Entsorgung, entsorgt bedeutet dass etwas beseitig wird, wie Müll oder Problemfälle. Man will Überflüssiges loswerden. „Entsorgt“ hat wiederum die Bedeutung, dass die Sorge nicht mehr nötig bzw. überflüssig ist. Der Vater hat keine Sorge mehr zu tragen. Er hat entsorgt bzw. wurde entsorgt und wird in dieser Arbeit darüber berichten.
Ein gesellschaftlich bisher kaum wahrgenommenes Phänomen ist, dass die Beziehung von einigen Vätern zu ihren eigenen Kindern infolge von Trennung und Scheidung gänzlich abgebrochen ist und sie nicht mehr an deren Leben teilhaben können oder dürfen. Was für Außenstehende kaum vorstellbar ist, stellt für die betroffenen Vätern ein existenzielles Trauma dar. Die vorliegende Arbeit gibt eine Einführung in die Problematik und beschäftigt sich mit der Untersuchung der bisher wissenschaftlich vernachlässigten Seite des betroffenen Vaters beim Abbruch der Vater-Kind-Beziehung infolge von Trennung und Scheidung. Wie kommt es zum Kontaktabbruch? Welche Auswirkungen hat dieser schwere Schicksalsschlag auf die Väter? Welche Rolle spielen dabei die Politik, Familiengerichte und vor allem die Mütter? Die Ergebnisse dieser qualitativen Studie, in Form von narrativen Interviews, geben einen umfassenden Einblick in die Situation betroffener Väter und wichtige Anregungen für die Praxis. Diese Arbeit richtet sich an alle trennungs- und scheidungsbegleitenden Professionen sowie an die Verantwortlichen in der Politik und Gesellschaft, um dem Leiden der Väter ein Ende zu setzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Bedeutung des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung
2 Theoretische und empirische Grundlagen zum Abbruch der Vater-Kind-Beziehung und deren Auswirkungen
2.1 Theoretische Bestimmungen zum Abbruch der Vater-Kind-Beziehung
2.1.1 Die Vater-Kind-Beziehung
2.1.2 Erklärungen für den Abbruch der Vater-Kind-Beziehung
2.1.2.1 Die Bindungstheorie nach John Bowlby
2.1.2.2 „Parental Alienation Syndrom“ nach Richard Gardner
2.1.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.2 Empirische Befunde zu den Auswirkungen des Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung
3 Konzeption der empirischen Untersuchung zu den Auswirkungen des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung auf Väter
3.1 Motive und Ziele der empirischen Untersuchung
3.2 Grundzüge des verwendeten Verfahrens
3.3 Durchführung der empirischen Untersuchung
3.3.1 Kontaktaufnahme zu den betroffenen Vätern
3.3.2 Durchführung der Interviews
3.3.3 Dokumentation der Interviews
3.3.4 Auswertung der Interviews
4 Bestimmung der Auswirkungen des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung auf Grundlage des erhobenen Datenmaterials
4.1 Interview mit Herrn F.
4.1.1 Einleitung
4.1.2 Interpretation
4.1.2.1 Interpretation Kernpassage I
4.1.2.2 Zusammenfassung Kernpassage I
4.1.2.3 Interpretation Kernpassage II
4.1.2.4 Zusammenfassung Kernpassage II
4.1.3 Analytische Abstraktion
4.2 Interview mit Herrn S.
4.2.1 Einleitung
4.2.2 Interpretation
4.2.2.1 Interpretation Kernpassage I
4.2.2.2 Zusammenfassung Kernpassage I
4.2.2.3 Interpretation Kernpassage II
4.2.2.4 Zusammenfassung Kernpassage II
4.2.3 Analytische Abstraktion
4.3 Vergleichende Analyse
5 Möglichkeiten des zukünftigen Umgangs mit der dargestellten Problematik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen und sozialen Auswirkungen auf Väter, die nach einer Trennung oder Scheidung ungewollt den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben. Das primäre Ziel ist es, die verborgenen emotionalen Belastungen dieser Väter zu erfassen und zu verstehen, wie institutionelle Rahmenbedingungen und die elterliche Entfremdung zu diesem Schicksal führen.
- Phänomenologie des ungewollten Kontaktabbruchs zur Vater-Kind-Beziehung
- Analyse der Rolle von Familiengerichten, Jugendämtern und Müttern bei Entfremdungsprozessen
- Theoretische Einordnung durch Bindungstheorie und Parental Alienation Syndrome (PAS)
- Empirische Fallstudien mittels narrativer Interviews mit betroffenen Vätern
- Diskussion über Handlungsbedarfe zur Verbesserung der Situation geschiedener Väter
Auszug aus dem Buch
Bedeutung des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung
„Vater, warum hast du mich verlassen“ (Mathieu Carrière, 2006). So protestierte am Kreuz geschlagen der wohl berühmteste entsorgte Vater in Deutschland am 17.06.2006 vor dem Bundesjustizministerium. Mit ihm demonstrierten ca. 300 weitere Trennungsväter, um auf die Schicksale der Väter und Kinder nach einer Ehescheidung aufmerksam zu machen (vgl. Nawrath 2006). Aufgrund der Tatsache, dass mittlerweile bei rund der Hälfte der Ehescheidungen minderjährige Kinder betroffen sind (vgl. Statistisches Bundesamt 2008), müssen sich Kinder immer öfter für ein Elternteil entscheiden. Nicht nur in der Literatur, sondern auch im Familiengericht, gilt die Mutter immer noch als größere Bezugsperson für die Kinder (vgl. Amendt 2006, S. 24). Das führt dazu, dass die Kinder nach einer Ehescheidung fast immer bei der Mutter leben (vgl. Mühlhausen/ Ständer/Watzlawik 2007, S. 11).
Es gehört immer noch zu den Ausnahmen, dass sich die Ehegatten einvernehmlich scheiden lassen. So reichten im Jahr 2008 lediglich 8,6% der Ehepaare gemeinsam die Scheidung ein (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008). Dementsprechend entstehen viele Verletzungen und Feindseligkeiten bei den geschiedenen Eheleuten und es entwickeln sich regelrechte Kämpfe zwischen den beiden Parteien - besonders um die Kinder. Die Zahlen bestätigen das Bild des entsorgten Vaters. Lediglich 17% der Väter haben nach der Scheidung die Möglichkeit des uneingeschränkten Kontaktes zu ihren Kindern. 30% der Väter treffen sich nur selten bis nie mit ihren Kindern und bei 15% ist es zu einem Kontaktabbruch gekommen (vgl. BMFSFJ 2005). Wie das vorangegangene Beispiel von Mathieu Carrière und seinen Mitleidenden zeigt, liegt der Kontaktabbruch nicht generell in der Schuld der Väter. Sie kämpfen mit allen Mitteln gegen die Politik, das Familiengericht und vor allem gegen die Mütter, die Ihnen die Kinder vorenthalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bedeutung des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung: Einführung in die gesellschaftliche Problematik des Kontaktabbruchs und Darstellung der rechtlichen und sozialen Benachteiligung von Vätern.
2 Theoretische und empirische Grundlagen zum Abbruch der Vater-Kind-Beziehung und deren Auswirkungen: Untersuchung wissenschaftlicher Theorien zur Bindung und Entfremdung sowie Erläuterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Trennungsväter.
3 Konzeption der empirischen Untersuchung zu den Auswirkungen des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung auf Väter: Darlegung der Forschungsziele, der Anwendung der narrativen Interviewmethode und der methodischen Vorgehensweise bei der Datengewinnung.
4 Bestimmung der Auswirkungen des ungewollten Abbruchs der Vater-Kind-Beziehung auf Grundlage des erhobenen Datenmaterials: Detaillierte Analyse und Interpretation der zwei geführten Experteninterviews mit den Vätern Herrn F. und Herrn S. zur Ableitung von Auswirkungen.
5 Möglichkeiten des zukünftigen Umgangs mit der dargestellten Problematik: Synthese der Ergebnisse und Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen für eine stärkere Berücksichtigung des Vaters im Familienrecht.
Schlüsselwörter
Kontaktabbruch, Vater-Kind-Beziehung, Scheidung, Trennungsväter, Parental Alienation Syndrome, elterliche Entfremdung, Familiengericht, Jugendamt, Sorgerecht, Umgangsrecht, narrative Interviews, Väterforschung, väterliche Identität, Kindeswohl, Bindungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Vätern, die nach einer Trennung oder Scheidung ungewollt den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben und mit den daraus resultierenden psychischen und sozialen Folgen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Studie ab?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen für Trennungsväter, psychologische Aspekte der elterlichen Entfremdung sowie die Bedeutung der Vaterrolle für die kindliche Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die bisher wissenschaftlich vernachlässigten, tiefgreifenden Auswirkungen des Kontaktabbruchs auf die betroffenen Väter qualitativ zu erforschen und für Fachkreise sichtbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt qualitative, narrative Interviews, um betroffenen Vätern Raum für eine ausführliche Darstellung ihrer persönlichen Geschichte und Erlebnisse zu geben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zwei ausführliche Interviews mit betroffenen Vätern transkribiert, interpretiert und einer vergleichenden Analyse unterzogen, um gemeinsame Muster bei den Auswirkungen zu identifizieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind: Kontaktabbruch, elterliche Entfremdung, Parental Alienation Syndrome (PAS), Trennungsväter und Vater-Kind-Beziehung.
Warum wurde das Parental Alienation Syndrome (PAS) als theoretischer Bezug gewählt?
PAS dient als Erklärungsmodell für Fälle, in denen Kinder aufgrund von Manipulation oder Indoktrinierung den Kontakt zum Vater grundlos verweigern, was in den geführten Interviews ein zentrales Thema darstellte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle der Familiengerichte?
Die Autorin kritisiert, dass Familiengerichte und Jugendämter oft einseitig die Mutter bevorzugen und die Väter in ihrer Rolle als gleichwertige Elternteile zu wenig unterstützen oder wahrnehmen.
- Citar trabajo
- Bachelor of Arts Janine Gänsicke (Autor), 2010, Entsorgte Väter erzählen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169823