Diese Arbeit betrachtet das Spannungsfeld zwischen den Verhaltensvorschriften „gesunde Ernährung“ und „sportliche Aktivität“. Aus der Perspektive eines noch recht jungen Forschungsgebiets, der Selbstregulation, sollen auf diese Weise typische Fehler und Probleme herauskristallisiert werden, um aufzuzeigen an welchen Punkten Personen, die solch eine Form der Diät verfolgen, in ihrer Zielverfolgung zusammenbrechen und vor Allem, warum dies geschieht.
Den Einstieg in diese Thematik bildet ein theoretisches Fundament, welches im Verlauf dieser Arbeit um die wichtigsten Aspekte erweitert wird um dann in einem zusammenfassenden System die Komplexität des Konstrukts Selbstregulation zu verdeutlichen.
Auf dieser Theorie aufbauend, wurde unter dem Deckmantel eines „Großen Sommer Fitness-Check“ eine empirische Untersuchung durchgeführt. Diese hat eine gesunde Ernährung in Verbindung mit körperlicher Aktivität, eben jene beiden Aspekte, die zum Erreichen einer Wunschfigur verfolgt werden müssen, aus dem Blickwinkel selbstregulierender Prozesse beobachtet.
Wie bei kaum einem anderen Thema, gibt es für die Zielerreichung der „Wunschfigur“ unzählige Mythen und Richtlinien, die allesamt versprechen, in kürzester Zeit und mit geringstem Einsatz ein Höchstmaß an Effizienz zu erzielen. Einer der in diesem Kontext wohl als mit am vernünftigsten geltende Ansatz verbindet die beiden Verhaltensvorschriften „gesunde Ernährung“ und Sport. So soll durch die gesunde Ernährung eine vollständige Nährstoffversorgung gewährleistet werden.
Bei der sportlichen Betätigung hingegen werden zum Einen Kalorien verbrannt, zum Anderen wird je nach Intensität unterschiedlich stark das Muskelwachstum gefördert. Hierbei impliziert ein größer werdender Muskel seinerseits einen gesteigerten Energie- bzw. Kalorienverbrauch, auch im Ruhezustand. Bei dieser Form der Diät ist der Fokus durchschnittlich gesehen sehr langfristig angelegt. Über einen Gewöhnungseffekt soll die Ernährung auf Dauer vollständig umgestellt werden um Rückkopplungseffekte, wie den „Jo-Jo-Effekt“ zu verhindern.
Doch wäre dies so einfach und wären alle Diätstrebende in der Lage auf jegliche Essenssünden zu verzichten, dann sähe die Gewichtsverteilung unserer Bevölkerung wohl anders aus. Schließlich sind laut einer nationalen Verzehrsstudie in Deutschland 66% der Männer und 51% der Frauen übergewichtig (Body-Maß-Index>25 kg/m²).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen der Selbstregulation
2.1. Willpower – Selbstregulation als verbrauchbare Ressource
2.2. Kognitive Prozesse – Selbstregulation als abrufbares Wissen
2.3. Selbstregulation als individuelle menschliche Fähigkeit
2.4. Einnahme einer kombinierten Sichtweise auf die Selbstregulation
3. Selbstregulation als treibende Kraft menschlichen Verhaltens
3.1. Selbstregulation und das Reflective-Impulsive System (RIM)
3.2. Auswirkungen fehlender Selbstregulation auf das Kaufentscheidungsverhalten von Lebensmitteln und körperliche Aktivität
3.2.1. Wegfall rationaler Entscheidungsfindung
3.2.2. Verlust der emotionalen Kontrolle und gesteigerte Bedeutung affektiver Einflussmechanismen
4. Bedingungen des Versagens von Selbstregulation beim Konsum von Lebensmitteln und bei körperlicher Aktivität
4.1. Fehlende Standards und mangelnde Motivation im Rahmen selbstregulierender Prozesse
4.1.1. Setzen von Zielen als Motivationsanker
4.1.2. Monitoring als Mittel zur langfristigen Zielerreichung
4.1.3. Selbstbestätigung durch erreichte Ziele
4.2. Die Bedeutung von Stimmungsmanagement und Stimmungskongruenz für selbstregulierende Prozesse
5. Bewusster Verzicht von Konsumenten auf interne selbstregulierende Ressourcen
5.1. Bewusstes Aufsparen der Selbstregulation als limitierte Ressource
5.2. Externe Kontrollmechanismen als Ersatz für interne Selbstregulation
6. Zusammenfassende Darstellung der Selbstregulation als komplexes System von affektiven, emotionalen und kognitiven Prozessen
7. Empirische Untersuchung
7.1. Ziele der Studie
7.2. Aufbau und Durchführung der Studie
7.3. Methodisches Vorgehen
7.4. Darstellung der Ergebnisse
7.4.1. Verhaltensreaktionen der Teilnehmer
7.4.2. Selbstregulation nach körperlicher Aktivität
7.4.3. Der Einfluss von Spaß und empfundener Anstrengung auf den Ressourcenverbrauch der Selbstregulation
7.4.4. Der Einfluss der Selbstregulation, empfundenem Spaß und gefühlter Anstrengung auf eine anschließende Lebensmittelwahl
7.4.5. Der Einfluss von Zielerreichung bei körperlicher Aktivität auf das Selbstwertgefühl und eine Lebensmittelwahl
7.5. Validität und Reliabilität der Ergebnisse
7.5.1. Inhaltsvalidität
7.5.2. Konstruktreliabilität
7.5.3. Interne und externe Validität der Ergebnisse
7.6. Diskussion der Ergebnisse
8. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den Verhaltensvorschriften „gesunde Ernährung“ und „sportliche Aktivität“ aus der Perspektive der Selbstregulation. Das primäre Ziel besteht darin, typische Fehler und Probleme bei der Zielverfolgung zu identifizieren und aufzuzeigen, wie selbstregulierende Ressourcen bei der gleichzeitigen Verfolgung dieser zwei Ziele beeinflusst werden.
- Grundlagen und Modelle der Selbstregulation (u.a. TOTE-Modell, Stärke-Modell)
- Wechselwirkung zwischen kognitiven, emotionalen und affektiven Prozessen
- Einfluss von Zielsetzung, Monitoring und Stimmungsmanagement auf die Selbstregulation
- Empirische Untersuchung zur Auswirkung körperlicher Aktivität auf nachfolgende Ernährungsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Wegfall rationaler Entscheidungsfindung
Wird das Handeln nach dem Reflektierenden System als Folge logischer Verknüpfungen aufgefasst, so ist anzunehmen, dass ein Wegfall der treibenden Kraft des Reflektierenden Systems unweigerlich mit unlogischem, bzw. irrationalem Verhalten einhergeht. Die Tatsache, dass die Fähigkeit zur rationalen Entscheidungsfindung als zentral für das Konsumentenverhalten angesehen werden kann (vgl. Bettman, Luce, & Payne 1998, S.187ff.), verdeutlicht die Bedeutung selbstregulierender Prozesse und daher ihre Stellung als Untersuchungsgegenstand in der Konsumentenforschung.
Neben schlechteren IQ-Test-Ergebnissen (vgl. Schmeichel, Baumeister, Vohs 2003, S.36), die auf eine verminderte Fähigkeit logischen Denkens schließen lassen, stellt der sog. Asymmetrie-Dominanz-Effekt eine typische und doch nicht gleich offensichtliche Verhaltenskonsequenz bei Konsumenten mit geschwächten selbst-regulierenden Ressourcen dar (vgl. Baumeister et al 2008, S.11). Für das bessere Verständnis soll dieser Zusammenhang anhand eines Beispiels veranschaulicht werden. Man nehme an, ein Konsument habe den Entschluss gefasst seine körperliche Fitness zu steigern und zugleich in einem möglichst kurzen Zeitraum möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Feste Restriktionen erlauben ihm zunächst nur eine der nachfolgenden Möglichkeiten, entweder Squash zu spielen oder zu Joggen. Beide Optionen bieten unterschiedliche Vorteile. So spricht zum Beispiel die Platz- und Partnerunabhängigkeit für die Option Joggen. Allerdings scheint die Option Squash in den Augen des Konsumenten einen größeren Spaßfaktor mit sich zu bringen. Der Kalorienverbrauch beider Optionen ist fast identisch (circa 250 kcal/15 Minuten). Nun wird ihm als dritte Option Tennis angeboten. Tennis, als Sportoption weist einen hohen Ähnlichkeitsgrad zur Alternative Squash auf, unterliegt ihr allerdings eindeutig bei dem zu maximierenden Kalorienverbrauch (132 kcal/15 Minuten). Der Konsument sieht sich also mit zwei Entscheidungssituationen konfrontiert. Zum einen der einfachen Entscheidung zwischen Tennis und Squash, zum andern der schweren Entscheidung zwischen Squash und Joggen. Der Asymmetrie-Dominanz Effekt beschreibt nun die Tendenz bei „geschwächten“ Konsumenten, die Lösung des einfachen Problems, also die Wahl der Option Squash über Tennis, die Lösung des schweren Problems diktieren zu lassen (vgl. Baumeister et al 2008, S.11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach einer "Wunschfigur" durch Sport und gesunde Ernährung und dem Scheitern an alltäglichen Versuchungen.
2. Theoretische Grundlagen der Selbstregulation: Dieses Kapitel führt zentrale Modelle der Selbstregulation ein, wie das TOTE-Modell und das Stärke-Modell, und beleuchtet Selbstregulation als Ressource, Wissen oder Fähigkeit.
3. Selbstregulation als treibende Kraft menschlichen Verhaltens: Hier wird der Einfluss der Selbstregulation auf das Verhalten über das Reflective-Impulsive System (RIM) analysiert und die Auswirkungen von Selbstregulationsschwächen auf Entscheidungen und körperliche Aktivität dargelegt.
4. Bedingungen des Versagens von Selbstregulation beim Konsum von Lebensmitteln und bei körperlicher Aktivität: Das Kapitel behandelt die Rolle von Zielen, Monitoring und Stimmungsmanagement als kritische Erfolgsfaktoren bzw. Bedingungsfaktoren für das Versagen der Selbstregulation.
5. Bewusster Verzicht von Konsumenten auf interne selbstregulierende Ressourcen: Es wird untersucht, wie Individuen ihre Ressourcen bewusst aufsparen oder durch externe Kontrollmechanismen zu substituieren versuchen.
6. Zusammenfassende Darstellung der Selbstregulation als komplexes System von affektiven, emotionalen und kognitiven Prozessen: Dieses Kapitel führt die theoretischen Stränge in einem Gesamtmodell zusammen.
7. Empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt detailliert die Ziele, den Aufbau und die Durchführung der empirischen Studie zum "Großen Sommer Fitness-Check" sowie die Auswertung und Diskussion der Ergebnisse.
8. Abschließende Bemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Ergebnisse, die die Komplexität der Selbstregulation unterstreicht.
Schlüsselwörter
Selbstregulation, Ego-Depletion, Konsumentenverhalten, Sport, gesunde Ernährung, Stärke-Modell, TOTE-Modell, Impulskontrolle, Stimmungsmanagement, Entscheidungsfindung, Monitoring, Zielerreichung, Ressourcenverbrauch, empirische Untersuchung, Wunschfigur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Selbstregulationsvermögen im Kontext von Diät und sportlicher Aktivität und analysiert, warum Menschen trotz langfristiger Ziele häufig in ihr altes Verhalten zurückfallen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Stärke-Modell der Selbstregulation, die Dualität von reflektierendem und impulsivem System, sowie die psychologischen Mechanismen bei der Zielverfolgung und Ernährungsentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Komplexität der Selbstregulation als Bindeglied zwischen Persönlichkeits- und Konsumentenforschung aufzuzeigen und insbesondere zu untersuchen, ob körperliche Anstrengung und Spaß die verfügbaren Selbstregulationsressourcen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung in Form eines kontrollierten Experiments durchgeführt, das einen "Großen Sommer Fitness-Check" simulierte, kombiniert mit Fragebögen zur Erfassung psychologischer Konstrukte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Modelle (TOTE, RIM), Bedingungen für das Versagen der Selbstregulation, Strategien wie Monitoring und externes Kontrollmanagement sowie die detaillierte empirische Überprüfung mittels Regressions- und Diskriminanzanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselbegriffen zählen Selbstregulation, Ego-Depletion, Konsumentenverhalten, Stimmungsmanagement und Zielverfolgung.
Welchen Einfluss hat körperliche Aktivität laut der Studie auf das Selbstwertgefühl?
Die Studie konnte keinen direkt signifikanten positiven Effekt der bloßen Zielerreichung im Sport auf das Selbstwertgefühl bestätigen, deutet jedoch darauf hin, dass die Zusammenhänge komplexer sind als zunächst angenommen.
Was besagt die Hypothese zum Zusammenhang von Spaß und Vernunft?
Entgegen der ursprünglichen Annahme zeigte sich in der Studie, dass bei höherem empfundenen Spaß während des Sports die Selbstregulation in Bezug auf den Faktor „Vernunft“ sogar absinken kann, was möglicherweise auf eine stärkere Aktivierung des Impulsiven Systems hindeutet.
- Citar trabajo
- Marco Kunze (Autor), Martin Loytved (Autor), 2009, Fit durch Fast Food? Selbstbetrügerische Wege zur Wunschfigur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169736