Extremismus und Taktiken zur Camouflage in der Partei DIE LINKE


Hausarbeit, 2009

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wie misst man Extremismus in der LINKEN?

3 (Offener) Extremismus in der Partei DIE LINKE
3.1 Unverarbeitete Vergangenheit
3.2 Extremistische Positionen und Flügel in der LINKEN
3.3 Zusammenarbeit mit außerparteilichen Organisationen
3.4 Extremisten in den Parlamenten und in der Führung der Partei

4 Extremistische Inhalte und ihre Camouflage in den Wahlkampfmedien der Partei
4.1 Extremismus im Programm der LINKEN und sprachliche Verschleierungsstrategien
4.2 Die Wahlkampfmedien der LINKEN

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die aus WASG und PDS fusionierte und extremistisch beeinflusste Partei DIE LINKE konnte seit der Bundestagswahl 2005 ihren Einfluss auf die deutsche Politik ausbauen und schaffte es, fast zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung, sich auch in den alten Bundesländern zu etablieren. Für Wissenschaftler und Verfassungsschützer bietet die Partei hinsichtlich ihres extremistischen Charakters ein ambivalentes Bild. Neben SED-Altkadern mit zwielichtiger Vergangenheit sind in der LINKEN viele ehemalige SPD-Mitglieder, Gewerkschafter, Friedensaktivisten, Globalisierungskritiker, ehemalige DKP-Mitglieder, linksorientierte Jugendliche, Antifa-Mitglieder und Erwerbslose organisiert. Aufgrund dieser sehr unterschiedlichen politischen Herkunft ihrer Mitglieder setzt DIE LINKE auf einen gelebten innerparteilichen Pluralismus der Parteiflügel und Organisationen. Dabei toleriert und fördert DIE LINKE aber auch offen extremistische Organisationen in der Partei. Weiterhin zeigt die dauerhafte Zusammenarbeit mit der DKP, dass der Partei Berührungsängste zum linksextremen Milieu fehlen. Auch sind das Verhältnis zur Geschichte der Partei und die Stellung zu Diktaturen innerhalb der LINKEN verdächtig.

In ihrer Öffentlichkeitsarbeit sowie dem Wahlkampf jedoch zeigt die Partei ein anderes Bild. Der Stil der Wahlkampfmedien ist an den der anderen Parteien angelehnt und oftmals nicht davon zu unterscheiden. Die Wahlslogans sind auf den ersten Blick bewusst harmlos und oftmals stark positiv konnotiert. Auch die Wahlkampfauftritte des Spitzenduos Oskar Lafontaine und Gregor Gysi sind zwar oftmals als populistisch zu bezeichnen, aber keineswegs als extremistisch beeinflusst.

Versucht DIE LINKE sich im Wahlkampf bewusst zu camouflieren oder aber werden die extremistischen Positionen und ihr Einfluss innerhalb der Partei von einigen Wissenschaftlern überschätzt und von der Partei nur zur Stimmen- und Mitgliedermaximierung geduldet? Die Arbeit geht dieser Fragestellung nach und analysiert, welchen Einfluss extremistische Personen und Organisationen in der Partei DIE LINKE, auf deren Politik und Programmatik, wirklich haben. Dazu werden nach einem extremismustheoretischen Teil die verdächtigen inner- und außerparteilichen Gruppierungen klassifiziert, um anschließend deren Einfluss im Parteivorstand und in den Parlamentsfraktionen der LINKEN einschätzen zu können. Dementsprechend konzentriere ich mich auf die aktuelle Situation in der Partei.

Trotz der erheblichen Bedenken von Verfassungsschutz und Wissenschaft nehmen viele Wähler DIE LINKE jedoch nicht als extremistisch beeinflusste Partei wahr.1 Eine Ursache muss im Erscheinungsbild der Partei liegen. Daher werden in einem zweiten Schritt die Wahlkampfmedien des Bundestagswahlkampfes 2005 und des Wahlkampfes zum Europäischen Parlament 2009 dahingehend analysiert, welchen Einfluss extremistische Forderungen und ebensolches Gedankengut bei der Gestaltung dieser Medien besitzen oder ob diese bewusst geleugnet werden.

Die Literaturlage ist aufgrund der bisher kurzen Existenz der WASG- und PDS-Fusion recht überschaubar.

Die nach der Fusion erschienenen Publikationen sind in ihrem Urteil hinsichtlich der extremistischen Beeinflussung der Partei weitgehend eindeutig. Eckhard Jesse und Jürgen Lang kommen in ihrer 2008 erschienenen Monographie zu dem Ergebnis, dass der LINKEN, im Gegensatz zu anderen extremistischen Parteien, ein „offensiv umstürzlerisches Konzept“ fehlt und sie demnach als eine „smarte“ extremistische Partei bezeichnet werden muss.2 Warum die Partei aber den „smarten“ Extremismus verfolgt, bleibt offen.

DIE LINKE ist die einzige extremistisch beeinflusste Partei in der Bundesrepublik, die gestalterisch auf die Bundespolitik Einfluss nehmen kann. Ein mehrheitsfähiges umstürzlerisches Konzept ist daher für DIE LINKE nicht nötig und wäre für zukünftige Wahlen eher kontraproduktiv. Ob eine Partei also einen „smarten“ Extremismus verfolgt oder nicht, lässt per se kein Urteil über ihre Feindschaft zum freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaat zu.

Die 2008 und 2009 erschienenen Monographien „Die neue ‚Linke’“3 von Harald Bergsdorf und „Honeckers Erben“4 von Hubertus Knabe sind noch weniger ergebnisoffen intendiert. Knabe, dessen Ziel es auch in anderen Publikationen war,5 den Extremismus der LINKEN zu enttarnen, konzentriert sich darauf, alle bekannten Fälle von Extremismusverdacht in der LINKEN möglichst breit abzuarbeiten. Dass auch durchaus verfassungstreue und systemunterstützende Personen und Gruppierungen in der Partei agieren, fällt in den Werken beiseite. Der innerparteiliche Pluralismus und das daraus resultierende ambivalente Erscheinungsbild der Linken werden kaum besprochen.

Aber gerade dieses ambivalente Erscheinungsbild beschäftigte vor allem ältere wissenschaftliche Werke wie „Die PDS zwischen Linksextremismus und Linkspopulismus“ von Patrick Moreau und Viola Neu, „Ist die PDS eine demokratische Partei?“ von Jürgen Lang oder „Das Janusgesicht der PDS“ von Viola Neu.6 Diese Werke können aufgrund ihrer fehlenden Aktualität nur am Rande in die Arbeit mit einfließen, verdeutlichen aber gleichzeitig die Kontinuität extremistischer Strukturen in den SED-Nachfolgeparteien.

Dass DIE LINKE Sprache zur Verschleierung ihrer Ziele einsetzt, ist Konsens. Trotzdem wurde den Wahlkampfmedien der Partei und ihrem Einfluss auf die Wähler von der Wissenschaft wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Weiterhin sind für die Einschätzung des in der Partei vorhandenen extremistischen Potenzials die Verfassungsschutzberichte unablässig. Insbesondere der Bericht für das Jahr 2008 wird dabei aufgrund seiner Aktualität herangezogen.

Neben wissenschaftlichen Publikationen und den Berichten des Verfassungsschutzes dienen die Veröffentlichungen der Partei und verdächtiger Organisationen, z. B. deren Programme und Satzungen, selbst als Quelle. Das Internet ermöglicht dabei einen gegenwartsnahen Einblick und wird zur Erhöhung der Aktualität verstärkt genutzt.

2 Wie misst man Extremismus in der LINKEN?

Extremismus und extremistische Einstellungen innerhalb einer Partei sind kaum quantifizierbar. Auch eine qualitative Einschätzung von Aussagen wie z. B.: „Wir stellen die Systemfrage“ durch Lothar Bisky7 ist schwierig. Welches Vokabular wird benutzt? Wie werden Begriffe verstanden? Wie interpretieren verschiedene Gruppen eine Aussage? Ist eine Aussage mehrheitsfähig? Ebenso gestaltet sich die Einschätzung von (ehemaligen) Mitgliedschaften bzw. Tätigkeiten als äußerst schwierig. Werden aus ehemaligen SED- oder DKP-Mitgliedern plötzlich Demokraten? Kann ein ehemaliger IM, der seine Tätigkeit eventuell leugnet oder verharmlost, ein Demokrat sein? Sind diejenigen, die Extremisten innerhalb der Partei tolerieren, Demokraten?

Abschließende Antworten auf diese Fragen lassen sich nur schwer verifizieren. Dementsprechend muss ein Instrumentarium gefunden werden, welches erlaubt, qualifizierbare Aussagen über Personen, Zitate und Organisationen und ihre extremistische Haltung zu machen. Auf Grundlage der Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema „Politischer Extremismus“ von Hans-Gerd Jaschke8 und der Vorabfassung des Verfassungsschutzberichts 20089 sind folgende Tätigkeiten und Haltungen als extremistisch einzustufen:

- Verneinung der individuellen Menschenrechte bzw. Vorrang des Kollektivs vor dem Individuum
- Ablehnung der Gewaltenteilung, des Mehrparteiensystems bzw. der Opposition
- Grundsätzliche Ablehnung der gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen des demokratisch-freiheitlichen Verfassungsstaates
- Nutzung von Verschwörungstheorien und monokausale Erklärungsmuster Starkes Freund-Feind-Denken
- Hoher ideologischer Dogmatismus
- Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt und Wunsch nach gesellschaftlicher Homogenität10
- Bejahung oder Tolerierung von Gewalt zur Dur]chsetzung politischer Ziele Tolerierung offen extremistischer Personen und Gruppierungen Glorifizierung und Relativierung von Diktaturen sowie Gleichsetzung von Diktaturen mit Demokratien Aufruf zum Systemwechsel, zur Überwindung der Wirtschaftsordnung11

In Bezug auf die LINKE muss natürlich auch die Vergangenheit der Mitglieder, insbesondere in der DDR, berücksichtigt werden. Man darf sich dabei nicht dazu verleiten lassen, ehemalige SED-Mitglieder und IM unter Generalverdacht zu stellen. Es gilt in dubio pro reo. Wenn die betreffenden Personen jedoch zusätzlich andere Anzeichen extremistischer Haltung zeigen oder ihre Rolle in der Diktatur oder diese generell verharmlosen, muss ihre Verfassungstreue bezweifelt werden.

Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass gerade diejenigen, die in der DDR und in der SED sozialisiert wurden, dieser gegenüber außerdem vollkommen loyal waren (andernfalls sie auch keine weitere Bedeutung in der DDR erlangt hätten), auch im und nach dem Untergang der DDR der SED bzw. PDS die Treue hielten und teilweise für das MfS ihr Umfeld aushorchten, nun nach der Wiedervereinigung allesamt überzeugte Demokraten geworden seien.

Die vorgestellten Faktoren extremistischen Denkens und Handelns sollen dazu dienen, einen umfassenden Überblick über die extremistischen Strukturen innerhalb der LINKEN zu gewinnen. Vorrangig soll dabei jedoch untersucht werden, welchen Einfluss extremistische Strömungen insgesamt in der Partei besitzen.

3 (Offener) Extremismus in der Partei DIE LINKE

3.1 Unverarbeitete Vergangenheit

Einer der wichtigsten Faktoren ist das gelebte Geschichtsbild der Partei. Dies ist umso bedeutender, weil einerseits der Status einer diktatorisch regierenden Partei mit der damit verbundenen Verbreitung eines offiziellen Geschichtsbildes erst zwei Dekaden zurückliegt und andererseits die Akzeptanz des demokratisch-freiheitlichen Verfassungsstaates dabei deutlich wird. In den „Programmatischen Eckpunkten“, dem aktuellen Parteiprogramm, stellt die LINKE sich „bewusst in die Traditionen der Aufklärung und des demokratischen Sozialismus, der großen Emanzipationsbewegungen der Arbeiterinnen und Arbeiter“12 und will sich weiterhin mit der Geschichte der DDR und der Bundesrepublik auseinandersetzen. Ganz klar wendet sie sich jedoch „gegen Pauschalisierungen, antikommunistische Vorurteile und einseitige Beurteilungen und bemüht sich um differenzierte und ausgewogene Einschätzungen“13. Die Stoßrichtung der Partei wird sehr schnell deutlich. Die LINKE vermeidet nicht nur, in direkten Zusammenhang mit der SED gebracht zu werden, sondern beruft sich neben der Aufklärung auf den demokratischen Sozialismus, ohne zu erläutern, was darunter zu verstehen sei. Indem die Partei vorgibt, um ein differenziertes Bild der Bundesrepublik und der DDR bemüht zu sein, versucht sie nicht nur, die politischen Systeme der beiden Staaten in Relation zu bringen, sondern auch, sich die Deutungshoheit über die Vergangenheit zu sichern. Die Dehnbarkeit der Begriffe „Pauschalisierung“ und „Vorurteile“ ist natürlich beliebig.

Die LINKE „lehnt jede Form von Diktatur ab und [verurteilt] den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus“14. Die Formulierung dieses Abschnitts aus den „Programmatischen Eckpunkten“ zeigt aufs deutlichste, wie die LINKE ihre Geschichte interpretiert. Der Stalinismus wird nur als Entartung des Sozialismus angesehen. Das auch Lenins Staatsaufbau vor ihm nicht im Geringsten als freiheitlich-demokratisch zu bezeichnen ist und man auch nach Stalins Tod nicht von einer Liberalisierung der sozialistischen Regime sprechen kann, bleibt außen vor.

Auch außerhalb des Programms fallen immer wieder Führungspersönlichkeiten der LINKEN auf, die den diktatorischen Charakter der DDR bzw. der SED verharmlosen oder relativieren. Der Vorsitzende des Ältestenrates und verurteilte Wahlfälscher Hans Modrow gab der BRD eine Mitschuld an der innerdeutschen Grenze und an den Mauertoten.15 Gregor Gysi unterstellte der Bundesrepublik einen „totalitären Machtanspruch“, bezeichnete den Schießbefehl als kennzeichnend für die Souveränität eines Staates und bediente das Märchen des „antifaschistischen Schutzwalls“, indem er behauptete, dass die Mauer auch den Zweck hatte, „Probleme nicht reinzulassen“.16 Auch Lothar Bisky feierte den Stalinisten und KPD- Führer Ernst Thälmann schon mal als friedvollen Politiker und die Vorsitzende der KPF Sahra Wagenknecht hält die DDR für „nicht undemokratischer als die Bundesrepublik“17. Natürlich werden auch immer wieder Stimmen innerhalb der Partei laut, die eine klare Distanzierung von der SED und DDR fordern. André Brie ist einer derjenigen, die dies in den letzten Jahren wiederholt thematisiert haben.18 Dennoch zeigen die genannten Beispiele, dass zum Mindestens in der Führungsspitze der Partei Verharmlosungen und Relativierungen von Diktatur und Verbrechen, mangelnde Einsicht in Schuld- bzw. Verantwortungsfragen und einseitig ideologisch geprägte Kommentare weitgehend Konsens sind. Relevante innerparteiliche Kritik müssen die Betreffenden nicht fürchten. Dass mit diesen Kommentaren vor allem die eigenen Mitglieder bedient werden sollen, ist selbstverständlich. Schließlich sind sie es, die aus biografischen wie ideologischen Gründen eine reelle Einschätzung der DDR- und SED-Diktatur als Diskreditierung ihres Lebens empfinden. Die Äußerungen fallen ebenfalls bei breiten Wählerschichten in den neuen Bundesländern auf fruchtbaren Boden. Auch hier hat eine verklärende und romantisierende Entwicklung in der Wahrnehmung der DDR stattgefunden. 57 % der Deutschen aus den neuen Bundesländern gaben in einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage an, dass die DDR mehr gute als schlechte Seiten gehabt hätte. Nur 8 % der Befragten titulierten die DDR als Diktatur.19 Daher kann man diese Äußerungen der LINKEN auch als Profilierungsversuche als „Ostpartei“ interpretieren.

Die Interpretation der Geschichte ist für jede Partei von besonderem Interesse und wird weniger an geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen als an ideologisch-machtpolitischen Interessen bewusst bzw. unbewusst ausgerichtet. Doch die LINKE überschreitet mit den Äußerungen ihrer Führungspersönlichkeiten und der entlarvenden fehlenden innerparteilichen Kritik den freiheitlich-demokratischen Grundkonsens der Bundesrepublik. Gleichgültig, ob diese Äußerungen aus biografischen, taktischen oder ideologischen Gründen getätigt werden, verdeutlichen sie dennoch die Geringschätzung der politischen Ordnung der Bundesrepublik.

3.2 Extremistische Positionen und Flügel in der LINKEN

Innerhalb der LINKEN existiert eine Reihe von Arbeitsgemeinschaften und interne Gliederungen, die in der Partei selbstständig agieren können und von dieser finanziert werden. Aufgrund ihrer weitreichenden Autonomie werden einige von ihnen wegen des Verdachtes auf extremistische Ziele in den Verfassungsschutzberichten von der Partei getrennt geführt.20 Der mit 961 Mitgliedern größte extremistische Zusammenschluss innerhalb der LINKEN ist die Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE (KPF). Die KPF orientiert sich ideologisch klar am Marxismus-Leninismus und kämpft für die Errichtung des Sozialismus. Dies bekräftigte nicht nur das bekannteste Mitglied der KPF Sahra Wagenknecht,21 sondern auch die Bundeskonferenz 2008. Daneben erklärt sich die KPF solidarisch mit der Diktatur in Kuba, bekennt sich zur Zusammenarbeit mit allen kommunistischen Kräften auch außerhalb der Partei, dort vor allem mit der DKP,22 und erklärt, dass für Kommunisten der „Antifaschismus unlösbar mit dem Kampf gegen die Totalitarismusdoktrin“23 verbunden sei. Gerade die Diskreditierung der Totalitarismustheorie, der Argumentation der KPF folgend, als eine faschistische Doktrin macht den Charakter der Organisation deutlich. Diese Argumentation folgt der in den 1920er-Jahren entwickelten kommunistischen Faschismustheorie, die die bürgerlich-kapitalistischen Ordnungen hinsichtlich ihres politischen Systems undifferenziert als faschistisch bezeichnete. Dementsprechend richtete sich der antifaschistische Kampf nicht gegen sogenannte „offen faschistische“ Gruppierungen (wie z. B. die NSDAP), sondern gegen alle nicht-kommunistischen Parteien.24 Die KPF folgt nicht nur dieser Argumentationslinie, sondern möchte im antifaschistischen Kampf ebenso die demokratisch-bürgerlichen Kräfte bekämpfen und ideologisch dominieren.

Daneben sieht die KPF die kommunistische Idee im „Jubiläumsjahr“ 2009 einer medialen Verschwörung aller Zeitungen, Fernsehsender und Rundfunkstationen ausgesetzt. Diese „wütende Hetze“ bediene lediglich den „Zeitgeist“ und müsse durch den Widerstand der KPF geschwächt werden, da sie sonst „jedes eigenständige Denken hinwegzuschwemmen droht“.25 Die KPF sieht es nicht einmal für nötig an, sich vom Stalinismus oder vom politisch motivierten Terror der RAF zu distanzieren.26 Den Gedenkstein der „Opfer des Stalinismus“ auf dem Friedhof Friedrichsfelde in Berlin nannte die KPF eine „Provokation für viele Sozialisten und Kommunisten“ und betrachtete den Stein als einen Affront des politischen Gegners.27 Nach Jesse existieren hier gleich drei relevante Merkmale extremistischer Ideologie und Denkweise. So ist neben der Relativierung des Stalinismus nicht nur eine klares

[...]


1 Süddeutsche.de: Süddeutsche.de vom 05. März 2008. URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/451/435198/text/.

2 Jesse, Eckhard/Lang, Jürgen P.: DIE LINKE - der smarte Extremismus einer deutschen Partei, München 2008, S. 207.

3 Bergsdorf, Harald: Die neue „Linke“. Partei zwischen Kontinuität und Kurswechsel, Bonn 2008.

4 Knabe, Hubertus: Honeckers Erben. Die Wahrheit über DIE LINKE, Berlin 2009.

5 Knabe, Hubertus: Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur, Berlin 2007.

6 Moreau, Patrick/Neu, Viola: Die PDS zwischen Linksextremismus und Linkspopulismus, Sankt Augustin 1994; Lang, Jürgen P.: Ist die PDS eine demokratische Partei? Eine extremismustheoretische Untersuchung, Baden-Baden 2003; Neu, Viola: Das Janusgesicht der PDS. Wähler und Partei zwischen Demokratie und Extremismus, Baden-Baden 2004.

7 Bundesministerium des Innern, Verfassungsschutzbericht 2007, Berlin 2008, S. 151.

8 Jaschke, Hans-Gerd: Politischer Extremismus, Bonn 2007, S. 18 ff.

9 Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2008. Vorabfassung, Berlin 2009, S. 10 ff.

10 Jesse, Eckardt: „Extremistische Parteien“ - Worin besteht der Erkenntnisgewinn? In: APuZ. Extremistische Parteien, Nr. 47/2008, S. 8.

11 Auch wenn die Wirtschaftsform der Bundesrepublik nicht im GG festgelegt ist und GG Artikel 14 auch einen Raum für planwirtschaftliche Elemente lässt, muss diese Forderung als verfassungsfeindlich und extremistisch angesehen werden. Gemäß der marxistischen Lehre ist nicht die Staatsform, sondern nur das Produktionsverhältnis von Relevanz. Die Einführung sozialistischer Planwirtschaft führte in der Vergangenheit jedoch immer zu mehr oder weniger totalitären Regimen, an denen sich die heutigen extremistischen Linken weiterhin orientieren. Eine Gewaltenteilung oder Wahlen sind im Sozialismus aufgrund der in der Planwirtschaft benötigten Hierarchie nicht vorgesehen. „Die zentrale Planung verlangt in gesellschaftspolitischer Hinsicht den Kollektivismus und in staatspolitischer Hinsicht den Totalitarismus des Einparteiensystems. […] Ein [dem freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaat] vergleichbares System der Freiheiten ist mit der Zentralverwaltungswirtschaft unvereinbar.“(Pätzold, Jürgen: Soziale Marktwirtschaft. Konzeption - Entwicklung - Zukunftsaufgaben, 6. überarbeitete Aufl., Ludwigsburg/Berlin 1994, S. 14.)

12 DIE LINKE: Programmatische Eckpunkte - Programmatisches Gründungsdokument der Parte DIE LINKE,

S. 3.

13 DIE LINKE, Eckpunkte, S. 3.

14 DIE LINKE, Eckpunkte, S. 3.

15 Bergsdorf, S. 112.

16 Bergsdorf, S. 112 f, 181.

17 Bergsdorf, S. 114 f.

18 Jesse/Lang, S. 204 f; Lorenz, Robert: Techniker der „kalten Fusion“. Das Führungspersonal der Linkspartei, in: Spier, Tim/Butzlaff, Felix/Micus, Matthias/Walter, Franz (Hrsg.): Die Linkspartei. Zeitgemäße Idee oder Bündnis ohne Zukunft?, Wiesbaden 2007, S. 280; Neu, Janusgesicht, S. 171.

19 Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer: Tiefensee: DDR-Geschichte muss weiter aufgearbeitet werden. URL: http://www.bmvbs.de/beauftragter/-,931.1083089/Dokument.html.

20 Bundesministerium des Innern, 2008, S. 148 ff.

21 Neu, Janusgesicht, S. 170.

22 Neu, Janusgesicht, S. 186 f.

23 KPF: Schwerpunktaufgaben der Kommunistischen Plattform bis November 2009. Beschluss der 3. Tagung der 14. Bundeskonferenz. URL: http://die- linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistische_plattform_der_partei_die_linke/dokumente/schwerpunktauf gaben_der_kommunistischen_plattform_bis_november_2009/.

24 Moreau, Patrick/Schorpp-Grabiak, Rita: Antifaschismus als Strategie der PDS, in: Agethen, Manfred/Jesse, Eckhard/Neubert Ehrhart (Hrsg.): Der missbrauchte Antifaschismus. DDR-Staatsdoktrin und Lebenslüge der deutschen Linken, Freiburg/Basel/Wien 2002, S. 379-383.

25 Hecker, Thomas: Bericht des Bundessprecherrates an die 3. Tagung der 14. Bundeskonferenz. URL: http://die- linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistische_plattform_der_partei_die_linke/dokumente/bericht_des_bu ndessprecherrates_an_die_3tagung_der_14bundeskonferenz/.

26 Knabe, Honeckers Erben, S. 335.

27 KPF: Nicht provozieren lassen - Auseinandersetzen! Offener Brief von Kurt Julius Goldstein, Ellen Brombacher, Rim Farha, Prof. Heinz Karl und Sahra Wagenknecht. URL: http://archiv2007.sozialisten.de/partei/strukturen/agigs/kpf/dokumente/view_html?zid=34763&bs=1&n=5.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Extremismus und Taktiken zur Camouflage in der Partei DIE LINKE
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
35
Katalognummer
V169742
ISBN (eBook)
9783640881390
ISBN (Buch)
9783640881628
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
extremismus, taktiken, camouflage, partei, linke
Arbeit zitieren
Marcel Stepanek (Autor), 2009, Extremismus und Taktiken zur Camouflage in der Partei DIE LINKE, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169742

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