Die Hausarbeit „Antifeministische Diskurse im Netz – Eine Toposanalyse der Argumentationsstrategien von Hannah Pearl Davis“ untersucht, wie antifeministische Ideologien im digitalen Raum sprachlich konstruiert und legitimiert werden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass antifeministische Gegenbewegungen insbesondere in sozialen Medien an Reichweite und Einfluss gewonnen haben. Am Beispiel der Influencerin Hannah Pearl Davis (pearlythingz) wird analysiert, welche argumentativen Muster zur Stabilisierung traditioneller Geschlechterhierarchien eingesetzt werden.
Theoretische Grundlage bildet die Kritische Diskursanalyse, die Diskurse als Orte der Reproduktion sozialer Ungleichheit versteht. Im methodischen Zentrum steht die Toposanalyse, ein diskurslinguistisches Instrument zur Rekonstruktion wiederkehrender Argumentationsmuster. Untersucht wurde ein Korpus von 40 X-Posts aus dem Zeitraum 2023 bis 2025, die sich thematisch mit Geschlechterrollen, Hierarchie, Familie und Gleichberechtigung befassen.
Die Analyse zeigt, dass insbesondere der Natur- bzw. Biologismus-Topos die argumentative Basis bildet. Geschlechterunterschiede werden als natürlich, unveränderlich und normativ gesetzt. Darauf aufbauend werden mithilfe des Konsequenz-Topos (z. B. Zerfall der Familie bei Abweichung von traditionellen Rollen) sowie des Nutzen-Topos (z. B. gesellschaftlicher Mehrwert männlicher Leistungen) antifeministische Positionen plausibilisiert. Durch Präsuppositionen, Dichotomien, Metaphern und Teil-Ganzes-Argumentationen entsteht eine sprachlich konstruierte Wirklichkeit, in der Geschlechterhierarchien als legitim und funktional erscheinen.
Die Arbeit verdeutlicht, wie antifeministische Narrative diskursiv reproduziert werden und welche Rolle scheinbar selbstverständliche argumentative Muster dabei spielen. Sie leistet damit einen Beitrag zur linguistischen Diskriminierungsforschung und zur Analyse digitaler Ideologiebildung im Kontext gegenwärtiger antifeministischer Bewegungen.
Inhaltsverzeichnis
- 0. Einleitung
- 1. Kritische Diskursanalyse: Diskriminierung, Ideologie und Diskurs
- 1.1 Die Funktion von Sprache für Ideologie
- 1.2 Toposanalyse als diskurslinguistisches Werkzeug
- 2. Sprachlich konstruierter Antifeminismus
- 2.1 Antifeminismus als (diskriminierende) Ideologie
- 2.2 Frauen gegen Feminismus
- 3. Korpus und Methode
- 4. Toposanalyse von Pearl Davis X-Posts
- 4.1 Natur-/ Biologismus-Topos
- 4.2 Konsequenz-Topos
- 4.3 Nutzen-Topos
- 5. Fazit
- 6. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Verwendung von Topoi in den X-Posts der Influencerin Hannah Pearl Davis zu analysieren. Dabei wird herausgearbeitet, welche sprachlichen Strategien und Argumentationsmuster sie nutzt, um antifeministische Narrative zu konstruieren und Geschlechterhierarchien zu legitimieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Topoi und sprachlichen Mittel nutzt Pearl Davis, um ihre Ideologie der Geschlechterhierarchie zu legitimieren?
- Kritische Diskursanalyse als Forschungsansatz
- Antifeminismus als diskriminierende Ideologie
- Die Rolle von Sprache bei der Konstruktion und Legitimierung von Ideologien
- Toposanalyse als diskurslinguistisches Werkzeug zur Untersuchung von Argumentationsstrategien
- Spezifische Topoi in Pearl Davis' Beiträgen (Natur-/Biologismus-, Konsequenz-, Nutzen-Topos)
- Die besondere Rolle von Frauen als antifeministische Akteurinnen
Auszug aus dem Buch
1.2 Toposanalyse als diskurslinguistisches Werkzeug
Mit der Toposanalyse wird in der Diskurslinguistik untersucht, wie argumentative Muster gesellschaftliche Themen prägen und „soziale Wirklichkeiten“ (Wengeler 2018: 244). konstruieren. Ziel kann es sein, implizite Annahmen und ideologische Strukturen in Diskursen offenzulegen. Die Toposanalyse eignet sich in dieser Arbeit besonders, um die argumentativen Muster und impliziten Annahmen von Pearl Davis sichtbar zu machen. Durch die systematische Aufschlüsselung der verwendeten Topoi werden ideologische Strukturen und unhinterfragte Grundannahmen offengelegt, die zur Legitimation antifeministischer Positionen beitragen.
Topoi sind wiederkehrende argumentative Standardmuster, die Argumente plausibel erscheinen lassen, indem sie auf gesellschaftlich akzeptierten Werten beruhen. Man unterscheidet kontextspezifische Topoi, die sich auf bestimmte Themen beziehen und beliebig erweitert werden können, und allgemeine Topoi, die universell anwendbar und endlich sind (vgl. WENGELER 2020: 652). Sie sind zielgerichtet, symbolisch aufgeladen und durch regelmäßige Wiederholung vertraut und überzeugend (vgl. BorNSCHEUER 1976 nach Wengeler 2020: 654). „Topoi [...] werden in der antiken Rhetorik erstmals von Aristoteles [...] im Rahmen der Erörterung der sog. Enthymeme systematisch behandelt“ (WengELER 2020: 649). Ein Enthymem ist ein prototypisches Argumentationsmuster, das aus einem Argument, einer Schlussregel und einer Konklusion besteht (vgl. Kienpointner 2017: 189). Die Schlussregel bleibt dabei oft unausgesprochen, was ihre scheinbare Selbstverständlichkeit erhöht und so die Überzeugungskraft des Arguments steigert (vgl. WENGELER 2020: 651).
Präsuppositionen vermitteln Informationen, die über das explizit Gesagte hinausgehen, und beruhen oft auf unausgesprochenen Prämissen, die „zu einem Großteil auch als Topoi gefasst werden können“ (Burkhardt 2003 nach Wengeler 2020: 664). Sie stützen die Überzeugungskraft der Topoi, indem sie gesellschaftlich akzeptierte Werte als selbstverständlich voraussetzen. Da Präsuppositionen auch bei Negation erhalten bleiben, verstärken sie die Plausibilität der zugrunde liegenden Argumentationsmuster (vgl. WENGELER 2020: 664f.).
(4) If she chose to get married - she's a wife. You're supposed to defer to your husbands authority in all things. [x_pearlythingz_2023_07_10]
Wird der Satz negiert, lautet er: You're not supposed to defer your husbands authority in all things. Die implizite Aussage, die ihre Bedeutung nie verliert, ist Männer haben Autorität (die schützenswert ist).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Führt in die Thematik des Antifeminismus im Netz, die Rolle von Hannah Pearl Davis und die Forschungsfrage der Arbeit ein.
1. Kritische Diskursanalyse: Diskriminierung, Ideologie und Diskurs: Erläutert die Kritische Diskursanalyse als methodologischen Rahmen und definiert zentrale Begriffe wie Diskriminierung, Ideologie sowie die Funktion von Sprache für deren Manifestation.
2. Sprachlich konstruierter Antifeminismus: Skizziert Antifeminismus als diskriminierende Ideologie und beleuchtet die spezifische Rolle von Frauen als antifeministische Akteurinnen.
3. Korpus und Methode: Beschreibt das verwendete Korpus von 40 X-Posts von Hannah Pearl Davis und die angewandte qualitative Toposanalyse zur Untersuchung ihrer Argumentationsstrategien.
4. Toposanalyse von Pearl Davis X-Posts: Analysiert und dekonstruiert die dominanten Topoi wie den Natur-/Biologismus-Topos, Konsequenz-Topos und Nutzen-Topos anhand konkreter Beispiele aus dem Korpus.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse der Toposanalyse zusammen, identifiziert den Natur-/Biologismus-Topos als Basis der Argumentationsstrategie von Pearl Davis und warnt vor der Gefahr antifeministischer Narrative.
Schlüsselwörter
Antifeminismus, Diskurse, Toposanalyse, Argumentationsstrategien, Hannah Pearl Davis, Geschlechterhierarchie, Ideologie, Diskriminierung, Manosphere, soziale Medien, Sprachliche Mittel, Geschlechterrollen, Biologismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht antifeministische Diskurse im Internet am Beispiel der Influencerin Hannah Pearl Davis, insbesondere ihre Argumentationsstrategien und sprachlichen Mittel zur Legitimierung von Geschlechterhierarchien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Antifeminismus als Ideologie, kritische Diskursanalyse, die Funktion von Sprache bei der Diskriminierung sowie die spezifischen Topoi, die zur Konstruktion und Aufrechterhaltung antifeministischer Narrative verwendet werden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Analyse der Topoi in den X-Posts von Pearl Davis, um ihre sprachlichen Strategien und Argumentationsmuster aufzudecken. Die Forschungsfrage lautet: Welche Topoi und sprachlichen Mittel nutzt Pearl Davis, um ihre Ideologie der Geschlechterhierarchie zu legitimieren?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet die Kritische Diskursanalyse als übergeordneten Forschungsansatz und die Toposanalyse als diskurslinguistisches Werkzeug zur Untersuchung der Argumentationsstrategien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die Toposanalyse der X-Posts von Pearl Davis und konzentriert sich dabei auf dominante Topoi wie den Natur-/Biologismus-Topos, Konsequenz-Topos und Nutzen-Topos, die anhand von Korpusbeispielen detailliert analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Antifeminismus, Diskurse, Toposanalyse, Argumentationsstrategien, Hannah Pearl Davis, Geschlechterhierarchie, Ideologie, Diskriminierung, Manosphere, soziale Medien, Sprachliche Mittel, Geschlechterrollen und Biologismus.
Warum wird die Arbeit am Beispiel von Hannah Pearl Davis durchgeführt?
Hannah Pearl Davis ist eine bekannte und reichweitenstarke Vertreterin der sogenannten Manosphere, die regelmäßig diskriminierende, antifeministische Aussagen in sozialen Medien teilt und somit ein repräsentatives Beispiel für die Untersuchung solcher Diskurse darstellt.
Welche Rolle spielen Frauen als Antifeministinnen laut der Arbeit?
Frauen wie Pearl Davis delegitimieren feministische Ideen, indem sie sich als authentische Ingroup-Stimmen gegen den Feminismus präsentieren. Durch ihr Geschlecht verleihen sie antifeministischen Argumenten größere Glaubwürdigkeit und immunisieren diese gegen den Vorwurf des Sexismus.
Welche spezifischen Topoi werden in der Analyse von Davis' Posts identifiziert?
In der Analyse werden Topoi wie der Natur-/Biologismus-Topos, der Konsequenz-Topos und der Nutzen-Topos als dominant identifiziert. Daneben treten auch kontextspezifische Topoi wie Keuschheit, ideale Frau, soziale Ordnung, Hierarchie, Tradition und Moral auf.
Welches Medium dient als Korpus für die Analyse und warum?
Als Korpus dienen 40 X-Posts der Influencerin Hannah Pearl Davis, die sie auf ihrem Kanal "pearlythingz" veröffentlichte. Die Plattform X wurde aufgrund ihrer textbasierten, monologischen Kommunikationsform ausgewählt, die eine produktive Extraktion geeigneten Materials ermöglicht.
- Quote paper
- Michelle Paul (Author), 2025, Antifeministische Diskurse im Netz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1696438