Euro-Raum in der Krise

Jahresgutachten 2010/11 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung


Facharbeit (Schule), 2010

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Sachverständigenrat
2.1 Definition
2.1.1 Ziele und Aufgaben

3. Euro-Raum in der Krise
3.1 Weltwirtschaftskrise
3.1.1 Zeitstrahl der Krise

4. Globale und spezifische Ursachen der Euro-Krise
4.1 Ungleichgewichte innerhalb des Euro-Raum ähnlich stark ausgeprägt wie auf globaler Ebene
4.1.1 Einführung
4.1.2 Ungleichgewichte
4.2 Die spezifischen Probleme des Euro-Raums
4.2.1 Einführung
4.2.2 Problemfall Griechenland
4.2.3 Einheitliche Zinspolitik
4.2.4 Mitgliedschaft in der Währungsunion und Insolvenzrisiko für Staaten
4.2.5 Fehlentwicklung bei der Wettbewerbsfähigkeit

5. Ein neuer institutioneller Rahmen für den Euro-Raum
5.1 Status quo: Gemeinsame Währung bei vergleichsweise geringer politischer Integration
5.1.1 Einführung
5.2 Drei Säulen für mehr Stabilität
5.2.1 Einführung
5.2.2 Erste Säule: Stabilisierungspakt mit mehr Biss
5.2.3 Zweite Säule: Ein maßgeschneidertes Regelwerk für die Stabilität des privaten Finanzsystems
5.2.4 Dritte Säule: Ein effektives Regelwerk für Krisen
5.2.5 Vorteile des Drei-Säulen-Modell und noch zu treffende Regelungen

6. Die Euro-Krise noch nicht am Ende
6.1 Wie geht es den Staaten in Europa
6.2 Länderspezifische Ursachen für die Euro-Krise
6.3 Der Juncker-Plan: Euro Bonds
6.4 Problemland: Irland
6.5 Problemländer: Portugal und Spanien

7. Fazit

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Diese Facharbeit entstand im Rahmen einer schriftlichen Leistung am Carl-Severing-Berufskolleg im Fach Volkswirtschaftslehre. In dieser Facharbeit fasse ich das dritte Kapitel „Euro-Raum in der Krise“ des Jahresgutachten 2010/11 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Der erste Teil des Jahresgutachtens befasst sich mit den globalen Ursachen der Finanzkrise und wie diese sich im Euro-Raum und in den anderen Volkswirtschaften ausgewirkt haben. Danach werden die speziellen Ursachen des Euro-Raums aufgezeigt und die darauf folgenden Auswirkungen. Im nachfolgenden Teil des Jahresgutachtens wird ein Drei-Säulen-Modell vorgeschlagen. Dieses Drei-Säulen-Modell hat eine vorbeugende Wirkung im öffentlichen Sektor (Erste Säule) und im privaten Sektor (Zweite Säule). Außerdem bietet die dritte Säule eine schnelle Unterstützung, sollte es zu einem Krisenfall kommen. Danach gehe ich noch gesondert auf die jetzige Lage des Euro-Raums ein und stelle diese in Relation zu den Aussagen des Sachverständigenrats. Zum Schluss habe ich in meinem Fazit das 3. Kapitel und die Vorschläge des Sachverständigenrats bewertet.

2. Der Sachverständigenrat

2.1 Definition

2.1.1 Ziele und Aufgaben

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist eine Zusammenkunft der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung. Diese Zusammenkunft besteht aus fünf Mitgliedern, sie wurde 1963 durch ein Gesetz (Gesetz über die Bildung eines Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) eingerichtet. Das Ziel dieses Gremiums ist es eine periodischen Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland zu erstellen. Der Sachverständigenrat hat entsprechend des gesetzlichen Auftrags folgende Aufgaben:

- Darstellung der wirtschaftlichen Lage und deren absehbaren Entwicklung.
- Untersuchung, wie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsstand und außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum gewährleistet sein können.
- Unter Einbeziehung der Bildung und der Verteilung von Einkommen und Vermögen.
- Aufzeigen der Ursachen von aktuellen und potentiellen Spannungen zwischen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dem gesamtwirtschaftlichen Angebot.
- Aufzeigen von Fehlentwicklungen und Möglichkeiten zu deren Vermeidung oder Beseitigung, jedoch ohne Empfehlungen für bestimmte wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen.[1]

3. Euro-Raum in der Krise

3.1 Weltwirtschaftskrise

3.1.1 Zeitstrahl der Krise

Die in diesem Jahr brisant gewordene Krise des Euro-Raums wird vom Sachverständigenrat als dritter Akt der globalen Finanzkrise bezeichnet. Begonnen hat diese globale Krise Ende Juli 2007 mit Schwierigkeiten bei US-Immobilien. Darauf folgte die Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Aus dieser Insolvenz entwickelte sich eine globale Bankenkrise. Am Anfang des Jahres 2010 wurden dann Länder des Euro-Raums von einer schweren Vertrauenskrise getroffen. Diese Vertrauenskrise machte es Ländern wie Griechenland und Spanien immer schwerer ihre hohe Verschuldung zu finanzieren.

4. Globale und spezifische Ursachen der Euro-Krise

4.1 Ungleichgewichte innerhalb des Euro-Raum ähnlich stark ausgeprägt wie auf der globalen Ebene

4.1.1 Einführung

In diesem Kapitel stellt der Sachverständigenrat dar, wie sehr sich die Probleme und Ungleichgewichte zwischen dem Euro-Raum und anderen Volkswirtschaften ähneln. Viele Ökonomen und Politiker vertreten seit geraumer Zeit die Auffassung, dass die Europäische Währungsunion kein optimaler Währungsraum sei. Doch im Vergleich zu anderen Währungsräumen steht die Europäische Währungsunion deutlich besser dar. Anhand dieses Vergleiches lässt sich erkennen, dass die Europäische Währungsunion nur zu einem geringen Teil an der krisenhaften Entwicklung Schuld hat. Der größere Teil basiert auf den Ungleichgewichten im finanziellen Sektor. Diese Ungleichgewichte haben sich in den Jahren bis hin zur Krise auf globaler Ebene sowie im Euro-Raum zeitgleich entwickelt.

4.1.2 Ungleichgewichte

Bis zum Ausbruch der globalen Finanzkrise bildeten sich in der Weltwirtschaft Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen[2]. Anhand der folgenden Abbildung, lässt sich erkennen, dass sich die Phänomene der globalen Ungleichgewichte zeitgleich im Euro-Raum gebildet haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Leistungsbilanzsalden für ausgewählte Länder und für Mitgliedsländer des Euro-Raums[3]

Besonders starke Ungleichgewichte ließen sich zu dieser Zeit in den Finanzierungssalden des privaten Sektors erkennen. Dabei wird deutlich, dass die hohen negativen Finanzierungssalden nicht nur auf den Euro-Raum begrenzt waren. Die Vielzahl der Ungleichgewichte ist durch die Finanzkrise miteinander verbunden. Deshalb findet man die Gründe für die hohen Verschuldungen im privaten Sektor in den Problemländern der Währungsunion nicht nur in der Geldpolitik der Währungsunion, sondern auch in der globalen Finanzkrise. Vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise ließ sich weltweit beobachten, dass die Banken und Finanzteilnehmer von einem extrem geringen Risikobewusstsein geprägt waren. So erhielten sogar Schuldner mit geringer Qualität den Zugang zu Krediten. Diese Kredite wurden dann überwiegend im Immobilienbereich investiert. Im Zuge der Krise fand ein Rückgang im Wohnungsbau statt, was zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenquote führte. Dies wiederum führte zu einer starken Belastung der öffentlichen Haushalte. Zeitgleich waren aber auch umfangreiche staatliche Ausgaben erforderlich um die angeschlagenen Banken zu stützen. In vielen Ländern entstand durch diese „Schadensbegrenzungen“ der Krise eine massive Schieflage des öffentlichen Haushalts. Somit sind die derzeitigen hohen Defizitquoten im Euro-Raum nicht unbedingt auf eine schlechte Fiskalpolitik zurückzuführen, sonder auf die exzessive Kreditvergabe des globalen Finanzsystems während der Boom-Jahre.

4.2 Die spezifischen Probleme des Euro-Raums

4.2.1 Einführung

In diesem Kapitel macht der Sachverständigenrat deutlich, dass trotz der aufgezeigten Parallelen zwischen dem Euro-Raum und anderer Volkswirtschaften, spezielle Spannungen im Euro-Raum zu finden sind. Diese speziellen Spannungen sind auf die spezifischen makroökonomischen Rahmenbedingungen einer Währungsunion zurückzuführen.

Die spezifischen makroökonomischen Rahmenbedingungen werden von dem Sachverständigenrat wie folgt aufgeführt:

- Länder die Mitglied einer Währungsunion sind, gehen häufiger eine zu hohe öffentliche Verschuldung ein, denn sie müssen nicht mehr damit rechnen dass die heimische Währung abgewertet[4] wird.
- Begründet durch die einheitliche Zinspolitik der Währungsunion, können konjunkturelle Überhitzungen länger andauern, als dies bei einer Geldpolitik in nationaler Ebene möglich gewesen wäre.
- Für die Mitgliedsländer einer Währungsunion besteht ein gewisses Insolvenzrisiko, denn für diese ist eine Notenbankfinanzierung nicht mehr möglich. Das bedeutet, die Mitgliedsländer einer Währungsunion sind grundsätzlich einem Risiko ausgesetzt, für fällige Staatsanleihen keine Anschlussfinanzierung zu erhalten.
- Da bei einer Mitgliedschaft in einer Währungsunion Paritätsänderungen[5] nicht möglich sind, kann es passieren, dass bei überhöhten Lohnentwicklungen auf Dauer schwerwiegende Probleme in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit entstehen.

4.2.2 Problemfall Griechenland

Der Sachverständigenrat erklärt in diesem Teil des Jahresgutachtens 2010/11 das spezifische Problem der hohen öffentlichen Verschuldung anhand von Griechenland. Griechenland war es zum Beispiel möglich mehrere Jahre lang eine unsolide Haushaltspolitik zu führen. Es gelang ihnen nicht ihre Haushaltspolitik ins Gleichgewicht zu bringen. Dennoch war Griechenland nie dem Sanktionsmechanismus des Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP)[6] ausgesetzt. Griechenland wies im Jahr 2007 nach Ungarn die höchste Defizitquote aller OECD-Länder[7] auf. Grund dafür waren unter anderem die geringen Einnahmen des griechischen Staats aus der Einnahmen- und Unternehmensteuer. Im Jahr 2007 war es ein Wert von 7,50 % in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt, während in den EU-15-Ländern[8] durchschnittlich ein Wert von 14,00 % erreicht wurde. Erschwerend kam hinzu, dass sich der private Sektor doppelt so hoch verschuldet hatte wie der öffentliche Sektor. Rückblickend kann man nur spekulieren, ob sich die Wirtschaft in Griechenland anders entwickelt hätte, wenn es kein Mitglied der Europäischen Währungsunion gewesen wäre. Wenn Griechenland nicht zu den Mitgliedsländern gehören würde, wäre die Risikoprämie für Griechenland früher angestiegen und hätte möglicherweise die Verschuldung verhindert. Doch als Mitgliedsland der Währungsunion, sind die Finanzmärkte für den Notfall von einer Unterstützung, dem sogenannten „Bail-out“, durch die anderen Teilnehmerländer ausgegangen.

[...]


[1] http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/14.html, Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Stand: 30.11.2010)

[2] Leistungsbilanz: Die Leistungsbilanz umfasst internationale Güterströme wie Übertragungen zwischen In- und Ausland im Rahmen der volkswirtschaftlichen Zahlungsbilanz. Der Saldo der Leistungsbilanz stellt eine wichtige ökonomische Größe zur Bewertung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft dar.

[3] http://sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/x_ga_2010_11/ga10_iii.pdf Jahresgutachten 2010/11, Chance für einen stabilen Aufschwung, 10.November.2010, Seite 72, Schaubild 17

[4] Währung abgewertet: Als eine Abwertung bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre einen Rückgang des Außenpreises der Währung eines Landes relativ zum Außenpreis der Währung eines Vergleichslandes oder relativ zum gewichteten Außenpreis eines Währungskorbes definiert.

[5] Parität: (lat. Gleichheit): Die Parität bezeichnet in der Wirtschaft das Austauschverhältnis zwischen zwei oder mehreren Währungen. Man bezeichnet es auch als Wechselkursparität.

[6] Stabilitäts- und Wachstumspakt: Der Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) ist eine Vereinbarung, welche im Rahmen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion für einen stabilen Euro sorgen soll, indem vor allem die Neuverschuldung der Mitgliedstaaten begrenzt wird.

[7] OECD-Länder: OECD-Länder gehören zu der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl.: Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD). Dies ist eine Internationale Organisation mit 34 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen.

[8] EU-15: Zu den EU-15 gehören alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union vor der sogenannten Ost-Erweiterung im Jahr 2004. Das sind also Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Euro-Raum in der Krise
Untertitel
Jahresgutachten 2010/11 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Hochschule
Carl-Severing-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung Bielefeld
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V169933
ISBN (eBook)
9783640884612
Dateigröße
1023 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
euro-raum, krise, jahresgutachten, sachverständigenrats, begutachtung, entwicklung
Arbeit zitieren
Tim Berger (Autor), 2010, Euro-Raum in der Krise , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169933

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