Die Aufarbeitung von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur in der spanischen Gegenwartsliteratur. "La larga marcha" von Rafael Chirbes


Facharbeit (Schule), 2011
23 Seiten, Note: 13

Leseprobe

Inhalt

A. Der literarische Erinnerungsdiskurs während der Franco-Diktatur

B. Die Aufarbeitung von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur: Die „Memoria-Literatur“ in der spanischen Gegenwartsliteratur unter besonderer Berücksichtigung des exemplarischen Werkes La larga marcha von Rafael Chirbes
I. Die „Memoria-Literatur“ in der spanischen Gegenwartsliteratur
1. Begriffsklärung
2. Boom der „Memoria-Literatur“ seit Beginn der 90er Jahre
II. La larga marcha von Rafael Chirbes (1996)
1. Biographie des Autors
2. Aufbau und Inhalt
a. El ejército del Ebro - Darstellung der Bürgerkriegsgeneration
b. La joven guardia – Darstellung der 68er-Generation
3. Intention des Autors – „Literatur als Ort des Erinnerns“

C. Bewertungsproblematik aufgrund der Kommerzialisierung des Literaturbetriebs

D. Bibliographie

A. Der literarische Erinnerungsdiskurs während der Franco-Diktatur

Nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs ist die erinnerungspolitische Situation gekennzeichnet von der gesellschaftlichen Zweiteilung in Sieger und Verlierer, wobei für Letztere keine Möglichkeit besteht, sich am öffentlichen Erinnerungsdiskurs zu beteiligen.[1] Diese Situation spiegelt sich auch in der Literatur wieder, denn einerseits werden die Werke profranquistischer Autoren staatlich gefördert und zu Propagandazwecken genutzt. Vor allem durch die nach der Machtübernahme einseitige und ideologisch aufgeladene Darstellung des Bürgerkriegs leistet die Literatur der Sieger einen großen Beitrag zur „triumphalistischen Erinnerungspolitik des Regimes“[2], wie zum Beispiel der von Franco unter einem Pseudonym veröffentlichte Roman Raza.

Andererseits besteht für die Verlierer in Spanien selbst nicht die Möglichkeit, ihre Bürgerkriegserfahrungen offen zur Sprache zu bringen. Grund dafür ist neben dem Ausschluss aus dem offiziellen Erinnerungsdiskurs auch die strenge Zensur, die regimekritische und oppositionelle Werke verbietet. Deswegen kann eine Bürgerkriegsliteratur aus republikanischer Sicht nur im Exil entstehen. Infolgedessen verlassen viele Autoren ihre Heimat, um literarisch aktiv sein zu können.[3] Interessant sind in dieser Hinsicht auch die „Zensurumgehungstechniken“ einiger Autoren, die ungefähr ab Mitte der 60er Jahre angewendet werden. Diese Schriftsteller sind weder dazu bereit Spanien zu verlassen noch sich der Zensur zu beugen. Deswegen veröffentlichen sie ihre Botschaft in verschlüsselter Form, wie beispielsweise Manuel Delibes in seinem Roman Cinco horas con Mario (1966) .[4]

Der allmähliche Generationenwechsel im Laufe der 50er Jahre hat auch Auswirkungen auf die Literatur, denn nun berichten verstärkt die Autoren von ihren Erlebnissen, die während des Bürgerkriegs noch Kinder oder Jugendliche waren. Charakteristisch für diese Werke ist, dass die ideologische Spaltung Spaniens in den Hintergrund rückt und vor allem die mit dem Krieg in Verbindung stehenden psychologischen Probleme thematisiert werden.[5]

Einige spanische Autoren sind zudem um mehr Objektivität und Vollständigkeit bei der literarischen Darstellung des Bürgerkriegs bemüht, was auch dem Wunsch vieler Leser entspricht. Dem kommt zum Beispiel der Roman Los cipreses creen en Diós (1953) von José María Gironella nach, der zu einem wahren Beststeller geworden ist. Im Gegensatz dazu wurden seine Romane von ultrarechten Autoren abgelehnt, was die Schwierigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Bürgerkrieg nochmals verdeutlicht.[6]

Erst das Ende der Diktatur und die damit verbundene Aufhebung der Zensur bedeuten für den literarischen Erinnerungsdiskurs einen tiefen Einschnitt. Denn endlich kann der Bürgerkrieg aus republikanischer Perspektive unverschlüsselt zur Sprache gebracht und bisher in Spanien verbotene und im Ausland erschienene Texte veröffentlicht werden.[7] Als Folge der jahrelangen Unterdrückung melden sich nun verstärkt die Verlierer des Bürgerkriegs zu Wort, während franquistische Romane deutlich in den Hintergrund treten, was „langfristig zu einer Umkehr der Dominanzverhältnisse zwischen Republikanern und Franquisten im literarischen Diskurs“[8] führt.

Auf welche Weise im demokratischen Spanien Autoren, die meist nur noch eingeschränkt auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen können, mit der nationalen Geschichte umgehen und wie die „Memoria-Literatur“ allgemein zu bewerten ist, soll in dieser Seminararbeit deutlich werden.

[...]


[1] Vgl. Suntrup-Andersen, Elisabeth, Hacer Memoria. Der Bürgerkrieg in der Literatur der Nachgeborenen, München 2008, S. 47.

[2] Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S. 49.

[3] Vgl. Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S. 52f.

[4] Vgl. Neuschäfer, Hans-Jörg (Hrsg.), Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart 32006, S. 377.

[5] Vgl. Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S.59.

[6] Vgl. Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S. 58.

[7] Vgl. Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S. 70.

[8] Suntrup-Andersen, Hacer Memoria, S. 76.

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Details

Titel
Die Aufarbeitung von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur in der spanischen Gegenwartsliteratur. "La larga marcha" von Rafael Chirbes
Hochschule
Descartes-Gymnasium, Neuburg
Note
13
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V169932
ISBN (eBook)
9783640892693
ISBN (Buch)
9783640892617
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufarbeitung, bürgerkrieg, franco-diktatur, gegenwartsliteratur, berücksichtigung, werkes, rafael, chirbes
Arbeit zitieren
Eva Hecht (Autor), 2011, Die Aufarbeitung von Bürgerkrieg und Franco-Diktatur in der spanischen Gegenwartsliteratur. "La larga marcha" von Rafael Chirbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169932

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