Höhenflügen inspiriert wurden. Einer dieser zugereisten Visionäre war Lössl, von dem nachstehend ein kurzer Überblick über seine Biographie erfolgt, bevor ein Teilergebnis seines langen Berufslebens von rund 60 Jahren, nämlich seine Privilegien (Patente) und auch seine sonstigen erfinderischen Aktivitäten vorgestellt werden.

Übersicht über seine Herkunft und Biographie

Leidenschaftlicher Eisenbahningenieur und Flugtechnikpionier, Vermessungs- techniker, Kartograph, Erfinder, Schöpfer schöner Landschafts- und Gebäude- skizzen, Förderer von Kunst und Kultur; Inbegriff des rastlos tätigen, nur seinen Einfällen lebenden Technikers. So kann man in Kürze den Mann charakterisieren, dessen Leben und Lebenswerk vorgestellt werden soll. Geboren wurde er am 14. Jänner 1817 in Weiler im Allgäu.[4] Seine Familie stammte aus Rötz (nördlich von Cham am Pfälzerwald gelegen). Der erste namentlich bekannte Vorfahre und Ur-Ur- Großvater von Friedrich v. Lössl war Hans Georg Lösel, Schuhmacher in Rötz, geb. um ca. 1660, verheiratet mit Anna Margarethe Lösl. Deren Sohn Georg Balthasar Lösel, geb. am 5. Februar 1690 in Rötz, hatte mit seiner zweiten Frau Anna Maria, geb Greiner, die beiden Söhne Johann Andreas und Johann Baptist.

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Bild 1: Die Lage von Rötz in der Oberpfalz

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Quellen: Aufzeichnungen von Ing. Hermann Pessl, Graz, sowie Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 19. Jahrgang, Brünn 1894. (Ritter und Edle von Loeßl: S. 313 - 317.) und Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser Band XXI. Limburg an der Lahn 1995 (Loeßl: S. 293 - 300).

Von Rötz kamen die beiden Brüder nach München. Johann Andreas (1733 - 1788) wurde kurfürstlich pfalzbayerischer Hofkammerrat, sowie Obersiegel- amtsverwalter, Hofgarten - und Beleuchtungskommissarius; Johann Baptist (1746-1824) brachte es zum kurfürstlichen pfalzbayerischen Landrichter, Kastner[5] und Lehensprobst - Amtsverweser[6] der Landgrafschaft Haag (nördlich von Wasserburg am Inn). Beide Brüder wurden von Kurfürst Karl Theodor von Bayern in seiner Funktion als Reichsvikar am 17. September 1790 mit dem Prädikat „Edle“ in den rittermäßigen Reichsritter - und alten Landesadelstand erhoben. Johann Baptist hatte einen Sohn Josef Valentin Johann Baptist, Landgerichtsassessor in Weiler, welcher der Vater von Friedrich Lössl wurde, aber schon 1820 verstarb, als Friedrich erst drei Jahre alt war. Die Vormundschaft übernahm der Bruder seiner Mutter, Dr. Johann Perner. Friedrich ging nach der Volksschule zuerst auf das „Holland-Gymnasium“ und wechselte dann zum „Alten Gymnasium“, dem heutigen „Wilhelmsgymnasium“ in München, wo er 1836 das Absolutorium mit der Gesamtnote „hinlänglich befähigt“ erlangte. Auch schon sein Vater Valentin hatte diese Schule besucht und dort im Jahre 1798 die Abschlußprüfung abgelegt.[7] Er machte in der Gymnasiumszeit mit Kameraden schon ausgedehnte Fußreisen, z.B. von München in den bayerischen Wald und in die Schweiz bis zum St. Gotthard - Pass. Eine weitere Reise erfolgte mit dem Floß von München nach Wien und zu Fuß wieder zurück. Sein technisches Interesse fand in den Reiseberichten einen ausführlichen Niederschlag, indem er von Bergwerken, Wasserwerken und anderen technischen Einrichtungen erzählte. Von 1836 - 1841 studierte er an der Universität München und an der Münchner Polytechnischen Schule und besuchte auch Lehrveranstaltungen über Zeichnen an der Kunstakademie. Nach dem Studium wandte sich Lössl dem gerade im Aufschwung befindlichen Eisenbahnbau zu.

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Bild 2: Studienausweise der Universität München für Friedrich v. Lössl, Studienjahre 1836/37 und 1837/38; „Canditat der Philosophie“,oben und der „Canditat der Cameralistik“ [spätere Staatswissenschaft, d. Verf.] bestätigt vom „Universitäts Rector“, vom „Directorium der Universitäts Polizey“ und dem „Königlichen Ministerial Kommissaire“.[8]

Lössl trat 1839 als Ingenieurassistent des Streckeningenieurs beim Bahnbau München - Augsburg im Baubüro Lochhausen (heute Stadtteil von München am westlichen Stadtrand) ein. Seine Aufgaben waren vorerst Vermessungs- und dazugehörige Zeichenarbeiten, später auch die Beaufsichtigung der Bauarbeiten.

Bis zu seinem 46. Lebensjahr im Jahre 1863 war Lößl hauptsächlich nur mit Eisenbahnbau beschäftigt. Interesse erweckte dabei sein Experiment, die Windkraft auszunutzen, indem er einige der durch Pferde gezogenen Rollwägen mit Segeln ausstattete, um die Pferde zu unterstützen, was bei guten Windverhältnissen tatsächlich zu Einsparungen beim Transport von Erdmaterial führte. Nach Fertigstellung der Bahnlinie München - Augsburg im Jahre 1840 legte Lößl das Examen für die Professur in Mathematik an der Polytechnischen Schule in München ab. Es folgte dann eine viermonatige Studienreise nach Belgien und England, die er noch meist in Postkutschen zurücklegte. Er besichtigte verschiedene Maschinenfabriken und informierte sich in London vor allem über die Gasbeleuchtung.[9]

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Bild 3: Luise Maria Lössl, geb. Probst (1826-1897) (Bildquelle: Privatarchiv Freia Reinisch).

Auseinandersetzungen mit seiner vorgesetzten Dienststelle wegen seiner liberalen Einstellung und seinem Eintreten für die großdeutsche Idee. Anschließend war Lössl bei der Lokomotivfabrik Maffei in München beschäftigt, die bei der Gründung der Bahngesellschaft München - Salzburg beteiligt war. Lössl arbeitete an der Projektierung der Bahnlinie weiter bis dann 1850 die Bauarbeiten aufgenommen werden konnten.

1852: Feierliche Grundsteinlegung der Isarbrücke, Bau der Traunbrücke bei Traunstein und des schwierig herzustellenden Bahnkörpers in den Chiemsee- Mooren. In dieser Zeit erregten seine Schichtrelief-Darstellungen großes Aufsehen; auch die von ihm neben der trigonometrischen Höhenmessung verwendete barometrische fand großen Anklang in der Fachwelt. Diese Art der Höhenbestimmung war gerade in schwer zugänglichem Gelände von großem Vorteil. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten erfolgte eine Unterbrechung aller Staatsbahnbauten. Lössl wurde zum Inspektionsingenieur für den Zivilhochbau mit dem Amtssitz in Bamberg berufen. U. a. war er für Bauarbeiten an der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen,[10] an der Bamberger Residenz sowie für die Umwandlung des säkularisierten Klosters Ebrach in ein Staatsgefängnis zuständig. Weiters übernahm er für ein Münchner Bankhaus die Trassierung der Bahnstrecke Starnberger See - Penzberg. Außerdem leitete er den Aufbau einer Bindfadenfabrik für seine Schwäger Adolf und Julius Probst in Immenstadt. Nach drei Jahren, im Jahre 1856, sollte Lössl aufgrund seiner hervorragenden Leistungen beim Eisenbahnbau eine leitende Stellung bei der Bayerischen Ostbahngesellschaft bekommen, was jedoch aus den schon erwähnten politischen Gründen scheiterte.

Er bewarb sich daher mit Erfolg in Österreich, indem er als Ingenieur erster Klasse bei der Kaiserin-Elisabeth-Bahn angestellt wurde. Sein Wohnsitz war zunächst Salzburg, seine erste Arbeit die Trassierung der Bahnverbindung Salzburg - Freilassing. Anschließend folgten der Bahnbau Linz - Salzburg und die Trassierung der Strecke Linz - Passau. Ende 1856 wurde Lößl zum Chef der Betriebs- und Bahnerhaltung der Elisabeth-Bahn mit Amtssitz in Linz an der Donau ernannt.

Auf der Londoner Weltausstellung 1862, für die Lössl ein Schichtlinienmodell angefertigt hatte, wurden seine kartographischen Arbeiten mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Lössl beschäftigte sich während seiner Linzer Zeit außerhalb seiner Berufsarbeit mit verschiedenen technischen Experimenten. Er entwickelte ein Schiff, dass durch den Antrieb von zwei Wasserrädern und einem Stachelrad flussaufwärts fahren konnte. Neben kartographischen Arbeiten befasste er sich auch mit Barometern zur Höhenmessung (Aneroidbarometer). Hauptberuflich führte er Terrainstudien für die Bahnlinie Linz - Ried - Braunau durch.

1865 wurde er Direktor der „Riederbahn“, wofür er von der Elisabeth-Westbahn auf längere Zeit beurlaubt wurde.

Im Jahr 1866 hemmte der Krieg zwischen Preußen und Österreich (zusammen mit dem verbündeten Sachsen) alle Bahnbauprojekte und damit auch den Beginn des Baues der „Riederbahn“. Lössl kehrte daher wieder zur „Kaiserin- Elisabeth-Westbahn“ nach Linz zurück und wurde gleich darauf zum Vorstand des Betriebsdienstes dieses Unternehmens mit dem Dienstort Wien ernannt; anschließend wurde er in die Direktion dieses Bahnunternehmens berufen.

Nach dem Kriegsende fuhr Lössl im Jahre 1867 während eines Urlaubs zur Weltausstellung nach Paris und besuchte anschließend den gerade im Bau befindlichen Mont Cenis-Tunnel, wo ihn insbesondere die Kraftanlagen und Lüftungseinrichtungen interessierten. Als der Pferdebetrieb auf der Bahnlinie Linz - Budweis im Jahre 1855 auf Lokomotivbetrieb umgestellt werden sollte, erhielt Lössl den Auftrag zur Neutrassierung der Strecke. Diese war notwendig geworden, weil die Steigungen, die für Pferde zu bewältigen waren, für den auf Reibung (Friktion) der Räder auf den Schienen beruhenden Antrieb mit Lokomotiven zu groß waren.[11]

Im August 1868 gab er seine Stelle bei der „Elisabethbahn“ auf und wandte sich anderen Projekten zu: Für die Ungarische Allgemeine Kreditanstalt trassierte er die Bahnstrecke Fünfkirchen - Mohacs - Esseg - Sissek und dann für neu konzessionierte Gesellschaften die Linien Przemysl - Sambor - Stanislau - Drohobycs und Borislaw, sowie von Dolina über die Karpathen nach Ruszt. Anschließend folgten noch die Trassierung der Bahn Laibach - Karlstadt und die von einigen kleineren Strecken.

Nun kam es nach der kriegsbedingten Verzögerung endlich zur Verwirklichung der „Riederbahn“, für welche Lössl die Leitung übertragen wurde. Dieser Bau wurde im Jahre 1870 vollendet und ging in das Eigentum der „Elisabethbahn“ über. Unmittelbar danach begannen die Vorarbeiten für die Salzkammergut- bahn Schärding - Ried - Attnang/Puchheim - Ischl - Aussee - Selzthal. Im März 1871 schied Lössl aus den Diensten der Westbahn und wurde Chefingenieur der Bauabteilung der Franco-Österreichischen Bank. In dieser Funktion hatte er wieder faszinierende Arbeiten des Bahnbaues zu bewältigen: Die Linien Karlstadt - Ogulin, Dirazzo - Pola sowie einige Anschlusslinien bei Triest; weiters die Planung eines Schifffahrtskanals zur Verbindung der Donau mit der Save; die Projektierung einer Stadtbahn für Wien mit Normalspur (1435 mm), die jedoch nicht ausgeführt wurde.

1873 betätigte er sich wieder mit kartographischen Arbeiten, verbunden mit isopedischen Geländedarstellungen, für die er auch bei der im selben Jahr stattfindenden Wiener Weltausstellung eine Goldmedaille erhielt. 1874 folgten Studienreisen zum Gotthardtunnel, in den Allgäu zur Besichtigung von Wildbachverbauungen und einer Wasserturbinenanlage. 1875 wurde Lössl mit der Fertigstellung der Bahnbauten der Gisela-Bahn Salzburg - Bischofshofen - Zell am See - Kitzbühel - Wörgl beauftragt, die im Juli 1876 beendet wurde. Ende 1876 übernahm Lössl die Fertigstellung der Erzherzog - Albrechtbahn in Galizien, welche nach Erdrutschungen umfangreiche Stützarbeiten erforderte. Anschließend war Lössl in den Vorstand der „Steirischen Baugesellschaft“ eingetreten und kaufte später ein Sanatorium in Aussee, das er zu einem Hotel ausbaute (Badehotel Elisabeth zwischen Aussee und Altaussee). Er zeigte großes Interesse an der Entwicklung des Ortes und war deswegen auch in der dortigen Kurkommission tätig.

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Bild 4: Lössls Badehotel in Aussee: Quelle: Lunzer, Christian /Seemann, Helfried (Hrsg.): Ausseer Land, 1860-1950. Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee, Gößl, Toplitzsee, Bad Mitterndorf, Tauplitz. Album. Wien 2007, S. 26.

Im Bahnbau war etwas Ruhe eingekehrt. Lössl arbeitete jedoch mit rastloser Schaffenskraft an seinen Lieblingsprojekten weiter: Der Verbesserung von Schichtlinienkarten und vor allem am Projekt seiner atmosphärischen Uhren, die im nächsten Kapitel ausführlich behandelt werden sollen. Mit dem Jahre 1880 beendete Lössl seine Tätigkeit im Bahnbau. Die Mühlkreisbahn war seine letzte Trassierungsarbeit. 46 Jahre seines Berufslebens hatte er leidenschaftlich und erfolgreich auf diesem Gebiet gearbeitet.

Er wurde damit sehr wohlhabend und konnte neben der Versorgung seiner großen Familie ̛ er war Vater von 10 Kindern von denen sechs sehr jung, manche davon schon im frühen Kindesalter verstarben ̛ immer wieder auf eigene Kosten zahlreiche technische Experimente finanzieren. Nach diesem Überblick über Lössl, vor allem über seine erfolgreiche Tätigkeit als Eisenbahningenieur bis zum Jahre 1880, sei dem Leser nicht vorenthalten, was Juristen des Deutschen Reichsgerichtes damals unter einer Eisenbahn verstanden und in einen einzigen Satz verpackten:

„Eine Eisenbahn ist ein Unternehmen, gerichtet auf wiederholte Fort- bewegung von Personen oder Sachen über nicht ganz unbedeutende Raumstrecken auf metallener Grundlage, welche durch ihre Konsistenz, Konstruktion und Glätte den Transport großer Gewichtsmassen, beziehungsweise die Erzielung einer verhältnismäßig bedeutenden Schnelligkeit der Transportbewegung zu ermöglichen bestimmt ist und durch diese Eigenart in Verbindung mit den außerdem zur Erzeugung der Transportbewegung benutzten Naturkräften (Dampf, Elektrizität, tierischer oder menschlicher Muskeltätigkeit, bei geneigter Ebene der Bahn auch schon der eigenen Schwere der Transportgefäße und deren Ladung, u.s.w.) bei dem Betriebe des Unternehmens auf derselben eine verhältnismäßig gewaltige (je nach den Umständen nur in bezweckter Weise nützlich, oder auch Menschenleben vernichtende und die menschliche Gesundheit verletzende) Wirkung zu erzeugen fähig ist.“ [12]

Lössl lebte während der schönen Jahreszeit in Aussee und befasste sich mit seinen Uhren, den aerodynamischen Gesetzen des Fluges, mit Luftwider- standsmessungen, mit Lenkballonen, darunter auch mit dem Projekt des Personentransports mittels Ballon auf den Salzburger Gaisberg und mit einem Luftstoßtorpedo. Er hielt viele Vorträge in wissenschaftlichen Vereinen. 1887 starb ganz plötzlich seine Frau Luise, mit der er trotz starker beruflicher Anspannung ein glückliches Familienleben geführt hatte. Bald darauf erkrankte er selber an einer schweren Lungenentzündung, von der er sich nur langsam erholte und die ihn ein ganzes Jahr von jeglicher ernster Arbeit abhielt. Der Wiener Flugtechnische Verein hatte sich vom Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein abgespalten, sodass nun auch ehemalige Offiziere der k.u.k. Luftschifferabteilung in den zeitweise von Lössl als Obmann geführten Verein aufgenommen werden konnten.

1888 hatte sich Lössl eine Villa auf dem Neuperfeld in Aussee bauen lassen (Villa Gentiana, also „Enzian“). Sie wurde so ausgestattet, dass er dort seine aerodynamischen Experimente, wie z. B. Luftwiderstandsmessungen, machen konnte. Das Jahr 1894 verbrachte Lössl mit der Zusammenfassung aller seiner Erkenntnisse und Experimentalergebnisse und verfasste darüber das Buch: „Die Luftwiderstandsgesetze, der Fall durch die Luft und der Vogelflug, mathematisch-mechanische Klärung auf experimenteller Grundlage entwickelt. Wien 1996.“

Dieses Buch brachte ihm Lob der Fachkollegen, aber auch heftige Kritik ein. Von 1896 an wohnte Lössl mit Ausnahme der Wintermonate ständig in Aussee. Die Winterzeit verbrachte er in Wien, wo er Vorträge im Flugtechnischen Verein hielt und zahlreiche Veröffentlichungen verfasste, die nicht nur Zustimmung in der Fachwelt ernteten. Im Zuge seiner Experimente entdeckte er auch ein wichtiges aerodynamisches Phänomen, welches das Rätsel des schwebenden und gleitenden Vogelfluges erklären konnte und für den aviatischen Kunstflug von großer Bedeutung wurde. Ab 1898 begann man in vielen Ländern Flugapparate zu bauen, was im Wiener Flugtechnischen Verein mit Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Lössl hatte schon seit 1880 Kontakt mit Wilhelm Kress[13], der sich nun mit seinem Projekt des „Drachenfliegers“ befasste und das er anhand von Modellen, die er in einem Saal fliegen ließ, erklärte. Es erging von ihm die Einladung zur Bildung eines „Kress-Komitees“, wozu Lössl ein Gutachten über den Wert des Drachenfliegers erstellte.

In diesem Gutachten verwies Lössl darauf, dass der Motorisierung dieses Fliegers der Vorrang gebühre vor der „Lenkbarmachung des Gasballons“. Das Gutachten wurde von namhaften Wissenschaftlern unterzeichnet, darunter auch vom Maschinenbauer Prof. Johann Radinger, der später an der Technischen Hochschule Wien auch Lehrer des berühmten Turbinenerfinders Viktor Kaplan werden sollte.

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Bild 5: Villa Gentiana, Bad Aussee Bahnhofstraße 210, (Foto: Gschwandtner, 30. Jänner 2008).

[...]


[1] Alfred Komarek: Salzkammergut. Reise durch ein unbekanntes Land, 2.Aufl. Wien 1994, S.7.

[2] Erst 1911 wurde der Ort zu „Bad Aussee“.

[3] Dirninger, Christian, Visionäre der Machbarkeit. Das Salzkammergut im Zeitalter von Fortschritt und Modernisierung. In: Visionäre bewegen die Welt. Ein Lesebuch durch das Salzkammergut. Salzburg, München 2005, S. 162-171. (Christian Dirninger, geb. In Bad Aussee, ist Prof. für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der UNI Salzburg).

[4] Das Gebiet des Landgerichtes Weiler gehörte früher zu Vorarlberg. Im Frieden von Pressburg (1805) fiel u.a. auch Vorarlberg an Bayern. Erst 1814 (Pariser Geheimverträge) kam es mit Ausnahme des Landgerichtes Weiler (mit Hohenegg, Simmerberg, Grünenbach, Altenburg und Kellhöf) wieder an Österreich zurück. Siehe: Bilgeri, Benedikt: Geschichte Vorarlbergs, Bd. 4. Zwischen Absolutismus und halber Autonomie, Wien, Köln, Graz 1982, S. 240-243. Vergl.: Kuhn, Markus: Eine kurze Geschichte Vorarlbergs. Wien 2005, S. 76-77.

[5] Herrschaftlicher Beamter, dem die Verwaltung des Getreidespeichers (die Getreideversorgung) anvertraut war.

[6] Verwalter grundherrschaftlicher Güter.

[7] Peter Kefes: Liste über die mehr als 21.000 Absolventen dieses ältesten Gymnasiums Bayerns für den Zeitraum von 1562 -1914. URL: http://www.peterkefes.de/Blatt1.htm [14.09.2008].

[8] Quelle: Privatarchiv von Frau Freia Reinisch, Wien. Vergl. auch: E-Mail der UNI München, claudius.stein@verwaltung.uni-muenchen.de vom 06. Juli 2008.

[9] Erinnert an die „Grand Tour“ des Kavaliers, die Bildungsreise junger Männer ab dem 16. Jhdt, die Teil des aristokratischen Erziehungsprogrammes war, die bürgerliche Bildungsreise im auslaufenden 18. Jhdt. und an die Zeit der Reise der Gelehrten (Siehe: Sachslehner, Johannes: Auf Reisen im alten Österreich. 5. Aufl. München 2000, S. 9.).

[10] In Oberfranken gelegen; die prachtvolle und berühmte Kirche von Balthasar Neumann ist in der Zeit von 1743-1772 entstanden.

[11] Die Pferdeeisenbahn Linz - Budweis wurde in den Jahren 1825 -1932 gebaut. Die Eröffnung der Südstrecke Uhrfahr -Linz- Wels -Gmunden fand am 1. Nov. 1834 statt. Die Spurweite dieser Bahn betrug 1106 mm. Ursprünglich war geplant, die Bahn von Budweis nach Mauthausen zu führen, um von Zizlau (dieser Ort musste dem Bau der „Hermann GöringWerke“, der späteren Voest weichen) die Salztransporte für Böhmen, die aus dem Salzkammergut in Zizlau ankamen, flussabwärts führen zu können.

[12] Deutsches Reichsgericht: Urteil vom 17. März 1879. Fundstelle: RGZ 1, 247- 252, hier 247. Vergl.: Heindl, Gottfried/ Higatsberger, Michael: Dem Ingenieur ist nichts zu schwer oder Technik und Industrie in Anekdoten. Wien 1982, S. 34.

[13] Wilhelm Kress (1836 -1913) wurde in St. Petersburg geboren und war gelernter Klavierbauer. Er kam 1873 nach Wien, wo er 1877 mit seinen Drachenfliegerversuchen begann.

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
„Der Privilegien-Ritter“
Untertitel
Die Privilegien (Patente) des unermüdlichen Technikpioniers und Visionärs Friedrich Ritter von Lössl (1817 - 1907)
Autor
Jahr
2011
Seiten
65
Katalognummer
V169637
ISBN (eBook)
9783640880713
ISBN (Buch)
9783640880560
Dateigröße
57940 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
privilegien-ritter“, privilegien, technikpioniers, visionärs, friedrich, ritter, lössl
Arbeit zitieren
Martin Gschwandtner (Autor), 2011, „Der Privilegien-Ritter“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169637

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