Auswirkungen der Familie auf die Bildungschancen der Kinder

Die Chancen(un)gleichheit


Essay, 2010
9 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Eltern wollen immer das Beste für ihre Kinder. Diese historische Aussage besteht in heutigen, einem beschleunigten Wandel unterzogenen Familienverhältnissen nach wie vor – und zu Recht. Ein zentrales Paradigma stellen in diesem Zusammenhang die Bildungschancen der Kinder dar. Dass eine bessere Bildungschance sich positiv auf die Zukunftsperspektive der Kinder auswirkt, erscheint logisch. Auf welche Weise und anhand welcher sozialen Faktoren eine Familie – gewollt oder ungewollt - Einfluss auf die zukünftige Entwicklung ihrer Kinder nehmen kann, soll hier näher untersucht werden.

Eine Scheidung der Eltern hat zum Beispiel maßgeblichen Einfluss auf die Kinder. Diese reagieren häufig mit Enttäuschung, Wut und Unverständnis. Diese Faktoren äußern sich durch Hyperaktivität, Angst, Depression und schlechteren Schulleistungen, was wiederum zu geringeren Bildungschancen der Kinder in der Zukunft führen kann (vgl. Nave-Herz/Onnen-Isemann 2007, S. 329). Außerdem leben Kinder geschiedener Eltern häufig bei ihren Müttern. Diese führen öfters Gespräche mit ihren Kindern über deren Zukunft, ihnen wird allerdings nur verminderte Kompetenz im Vergleich zu den Vätern zugeschrieben (vgl. Beinke 2002, S. 195). Mit Hintergrund auf die gestiegene Lebenserwartung der Menschen und den Rückgang der Geburtenzahlen erfuhren alle europäischen Länder analoge Wandlungen der familialen Generationenstruktur. Das Potential von Großeltern-Enkelkinder-Beziehungen erfährt eine post-moderne Aufwertung. Großeltern sind nicht mehr nur „Babysitter in der Not“, sondern werden immer mehr zu kameradschaftlichen Bezugspersonen für ihre Enkelkinder (vgl. Höpflinger/Fux 2007, S. 72). Die familiäre Tradition fließt in die Berufswahl der Kinder ein. Die junge Generation orientiert sich nicht nur an den Berufen der Eltern, sondern immer mehr auch der Großeltern (vgl. Beinke 2002, S. 219). Einer weiteren Orientierungshilfe der Kinder in Bezug auf ihre mögliche Zukunftsgestaltung bieten auch peer-groups. Die Diskussion mit Gleichaltrigen wirkt auf die Kinder stabilisierend und hilft Unsicherheiten zu reduzieren (vgl. ebda, S. 223). Auf die Darstellung der Familie bezogen ist zunächst zwischen Desintegration und Desorganisation zu unterscheiden. Desintegration meint den Bezug zwischen Familie und Gesellschaft, die familiäre Auffächerung des gesellschaftlichen Gesamtbewusstseins in viele Kulturbereiche. Mit Desorganisation sind bestimmte interne Verfassungen, wie die Übernahme von Funktionen (z. B. Erziehung der Kinder) durch Familienaußenstehende gemeint (vgl. ebda, S. 11). Auch der Staat hat eine Verantwortung gegenüber den Kindern. In Deutschland soll das Sozialstaatsprinzip zu einer Schaffung und Erhaltung einer gerechten Sozialordnung verpflichten. Elemente dieses Prinzips sind ein menschenwürdiges Dasein, Absicherung gegen die Wechselfälle des Lebens, Ausübung der Freiheitsrechte, die (relative) Chancengleichheit und –gerechtigkeit und die chancengerechte Teilhabe am Gemeinwohl. Aus diesen Verpflichtungen ergibt sich eine normative Vorwirkung für Kinder, damit diese in einem späteren Alter die Chancen in Anspruch nehmen können, die die Gesellschaft ihnen bietet (vgl. Hoffmann 2006, S. 151). Von der Verfassung ist die Elternverantwortung im Interesse und zum Wohle des Kindes anerkannt worden. Kinder sind auf Hilfe und Schutz angewiesen, damit sie eine eigenverantwortliche Persönlichkeit in der sozialen Gemeinschaft herausbilden können. Der Staat operiert als „Wächter“, überlässt jedoch die Art und Weise der Kindererziehung und den Inhalt der Ausbildung der Kinder, den Eltern (vgl. ebda, S. 164).

Somit sind die elterlichen und familiären Faktoren – nach wie vor – die wesentlichsten Einflußgrößen auf die Zukunft der Kinder. Einen dieser Faktoren stellt die soziale Herkunft der Kinder dar. Diese wird üblicherweise auf Grund der sozioökonomischen Stellung ihrer Familien anhand von relativer Position der Eltern in einer sozialen Hierarchie und die familiäre Verfügung über finanzielle Mittel, Macht oder Prestige bestimmt. Daten über soziale Anerkennung und Macht sind nur sehr schwer greifbar, daher wird der sozioökonomische Status in der Regel über die Berufstätigkeit der Eltern (besonders des Vaters) erfasst (vgl. Watermann/Baumert 2006, S. 63). Bourdieu und Passeron sehen bei ihren auf Frankreich bezogenen Studien die Chancen für einen Hochschulbesuch der Kinder als Ergebnis einer Auslese, die die gesamte Schulzeit hindurch mit einer nach sozialer Herkunft der Schüler unterschiedlichen Strenge gehandhabt wird. Bei unterprivilegierten Klassen führt diese Auslese zur Eliminierung. Die Aussichten auf einen Hochschulbesuch sind für den Sohn eines Führungskaders achtzigmal größer als für den Sohn eines Landarbeiters und vierzigmal größer als für den eines Arbeiters. Die Söhne von mittleren Kadern besuchen nur halb so oft eine Hochschule als die von Führungskadern. Anhand von Statistiken lassen sich vier Kategorien ausmachen: für die Kinder unterprivilegierter Klassen besteht nur eine symbolische Chance für einen Hochschulbesuch (unter 5 %), Chancen von Kindern mittlerer Schichten (Handwerker, Kaufleute, Angestellte) sind zwar gestiegen, betragen jedoch nur 10 – 15 %. Demgegenüber haben sich die Chancen von Kindern mittlerer Kader auf ca. 30 % verdoppelt, ebenso wie die Chancen von Kindern von Führungskadern und freier Berufe auf 60 %. Dieses Gefälle von objektiven Bildungschancen wirkt sich erheblich im täglichen Erfahrungsbereich aus. Auf diese Weise entsteht milieuabhängig die Vorstellung von einem Studium als „unerreichbarer“, „möglicher“ oder „normaler“ Zukunftsaussicht, wodurch wiederum die Wahl des Ausbildungsganges prädisponiert ist (vgl. Bourdieu/Passeron 1971, S. 20ff).

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Familie auf die Bildungschancen der Kinder
Untertitel
Die Chancen(un)gleichheit
Hochschule
Universität Wien
Note
1,2
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V169775
ISBN (eBook)
9783640882045
ISBN (Buch)
9783640881956
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Chancen, Chancengleichheit, Chancenungleichheit, Bildung, Zukunft, Zukunftsperspektive, Kinder, Studierende, Schule, Hochschule, Universität, Eltern, Bildungskapital, Demographie
Arbeit zitieren
Heinz Piwonka (Autor), 2010, Auswirkungen der Familie auf die Bildungschancen der Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169775

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