Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ und die Leitlinien der deutschen Diözesen

Eine kirchenrechtliche Untersuchung


Seminararbeit, 2008

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

1. DAS MOTU PROPRIO „SUMMORUM PONTIFICUM“ AUS KIRCHENRECHTLICHER SICHT
1.1 Der Gesetzescharekter des Motu Proprio „Summorum Pontificum“

2. DIE LEITLINIEN FÜR DIE DEUTSCHEN DIÖZESEN
2.2 Kirchenrechtliche Definition von allgemeinen Ausführungsbestimmungen

3. VERGLEICH DES MOTU PROPRIO „SUMMORUM PONTIFICUM“ MIT DEN LEITLINIEN DER DEUTSCHEN BISCHÖFE

4. RESÜMEE

6. LITERATURVERZEICHNIS

0. Einleitung

Verfolgt man die Äußerungen über die Liturgie, die der ehemalige Kardinal Jo- seph Ratzinger in seinen Büchern macht, wird die Veröffentlichung dieses Motu Proprios verständlich. In seinem Interviewbuch „Salz der Erde“ antwortet Rat- zinger auf die Frage, ob die Gleichmacherei und Entzauberung der Liturgie da- durch behoben werden könnte, wenn der alte Ritus reaktiviert würde, folgen- des:

„Das würde allein keine Lösung sein. Ich bin zwar der Meinung, dass man viel großzü- giger den alten Ritus gewähren sollte, die das Wünschen. Es ist überhaupt nicht einzu- sehen, was daran gefährlich oder unannehmbar sein sollte. Eine Gemeinschaft, die das, was ihr bisher das Heiligste und Höchste war, plötzlich als strikt verboten erklärt und das Verlangen danach geradezu als unanständig erscheinen lässt, stellt sich selbst in Frage. […] Was wir brauchen, ist eine neue liturgische Erziehung, besonders auch der Priester. Es muss wieder klar werden, dass Liturgiewissenschaft nicht dazu da ist, stän- dig neue Modelle hervorzubringen, wie es für die Automobilindustrie passen mag. Sie ist dazu da, in das Fest und in die Feier einzuführen, den Menschen für das Mysterium fä- hig zu machen. […] Die Jugend spürt das sehr stark. Zentren, in denen die Liturgie oh- ne Mätzchen ehrfürchtig und groß gefeiert wird, ziehen an, auch wenn man nicht jedes Wort versteht. Solche maßstäblichen Zentren brauchen wir. Leider ist bei uns die Tole- ranz dagegen für die alte Liturgie praktisch nichtexistent. Damit ist man sicher auf dem falschen Weg.“1

Kardinal Ratzinger erwähnt hier, dass keine Toleranz in unserer Zeit für die alte Messe vorhanden ist. Dieses fehlende Verständnis musste Papst Benedikt XVI. im Vorfeld und nach der Veröffentlichung seines Motu Proprios „Summorum Pontificum“ wieder wahrnehmen.

Kein anderes Dokument hat in der jüngeren Kirchengeschichte so viel Aufmerk- samkeit auf sich gezogen wie das am 07. Juli 2007 promulgierte Motu Proprio Papst Benedikts XVI. „Summorum Pontificum“ und die im Vorfeld angekündig- ten sog. Ausführungsbestimmungen der Deutschen Bischofskonferenz. Vielen ist der Begriff „Motu Proprio“ (im Folgenden „MP“ genannt) und seine Bedeu- tung als Rechtsdokument der Heiligen Kirche nicht bekannt. Zwei Dokumente befassten sich in jüngerer Zeit mit der Zulassung des Tridentinischen Meßritus:

Im Jahre 1984 teilte die Heilige Kongregation für den Gottesdienst und die Sak ramente den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in einem Brief mit, dass die “Tridentinische Messe bedingt erlaubt sei.“2 Vier Jahre später befasste sich das „MP Ecclesia Dei“3 Papst Johannes Paul II. in Zusammenhang mit den Vorfällen von Erzbischof Lefebvre mit diesem Thema. Aus aktuellem Anlass, persönlichem Interesse und, da es bis zu diesem Zeitpunkt keine allgemeine zusammenfas- sende Darstellung gibt, wurde dieses Thema von mir gewählt. In einem ersten Teil soll das „MP“ als kirchenrechtliches Dokument betrachtet werden. Die Auf- merksamkeit im zweiten Abschnitt liegt auf den „Leitlinien der Deutschen Bi- schofskonferenz“ (DBK) bevor im dritten Teil ein abschließender Vergleich vor- genommen werden soll.

alle erneut und wirksam von der Notwendigkeit überzeugen, dass die Treue noch vertieft und gefestigt werden muss und irrige Interpretationen sowie willkürliche und ungerechtfertigte Er- weiterungen in Dingen der Glaubenslehre, der Liturgie und der Disziplin vollständig zurückzu- weisen sind. Besonders die Bischöfe haben aufgrund ihres Hirtenamtes die schwere Pflicht, mit klarem Blick, mit Liebe und Unerschrockenheit darüber zu wachen, dass diese Treue überall gewahrt wird. Es ist aber auch erforderlich, dass alle Hirten und übrigen Gläubigen aufs neue sich bewusst werden, dass die Vielfalt der Charismen sowie der Traditionen der Spiritualität und des Apostolates nicht nur legitim sind, sondern für die Kirche einen Schatz darstellen; so wird die Einheit in der Vielfalt zur Schönheit, - zu jener Harmonie, die die irdische Kirche, vom Heili- gen Geist angeregt, zum Himmel emporsteigen lässt. b) Wir möchten ferner auch die Theolo- gen und Fachgelehrten der anderen kirchlichen Wissenschaften darauf aufmerksam machen, dass auch sie von den augenblicklichen Umständen herausgefordert sind. Die Breite und Tiefe der Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils machen nämlich neue und vertiefte Untersuchun- gen notwendig, in denen die Kontinuität des Konzils mit der Tradition klar hervorgehoben wird, vornehmlich in jenen Bereichen der Lehre, die, weil sie vielleicht neu sind, von einigen Teilgrup- pen der Kirche noch nicht recht verstanden wurden. c) […] All jenen katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen der Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen, möchte ich auch meinen Willen kundtun - und wir bitten, dass sich der Wille der Bischö- fe und all jener, die in der Kirche das Hirtenamt ausüben, dem meinen anschließen möge -, ihnen die kirchliche Gemeinschaft leicht zu machen, durch Maßnahmen, die notwendig sind, um die Berücksichtigung ihrer Wünsche sicherzustellen. 6. Im Hinblick auf die Bedeutung und Komplexität der in diesem Dokument angesprochenen Fragen bestimmen wir Folgendes: a) Es wird eine Kommission eingesetzt, die die Aufgabe hat, mit den Bischöfen, den Dikasterien der Römischen Kurie und den betreffenden Gruppen zusammenzuarbeiten, um die volle kirchliche Gemeinschaft der Priester, Seminaristen, Ordensgemeinschaften oder einzelnen Ordensleuten zu ermöglichen, die bisher auf verschiedene Weise mit der von Erzbischof Lefebvre gegründe- ten Bruderschaft verbunden waren und die mit dem Nachfolger Petri in der katholischen Kirche verbunden bleiben wollen; dies geschehe unter Wahrung ihrer geistlichen und liturgischen Tra- ditionen, gemäß dem Protokoll, das am vergangenen 5. Mai von Kardinal Ratzinger und Erzbi- schof Lefebvre unterzeichnet wurde. b) Diese Kommission besteht aus einem Kardinalpräsiden- ten und anderen Mitgliedern der Römischen Kurie, in einer Anzahl, die je nach den Umständen für sachlich und angemessen gehalten wird. c) Ferner muss überall das Empfinden derer geach- tet werden, die sich der Tradition der lateinischen Liturgie verbunden fühlen, indem die schon vor längerer Zeit vom Apostolischen Stuhl herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Rö- mischen Messbuchs in der Edition typica vom Jahr 1962, weit und großzügig angewandt wer- den. 7. Während sich das in besonderer Weise der allerseligsten Jungfrau Maria geweihte Jahr schon seinem Ende zuneigt, möchte ich alle auffordern, sich mit dem unaufhörlichen Gebet anzuschließen, das der Stellvertreter Christi durch die Fürsprache der Mutter der Kirche mit den Worten des Sohnes an den Vater richtet: Dass alle eins seien!“

[...]


1 Ratzinger, Joseph und Seewald, Peter: Salz der Erde; S. 186 ff.

2 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente: „Vor vier Jahren wurden auf besonde- ren Wunsch von Papst Johannes Paul II. die Bischöfe der ganzen Kirche aufgefordert, Bericht zu erstatten: -über die Art und Weise, wie Priester und Gläubige in ihren Diözesen das von Papst Paul VI. promulgierte Missale in genauer Befolgung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils angenommen haben; -über die Schwierigkeiten bei der Durchführung der Liturgiere- form; -über eventuelle Widerstände, die es zu überwinden galt. Das Ergebnis dieser Umfrage wurde an alle Bischöfe gesandt (vgl. Notitiae, Nr. 185, Dezember 1981). Aufgrund ihrer Antwor- ten schien das Problem der Priester und Gläubigen, die dem sogenannten "tridentinischen Ri- tus" verbunden geblieben waren, fast vollständig gelöst. Da aber das Problem weiterbesteht, gibt der Heilige Vater in dem Wunsch, diesen Gruppen entgegenzukommen, den Diözesanbi- schöfen die Vollmacht, von dem Indult Gebrauch zu machen, aufgrund dessen Priester und Gläubige, die in dem an den eigenen Bischof zu richtenden Gesuch genau anzugeben sind, die Messe nach dem Missale Romanum in seiner Ausgabe von 1962 feiern dürfen, wobei jedoch die folgenden Bestimmungen beachtet werden müssen: a) Es muss eindeutig und öffentlich fest- stehen, dass der jeweilige Priester und die jeweiligen Gläubigen in keiner Weise die Positionen derjenigen teilen, die die Legitimität und Rechtgläubigkeit des Missale Romanum in Zweifel ziehen, das Papst Paul VI. 1970 promulgiert hat. b) Die Feier soll ausschließlich den Gruppen vorbehalten sein, die darum ersuchen; in Kirchen und Oratorien, die der Bischof bestimmt (nicht jedoch in Pfarrkirchen, es sei denn, dass der Bischof dies in außerordentlichen Fällen eigens erlaubt); an den Tagen und unter den Bedingungen, die vom Bischof nach Art einer Gewohnheit oder durch einen eigenen Akt approbiert sind. c) Diese Feiern müssen nach dem Missale von 1962 und in lateinischer Sprache gehalten werden. d) Es soll keine Vermischung zwischen Riten und Texten der beiden Missale erfolgen. e) Jeder Bischof soll diese Kongregation über die von ihm gegebenen Erlaubnisse informieren und nach Ablauf eines Jahres seit der Gewährung des Indults über das Ergebnis seiner Anwendung berichten. Diese Erlaubnis, die kennzeichnend ist für die Sorge des gemeinsamen Vaters um alle seine Söhne, muss in einer Weise benutzt werden, die die Befolgung der Liturgiereform im Leben der jeweiligen kirchlichen Gemeinschaften nicht beeinträchtigt. Gern benutze ich die Gelegenheit, Ihnen meine Verbun- denheit im Herrn zu bekunden.“

3 Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben Ecclesia Dei: „1. Die Kirche Gottes hat mit großer Betrübnis von der unrechtmäßigen Bischofsweihe Kenntnis genommen, die Erzbischof Marcel Lefebvre am vergangenen 30. Juni vorgenommen hat. Dadurch wurden alle Anstrengungen zunichte gemacht, die in den letzten Jahren unternommen worden waren, um der von Msgr. Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X. die volle Gemeinschaft mit der Kirche sicherzustellen. In der Tat blieben alle, besonders in den letzten Monaten sehr intensiven, Be- mühungen, in denen der Apostolische Stuhl Geduld und Nachsicht bis an die Grenzen des Mög- lichen gezeigt hat, ohne Erfolg. 2. Diese Trauer empfindet besonders der Nachfolger Petri, dem es an erster Stelle zukommt, die Einheit der Kirche zu schützen, auch wenn die Anzahl derer, die direkt in diese Ereignisse verwickelt sind, klein sein mag; denn jeder Mensch wird um seiner selbst willen von Gott geliebt und wurde durch das Blut Christi erlöst, das zum Heil aller am Kreuz vergossen wurde. Die besonderen Umstände, sowohl objektiver wie subjektiver Art, unter denen die Tat des Erzbischofs Lefebvre vollzogen wurde, geben allen Gelegenheit, zu gründli- chem Nachdenken darüber, und Anlass, ihre eigene Treue gegenüber Christus und seiner Kirche zu erneuern. […] 5. Das Geschehene vor Augen, fühlen wir uns verpflichtet, alle Gläubigen auf einige Gesichtspunkte aufmerksam zu machen, die durch dieses traurige Geschehen besonders deutlich werden. a) Der Ausgang, den die Bewegung Erzbischof Lefebvres nunmehr genommen hat, kann und muss für alle katholischen Gläubigen ein Anlass zu einer gründlichen Besinnung über die eigene Treue zur Tradition der Kirche sein, wie sie, durch das ordentliche und des au- ßerordentliche kirchliche Lehramt, authentisch dargelegt wird, besonders durch die Konsilien, angefangen vom Konzil von Nizäa bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Diese Besinnung muss

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Details

Titel
Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ und die Leitlinien der deutschen Diözesen
Untertitel
Eine kirchenrechtliche Untersuchung
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V169924
ISBN (eBook)
9783640884582
ISBN (Buch)
9783640884339
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kirchenrecht;, Alte Messe;, Motu Proprio;, Summorum Pontificum;, Papst;, Lefebvre;
Arbeit zitieren
Martin Baier (Autor), 2008, Das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ und die Leitlinien der deutschen Diözesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169924

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